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1. Workshop: Virtual Network Computing - Teil 3 (von Uwe Pannecke)

Der Herr der Fernbedienung - Teil 3

Ein Telnet-Daemon auf dem Amiga

1. Noch ein Server

Im VNCS-Beitrag der letzten AMIGA-aktuell-Ausgabe durfte der Amiga als Server fungieren und seine Software grafisch dem Intranet, und wenn es sein soll, weltweiten Zugriff durch mit ihm verbundene Rechner öffnen. Voraussetzung war ein mit RAM und MHz gut ausgestatteter Amiga. Doch wie nachfolgend zu lesen und sehen ist, kann der Amiga auch mit wesentlich bescheideneren Ausstattung über eine TCP/IP-Verbindung ferngesteuert werden, wenn auch der Komfort für den mausverwöhnten Amiganer ebenfalls deutlich geringer ist.

In diesem Beitrag soll das altehrwürdige Telnet im Mittelpunkt stehen. Clienten für die Fernsteuerung fremder Rechner sind zuhauf im Aminet zu finden und ohne großen Installationsaufwand nutzbar. Das dies auch für eine Telnet-Daemonen auf dem Amiga gilt, soll nachfolgend gezeigt werden.

2. Systemvoraussetzungen

Dem Amiga soll das Programmpaket "Telnetd 2.0" [1] von Peter Simons und Steve Holland als Implantat zu neuen Möglichkeiten verhelfen. Die Ansprüche des Telnet-Daemonen sind recht bescheiden: Euer Amiga muss lediglich mit einem TCP/IP-Stack ausgestattet sein, wobei Telnetd eigentlich für die Zusammenarbeit mit AmiTCP konzipiert wurde. Nachfolgend wird aber gezeigt, dass "Telnetd" ebenso problemlos mit Miami harmoniert.

3. Installation

Ist das LHA-Archiv aus dem Aminet heruntergeladen oder der Aminet-CD 15 entnommen und entpackt, findet Ihr im Verzeichnis "telnetd-2.0" mehrerer Unterverzeichnisse.

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Alle Daten aus den Verzeichnissen "c", "devs" und "s" werden in die gleichnamigen Schubladen der System-Partition kopiert. Anschließend wird die Schublade "serv" in das Miami-Verzeichnis kopiert und die Telnetd- Anleitung an eine Stelle Eurer Wahl.

Damit ist die Installation auch schon abgeschlossen.

4. Miami-Konfiguration

4.1 InetD

Ist Miami gestartet, wird im Datenbank-Modul der Eintrag InetD aufgerufen. Fügt dort den nachfolgenden Eintrag hinzu: Unter Dienst "telnet", bei Socket "stream", bei Protokoll "TCP", unter Warten "nowait", Anwender wird mit "root" versehen, Server erhält den Eintrag "Miami:/serv/telnetd" und Name kann leer bleiben.

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4.2 Anwender

Der sich später auf dem Amiga einloggende Anwender wird im gleichen Datenbank-Modul unter dem Konfigurationsabschnitt 'Anwender' den Telnet- Server bekannt gemacht. Wahrscheinlich sind auch schon einige Nutzer aus vorheriger Konfiguration des TCP/IP-Stacks vorhanden. Egal, alle potentiellen Telnet-User, die Zugriff auf den Amiga erlangen wollen, brauchen ein Passwort und eine Shell, da sämtliche Telnet-Kommunikation über eben diese Shell erfolgt.

Unser Beispiel-User soll "uwep" heissen und erhält ein Passwort sowie unter 'Shell' den Eintrag "*NewShell * from s:remote-startup", so daß nach erfolgreichem Einloggen auch die Daten-Ausgabe auf dem Remote-Rechner erfolgt.

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Damit ist die Konfiguration komplett und abgeschlossen. Nachdem selbige unter einem aussagekräftigen Namen abgespeichert wurde, ist es Zeit, Miami in den Online-Zustand zu versetzen.

5. Einsatz des Servers

Ab sofort können sich alle in Miami definierten User in den Amiga einloggen und diesen nach Wunsch manipulieren. Das wollen wir natürlich gleich einmal ausprobieren. Beinahe jedes Betriebssystem stellt einen Telnet-Clienten zur Verfügung. Unter Linux wird die Verbindung aufgenommen, indem Ihr z.B. in einem XTerm-Fenster "telnet Rechnername" oder "telnet Rechner-IP-ID" mit Enter bestätigt, wobei natürlich für Rechnername und IP-ID die zuvor festgelegten Daten einzutragen sind. Der für diesen Betrag als Versuchskaninchen fungierende Amiga ist im lokalen Netzwerk unter dem Namen "amiga.xwing.de" oder über die IP-ID "192.168.0.2" erreichbar.

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Unter Windows könnt Ihr Euch entsprechend mit Hilfe der MS-DOS- Eingabeaufforderung und gleichlautender Befehlssyntax einloggen. Umgehend wird ein Login-Name und anschließend das Passwort abgefordert. Sind die Eingaben korrekt gewesen, findet man sich in einer Shell auf dem Amiga wieder.

Auf dem Amiga selbst ist das Einloggen ebenfalls zu beobachten, denn Miami protokolliert in seinem Log-Fenster die Verbindungsaufnahme.

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6. Sicherheit

So einfach sich auch die Installation und der Einsatz des Telnet-Daemonen zeigt, so müsst Ihr Euch unbedingt im Klaren sein, dass alle Daten über die Telnet-Verbindung im unverschlüsseltem Zustand übertragen werden. Dies gilt demzufolge auch für sensible Daten wie Passwörter.

Im Intranet erscheint dies noch akzeptabel. Soll der Amiga über eine Internetverbindung gesteuert werden, ist Telnet ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko. In diesen Fällen bietet SSH die weitaus sichere, weil verschlüsselte Daten-Übertragung.

Außerdem solltet Ihr immer im Hinterkopf behalten, dass der Amiga ein Single-User-Betriebssystem ist. Jeder über Telnet oder andere Dienste eingeloggte User kann ohne großen Aufwand gehörigen Unfug treiben. Mit dem MultiUser-Filessystem [2] von Geert Uytterhoeven ist zumindest letztgenanntes Problem, wenn auch mit einigem Aufwand, lösbar.

[1] im Aminet unter /comm/tcp/telnetd2_0.lha
[2] im Aminet unter /util/misc/MultiUser**.lha

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>

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