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So richtig einfallen wollte mir diesen Monat nichts zu den kleinen Helfern und wie (fast) immer gab es auch keine Resonanz oder Testvorschläge zu neuen, hilfreichen Tools. Das Aminet hatte diesen Monat auch nicht viel zu bieten, so daß ich dieses Mal in der Mottenkiste der Amigatools-Geschichte gegraben habe, und, man mag es kaum glauben, vor einigen Jahren wurden auch schon sehr gute, kleine Hilfsprogramme veröffentlicht ;). Besonders angetan hat es mir das Parnet-Mininetzwerk-Paket, oder besser gesagt, die dazugehörigen Utilities, die diesem, doch etwas "wackeligen", Vernetzungsspezialisten richtig Beine machen können.
Zu Anfang eine kleine Erklärung für die, die nicht wissen wobei es sich um Parnet handelt. Parnet beruht auf einer Idee von Matt Dillon (einer echten Amiga-Programmierer-Legende) zwei Amiga-Rechner mittels eines speziellen Parnet-Kabels und einer proprietären Software über die parallele Schnittstelle (daher auch der Name) zu vernetzen. Nachdem Parnet installiert und gestartet wurde, erscheint auf der Workbench ein neues Laufwerk "Network", in dem sich alle angemeldeten Datenträger des anderen Rechners als Unterverzeichnisse befinden.
Diese Verzeichnisse können fast genauso verwaltet werden, wie die Verzeichnisse auf dem lokalen Rechner. Dateien und Verzeichnisse können kopiert, gelöscht, verschoben oder umbenannt werden. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für die Behandlung der Daten aus einer Shell.
Vorteile:
Der Vorteil der parallelen Vernetzung gegenüber der seriellen Schnittstelle liegt in der Geschwindigkeit begründet. Maximale Datenübertragungsraten von 5-10kb über den seriellen Port stehen einer Geschwindigkeit von 20-50kb mit Hilfe eines Parnet-Kabels gegenüber. Durch den frei verfügbaren Quellcode wurden neben den standardmäßig eingebauten parallelen Ports auch Parnet- Inkarnationen für MultiIO-Karten wie die MultifaceCardII und III (Pitnet bzw. Pianet) veröffentlicht. Mit diesen Karten sind dann tatsächlich (unter optimalen Bedingungen) Übertragungsraten von bis zu 50Kb/s möglich, wobei ein u.U. am originalen parallelen Port angeschlossener Drucker weiterverwendet werden kann.
Im normalen Computeralltag verschlechtern sich diese Werte allerdings auf 25-35Kb/s, was wiederum immer noch wesentlich schneller und vor allem bequemer als die 10-20Kb/s eines Floppy-Laufwerks sind. Auch das zwingend benötigte Parnet-Kabel ist für kleines Geld (zw. 10 und 15 Euro) bei jedem gutsortiertem Amiga-Händler in Längen von 2-10m zu bekommen. Bei meinem Parnet-Netzwerk (zwei A1200, vernetzt über den Parallelport einer Multifacecard3 und der originalen, parallelen Schnittstelle, jeweils mit 68030 und 68040 CPU und OS3.1 bzw. OS3.9, Kabellänge ist 5m) sind verlustfreie Datenübertragungsraten von bis zu 25 KB/s von dem Amiga mit der originalen Schnittstelle und bis zu 40KB/s von dem Amiga mit der MFC3 (MultiFaceCard3) möglich. Zwischen zwei MFC3-Karten sollen sogar Werte von 40-50Kb/s möglich sein. Diese angegebenen Werte konnte ich aus Ermangelung einer zweiten MFC3 nicht überprüfen -liegen meiner Meinung nach aber durchaus im Bereich des Möglichen.
Alles in allem liegen die Vorteile gegenüber anderen Vernetzungsmöglichkeiten auf der Hand: Im Gegensatz zu Amiga-Ethernet- Karten ist ganz klar der Preisvorteil zu nennen. 130-250 Euro für eine Amiga-Ethernet-Lösung stehen 10-15 Euro für das Parnet-Kabel gegenüber. Auch die Parnet-Installation an sich, ist, im Vergleich zu einer korrekten Samba-, TCP/IP- oder Envoy-Installation, überaus simpel. Im Vergleich zu einem seriellen Nullmodemkabel, das in etwa in der selben Preisregion wie das Parnet-Kabel liegt, ist die für kleine Verhältnisse sehr zuverlässige und relativ schnelle Datenübertragung zu nennen. Zuguterletzt lassen sich sogar "untermotorisierte" Veteranen wie der A500 (mit 512 KB RAM, 8 MHz CPU und Kick1.3) oder das legendäre CDTV mit "Boliden" wie einem gut ausgestatteten A3000 oder A4000 verbandeln, so daß man auf einfache Art und Weise einem "ollen 500er" eine zwar langsame aber immerhin verhältnismäßig große Festplatte genehmigen kann.
Nachteile:
Die Nachteile einer Parnet-Vernetzung möchte ich aber auch nicht unterschlagen.
Aufgrund des Alters der Software kann es zu Inkompatibilitäten mit "modernen" Kickstart-Revisionen (>Kick1.3) kommen. Im Aminet gibt es aber erfreulicherweise einige Programme, die dieses Manko auf elegante Art und Weise beheben können. Eine Möglichkeit ist das Archiv "parnet21.lha", das eine, für "OS2.0+"-Systeme, überarbeitete Version des benötigten "parnet.device" enthält. Dieses Device liegt sogar in einer für 68020 CPU's optimierten Version vor, so daß auch die Datenübertragung um bis zu 20% schneller ablaufen kann als über das originale parnet.device. Ein weiterer Nachteil ist, daß es sich bei Parnet um ein proprietäres Protokoll handelt, sprich: es ist nicht ohne weiteres möglich, einen Amiga über das Parnet- Kabel mit einem Mac oder PC zu verbinden bzw. auf dem Amiga vorhandene zusätzliche Parnet-Programme (Chatprogramme, Statistikprogramme, etc.) mit einem Äquivalent auf der fremden Plattform zu verwenden. Für dieses Einsatzgebiet wird wiederum ein spezielles Kabel und auch andere Netzwerk- Software benötigt. Der letzte Nachteil ist relativ: Betrachtet man die Übertragungsraten, die mit Parnet möglich sind, mit heutigen, modernen Netzwerklösungen, muten selbst die maximalen Werte von 40-50 KB wie ein Witz an. Parnet-User sollten also möglichst nicht versuchen, bekannte oder verwandte Systemadministratoren und Netzwerkspezialisten mit diesen Werten zu beeindrucken. Das könnte zu ernsthaften Lachkrämpfen bei genannten Personen führen ;).
Zur Installation von Parnet möchte ich nichts weiter schreiben. Im Laufe der Zeit haben sich dazu Unmengen an Informationen im Internet angesammelt, die wesentlich detaillierter auf bestimmte Problematiken eingehen, als ich das jetzt machen möchte und könnte (siehe dazu auch die Quellen am Ende dieses Textes).
Ambitionierte Parnet-Anwender und -Programmierer haben einfache, mit Hilfe des bekannten Amiga-Installerprogramms durchzuführende, Parnet- Distributionen geschnürt von denen ich MagicParnet und ParBENCH1.3, die sich wie alle genannten Programme im Aminet wiederfinden lassen können, besonders hervorheben möchte.
Die ParBENCH-Distribution enthält, neben einem Installerscript, mit dessen Hilfe Parnet komfortabel installiert werden kann, ein weiteres, für Parnet- Anwender, sehr interessantes Programm...
PNetKeys ermöglicht es, den zweiten Amiga mit der Tastatur und der Maus des ersten Amigas fernzusteuern. Vergleichbar ist das mit einer Amiga-Telnet- Verbindung, die normalerweise nur mittels TCP/IP und einem Telnet-Daemon (bzw. Client) zwischen 2 Amigas ermöglicht werden kann. Außerdem ist es nicht möglich mit Telnet die Workbench (fern-) zu bedienen. AmigaDOS, evtl. ARexx oder eine andere Scriptsprache und der Telnet-Client sind normalerweise das Ende der Fahnenstange einer Telnetverbindung zwischen zwei Amiga's. PNetKeys wird z.B. interessant, wenn ein CDTV, das vielleicht weder über Tastatur noch Maus verfügt, von einem anderen Amiga aus gesteuert werden soll. Man kann auch andere Anwender sehr gut in neuen Software-Paketen einführen, da der Mauszeiger sowohl von dem fernzubedienenden Rechner als auch der "Fernbedienung" (also dem anderen Amiga) gesteuert werden kann. So lassen sich Funktionen, Optionen und Wirkungsweisen eines Programms auch ohne ständigen Sitzplatzwechsel und Streitigkeiten um die Bedienung der Maus relativ einfach erklären. Wichtig dabei ist allerdings, daß das Multitasking des fernzubedienenden Rechners während der gesamten Zeit nicht abgeschaltet wird. Ansonsten hat man sich vom "Fernbedienen" rigoros befreit ;).
Die Installation von PNetKeys kann mit dem mitgelieferten Installerscript der Parbench-Distribution erfolgen. Auch eine manuelle Installation ist nicht schwierig. Auf dem Rechner, der fernbedient werden soll, muß der in der Parbench-Distribution enthaltene Mouse-Handler in das L-Verzeichnis kopiert werden und der ebenfalls mitgelieferte "MOUSE:"-Eintrag einer gegebenenfalls vorhandenen Mountlist angefügt werden. Bevor der Rechner ferngesteuert werden kann, muß dieses neue "MOUSE:"-Device mit dem Mount- Kommando der Shell angemeldet werden. Natürlich muß im Vorhinein das Parnet-Netzwerk angemeldet sein und die Datenübertragung funktionieren. Auf dem Rechner, der die Fernbedienung darstellt, wird das Shell-Kommando "PNetKeys" mit dem Argument "NET:MOUSE" gestartet. In einer Shell gibt man dazu folgende Kommandozeile ein:
Run >NIL: PNetKeys NET:MOUSE
Im Fall, daß alles ordnungsgemäß installiert wurde, öffnet sich auf der Workbench ein kleines Fenster, das sichtliche Probleme mit der korrekten Auswertung der Größe der Workbenchschriften hat. Wird jetzt die Tastenkombination "linke Amiga + P" betätigt und man berührt die Maus, bewegt sich der Mauszeiger auf dem fernzubedienenden Amiga. Man kann jetzt mit der Maus wie gewohnt Piktogramme anklicken, Menüs betätigen oder auch in einer Shell beliebige Kommandos eintippen- nur den Hals muß man etwas verdrehen um den Monitor des zweiten Rechners betrachten zu können ;). Solange keine Daten über das "NET:"-Laufwerk übertragen werden und solange die CPU-Last der Rechner nicht allzu hoch ist, bekommt man sogar eine ruckelfreie Mauszeigerbewegung und auch die Benutzung der Tastatur erfolgt recht flüssig.
Zum Teil lassen sich sogar einige Computerspiele fernbedienen. Der Sinn ist etwas zweifelhaft, der Unterhaltungswert eines erschreckten Bruders, der vielleicht gerade seine Zivilisation gegen raubende und plündernde Horden verteidigen muß, ist aber auch nicht zu unterschätzen :).
Schade ist die fast nicht vorhandene Stabilität dieses Programms. Es gehört schon etwas Glück dazu, um mit PNetKeys eine Computersitzung ohne Systemabsturz zu beenden. PNetkeys scheint sich nicht besonders mit anderen Programmen zu vertragen, so daß in den meisten Fällen vor der Verwendung zuerst ein Neustart durchgeführt werden muß und während der Verwendung auch sowenig andere Programme laufen sollten wie möglich. Eine absturzfreie Beendung von PNetkeys war auf meinem System auch fast nicht möglich und die Tastenkombination, mit der die Eingabe umgeschaltet wird, verweigert hin und wieder ihren Dienst.
Nichtsdestotrotz ist PNetKeys ein Programm, das ich jedem Parnet-User ans Herz legen möchte.
Ein Unterschied des Parnet-Laufwerks gegenüber normalen Amiga-Laufwerken wie "Ram:" oder "HD0:", ist, daß sich nach dem Anmelden des Parnet- Laufwerks keinerlei Verzeichnisse (also die Partitionen des fernen Rechners in Verzeichnis-Form) in selbigem befinden. Normalerweise würde man erwarten, daß die Festplattenpartitionen des anderen Rechners automatisch als Unterverzeichnisse dargestellt werden. Dies ist aber nicht der Fall. Erst nachdem man "NET:" begreiflich gemacht hat, daß auf dem anderen Rechner tatsächlich verschiedenste Datenträger vorhanden sind und auch eine Ram-Disk zur Verfügung steht, kann man auf die, in den jeweiligen Laufwerken enthaltenen, Daten zugreifen. Nur wie macht man das? Ganz einfach! es genügt, wenn nach dem Anmelden des "NET:"-Laufwerks mit dem CD- Kommando das Verzeichnis in das jeweilige "NET:"-Laufwerk-Verzeichnis gewechselt wird. Hat der ferne Rechner eine Partition "hd0:" gibt man in einer Shell (oder aus einem Start-Skript heraus) den Befehl...
cd NET:hd0
...ein. Man kann dafür auch den Volume-Namen der Partition verwenden (z.B. "cd NET:Workbench" oder "cd NET:Work").
Ein weiterer Unterschied des "NET:"-Laufwerks ist, daß bei Zugriffen auf Dateien und Verzeichnisse des "NET:"-Laufwerks immer komplette Pfadangaben gemacht werden müssen.
Hat man z.B. in einer Shell mit dem "CD"-Kommando das aktuelle Verzeichnis auf "NET:HD0/Test" gesetzt und möchte sich eine, in diesem Verzeichnis befindliche, Datei "foo.txt" mit dem Type-Befehl ausgeben, genügt es nicht, einfach nur...
type foo.txt
...in der Shell einzugeben, sondern man muß den kompletten Pfadnamen der Datei foo.txt angeben. Also so:
type net:hd0/test/foo.txt
Dieses sonderbare Verhalten kann zu Fehlermeldungen und Abbrüchen von Batch-Dateien führen und ist auch der Bequemlichkeit des zum Tippen genötigten Anwenders im Wege. Man stelle sich nur einmal vor, foo.txt würde sich nicht in "HD0:Test" befinden, sondern in "HD0:Anwendungen/Text/Textverarbeitung/Daten".
Solche Tipporgien verstoßen schon fast gegen die Menschenrechte ;). Nur gut, daß es auch für dieses Problem eine Lösung gibt - nämlich NetPatch.
Die NetPatch-Distribution besteht aus 3 Dateien, dem Quellcode, einer kleinen Anleitung und dem ausführbaren Programm. Ein Installerskript ist nicht vorhanden und auch nicht unbedingt von Nöten. Das Programm NetPatch wird einfach in das C Verzeichnis kopiert und, sobald die oben erwähnte Anmeldung der Laufwerke des "fernen" Rechners mit dem "CD"-Kommando erfolgt ist, ausgeführt. Zu beachten ist, daß NetPatch nur auf dem Host-Rechner gestartet wird. Ansonsten führte NetPatch (zumindest auf meinem System) zum sofortigen Absturz.
Abschließende Hinweise:
Als Abschluß dieses Artikels möchte ich noch einige Hinweise zur Verwendung von Parnet geben. Der doch etwas umfangreiche Anmeldevorgang des "NET:"- Laufwerks (inklusive Anmeldung des "MOUSE:"-Gerätes, Installation der Partitionen) ist am Besten in selbstgeschriebenen Skript-Dateien aufgehoben. Die, meiner Meinung nach, komfortabelste und stabilste Lösung ist, auf dem zweiten (dem Client-)Rechner (siehe Parnet-Dokumentation) sämtliche Laufwerksanmeldungen und Host/Client-Definitionen schon während des Bootvorgangs festzulegen. Auf dem Host-Amiga erstellt man sich eine Skriptdatei, in dem sämtliche Startvorgänge auch für diesen Rechner getätigt werden, so daß man nicht jedesmal "X" Befehle in einer Shell eingeben muß und die auch nur im Bedarfsfall vom Anwender ausgeführt werden kann.
Außerdem möchte ich noch darauf hinweisen, daß das genannte Parnet-Kabel nicht mit einem parallelen Nullmodem-Kabel, das bei Vobis und Co. angeboten wird, zu verwechseln ist. Parnet-Kabel und paralleles Nullmodem-Kabel ist nicht dasselbe und kann bei fälschlicher Verwendung sogar zu Hardwareschäden führen.
Desweiteren gibt es im Aminet noch viele andere nützliche Zusatztools für die Verwendung von und mit Parnet. Es gibt Tools, mit denen über eine Parnetverbindung gechattet werden kann, die Programme auf dem Client- Rechner starten können, die Statistiken über den Datenfluß zwischen beiden Rechnern ausgeben können, oder die sogar eine TCP/IP-Verbindung über das Parnet-Kabel ermöglichen. Die Suchfunktion des Aminets bringt, bei Eingabe von "Parnet" eine ziemlich lange Liste an den Tag und sollte für jeden Parnet-Anwender etwas Brauchbares zur Verfügung stellen.
Quellen:
Das originale Parnet-Archiv inklusive der Sourcen:Weitere Utilities zur Verwendung mit Parnet lassen sich im Aminet unter "comm/net" finden.
Wer neben den ausführlichen Programmdokumentationen und Installationsanweisungen noch mehr Informationen zu Parnet sucht, kann den folgenden Internetlink ausprobieren:
http://www.google.de/search?hl=de&safe=off&q=%2Bparnet+%2Bamiga&meta=&btnG=Google-Suche
Christian Aichinger <christian@aakt.de>