Adrenalin (Thriller)
Teil 4
by
» Silvio «
Das Holz war vollkommen ausgetrocknet, es ächzte und knackte,
von Zeit zu
Zeit verpufften eingeschlossene Harznester mit einem lauten
Zischen. Die
Flammen schlugen weit hinauf in den Kamin. Das erste, was Moses
getan hatte,
nachdem der Portier sie in ihrer »Hunting Master Suite« endlich
allein ließ,
eine fellbeschlagene Holzbank vor den Kamin zu wuchten und Feuer
zu machen.
Tamie war in einer gewaltigen Wanne, die außen mit Dachschindeln aus
Holz
belegt war, »schwimmen gegangen«. Sie hatten zu dritt das Badezimmer be-
sichtigt, dann die anderen Räume. Sie hatten große Augen gemacht, aus den
riesigen Fenster die Berge bestaunt, sich probeweise auf die Betten ge-
schmissen und ein paar dieser irre großen Kissen durch die Gegend geworfen.
Dann war Tamie in Richtung Bad verschwunden, und Sal und Moses hatten sich
die
beste Zigarette des Tages angemacht und sich vor den Kamin gehauen.
Da hockten
sie jetzt und starrten in die Flammen.
Sal war zuerst nicht so begeistert
gewesen, als die beiden anderen unbedingt
in Richtung Berge fahren wollten
anstatt weiter geradeaus, in die nächste
größere Stadt. Aber nachdem sie sich
von den Bikern wieder getrennt hatten,
waren alle in einer solcher
Hochstimmung, daß Sal kein Spielverderber sein
wollte. Wagen hin, Wagen her.
Sal hatte das Cabrio einige hundert Meter vom Hotel entfernt in einen Sei-
tenweg abgestellt. Das beruhigte ihn zwar nicht völlig, aber immerhin war
der
Wagen von der Straße aus nicht mehr zu sehen. Es war schon ganz schön
bekloppt,
dachte Sal, in einem Berghotel der Luxusklasse ohne Gepäck, ohne
Auto, in
Sommerklamotten und dafür mit einem Haufen Geld aufzukreuzen.
Weiter oben lag
zwar schon Schnee, aber das Hotel hatte offenbar noch keine
Saison.
Entweder
lag es daran, daß sie dem Laden in einer toten Zeit ein paar Scheine
in die
Kasse brachten, oder ihre Show war wirklich gut gewesen. Tamie hatte
Spitzenklasse gezeigt, aber er bezweifelte, daß Moses und er wirklich über-
zeugt waren.
"Guten Tag, mein Herr!"
" ... "
Der Alte am Empfang hatte keine
Miene verzogen, als Tamie in ihrem Kleidchen
auf ihn zulief. Draußen hatte es
zu letzt nicht mehr als zwei, drei über
Null gehabt.
Das Verdeck hatten sie
schon geschlossen, nachdem sie vierzig oder fünfzig
Kilometer aus der Wüste
raus waren. Die Straßen hatten sich steil nach oben
gewunden, Moses war meist
in zweiten Gang gefahren. Dann hatte es nicht mehr
lang gedauert, und sie
mußten die Heizung anmachen.
Tamie hatte sich über den Tresen gebeugt, die
Ohren des Alten gepackt und
ihm einen dicken Kuß mitten auf die Stirn gedrückt,
dann hatte sie ge-
schrien:
"Ich bin ja so glücklich!"
Der Alte wollte gerade Luft holen, da lehnte sich Tamie zu ihm und flüsterte
verschwörerisch: "Haben Sie schon mal Roulette gespielt?"
Ohne eine Antwort
abzuwarten, hatte sie angefangen, in einem Höllentempo
eine unglaublich
verworrene Geschichte zu erzählen, die davon handelte, daß
sie ihren zwei
Brüdern, die leider ein bißchen schwachsinnig, aber ganz
harmlos seien und das
ganze Jahr in einem Heim zubrächten, eine Freude hätte
machen wollen und eine
von diesen superbilligen Pauschalreisen in diese
supertolle Stadt mit diesen
superaufregenden Casinos gebucht hätte.
Sal und Moses standen die ganze Zeit
hinter ihr und glotzten doof. Das mit
dem »schwachsinnig« kommt man glauben,
aber Moses war beinahe schwarz, was
man von Sal und Tamie nicht behaupten
konnte - eine merkwürdige Familie.
Na ja, und dann, sie hatten eben ein bißchen
gespielt, und ihre Brüder
liebten Berge, und sie hatten die Bankgesprengt -
darunter ging bei Tamie
gar nichts -, und hier waren sie also mit einem Haufen
Geld, und gekommen
waren sie mit einem Taxi - es waren ja nur 500 Kilometer
gewesen ...
Ein gewisser Onkel Willi und eine Tante Bea spielten auch noch eine
gewisse
Rolle, Sal konnte sich nicht mehr erinnern, welche, aber das war auch
egal,
der Alte glaubte mit Sicherheit kein einziges Wort von alledem, aber
Tamie
schien es zu gefallen, und das viele Geld, das sie mittendrin auf seinem
Tresen auftürmte, gefiel ihm bestimmt.
Jedenfalls hatte der Alte etwas von
irgendwelchen Regeln gemurmelt, nach de-
nen in der Vorsaison die ersten drei
Nächte immer im voraus zu bezahlen wa-
ren, man kürzer auch nicht bleiben
konnte, und ein wundervolles Zimmer em-
pfohlen, das eigentlich drei Zimmer
waren und den wundervollen Namen »Hunting
Master Suite« trug. Ihre Brüder
würden es lieben, man sah von dort Berge,
einen ganzen Haufen davon, und so
weiter ...
Sal starrte immer noch ins Feuer, Moses tat das gleiche, es war gut,
ihn ne-
ben sich zu wissen. Sie saßen einfach da, man mußte jetzt nicht reden,
viel-
leicht später, Sal hatte Schlappen vom Hotel angezogen, für das Geld
bekam
man alles, natürlich war ein Emblem drauf, auf allem hatten die einen
Hirsch-
kopf oder etwas Ähnliches. Er steckte die Zehen ein bißchen aus und
genoß die
Wärme. Er hatte irgendwo gelesen, wenn man lange genug in die Flammen
schau-
te, könnte man in die eigene Zu kunft blicken. Aber man muß ja nicht
alles
glauben, und wer wollte schon genau sehen, auf welchen Abgrund sein Leben
ge-
rade zuraste.
Sal glaubte an andere Dinge. Man hatte ein Schicksal, dem man
nicht entgehen
konnte. Niemand wußte, was es einem vorherbestimmte, und man
konnte es auch
nicht groß ändern. Deswegen durfte man aber noch lange nicht die
Füße in die
Luft strecken und einfach abwarten. Du mußtest herumgehen und
suchen, die
Steine auf deinem Weg umdrehen und darunterschauen. Auf manchen
stand eine
Botschaft für dich. Das war ganz schön mühsam, denn man drehte gern
die
großen Klötze um, in der Hoffnung, etwas sehr Wichtiges würde darunter ste-
hen. Man rackerte sich ab, der Schweiß lief einem runter, man schuftete wie
ein Irrer. Dann hatte man diesen Riesenstein endlich umgedreht, und es stand
wieder nichts drunter, oder er war für einen anderen, und du mußtest ihn
wieder zurückrollen. Und das hörte nicht auf. Manchmal hatte man Glück, und
es
waren lauter kleine Steine, die man umdrehte. Man mußte nicht so schwitz-
en,
und manchmal waren sie vollgeschrieben mit einer langen Nachricht, die
nur für
einen selbst bestimmt war.
Vielleicht hatte er die letzte Botschaft falsch
verstanden, wer kann das sa-
gen, sie fingen ja gerdae erst an. Das Auto hatten
sie jetzt, und alles an-
dere würde sich zeigen. Es war ein gefährliches Spiel,
und die anderen waren
bestinmt gute Zocker. Außerdem hatte er Leuten Chips in
die Hand gedrückt,
die die Spielregeln nicht kannten. Er war noch nicht mal
sicher, ob er sie
wußte.
Moses hätte sich mit den Regeln nicht lange
aufgehalten, er hätte noch nicht
mal danach gefragt. Aber Tamie? Was wußte er
schon von ihr?
Nichts.
Vielleicht war sie für Frank auf den Strich gegangen,
aber nicht mal das
konnte man mit Sicherheit sagen, und wenn, was machte das
schon, so genau
brauchte man das gar nicht zu wissen. Aber verdammt, sie gefiel
ihm; er wür-
de niemand totschlagen wegen ihr, für keine Frau mehr, dafür hatte
er teuer
bezahlt und tat es noch, wieso dachte er überhaupt an so einen
Quatsch?
Als ob das zur Diskussion stünde. Klar, sie konnte einen umhauen, auch
wenn
ihr Hintern eher flach war und ihre Brüste ein bißchen klein, sie war auf
eine eigene Weise schön. Wenn überhaupt, auf den zweiten Blick eben. Es war
ihre Art. Wie sie aus der Kneipe rausgeschossen war oder die Bierdosen an
ihre
Brüste gedrückt hatte. Wie sie den Alten am Empfang überrollt hatte und
wie sie
lachte. Ihre Energie.
Was machte er sich da bloß für Gedanken, das war ja wohl
nicht wahr. Ausge-
rechnet jetzt.
Er mußte einen klaren Kopf behalten, die
Dinge waren kompliziert genug. Das
würde noch fehlen, aber sie war eine Hilfe,
mehr als das, Moses gefiel das
Mädchen auch, da mußte man nicht zweimal
hinsehen, da gab es keine Probleme,
sie konnten es auch zu dritt durchziehen,
warum nicht. Sie waren die letzte
Zeit nur noch durch Dreck gewartet, jetzt ein
Mädchen wie Tamie dabeizuhaben,
das war schon ein bißchen wie Licht am Ende des
Tunnels.
Man hörte sie im Bad singen, am liebsten wäre er rübergegangen und
hätte sich
zu ihr in die Riesenwanne gesetzt. Tamie war bestimmt nicht der Typ,
der ihn
rausschmeißen würde, aber es gab jetzt ein paar Dinge, die erst mal
überlegt
werden mußten, sie waren nicht im Urlaub, noch nicht. Wie ging das
jetzt
weiter, da gab es erst mal ein paar Anrufe, die man machen mußte, aber es
war
noch zu früh, morgens war der richtige Tag dafür.
Dann mußte er endlich mit
Moses reden, das war nicht in Ordnung, kein Wort
hatte er ihm gesagt, Herrgott,
das hatte es noch nie gegeben, sie redeten
über jeden Mist miteinander, über
jede Kleinigkeit, richtige Waschweiber wa-
ren sie manchmal, und über wichtige
Dinge sowieso. Das war das erste Mal.
Tamie kam aus dem Bad, sie hatte einen
Bademantel des Hotels an, auf ihrer
Brust prangte ein Hirschkopf vor einer
stilisierten Bergkette. Sie hatte ein
Handtuch wie einen Turban um ihren Kopf
gewickelt, ihre Füße waren nackt, im
Bad hatte sie das Radio angedreht, ein
paar funkige Bläsersätze kamen mit ihr
durch die offene Tür, Tamie machte ein
paar Bewegungen dazu und verpaßte auch
dann keinen Schlag, als der Turmbau zu
Babel auf ihrem Kopf ins Rutschen kam.
Sie swingte herüber und legte ihre Arme
um Moses und Sal.
"Ich könnte einen Bären aufessen!" stöhnte sie und rudert mit
den Armen durch
die Luft, "sooo grooooß!"
Moses schickte den Rest der Zigarette
ins Feuer, stand auf und schnappte sich
das Telefon. Er wählte die Null und
grunzte in den Hörer: "Hunger!" Die Rolle
der schwachsinnigen Brüder nahm
Konturen an, Sal hätte noch nackt und
schreiend durch die Hotelhalle laufen
müssen, und die Zweifel des Portiers
an Ta mies Geschichte hätten sich in
reinen Glauben verwandelt.
Moses griff sich die Speisekarte, die neben dem
Telefon lag, und begann
das gesamte Ding vorzulesen. Dabei machte er sabbernde
Geräusche. Er baute
ein paar eigene Vorschäge ein, Bärentatzenragout an
Löschblattsalat auf
Heringspfosten, Wildschweinflügel über Reheiern mit
Blattfedernpolster und
anderes. Dann flüsterte heiser: "In die Funking Blaster
Suite, aber
schnell!"
Zum Abschluß jodelte er noch und legte auf. Anschließend
nahm er Wetten
entgegen, ob die Jungs vom Hotel zurückrufen oder den ganzen
Kram kommen-
tarlos in die Suite rollen würden.
Tamie hatte die Zimmerbar
entdeckt, wie ein Kalif aus Tausenundeiner Nacht
hatte sie zwei riesige
Holztüren mit geschnitzten Jagdszenen darauf ge-
öffnet und stand vor
verspiegelten Regalen mit Gläsern, Flaschen, Shakern
und allem anderen. Das
Zeug hätte gereicht, um eine Party für fünfzig
Quartalsäufer samt Anhang zu
schmeißen. Tamie nahm ein paar Flaschen in
die Hand, besah sich einige
Etiketten, und los gings, es sah nach Augen-
zu-und-rein- Technik aus, aber das
war in Ordnung, sie murmelte irgend-
welche Formeln vor sich hin, die einen
Frosch in eine Lokomotive verwan-
delt hätten, und schüttete drauflos.
Moses
gab sie ein Glas, in dem es blaugrün schäumte, sie verkündete, die
Mixtur hätte
letztes Jahr bei allen Barkeeper-Wettbewerben mächtig ab-
geräumt und hieße
»Schreiende Tote«. Moses hatte noch nie etwas von sol-
chen Wettbewerben
gehört, aber er nahm einen Schluck und fand, daß die
Namengebung den Punkt
ziemlich genau traf.
Sal bekam ein Gebräu, das schwaz wie die Nacht war und
dessen Geruch
oberflächlich an das Zeug erinnerte mit dem er und Moses jeden
Abend den
Schlachthof gereinigt hatten.
"Das Zeug hat Hemingway bis zum Schluß
getrunken. Es heißt »Der alte Mann
und das Meer«", sagte Tamie. Sal trank,
kräuselte die Lippen, lief erst
rot und dann wieder weiß an und mußte sich
setzen. "Wie heißt das, »alt
wirst du nicht mehr«? murmelte er vor sich hin.
Was sich Tamie selbst mixte, sah ziemlch harmlos aus. Nachdem jeder
probiert
hatte und alle drei saßen, stritten sie eine Weile über einen
Namen dafür.
Moses schlug »Zombie erwache!« vor, und die anderen sahen
ihn an, als hätte er
das Ende der Welt verkündet.
"Gut, dann nicht", brummte er. Er nahm einen
Schluck, ein Leuchten ging
über sein Gesicht. "Wie wär's mit »Rambo kotzt«?
fragte er.
"Quatsch", sagte Tamie, lehnte sich zurück, nahm ein Knie in die
Hand und
betrachtete die holzgetäfelte Decke.
"»Charles-Bronson-Massaker« oder
»Der weiße Hai flieht« wär okay", meinte
sie. Das gefiel Moses nicht, sie
tranken und überlegten, als ob sie einen
Preis dafür gewinnen könnten. Nach
einigen Hin und Her setzte sich Tamie
mit ihrem Vorschlag »Stirb langsam III«
durch.
Die Drinks waren pures Gift, Sal stand der Schweiß auf der Stirn, seine
Zigaretten lagen am Kamin, aber lieber hätte er auf der Stelle das Rau-
chen
aufgegeben, als sich jetzt zu bewegen. Der Alkohol kroch durch jede
Windung
seines Gehirns, breitete sich bis hinunter zu seinen Zehen aus,
floß in Wellen
wieder zurück und klebte seinen Körper an den Sessel wie
eine Fliege, die in
Klebstoff hängengeblieben war.
***
Paolo
Ruiz, Kommissar der Mordkommission, konnte schon von weiten die
Blaulichter von
Streifen- und Krankenwagen durch die Nacht zucken sehen.
Die Zentrale hatte ihn
in seinem Wagen erreicht. Nachdem im Fernsehen
nichts mehr kam und er sich
schlaflos im Bett herumgewälzt hatte, war er
in seinen Wagen gestiegen, sich
eine Böhse Onkelz Cassette eingelegt und
ziellos durch die Außenbezirke der
Stadt gefahren. Das Funkgerät hatte er
eingeschaltet und mit halbem Ohr den
Meldungen für die Kollegen von der
Streife zugehört. Als die Zentrale ihn
erreichte, war er schon längst auf
der Straße durch die Wüste. Er lenkte seinen
hellgrünen Ford in die
Einfahrt der Tankstelle und stieg aus. Harry Berger, mit
dem er früher
gemeinsam auf Streife gewesen war, sah ihn und kam auf ihn zu.
"Ruiz, das ist vielleicht eine Scheiße hier, da drin liegen drei, eine
Frau,
weiß, viel leicht vierzig, ein Marokkaner um die Dreißig und ein
Mann,
ebenfalls weiß, schwer zu schätzen, wie alt."
"Was habt ihr?"
"Nicht viel, die
Spurensicherung ist noch dran."
"Sag mir, was du weißt, Harry."
"Also, das
Gesicht der Frau ist nicht mehr zu erkennen, sind aber nicht
unbedingt tödliche
Verletzungen, sagt Sollozo. Dann hat sie noch eine
Stelle am Hinterkopf, der
Marokkaner hat mehrere Schußwunden, vielleicht
vier oder fünf Kugeln.
Sollozo
hat ihn sich auch schon angesehen, aber er sagt, genau weiß er
das erst, wenn
er auf seinem Tisch liegt. Der dritte hat ein Beil in den
Kopf gekriegt, von
hinten, ist auf dem Bauch gelegen."
"Der Fotopraf schon fertig?"
"Ist gerade
weg."
"Habt ihr sie gefunden?"
"Nein, ein Fernfahrer, Henri Gonschak."
"Ist er
hier?"
"Ja, Ruiz, aber er ist ziemlich durcheinander."
"Was sagt er?"
"Erzählt
dauernd etwas von einem Büffel, der mit einem Cabrio und einem
Weihnachtsbaum
durch die Wüste fährt."
"Ein Büffel, wie ...?"
"Ja."
"Wo ist Sollozo?"
"Ist
noch drin mit den Jungs von der Spurensicherung."
Ruiz ging rein und sah sich
nach Sollozo um. Es war stickig in der Snackbar,
und eine Menge Leute standen
sich gegenseitig im Weg. An einer Wand klebte
Blut, auf dem Boden war noch mehr
davon. Tische und Stühle lagen um gefallen
herum.
Die Leichen lagen bereits in
einer Reihe vor der Tür. Ruiz hatte sie sich
kurz angesehen, bevor er reinge
gangen war. Ein untersetzter Mann mit kurzen
Beinen in einem schwarzen Anzug
steuerte auf ihn zu.
"Morgen, Sollozo."
"Hi, Ruiz. Hab das Endspiel verpaßt
wegen dem Dreck hier."
"Die drei da draußen auch, Sollo. Was kannst du mir
sagen?"
"Nicht viel, Ruiz. Die Frau ist vielleicht gegen das Klavier gefallen,
ihr
Gesicht sieht schlimm aus, aber ich glaube nicht, daß sie das getötet hat.
Sie hat eine stumpfe Verletzung am Hinterkopf, kann ein Knüppel oder was
Ähnliches, aber eben auch die Kante des Klaviers gewesen sein. So wie sie
dalag, tipp ich aufs Klavier. Der Marokkaner hat vier Schußverletzungen.
Zwei
in der Brust, jede davon tödlich, eine im Oberschenkel und eine im Kopf,
ebenfalls tödlich. Eine fünfte Kugel haben die anderen gerade in der Wand
gefunden. Der mit den Motor radstiefeln wurde von einem Fleischerbeil in den
Kopf getroffen. Der Schädel ist sauber abgespalten."
"Wie lange ist das her?"
"Ruiz, du weißt genau, daß ich das von hier aus nicht exakt sagen kann."
"Komm, Sollo, ein Tag, eine Woche, oder zwei Jahre?"
"Nicht länger als ein
Tag."
Ein junger Mann mit einer Brille, hinter der seine Augen riesig erschie-
nen, stellte sich zu den beiden. Es war einer von Ruiz' eigenen Leuten
vom
Kommissariat.
"Chef, ist ein Riesendurcheinander hier". sagte er, "aber drei
Dinge ha-
wir
ben sie schon."
"Laß sehen, » Silvio « ", sagte Ruiz. ;-)
Der
andere hatte kleine Plastikbeutel in der Hand.
"Die Kugeln stammen aus einem
Revolver, Smith & Wesson, 38er Modell,
Short Nose, eine davon war in der Wand.
Neben dem Kopf der Frau lag ein
silbernes Feuerzeug", er hielt einen Beutel
hoch.
"Ziemlich auffällig, was?"
"Hm", machte Ruiz.
"Ist ein Monogramm daruf,
ein »F« und ein »B«. Draußen haben wir noch
Reifenspuren vor den Zapfsäulen,
nichts ungewöhnliches, aber müssen sehr
breite Reifen sein, ich gebs auf jeden
Fall ins Labor."
"Mach das. Motorradspuren habt ihr keine gesehen?"
"Nee, Ruiz,
nicht daß ich wüßte."
"Gebt, sobald ihrs habt, die Fingerabdrücke in den
Computer, vielleicht
ist ein Bekannter dabei."
"Ist klar."
"Wo ist Gonschak?"
"Kenn ich nicht."
"Ist der Fernfahrer. Mein Job, » Silvio «.
Ruiz ging wieder
nach draußen. In einem Streifenwagen entdeckte er auf
der Rückbank einen Mann
in einem karierten Hemd und einer Mütze mit
Plastikschirm auf dem Kopf. Ruiz
ging um den Wagen und setzte sich zu
ihm auf den Rücksitz.
"Guten Tag, Sie
müssen Henri Gonschak sein. Mein Name ist Paolo Ruiz,
ich bin Kommissar der
Mordkommision. Wie fühlen Sie sich?"
"Hab' mich schon besser gefühlt,
Kommissar."
"Das kann ich mir vorstellen. Scheußlich, was da drin passiert
ist."
"Ich hab so was noch nie gesehen."
"Versuchen Sie, es zu vergessen."
"Ich
werde meinen Job hinschmeißen, ich bin langsam zu alt für diese
ewige
Fahrerei."
"Das sollten Sie nicht, ich denke, Sie haben jede Menge Erfahrung,
so
was kann einem keiner wegnehmen. Ihr Truck da draußen?"
"Ja, Kommissar, der
gehört mir."
"Schönes Stück, Sie pflegen ihn."
"Und ob das tue."
"Wo fahren Sie
hin?"
"Bin von Norden gekommen, immer durch die Wüste, wollte in die Stadt,
hab' Waschmaschinen geladen."
"Verdammt heiß die Wüste, was?"
"Macht einen
krank, die Hitze."
"War viel Verkehr?"
"In der Wüste? Sie nehmen mich auf den
Arm, Kommissar."
"Henri, ich nehme niemanden auf den Arm, der einen harten Job
wie Sie hat."
"Also, da ist nie Verkehr."
"Sie haben einen Büffel in einem
Cabrio gesehen?"
"Kommissar, hören Sie, ich weiß selber, wie sich das anhört.
Ich nehm so ein
Zeug nicht. Meine Frau macht mir einen Riesenpulle Kaffee, und
das ist es
dann auch schon."
"Ich glaube Ihnen, Henri."
"Das war so, Kommissar,
es war verdammt heiß, und ich bin schon wer weiß wie
lang immer nur geradeaus
gefahren, und diese verdammten Wellen, die die
Straße macht, da wird man ganz
verrückt davon, und dann kam eine Horde von
Irren auf Motorrädern und eben
dieser Büffel in seinem Cabrio angeschossen.
Ich hab ge dacht, ich träume. Aber
genau so wars."
"Wie viele Motorräder, schätzen Sie, waren es?"
"Ein ganzer
Haufen, bestimmt ein Dutzend oder mehr."
"Wie sahen die aus?"
"Ich sag ja, das
waren Irre, haben Sie mal den Film gesehen mit, wie
heißt der gleich wieder,
der auch mit dem Schwarzen in dem anderen Film,
ich komm nicht drauf ..."
"Mad
Max?"
"Ja, genau der, Kommissar. So sahen die aus, wie die aus dem Film."
"Henri, könnte es sein, daß einfach einer einen Helm auf hatte mit Hörnern
dran? Ist eine verrückte Bande, diese Motorradfahrer."
"Hm, ich weiß nicht,
Kommissar, Sie meinen, das war gar kein Büffel, und
ich spinne mir gar nichts
zusammen?"
"Ich weiß nicht, was Sie gesehen haben, Henri, aber ich denke nicht,
daß
ein Mann wie Sie irgendwelches Zeug nimmt oder verrückt wird, bloß weil er
seinen Job tut."
"Danke, Kommissar, Sie haben verdammt recht."
"Henri, was
haben Sie sonst noch gesehen? Sie sagten, es war wenig Verkehr.
Ist Ihnen noch
was aufgefallen?"
"Also, ich weiß nicht, Kommissar, ich glaub nicht, daß das
wichtig ist,
irgendwann fuhr noch ein Wagen an mir vor bei. Nichts Besonderes."
"Welche Farbe?"
"Hm, war so ein Allerwertsauto. Kann nicht mehr sagen,
vielleicht hell, ich
denke, er awr eher hell, eine helle Farbe."
"Haben Sie das
Kennzeichen gesehen?"
"Tut mir leid, Kommissar, nein, hab nicht drauf
geachtet."
"War irgendwas an dem Wagen, breite Reifen, zweite Antenne, ein
Spoiler
oder so was, vielleicht Gepäckträger?"
"Nee, aber ich hab auch nicht so
drauf geachtet, er ist ziemlich schnell
an mir vorbei."
"Schnell?"
"Ja,
Kommissar, der ist genauso gerast wie die Irren verher."
"Okay, Henri. Kann ich
noch irgend etwas für Sie tun?"
"Nein, Kommissar, danke. Außer, ich muß dir
verdammten Waschmaschinen ..."
"Sicher, ich sag den KollegenBescheid, Sie
können dann gleich weiter.
Kommen Sie aber heute, wenn Sie das mit den
Waschmaschinen erledigt haben,
noch kurz vor bei, jemand wird Ihnen die Adresse
aufschreiben. Wir brauchen
Ihre Aussage."
"Ist klar, Kommissar."
***
Moses hatte sich hingelegt. Sie hatten gegessen, bis
sie fast vom Tisch
gefallen waren. An der Tür hatte es geklopft, und vier Boys
und ein Ober-
kellner mit Wagen auf Rollen kamen hereingeschneit. Sie hatten
Platten auf
den Tisch gestellt mit Braten, Bohnen in Butter, Gemüse, Fleisch.
Da waren
die verschiedensten Beilagen, Fisch, Soßen, Reisbällchen, und sie
hatten
Wild, Geflügel, Obst, Sahnedesserts, Fruchttörtchen, Eis, Käse und
einiges
mehr auf dem Tisch. Eben alles, was Moses bestellt hatte.
"Schlaraffia,
Schlaraffia", hatte Tamie beschwörend gemurmelt, während sie
um die Platten
herumschlich und unter jeden Silberdeckel schaute. Zum Essen
hatten sie
flaschenweise Wein getrunken und waren nach und nach in einen
Zustand vollkomme
ner Schwerelosigkeit gefallen.
Schließlich war Moses mit einem Hähnchenschenkel
in der Hand am Tisch einge
nickt. Als sein Kopf in einen Teller mit Bratensoße
zu sinken begann, hatte
ihn Tamie angestoßen. Er war aufgeschreckt, hatte sie
beide schlaftrunken
angelächelt und war in eins der beiden Schlafzimmer der
Suite verschwunden.
Jetzt lagen Sal und Tamie auf die Ellenbogen gestützt auf
einem Fell der
»Hunting Master Suite« vor dem Kamin und starrten in die
Flammen. Das Feuer
ließ die Schatten der Jagdtrophäen an den Wänden tanzen, man
hätte glauben
können, ein ganzes Rudel Rehböcke, Hirsche, Fasanen und Füchse
fltzte durchs
Zimmer.
Das Holz knisterte und knackte, und weiße, blaue und
gelbe Flammenspitzen
züngelten empor. Von Zeit zu Zeit fiel ein Holzscheit in
sich zusammen, und
Glutstücke rollten über den Kaminrost. Sal dachte an nichts.
Einzelne Bilder
kreisten ihm durch den Kopf, aber an keinem von ihnen blieb er
hängen. Er
vergaß den Wagen in einem Seitenweg hinter dem Hotel, er dachte
nicht länger
an Frank oder Carmen, oder wie es jetzt weitergehen sollte.
Er
spürte, wie sein Blut gleichmäßig durch seine Adern floß und sein Atem
regelmäßig ein und aus ging. Er schwebte durch den Raum und die Zeit und
spürte
nur Tamie neben sich. Wie sie den Kopf in die Hand stützte und ins
Feuer sah.
Er konnte sehen, wie müde sie war und ihre Augenlider schwerer und schwe-
schwerer wurden. Sie legte den Ellenbogen um und ihren Kopf darauf. Sal
streifte sich mit den Füßen die Schuhe ab und fühlte die Wärme des Kamins
in
den Raum fluten.
Er bewegte seine Zehen ein wenig hin und her und sah ins Feuer
und dachte
an nichts.
Ein Holzscheit rollte vom Haufen, blieb abseits liegen,
und feine Rauch-
säulen stiegen von ihm auf. Sein Vater kam ihm in den Sinn.
Kurz nachdem
er Moses kennengelernt hatte, waren sie zusammen dort gewesen und
hatten
den alten Herrn besucht.
Sal hatte lange mit seinem Vater geredet, und
als sie die Alben von frü-
her rauskramten, hatten sie mieinander geheult.
Diese Bilder von ganz
früher, Herrgott, seine Mutter mit den zwei Söhnen, Vater
hob den Riesen-
fisch hoch, er selbst hielt seinen kleinen Bruder an der Hand,
draußen an
der winzigen Hütte am See, wo Großvater ihnen das Schwimmen
beigebracht
hatte. Beigebracht ist gut, einfach vom Steg ins Wasser hatte der
Alte sie
geschmissen und in seinen Bart gelacht.
Sein Vater hatte ihn gebeten,
geradezu beschworen, daheim, bei ihm, zu
bleiben, sie würden schon etwas
finden, hatte er gesagt, er solle sich Zeit
lassen, soviel er brauchte, um sich
wieder zu fangen, nach den zweieinhalb
Jahren da drin. Aber Sal hatte sich wie
ein entwurzelter Baum gefühlt, der
einen Fluß hinuntertrieb, immer mußte er
weiter, der Strömung nach. Du
läufst vor dir selber davon, hatte sein Vater
gesagt, und er hatte verdammt
recht gehabt damit.
Im Jahr darauf hatten sie
sich wiedergesehen. Sals Bruder war tödlich ver-
unglückt, er kam gerade noch
rechtzeitig, um zu sehen, wie sie den Sarg
hinunterließen, Moses und er waren
die ganze Nacht durchgefahren, auf einem
Motorrad, damit sie sich abwechseln
konnten.
Dann hatten sie noch einmal mieinander geredet, sein Vater hatte ihn
wie-
der beschworen, dazubleiben. Es war nicht schwer zu erkennen gewesen, in
was für einen Dreck er und Moses lebten, sie waren selber schon Dreck. Er
würde noch suchen, hatte er ihm geantwortet. Du suchst nicht, du läufst,
hatte
sein Vater gesagt, Herrgott, wo war der Unterschied?
Tamie atmete langsam ein
und aus, und als Sal nach einer ganzen Weile
merkte, daß sie eingeschlafen war,
nahm er sie auf und trug sie ins
andere Schlafzimmer. Sie war nicht einmal
aufgewacht, als er sie hoch-
hob. Sie war zart und leicht und war kein Gewicht
in seinen Armen. Er
deckte sie zu, machte das Licht aus und ging in Moses'
Zimmer.
Er legte sich neben seinen Freund und machte die Augen zu und schwebte
in die Tiefe des Weltraums. Er träumte von Captain Kirk, der seine
Mannschaft
in eine neue, unbekannte Galaxie führte. Die Besatzung war
vollständig auf
ihrem Platz, das Schiff in Gefechtsbereitschaft. Man
konnte nie wissen. Sterne
und Planeten flogen vorbei, Meteroitenhagel
prallten von den Schutzschilden ab.
In der Ferne tauchte ein Punkt auf, ganz weit weg, ein grünes Leuchten
umgab
ihn. Lieutenant Uhura peilte den Punkt an und übertrug die Daten,
die sie
bekam, in den Analyzer. Das Leuchten wurde heller, und der Punkt
kam schneller
und schnel ler auf sie zu und nahm Konturen an.
"Ein fremdes Schiff", sagte
Lieutenant Uhura.
"Versuch Röntgenauflösung", wies Captain Kirk sie an.
Es
dauerte eine ganze Weile, der Bildschirm flackerte, dann erschien die
Kom
mandozentrale des anderen Raumgleiters. Auf der Brücke stand ein
hochgewachsener Mann mit dunklem Gesicht, ein Araber. Neben ihm stand
Frank.
Auf einer Art OP-Tisch lag eine Frau, mit Stahlbändern gefesselt.
"Vergrößerung", befahl Captain Kirk.
Es war Carmen, sie schien Schmerzen zu
haben. Frank blickte grinsend auf
sie her ab, in der Hand hielt er ein Messer.
Dann wurde die Enterprise von schweren Detonationen erschüttert, die Kom-
mandozentrale bebte, und Funken schlugen aus den Schaltwänden,
Druckluftschläuche platzten, Dampf schoß aus dem Boden, Scottie taumelte
schreiend durch den Raum.
Eine Rakete hatte die Kommandozentrale getroffen.
Der
Captain wurde von seinem Sitz geschleudert, und Trümmer der Deckenver-
kleidung
fielen auf ihn herab, dann platzte der Bildschirm, und Glassplit-
ter flogen
wie Granaten durch die Brücke. Sal konnte sich nicht bewegen,
seine Beine waren
einge klemmt, wieder bebte das ganze Schiff, und die
Ausleger ächzten,
Detonation folgte auf Detonation, und dann rissen die
Außenwände, die Luft
entwich pfeifend und riß alles und jeden mit sich. Sal
rang nach Luft,
Lieutnant Uhura flog durch einen Spalt ins All hinaus, er
öffnete den Mund, er
wollte schreien, aber die letzte Luft strömte aus sei-
nen Lungen.
Mit einem
Mal berührte eine Hand den Captain an der Schulter, das Schiff
löste sich mit
ihm auf, und er hörte seine Stimme dicht an seinem Ohr.
"Sal, was ist los, hast
du schlecht geträumt?" Sal schlug die Augen auf, er
konnte fast nichts
erkennen, es war noch mitten in der Nacht.
Tamie kniete neben dem Bett, ihre
Hand lag auf seinem Arm, er war schweiß-
gebadet und zitterte, er fror.
"Komm",
sagte sie leise und nahm seine Hand. Er folgte ihr wie in Trance.
Sie führte
ihn hinaus, durchs Wohnzimmer der Suite, der Kamin gab einen
schwachen
rötlichen Schein ab. Er kam langsam wieder zu sich und folgte
ihr, hinüber in
ihr Schlafzimmer.
Vor dem Bett blieb sie stehen, drehte sich um und gab ihm
einen leichten
Kuß auf den Mund. Er schlang einen Arm um sie, und sie glitten
auf Bett.
Sie hielt ihn, und er wurde wieder warm und fror nicht mehr, die
letzten
Bilder verschwanden.
Ein ganz leichter Schein drang durchs Fenster, und
die Dunkelheit hüllte
sie ein, und er hatte vergessen, wo er eben noch gewesen
war.
Tamie zog die Laken hoch bis über beide Köpfe, und sie lagen wie in einem
Zelt. Das Bett war so warm und duftete nach Tamie. Sal küßte sie leicht auf
den Mund, wie sie gerade ihn geküßt hatte, und strich ihr über die Haare.
Sie
zog ihn an sich und legte ein Bein über ihn. Ihre Zungen berührten sich
und
spielten miteinander. Sal strich der Linie ihres Rückens nach und strei-
elte
ihren Po. Er spürte flaumige Härchen , wo der Rücken einen Bogen machte.
Sie
hatte ein Ohrläppchen von ihm entdeckt und knabberte daran. Er fuhr der
Linie
ihrer Schenkel bis in die Kniekehlen nach und wieder zurück, bis seine
Finger
einen noch weicheren Platz entdeckten.
Sie legte eine Hand zwischen seine
Schenkel, und er hörte ihren Atem.
Während er sie vorsichtig erforschte, biß er
sie leicht in den Hals, und
sie streckte ihre Zunge in sein Ohr. Sie zogen sich
aneinander und hielten
sich, als könnte der andere jeden Augenblick wegfliegen.
Die Zeit blieb
stehen, und sie taumelten durch den unendlichen Raum.
Tamie biß
ihm in die Schulter, und er drehte sich auf den Rücken, ließ sich
weiter und
weiter in die Nacht treiben, ihr Atem begann zu fliegen, und sie
wollten einan
der, jetzt und keinen Moment später, sie rollten übers Bett,
und er war unten,
sie richtete sich auf und zeigte ihm den Weg, sie ver-
schmolzen, und es
explodierten alle Dinge, sie waren eins und nicht länger
zwei, und sie wälzten
sich durchs All, und man konnte die Haut riechen und
den Schweiß und die Angst
und die Hoffnung, sie liefen zusammen, Körper in
Körper, und dann war er oben,
und wieder sie, man mußte sich weh tun, sonst
hielt man es nicht aus, und zur
selben Zeit streicheln, und es war Gewalt
und Zärtlichkeit, es sollte nicht
aufhören, nie mehr enden, es stampfte und
keuchte, man hörte die Trommeln, und
sie rannten und rannten den Hügel hi-
nauf, höher, und da kam der höchste
Punkt, und es war vorbei.
(to be continued ....)
Sylvester M. Beck
» Silvio «
Sie hielten sich fest, sie waren so leicht, was hielt sie
noch am Boden,
sie hatten kein Gewicht, und ihr Atem ging ein und aus, ganz
sacht, er
strich über die Haut, und sie hatten den Frieden der Nacht.
© '97-98