Nachdem das `99er Werk "Ghosts" trotz qualitativ hochwertigem Songmaterial unter keinem guten Stern stand (man erinnere sich an das ganze Line-up Chaos), sind nun die Zeichen bei Rage ganz klar auf Sturm gestellt: Das erste Album in der neuen Besetzung namens "Welcome To The Other Side" geht wieder in eine weitaus rockigere Richtung und hat härtemäßig wieder einiges mehr auf dem Kasten als die beiden mit Ochester eingespielten Alben "XIII" bzw. "Ghosts". Klar, ganz verschwunden sind die Klassikelemente auch auf "Welcome To The Other Side" nicht, aber man hat diese Elemente nur noch da eingesetzt, wo es wirklich Sinn macht. Aber es gibt noch einen gewaltigen Unterschied auf dem neuen Album: Mit Mike Terrana und Victor Smolski befinden sich jetzt zwei absolute Ausnahmemusiker in der Band, wobei insbesondere Gitarrist Victor Smolski absolute Toparbeit hingelegt hat, die stellenweise Vergleiche mit Dream Theater (!) aufkommen lässt und in dieser Form auf einem Rage Album bisher einmalig ist. Eben jener Victor Smolski hatte auch einen großen Anteil am neuen Songmaterial, welches zur Hälfte auch aus seiner Feder stammt. Trotzdem klingen Rage auch anno 2001 immer noch nach Rage, was insbesondere an Nummern wie dem Opener "Paint The Devil On The Wall", den Doublebass Krachern "The Mirror In Your Eyes" und "No Lies" sowie dem abschließenden Rausschmeißer "Sister Demon" klar wird, die allesamt die typischen Rage Trademarks in sich vereinen, aber zudem den einen oder anderen technischen Leckerbissen offerieren können. Erwähnt werden sollte noch das episch angehauchte, in vier Teile unterteilte "Tribute To Dishonour", welches ein wenig Erinerrungen an den Dreiteiler "Changes" vom "XIII" Album wach werden lässt, wenngleich es etwas härter verpackt wurde. Erfreulich ist zudem, daß Rage es geschafft haben, fernab von allen Trends im Metal Sektor, einen eigenständigen Sound zu kreieren und diesen sogar noch mit einigen Einflüssen aus anderen Bereichen auflockern und positiv abrunden. Somit ist "Welcome To The Other Side" eine höchst erfreuliche Angelegenheit und zählt ohne Frage zu den bisherigen Highlight`s in der Karriere von Rage, von denen es ja auch nicht wenige gab. Ein wirkliches Spitzenalbum welches Metaller verschiedener Genres - sei es nun ein Prog. Metaller mit Vorlieben für Gefrickel in der Art von Dream Theater oder der typische Power Metal Fans, der Wert auf möglichst schnell im Ohr hängen bleibende Songs legt - beeindrucken wird und sicherlich wochenlang im heimischen CD Player rotiert. Very well done!
Fazit: 10 von 10 Punkten


