Obwohl ich persönlich das neue Album "Carpe Diem" der dänischen Melodic Metal Institution Pretty Maids nicht ganz so herausragend fand wie die Vorgänger - obwohl es ohne Frage eine gute Scheibe ist - war das Konzert am 5.2. in der Zeche Bochum natürlich ein Pflichtbesuch. Denn wie allgemein bekannt sein dürfte, gehört die Band mit zu den unterhaltensten Live Acts überhaupt, was sie an diesem Abend auch wieder eindrucksvoll unter Beweis stellten.
Bevor die Pretty Maids aber auf die Bühne gelassen wurden, durfte zuerst die Vorband Crystal Ball zeigen, was sie drauf hat. Obwohl mir das Material der Band im Vorfeld unbekannt war, wurden es ziemlich kurzweilige 30 Minuten. Crystal Ball boten gut gemachten melodischen Hard Rock und waren auch auf der Bühne recht aktiv - unfreiwillig komsich wurde das Set allerdings durch einen völlig zugekifften Metal Fan, der schon nach dem ersten (!) Song eine Zugabe forderte und es fortan nicht lassen konnte, Crystal Ball aufzufordern, endlich "Future World" (für alle die es nicht wissen: Ein Pretty Maids Alltime-Klassiker) zu spielen. Der sympathische Fronter nahm das ganze mit viel Humor und es folgten zwischen jedem Song nette & lustige Unterhaltungen zwischen diesem Fan und dem Fronter von Crystal Ball. Alles in allem eine sehr engagierte Leistung des Quintett`s, die sicherlich den einen oder anderen neuen Fan an diesem Abend gewonnen haben dürften.
Nach der obligatorischen Umbaupause legten dann auch endlich die Pretty Maids los, die das Publikum in der zwar gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Zeche vom Beginn an fest im Griff hatten. Das an diesem Abend gespielte Set hatte es insbesondere für langjährige Fans in sich, denn ein Großteil der Stücke stammten nicht etwa vom aktuellen Album "Carpe Diem" - von diesem kamen lediglich die beiden getrageneren Nummern "Tortured Spirit" sowie "Woudn`t Miss You" zum tragen - sondern von den älteren Meisterwerken der Band. Als Opener durfte z.B. der "Sin-Decade" Titeltrack herhalten und im Laufe des Sets kamen immer wieder ältere Nummern der Marke "Spooked" oder "Yellow Rain" vor. Natürlich durften auch Klassiker wie "Back To Back", "Yellow Rain", "Future World" (unser Freund, der bei Crystal Ball noch so viel Stress gemacht hatte, ward hier nicht mehr gesichtet) oderauch die mitreißende Ballade "Savage Heart" im Set nicht fehlen, so daß eigentlich alle Schaffensphasen der Band dokumentiert wurden, wenngleich natürlich noch einige potentielle Highlights fehlten und das für meinen Geschmack starke vorletzte Album "Anything Worth Doing Is Worth Overdoing" mit dem Nackenbrecher "Destination Paradise" viel zu kurz kam. Das machte aber auch nichts, denn die Band versprühte in dem zwietsündigem Set dermaßen viel Spielfreude und Engagement, daß man nicht nur über fehlende optische Effekte wegsehen konnte, sondern auch das Fehlen seines persönlichen Lieblingssongs locker verschmerzen konnte. Das Publikum - übrigens mit einer erstaunlich hohen Frauenquote - nahm das dankend zur Kenntniss und hatte sich die Zugabe "Red, Hot And Heavy" dann auch redlich verdient. Insgesamt also ein richtig guter Gig mit einer der besten Live Bands im Melodic Metal Sektor überhaupt. Bleibt nur zu hoffen, daß die Pretty Maids möglichst schnell wieder in der Zeche gastiert - ein toller Abend!
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