<< Inhalt >> Testberichte

3. Hardwaretest: PCI-Busboard »Prometheus« (von Joachim Schmid)

Nach einer langen Zeit des hoffnungsvollen Wartens auf eine PCI-Steckkarte für den A4000T ist es nun tatsächlich soweit!

Matay bringt als Erster ein PCI-Board auf den Markt, welches man in einem ZORROIII-Busport betreiben kann. Oh, Mann! Wie lange habe ich neidisch auf die A1200-User geschaut, welche schon längst ein PCI-Board in ihrem Computer ihr Eigen nennen konnten. Da gibt es z.B. G-Rex von DCE oder Mediator von Elbox, und sogar Namen wie Predator sind in den Ankündigungen gefallen, aber keines davon konnte in einem ZORROIII-Port betrieben werden. Und plötzlich taucht eine Firma namens Matay auf, welche eine PCI-Karte für alle Amigas produziert. Zwar haben anderen Firmen ebenfalls eine PCI-Karte für den A4000T angekündigt, sind aber bis jetzt nicht damit fertig geworden. Und als Elbox andeutete, dass sie keinen Warp3D-Treiber von Hyperion unterstützen wollen, fiel meine Wahl auf die Prometheus von Matay.

Ich machte mich auf den Weg zu Günter Horbach von KDH Datentechnik und besorgte mir persönlich eine Prometheus-Karte mit Voodoo3. Daheim angekommen, schaute ich mir die Verpackung nun genauer an und musste feststellen, dass es mit Abstand die schönste und qualitativ hochwertigste Verpackung ist, die ich je für eine Hardwareerweiterung für den Amiga gesehen habe.

Das Cover ist farbenprächtig und sehr gut gelungen, es könnte z.B. ohne Probleme in irgendeinem Computerladen in den Regalen stehen, ohne sich vor den anderen Computerartikeln verstecken zu müssen.

Screenshot

Als ich die Verpackung öffnete, bestätigte sich der äußere Eindruck und ich fand darin die Prometheus-Karte sowie Befestigungselemente mit den nötigen Schrauben, ein Speisekabel zur zusätzlichen Stromversorgung, ein Verlängerungskabel für eine Grafikkarte und eine farbige Bedienungsanleitung, welche in Englisch, Deutsch und Polnisch verfasst ist und mit genauen Anweisungen den Einbau der Karte mit zusätzlichen Bildern beschreibt. Und schließlich befindet sich natürlich auch eine CD-ROM in der Schachtel, welche den Treiber für die Prometheus-Karte und P96 für die Voodoo3-Karte sowie diverse Demo-Programme wie Shogo, HereticII und Wipeout2097 enthält.

Screenshot

Der Einbau:

Das Schwerste am Einbau ist wahrscheinlich die Befestigung der beiden Halteklammern an die Prometheus. Aber dank der ausführlichen Einbaubeschreibung ist es doch recht schnell zu schaffen.

Aber Vorsicht!!! Bei Berührung von metallisch blanken Leitern können elektrische Bauteile durch statische Entladungen zerstört werden!

Deshalb sollte man, bevor man die Prometheus in die Hand nimmt, immer einen beliebigen Masse-Punkt, wie z.B. einen Heizkörper oder eine blanke Stelle im Towergehäuse des Computer, mit dem Finger berühren, um sich dadurch selbst zu entladen. Zudem sollte man die Prometheus nur am Rand anfassen, wo keine Bauelemente vorhanden sind. Damit kann dann wirklich nichts mehr passieren. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Umgang mit der Voodoo3- Karte.

Nachdem man also die beiden Metallwinkel mit drei Schrauben befestigt hat, kann man die Voodoo3-Karte in einen beliebige der vier PCI-Steckplätze schieben und sie dann mit einer weiteren Schraube am Metallwinkel sichern. Nun ist die Prometheus fertig, um sie in einen Zorro3-Slot des Towers zu stecken. Aber man muss aufpassen, dass nach oben auch genug Platz ist. So, jetzt muss man nur noch das zusätzliche Stromspeisekabel und das Verlängerungskabel für die Grafikkarte montieren und fertig ist der Einbau.

Screenshot

Die Installation der Software:

Die Installation der Softwaretreiber ist denkbar einfach und wirklich kinderleicht.

Zuerst muss man allerdings den alten Grafikkarten-Treiber aus seinem System verbannen, bei mir war es z.B. das CyberGraphX V4 mit einer CybervisionPPC- Karte, da es sonst zu einem Systemabsturz führen kann. Die alte Grafikkarte muss leider auch aus dem Rechner entfernt werden, da sie die neue Voodoo3 in ihre Geschwindigkeit negativ beeinflusst.

Hat man dies getan, geht es recht schnell zur Sache. Man muss nur das Installationsskript im Prometheus-Verzeichnis auf der CD-ROM starten und schon werden alle benötigten Files in ihre Verzeichnisse kopiert und die Karte wird nach einem Reset sofort erkannt.

So, nun nur noch schnell den Grafikkarten-Treiber P96 installieren und schon kann der Spaß mit der Voodoo3-Karte beginnen.

Es soll allerdings hierbei Probleme bei einem originalen A4000T geben, bei dem das System keine Voodoo3-Karte erkennt. Aber da ich eine Umbau von A4000D zu einem A4000T habe, hatte ich damit überhaupt keinen Ärger und die Voodoo3-Karte läuft jetzt schon seit einigen Wochen wirklich einwandfrei.

Nachdem man also das Glück hat einen A4000T-Umbau zu besitzen, sollte man zudem auch über einen Internetanschluss verfügen, denn jetzt ist es ganz wichtig, von der Firma Matay von ihrer Homepage http://www.Matay.pl die aktuellen Treiber-Updates sowie den Warp3D-Treiber runterzuladen und zu installieren. (Falls es Probleme mit der Verbindung gibt, sollte man es zwischen 3 und 6 Uhr versuchen, denn da ist die Verbindung am Besten).

Selbstverständlich sollte auch das neuste WarpUp (nämlich V5.0) vorhanden sein und bei der Installationsabfrage der Grafikkarte muss man auf "andere Grafikkarten" einstellen. Ist jetzt der Warp3D-Treiber installiert, muss nur noch die Videospeicher-Adresse mit dem mitgeliefertem Programm "PrmScan" herausgefunden werden und in das Verzeichnis PowerPC kopiert werden. Das funktioniert z.B. so: Zuerst im CLI das Programm "PrmScan" starten, woraufhin folgende Daten angezeigt werden:

VENDOR: 3DFX INTERACTIVE INC
DEVICE: VOODOO3 ALL VOODOO3 CHIPS, 3000
REVISION: 1.
DEVICE CLASS 03,SUBCLASS 00.
ADDRESS RANGE: 5E000000 - 5FFFFFFF.
ADDRESS RANGE: 5C000000 - 5DFFFFFF.
ADDRESS RANGE: 400EFF00 - 400EFFFF.
64KB OF ROM AT 5BFF0000 - 5BFFFFFF.

Nun nimmt man die zweite Adresse in der ersten Spalte, hier z.B. 5C000000, schreibt den Befehl "setenv PowerPC/Gfxaddr $5C000000" und kopiert dann diese Gfxaddr auch noch in das Verzeichnis "Prefs/ENV-Archive/PowerPC" auf der Workbench.

Nun steht nichts mehr im Wege, die neue Voodoo3 in ihrer vollen Leistung und Pracht zu erleben.

Geschwindigkeitstests und Gesamteindruck der Karte:

Laut Herstellerangaben von Matay schafft die Prometheus einen Datentransfer von ca. 120 MB/sek. von PCI zu PCI-Steckplatz und einen Transfer von ca. 12 MB/sek. von PCI über ZorroIII zur CPU. Dies lässt sich zwar nicht nachprüfen, aber diese Daten scheinen sehr realistisch zu sein.

Nun kommen wir aber zu dem wichtigsten Teil der Geschwindigkeit, nämlich dem 2D/3D Test. Dabei benutze ich folgende Konfiguration: A4000T 604e/233/060/66 mit 128 MB RAM, OS 3.9 und eine Voodoo3 3000 PCI- Karte. Zum Testen benutze ich einfach das "P96-speed", welches ebenfalls auf der CD-ROM mitgeliefert wird.

Der 2D-Test:

                       CVPPC  : VOODOO3  :PICASSO IV:     AGA  :
                              :          :          :          :
RECTFILL            :   7784  :   25803  :    5890  :      60  :
RECTFILLPATTERN     :   5139  :   20627  :    5573  :      22  :
WRITEPIXEL          : 251055  :  149014  :  122399  :   35787  :
WRITECHUNKYPIXEL    :   1078  :     694  :     637  :      30  :
WRITEPIXELARRAY8    :   1049  :     690  :     630  :     204  :
WRITEPIXELLINE8     :  26076  :   25504  :   22078  :   12520  :
DRAWELLIPSE         :  16361  :   10194  :   10610  :     290  :
DRAWCIRCLE          :  17816  :   12283  :   11167  :     313  :
DRAW                :  15145  :   25772  :    3887  :     151  :
DRAW HOR/VER        :  18308  :   28964  :   23515  :     207  :
SCROLLRASTER X      :    382  :    2865  :     394  :       7  :
SCROLLRASTER Y      :    623  :    2945  :     384  :       7  :
PUTTEXT             :   5607  :   11791  :    9161  :     635  :
BLITBITMAP          :   5091  :   19092  :    9275  :     206  :
BLITBITMAPRASTERPORT:   4108  :   14163  :    7607  :     203  :
BITMAPSCALE         :    192  :      81  :      85  :      57  :
OPENWINDOW          :     53  :     192  :     104  :       9  :
MOVEWINDOW          :    577  :    1211  :     579  :      18  :
SIZEWINDOW          :    117  :     269  :     187  :      11  :
CON-OUTPUT          :    417  :    1709  :     501  :      88  :
SCREENTOFRONT       :     50  :      93  :     101  :      50  :

Alle diese Tests wurden bei einer Auflösung von 640x480x8 durchgeführt und man sieht schon, dass die Voodoo3 teilweise um den Faktor 3 bis 4 schneller ist als die CVPPC und sogar bis zu 7 mal so schnell gegenüber der PICASSO IV, ganz zu schweigen von AGA.

In manchen Werten siegt zwar die CVPPC, aber man muss auch bedenken, dass die CVPPC den CPU-Direktanschluss-Port auf der CyberStormPPC nutzen kann, während die Voodoo3 nur den langsameren ZorroIII-Port benutzt.

Aber diese kleinen Vorteile werden gänzlich im 3D-Test untergehen!

Der 3D-Test:

Der 3D-Test wurde mit dem "Timerefresh"-Befehl bei dem Spiel HereticII am Anfang des ersten Levels durchgeführt. Die Werte entsprechen der Anzahl der Frames pro Sekunde (Fps).

HereticII: 640*480*16 : 800*600*16 : 1024*768*16 :
         :            :            :             :
Voodoo3  :         28 :         22 :          14 :
CVPPC    :         16 :         11 :           2 :

So! Das sollte es jetzt klarstellen, wer hier das Sagen hat! Die CVPPC ist bei einer Auflösung von 800*600 nur halb so schnell wie die Voodoo3 und bei 1024*768 sogar nur so schnell wie eine Schnecke.

Aber das ist ja noch nicht Alles, was die Voodoo3 zu bieten hat. Wer das Spiel HereticII auf der CVPPC kennt, wird es auf der Voodoo3 nicht wiedererkennen, denn es sind jede Menge von zusätzlichen Effekten dazugekommen und die Lichteffekte sind der reine Wahnsinn! Wirklich!!

Screenshot

Dazu kommt noch, dass das Bild auf der Voodoo3 um einiges schärfer und klarer dargestellt wird als auf der CVPPC. Aber auch die vertikale Bildfrequenz ist bei der Voodoo3 wirklich unschlagbar. So kann sie z.B. bei einer Auflösung von 640*480*24 eine Bildfrequenz von 160 Hz erreichen, ebenso bei 800*600*24 und selbst bei 1600*1200*24 lassen sich 100 Hz darstellen, natürlich nur, wenn der Monitor dies mitmacht. Zudem lassen sich neuerdings auch Grafikmodi in 32 Bit darstellen (das sind 4,295 Milliarden Farben !). Ich weiß zwar nicht, wozu man so viele Farben braucht, aber das Spiel QuakeIII nutzt diese Grafikmodi.

Fazit:

Mein Motto lautet: Permedia2 schmeiß weg! Wer einmal eine Voodoo3-Karte in Aktion gesehen hat, will danach keine andere in seinem Besitz wissen. Die Leistung ist in fast allen Bereichen um ein Vielfaches höher als bei dem jetzigen Spitzenreiter CVPPC, vor allem im 3D-Bereich. Es lassen sich so gut wie keine negativen Eigenschaften ausmachen und meine Karte läuft schon seit Wochen in meinem Rechner ohne einen einzigen Absturz. Zwar gibt es bei dem Warp3D-Treiber noch den einen oder den anderen Fehler, aber das wird laut Rücksprache mit Hyperion mit der Version 4.2 weitest gehend eliminiert und die Geschwindigkeit wird nochmals erhöht (unglaublich).

Was die derzeitigen Treiber von Matay angeht, ist es noch zu früh, um eine lange Liste zu präsentieren. Zur Zeit gibt es nur die Treiber für die Voodoo3 2000/3000 sowie den Warp3D-Treiber von Hyperion. Es soll in Kürze 2D-Treiber für die Voodoo4 4500 und Treiber für die NE200-Netzwerkkarte geben, aber das soll nur der Anfang sein.

Allerdings ist zunächst davon abzuraten, sich vielleicht schon eine Voodoo5 5500 zuzulegen, da Hans-Jörg Frieden von Hyperion mir sagte, dass es voraussichtlich keinen Warp3D-Treiber für diese Karte geben wird! Dies liegt daran, dass es leider 3Dfx nicht mehr gibt und die Unterlagen für den VSA-100 Grafikchip von der jetzigen Übernahmefirma Nvidia zurückgehalten werden. Schade!

Es soll auch Pläne für ein G3-CPU-Board geben, aber das ist ebenfalls nur Zukunftsmusik.

Also, das Bild ist brillant, die Leistung ist super, und die Treiber arbeiten absturzsicher! Was kann Einen also daran hindern, diese Hardware zu kaufen?

Natürlich der Preis!

Denn 598 DM (bei Vesalia für 559 DM) und noch mal über 200 DM für die Voodoo3 sind eine Menge Geld, das nicht jeder User so flüssig in der Tasche hat. Aber Qualität hat seinen Preis und Matay bemüht sich wirklich sehr, um sein Produkt in einer Qualität auszuliefern, welche ihre Kunden zufriedenstellt. Wer sich also um sein Geld keine Gedanken machen muss und die Leistung seines Amigas in neue Dimensionen bringen möchte, sollte diese PCI-Karte mit Voodoo3 umbedingt erwerben.

Lasst uns also hoffen, dass Matay genug PCI-Steckkarten verkauft, um in Zukunft den Amiga mit neuer Hardware versorgen zu können.

Joachim Schmid <Achim-im-Netz@t-online.de>

<< >>