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5. Retro-Test: A1000-Turbokarte »Golem 1000 Turbo« (von Oliver Schmidt)

Als ausgesprochener Amiga1000-Fan habe ich lange suchen und warten müssen, doch kürzlich wurde ich dann doch auf eBay fündig und ersteigerte mir die wohl einzige reine Amiga1000-Turbokarte/Turbobox, die es gibt/gab. Falls jemand weitere reine Amiga1000-Lösungen kennt, bitte ich um Info!

Bis Anfang 1992 konnte man als stolzer Besitzer des Urvaters der Amiga-Reihe in Sachen Geschwindigkeit entweder nur neidisch auf die anderen Modelle blicken oder aber versuchen, mit einigen Bastelarbeiten seinem 1000er Beine zu machen. Einige haben erfolgreich eine Amiga 500 Turbokarte, meistens Lösungen für den Prozessorsockel, am 1000er betreiben können.

Nun kam von einem renommierten Unternehmen, Kupke Computertechnik GmbH in Dortmund, endlich eine Lösung für den Amiga 1000. Die Firma Kupke war und ist in der A1000 Fangemeinde immer ein Begriff. Sie gehörten zu den Herstellern, die den Amiga 1000 in ihrer gesamten Firmengeschichte immer mit neuer Hardware unterstützt hatten. Die meisten Sachen, die sie für den 1000er anboten, waren von sehr guter Qualität. Außerdem konnte die Firma mit einem erstklassigen Service aufwarten, den ich heute oftmals bei anderen Firmen vermisse.

Anfang 1992 stellte Kupke die Golem-Turbo 1000 Box vor. Bei der Box handelt es sich um eine der üblichen Erweiterungsboxen, die rechts am Expansions- Port des Amiga 1000 angebracht werden. Im Gegensatz zu den früheren und verbreiterten Golem-RAM-Boxen von Kupke fällt die Turbo-Box mit einer Breite von nur 3,5cm ziemlich schmal aus - zumindest optisch.

Technische Daten:

MC68030, MC68882-FPU, [1] 14,28MHz, bestückbar mit bis zu 16MB 32-Bit-Speicher (meine hat 4 MB) Wie im Artikel [1] zu erfahren ist, gibt Kupke selbst eine Taktfrequenz von 16 MHz an. Leider fehlt mir das zur Box gehörende Handbuch, so daß ich diese Daten nicht überprüfen kann.

Aufbau der Platine:

Screenshot

Der Aufbau der Platine erinnert ein wenig an die ersten Amiga 1000. Man verwendet eine Technik, die man schon bei der ersten Mainboard-Version des 1000er verwendete: Huckepack.

Im unteren Bereich befindet sich quasi die eigentliche Turbokarte mit CPU und FPU, darüber ist im Huckepack-Verfahren die Platine mit den Speicherchips platziert. Auf der unteren Platine befinden sich auch 6 Jumper. Mir fehlt zwar das Handbuch, aber ich denke mal, daß diese Jumper die gleiche Wirkung haben wie unter [2] beschrieben. Dort ist zwar vom Amiga 2000 Derivat die Rede, aber die Bezeichnungen sind identisch auf der Box.

In üblicher Kupke-Manier ist der Expansionsbus selbstverständlich durchgeführt, so daß man theoretisch hinter der Box weitere Karten anschließen könnte. Es bleibt bei dieser Box allerdings nur bei der Theorie, denn die Huckepack-Platine mit den RAM-Sockeln ist dermaßen ungünstig positioniert, daß man dort keine weitere Karte anschließen kann. Dieses hätte man sicher umgehen können, wenn man die Huckepack-Platine ein wenige höher angesetzt hätte.

Bei dem Speicher der Turbokarte handelt es sich um reinen 32-Bit-Speicher. Laut Sysinfo V3.23 wird dieser Speicher ab $10000000 adressiert. Dies bedeutet zum einen, daß die 68030-CPU ihre Geschwindigkeiten voll entfalten kann, aber auch, daß bei Abschalten der Turbobox auch der Speicher nicht ansprechbar ist, da dieser Speicher außerhalb des normalen Adreßraums liegt.

Die Praxis:

Zunächst einmal habe ich mir die Leistungsfähigkeit mittels SysInfo angesehen.

Meßwerte (gemessen mit SysInfo V3.23):

Wert                         A1                   A2
----------------------------------------------------
Dhrystones               529,00              3052,00
CPU MIPS                   0,55                 3,18
FPU MFlops                  N/A                 0,39

Vergleich/Faktor
A600 7MHZ                  1,00                 5,76
A1200 EC020 14MHZ          0,43                 2,50
A2500 68020 14MHZ          0,25                 1,48
A3000 68030 25MHZ          0,11                 0,65
A4000 68040 25MHZ          0,02                 0,16

CPU/MHZ              68000/7,09          68030/13,60
FPU                        None                68882
MMU                        None                68030
VBR                         N/A            $00000000

Comment         What can I say!                  WOW

Am comment ersichtlich: SysInfo scheint die Turbobox zu mögen :->.

A1: Amiga 1000/512 KByte Chipmem/Kickstart 3.1/WB 3.1
A2: Amiga 1000/512 KByte Chipmem/Kickstart 3.1/WB 3.1/Golem Turbo/4MB 32Bit Fastmem

Von den Werten war ich schon mal beeindruckt, denn mit dieser Leistung läßt sich auch heute noch ganz gut ein Amiga betreiben. Die Turbobox bindet sich ab Kickstart 2.05 automatisch ein. Ansonsten benötigt man den von Kupke mitgelieferten Treiber setCPU. In [2] wird geschrieben, daß auch unter 2.x dieser Treiber nötig sei. Bei mir wurde allerdings die Box unter Kickstart 2.05 automatisch und problemlos eingebunden.

Beim Einschalten des Rechners flackert der Bildschirm kurz in bunten Farben, wenn die Turbo-Box aktiviert ist. Viele kennen das sicherlich auch von anderen Turbokarten.

Die Enttäuschung folgte dann allerdings als ich mich von den Ausführungen in [1] und [2] überzeugen wollte. Die Turbo-Box ist in der Tat nicht dazu zu bewegen, mit Hardware zusammen zu arbeiten, deren Adreßraum sich nicht im Bereich des Chip- oder eigenen Fast-Mem befindet. Ich habe hier mit diverser Hardware aus dem Hause Kupke herumprobiert: 5 2MB-RAM-Boxen, 1 Golem-SCSI Box, 1 Golem-MFM-Controller.

Daß die RAM-Boxen nicht laufen wollen, ist ja gerade noch zu verschmerzen, aber ein Festplattensystem hätte ich mir gerade im Betrieb mit einer Turbokarte doch schon gewünscht.

Laut [1] war auch Kupke dieses Problem bekannt und man konnte vorhandene Kupke-Hardware kostenlos einschicken und modifizieren lassen. Mir wäre heute natürlich mehr geholfen, wenn Kupke nicht immer eine Firmenpolitik der Geheimniskrämerei verfolgt hätte. Leider war es bei Kupke Sitte, keine Unterlagen herauszugeben, so daß ich heutzutage die notwendigen Modifikationen nicht nachvollziehen kann. Teilweise wurden auf den Karten befindliche Chips sogar extra abgeschliffen, um den Typ des Chips unkenntlich zu machen. Früher stellte das für den Kunden kein Problem dar, da Kupke, wie bereits erwähnt, einen erstklassigen Kundenservice hatte und die meisten Probleme kostenlos behob.

Praktischer Nutzen und Kompatibilität:

Trotz der Einschränkungen, wie oben beschrieben, kann man die Karte auch heute durchaus noch sinnvoll nutzen. Es ist zwar heutzutage ein wenig unbequem, auf Disketten angewiesen zu sein, aber im Zusammenspiel mit 2 externen FDHD-Laufwerken wird die Box sicherlich bei mir ab und an zum Einsatz kommen.

Dank externem Scandoubler/Flickerfixer kann man sogar trotz des nach wie vor vorhandenen OCS-Chipsatz sogar ganz brauchbare Auflösungen fahren, was natürlich nicht darüber hinwegtäuschen kann/soll, daß man mit nur 512 KByte Chip-RAM natürlich sehr schnell an gewisse Grenzen stößt.

Kompatibilität ist zu aller sauber programmierten Software gegeben, solange kein ECS- oder AGA-Chipsatz vorausgesetzt wird.

Danksagung:

Mein Dank an Markus Braun, mccobra@ndv.de, Mönchengladbach, für die Bereitstellung der Bilder sowie an Bernd für die komplette Nichtreaktion auf 3 E-Mails. Ein einfaches Ja oder Nein hätte doch nun wirklich gereicht.

Literatur:
[1] Amiga Magazin 02/92, Seite 182ff, 'Aber schnell, Alter!'
[2] http://www.fkn-systems.de/mierco/hardware/htm/device/golem030.htm

Oliver Schmidt <osssi@nord-com.net>

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