Konzerte, die an einem Montag Abend stattfinden, haben generell das Problem von geringem Zuschauerzuspruch. So auch an diesem Abend in der Bochumer Matrix, der vom Billing her aber excellent besetzt war.
Den Opener miemten dabei die Hanseaten Paragon, die mit "Steelbound" gerade ihren dritten Longplayer fertiggestellt haben, auf dem auch Helloween Gitarrero Roland Grapow zu hören ist. Der traditionelle Metal von Paragon im Stile der `80er ist zwar ganz nett zu konsumieren und erinnert stellenweise an die alten Running Wild, Grave Digger und Accept, ist mir persönlich aber noch einen Tick zu unspektakulär. Sicherlich - es gibt nette Ansätze, aber mehr als Höflichkeitsapplaus ist an diesem Abend einfach nicht drin. Mag vielleicht auch daran liegen, daß die Band auf der Bühne nicht gerade vor Tatendrang sprüht und einen Sänger in ihren Reihen hat, der die hohen Schreie einfach nicht hinkriegt und besser darauf verzichten sollte.
Im Anschluss daran erfreuten uns die Schweden von Nocturnal Rites, auf die ich mich ganz besonders gefreut habe. Und siehe da: Sie machten ihre Sache an diesem Abend wirklich gut. Waren sie anfangs noch als eine von vielen True Metal Bands im Stile der alten Helloween gestartet, so haben sie sich mit dem letzten Album "Afterlife" wohlwollend aus dem Pulk an True Metal Bands abgesetzt und ihren Sound aggressiver und mehr NWOBHM-like gestaltet, was wohl auch am neuen Sänger liegt, der etwas rauher daherkommt als sein Vorgänger. Nichtsdestotrotz gibt es an diesem Abend eine Reise durch sämtliche Epochen von Nocturnal Rites, so daß nicht nur neues Material zum Einsaz kommt ("Afterlife", "Wake Up Dead", "The Sign" & "Hell And Back"), sondern auch die beiden Vorgänger "Tales Of Mystery And Imagination" ("Lost In Time") und "The Sacred Talisman" ("The Ring`s Command", "Ride On") gefeatured werden. Zusätzliche Pluspunkte können die sympathischen Jungs, die auch Live ein gutes Bild abliefern und für ganz gute Stimmung sorgen, sammeln, in dem sie zum einen einen Song vom längst vergriffenen Debutalbum "In A Time Of Blood And Fire" und zum anderen eine Coverversion des T-Rex Klassikers "Children Of The Revolution" zum besten gegeben haben. Endlich mal nicht nur 08 / 15 True Metal von der Stange...
Zum zweiten mal innerhalb von gut 2 Wochen, darf ich mir die italienische Combo Labyrinth angucken. Konnte mich die Band in der Bochumer Zeche im Vorprogramm von Helloween eigentlich nicht begeistern (obwohl ich das Debutalbum "No Limits" und den Nachfolger "Return To Heaven Denied" ziemlich cool finde, wohingegen ich das aktuelle Album "Sons Of Thunder" eher für einen schlechten Witz halte!), so haben sie offenbar aus ihren Fehlern gelernt und für diesen Abend ein neues Set zusammengestellt, welches wesentlich besser war, als das aus der Zeche. Die Songs von "Sons Of Thunder" wurden gottlob verringert, so daß nur die unsäglichen Nummern "Chapter I", "Kathryn" und "Rage Of The King" zum Einsatz kamen (die auch nach dem x-ten Durchlauf nicht zünden wollen!). Stattdessen wurde die verbleibende Zeit für Highlight`s wie "Moonlight", "State Of Grace", "Time After Time", "Thunder" (allesamt vom `98er Werk "Return To Heaven Denied") und sogar für zwei Nummern vom Debutalbum "No Limits" - und zwar "In The Shade" und "Piece Of Time" (!!) - genutzt. Dachte ich nach dem Gig in der Zeche noch, daß die Band für mich endgültig gestorben ist, so musste ich meine Meinung nach diesem Abend wieder revidieren, denn offenbar hat die Band eingesehen, daß das letzte Album eigentlich ein Schuss in den Ofen war. Und wer weiß? Vielleicht ballern uns Labyrinth demnächst wieder ein Langeisen vom Kaliber eines "Return To Heaven Denied" vor den Latz - ich würde es mir und der Band wünschen!
Und dann war es endlich soweit: Die erste Headliner Tour von Iron Savior und die bezeichnenderweise letzte von Kai Hansen mit Iron Savior (wie schon in der letzten Ausgabe vermeldet steigt er aus, um sich ganz seiner eigenen Band Gamma Ray zu widmen) nahm ihren Auftakt in der Matrix in Bochum. Dabei kredenzte uns die hanseatische Combo ein "Best Of" Programm aus dem bisherigen Schaffen von Iron Savior (wenn man "Interlude" mal ausklammert) und ballerte der Meute aus rund 100 Nasen, die jeden Song dankbar aufnahmen, ein Highlight nach dem anderen vor den Latz. Eröffnet wurde der Gig von dem "Dark Assault" Smasher "Never Say Die", dem weitere "Dark Assault" Hammernummern wie "Solar Wings", "I`ve Been To Hell" und "Predators" im Laufe des Set`s folgten. Für Abwechselung in der Setlist sorgten dann die älteren Nummern von den beiden Vorgängern (das Mischalbum "Interlude" hatte man ausgeklammert) wie etwa "Coming Home", "Starborn", "Mind Over Matter", "Eye To Eye", "Atlantis Falling", "Iron Savior", "Riding On Fire", "Watcher In The Sky" oder der Rauskicker "For The World". Highlight des Set`s war aber die getragene orchestrale Halbballade "Made Of Metal", die für Gänsehaut pur sorgte. Die gute Setlist, in der leider das eine oder andere alte Helloween Stück wie etwa "Heavy Metal Is The Law" oder "Guardians" fehlte, wurde zudem von einer höchst aktiven Band abgerundet, wobei insbesondere Gitarrist Piet Sielck wieder gut drauf war - mit einem Funkmikro ausgestattet sorgte der sympathische und immer zu Scherzen aufgelegte Glatzkopf für ein höchst ungewöhnliches Bild vorne auf der Bühne. Auffallend war nur, daß sich Kai Hansen an diesem Abend merklich im Hintergrund hielt - von Gamma Ray her kennt man den kleinen Hamburger ganz anders. Nichtdestotrotz war es eine astreine Leistung von Iron Savior, die selbst vor einer kleinen Meute wie hundert Mann alles gaben und sich meinen Respekt nochmal nachhaltig verdient haben. Geiles Konzert, Jungs!
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