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Tests und Erfahrungsberichte

1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Herzlich Willkommen zu den kleinen Helfern im Mai.

Wieder mal sitzt mir der Redaktionsschluß im Nacken, weshalb ich mich diesmal kurz fasse und gleich zu den heute vorgestellten Programmen überleiten möchte.

Diesmal gibt es Reviews zu fmsdisk, HfMounterNG und WaTor. Das war ja eine tolle Überleitung ;-). Ich wünsche aber trotzdem noch viel Spaß beim Lesen!

fmsdisk:

"Wie entpacke ich ein DMS-Archiv (DMS - DISK-Masher-Diskettenarchiv) direkt auf die Festplatte?", "Wie kann ich eine ADF-Datei (Amiga Disk File - Disketten-Abbilder für den Unix Amiga Emulator UAE) direkt auf die Festplatte extrahieren?" oder "Wie kann ich eine ADF-Datei von der Festplatte ins ADF-Format zurück konvertieren?" - diese und ähnliche Fragen werden immer wieder in diversen Foren und Mailinglisten gestellt.

Die beste Lösung für diese Probleme ist die fmsdisk-Distribution aus dem Aminet. fmsdisk ist ein AmigaDOS-Gerätetreiber, der es ermöglicht, virtuelle Disketten auf der Festplatte zu verwalten. Wird so eine virtuelle Diskette im System angemeldet, läßt sich diese Disk ganz normal formatieren, kopieren, mit DMS archivieren, mit ADF- und DMS-Archiven beschreiben und auch als ADF-Datei speichern - nur mit einem kleinen Unterschied: die Schreib-/Lesegeschwindigkeit ist um ein Vielfaches höher. Sogar mit dem DEV-Handler (siehe "kleine Helfer..." AMIGA aktuell Ausgabe 11/2000) harmoniert fmsdisk perfekt zusammen.

Die Installation ist nicht wirklich schwierig. Allerdings sollte man sich mit den Grundlagen von AmigaDOS und Shell auskennen. Als Erstes werden die Dateien "fmsdisk.device" und "Mountlist" aus dem Verzeichnis "...FmsDisk/Devs/" nach "Devs:" kopiert. Falls sich unter "Devs:" schon eine alte Mountlist-Datei befindet, muß die Mountlist-Datei aus der fmsdisk-Distribution mit Hilfe eines Texteditors an die alte Mountlist- Datei angehängt werden. Das geht selbstverständlich auch aus der Shell mit folgender Kommandozeile ("Laufwerk:Pfad" muß mit dem richtigen Pfad zum Verzeichnis der fmsdisk-Distribution ergänzt werden.):

C:Type >>Devs:Mountlist Laufwerk:Pfad/FmsDisk/Devs/Mountlist

Als nächstes wird an einem beliebigen Ort auf der Festplatte ein neues Verzeichnis angelegt in dem später das fmsdisk.device seine virtuellen Floppy-Dateien ablegen kann. In der user-startup muß zum Schluß noch ein neues Assign "FMS:" auf dieses Verzeichnis gesetzt werden.

Ist alles erledigt, kann der Computer neu gestartet werden und wenn keine Fehlermeldungen während des Bootvorgangs auftreten, müßte fmsdisk korrekt installiert sein.

Um dies zu überprüfen, kann man die erste virtuelle Floppy ja mal anmelden. In einer Shell gibt man dazu...

Mount FF0:

...ein. Die Anmeldung des virtuellen Floppy-Laufwerks kann auch schon in der user-startup oder der startup-sequence geschehen. Dazu muß die obengenannte Kommandozeile einfach in einer der genannten Startup-Dateien eingefügt werden. Wer jetzt mit...

cd FF0:

...auf das virtuelle Floppy-Laufwerk wechseln möchte, bekommt erstmal eine Fehlermeldung um die Ohren gehauen, daß es sich bei der "eingelegten" Diskette um eine "ungültige DOS-Disk" handelt. Das ist aber völlig normal, denn die virtuelle Diskette muß vor der Verwendung - wie jede "echte" Diskette auch - formatiert werden. Das ist ebenfalls schnell geschehen. In der Shell gibt man dazu einfach folgende Kommandozeile ein:

format drive ff0: name Blank noicons quick

Oder man verwendet das Format-Programm aus der System-Schublade der Workbench. Das Formatieren der virtuellen Diskette sollte in "nullkommanix" erledigt sein.

Möchte man nur eine ADF-Datei oder ein DMS-Archiv auf die virtuellen Floppy-Disk schreiben, kann man sich die vorherige Formatierung auch sparen, da diese Aufgabe normalerweise gleich von dem verwendeten Tool (also "DMS" oder "adf2disk") übernommen wird. Die Formatierung muß nur durchgeführt werden, wenn z.B. Dateien auf die virtuelle Floppy kopiert oder andere Dateioperationen durchgeführt werden sollen.

Wird eine ADF-Datei für UAE benötigt, kann einfach die entsprechende Floppy-Datei aus der, während der Installation angelegten, "FMS:"-Zuweisung entnommen werden. Diese Dateien liegen praktischerweise schon im passendem ADF-Format vor und sind - je nachdem, in welchem simulierten Floppylaufwerk sie sich gerade befinden - als "UnitX" (X steht für die Laufwerksnummer [also 0, 1, 2, usw.]) bezeichnet.

Das fmsdisk.device unterstützt durch die mitgelieferte Mountlist-Datei bis zu 4 virtuelle Floppies. Werden mehr als 4 Floppies benötigt, können zusätzliche Laufwerksdefinitionen in der Mountlist erstellt werden. Allerdings konnte ich dem englischen Amigaguide-Dokument nicht entnehmen, wieviele virtuelle Floppy-Laufwerke maximal verwendet werden können. Meinen Tests zufolge sollte bei mehr als 127 Laufwerken Schluß sein (Wer benötigt soviele simulierte Floppies ;-)?).

Auch simulierte Disketten mit mehr als 80 Zylindern sind kein Problem. Werden solche "Disketten" benötigt, muß der "HighCyl"-Eintrag für das jeweilige simulierte Floppy-Laufwerk in der Mountlist-Datei nur entsprechend erhöht werden.

Voraussetzungen für den Betrieb von fmsdisk sind mindestens 900 Kilobyte freies RAM und eine Festplatte mit genügend freiem Speicher für die Floppy-Dateien (Diese Dateien können selbstverständlich auch in der "Ram Disk:" angelegt werden. Dann wird aber auch entsprechend mehr freier Hauptspeicher benötigt.).


Autor: Dave Jones, Thomas Omilian, Matt Dillon 
Aminet:  
Programmversion: 5.0 
Homepage:  
Lizenz: Giftware (näheres dazu steht auch in der Anleitung) 
  

HFMounterNG:

Passend zu fmsdisk kommt HFMounterNG daher. HFMounter stellt ein graphisches Frontend für das fmsdisk.device dar. Per Mausklick können virtuelle Floppies angemeldet, formatiert und wieder vom System entfernt ("ausgeworfen") werden.

Eine kleine Info-Funktion gibt Auskunft über das jeweilige virtuelle Floppy-Laufwerk und die darin "eingelegte" Floppy-Datei. Vor der Verwendung von HFMounterNG ist aber die richtige Installation und Konfiguration zu beachten. HFMounter benötigt die Systemerweiterung MUI (ab Version 3+) und die MUI-Custom-Class "twfmultiled.mcc". Diese Custom-Class-Datei wurde leider nicht der Distribution beigelegt und im Aminet ist sie ebenfalls nicht zufinden (oder doch?). Ich habe mir das Archiv jedenfalls hier besorgt:

http://www.starforge.co.uk/files/MCC_TWFmultiLED.lzx

Die Installation der Custom-Class sollte problemlos mit Hilfe des mitgelieferten Installerscripts ablaufen.

Nachdem diese Hürde überwunden wäre kommen wir zur Konfiguration, die ebenfalls nicht ganz unproblematischen ist, da der Distribution keine vernünftige Anleitung beigelegt wurde. Dazu muß HFMounterNG zuerst gestartet und über den Menüpunkt "Project/Settings" der Voreinsteller aufgerufen werden.

Screenshot

In dem Texteingabefeld "Mountlist" ist die Mountlist-Datei einzutragen, in der sich die fmsdisk-Laufwerksdefinitionen befinden. Im Normalfall sollte das die originale Mountlist-Datei sein. Falls dies der Fall sein sollte, reicht es, wenn dort "Devs:Mountlist" eingetragen wird. Wurde für die Laufwerksdefinitionen eine eigene Mountlist-Datei erstellt, muß auch der Mountlist-Eintrag diesbezüglich geändert werden. In dem Eingabefeld "FMS:" muß der Pfad auf das Verzeichnis eingetragen werden, in dem das fmsdisk.device die Floppy-Dateien aufbewahrt. Achtung: Dort darf auf keinen Fall einfach nur die Zuweisung "FMS:" eingetragen werden, da HFMounterNG sonst beim nächsten Start das ganze System einfrieren kann (das war zumindest auf meinem System zu beobachten). HFMounterNG erstellt die von fmsdisk benötigte Zuweisung "FMS:" automatisch, so daß bei ausschließlicher Verwendung von HFMounterNG zur Anmeldung der FMS-Floppies der Assign- Eintrag "FMS:" aus der user-startup wieder entfernt werden kann. Das Feld "Device" wird mit den Anfangsbuchstaben (alle Buchstaben vor der Nummer des Laufwerks [also "FF" wenn die fmsdisk-Laufwerke als "FF0", "FF1", "FF2" usw. in der Mountlist bezeichnet wurden]) der simulierten Floppylaufwerke gefüllt. Unter "Name" kommt der Diskettenname, der nach der Formatierung des Laufwerks verwendet werden soll. Wird dort als Bsp. "leer" eingetragen, bekommt das simulierte Floppy "FF3:" nach der Formatierung den Namen "leer3". Nachdem alles eingestellt wurde reicht ein Klick auf "Save" und die Konfiguration kann beendet werden.

Im Hauptfenster von HFMounterNG befinden sich im oberen Teil 12 Knöpfe, die jeweils die Bezeichnung des entsprechenden simulierten Floppy-Laufwerks tragen.

Screenshot

Im unteren Teil des Fensters befindet sich das "Mode"-Cyclegadget, mit dem die Aktion eingestellt werden kann, die auf ein simuliertes Floppy angewendet werden soll. Steht das Feld auf "Mount" und wird auf einen der Laufwerksknöpfe geklickt, wird das Laufwerk angemeldet. Steht der Mode auf "Format" wird das Laufwerk formatiert. Hierbei ist noch zu beachten, daß vor dem Formatieren des Laufwerks keine Sicherheitsabfrage gestellt wird. Das simulierte Floppy wird sofort und ohne weitere Bemerkung formatiert. "Remove" entfernt das Laufwerk wieder vom System und "Info" öffnet eine kleine Info-Box. Der Knopf neben "Mode" sendet ein "Diskchange"-Signal an alle angemeldeten FMS-Floppies und der Computer aktualisiert die Informationen über die, in die FMS-Laufwerke "eingelegten", Floppy-Dateien. Normalerweise sollte diese Funktion aber nicht benötigt werden. Der "Remove All"-Knopf entfernt alle angemeldete FMS-Floppy-Laufwerke in einem Rutsch wieder vom System.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande: Im Hauptfenster von HFMounterNG werden zwar 12 Laufwerks-Knopfe angegeben, allerdings müssen auch in der Mountlist 12 Laufwerke definiert worden sein um auch alle Laufwerke nutzen zu können. Wenn in der Mountlist nur 4 FMS-Laufwerke definiert wurden, können auch nur die Laufwerksknöpfe für Laufwerk 0 bis 3 verwendet werden. Ein Klick auf Laufwerks-Knopf 11 würde in diesem Fall zu keinem Ergebnis führen.


Autor: Wojciech Margowniczy 
Aminet: disk/misc/2b_HfMounterNG.lha 
Programmversion: 1.1 
Homepage:  
Lizenz: Cardware (eine Postkarte an den Autor) 
  

WaTor:

Amiga-Rechner sind für ihr Angebot an Edutainment-Software ja nun nicht gerade berühmt. Deswegen fand ich, daß WaTor eine Vorstellung wert ist, obwohl dieses Programm kein "echtes" Tool in dem Sinne darstellt. WaTor ist eine kleine Simulation, die das Verhältnis von Beutetier und Räuber in einem idealisierten Ökosystem darstellt. Als Beispiel kann man sich eine Insel vorstellen, auf der immer genug Gras (ich meine grünes Gras auf der Wiese! ;) vorhanden ist und auf der nur 2 Säugetierarten vorkommen. Zum einen Füchse und zum anderen Hasen. Die Füchse fangen und fressen die Hasen. Dadurch wird die Population der Hasen geschwächt. Gibt es nicht mehr genug Hasen müssen die meisten Füchse verhungern und die übrig gebliebenen Hasen können sich wieder vermehren. Sind wieder genug Hasen da, können sich auch die Füchse wieder vermehren solange bis wieder alle Hasen weg gefuttert wurden ... usw. In WaTor gibt es keine Füchse oder Hasen sondern Fische und Haifische (Haifische sind ja eigentlich auch Fische, deswegen würde ich vermuten, daß alle anderen Fische, außer den Haifischen, Heringe oder ähnliches Haifischfutter sind ;-)). Soweit zu Erklärung des Programms.

WaTor wird in 4 unterschiedlichen Versionen ausgeliefert. Einmal in einer Version, die auf Kick3.0-Rechnern läuft und in einer, die auch noch auf einem alten A500 mit Kick1.3 laufen sollte (Die hab' ich aber nicht ausprobiert und ich beziehe mich im weiteren Verlauf des Textes nur auf die Kick3.0-Version). Zusätzlich liegen noch jeweils 2 Versionen für Amigas mit 68000- und 68020-CPU vor. Eine Installation ist nicht notwendig, solange alle Standard-Zeichensätze der Workbench installiert wurden. Beim Programm- Start wird ein neuer PAL-Highres-Screen (640x256 + evtl. eingestellter Overscan) mit 16 Farben geöffnet, der bekannterweise von jedem Amiga-Modell dargestellt werden kann. Der Bildschirm kann auch mit einem Screen-Promotor auf einen Grafikkarten-Bildschirm umgelenkt werden, allerdings werden Grafiken und Texte dann in einem falschen Aspekt-Ratio dargestellt. Nachdem WaTor gestartet wurde, wird eine kleine Grafik dargestellt, die sehr stark an "wirklich" alte Computer (also C64, ZX-Spectrum usw.) erinnert ;-).

Screenshot

Das gesamte Programm liegt komplett und ausschließlich, genau wie die Amigaguide-Anleitung auch, in Deutsch vor. Die Benutzerführung des Programms ist relativ einfach denn es gibt nur 6 Menüpunkte, mit denen alle Programmfunktionen gesteuert werden können. Die interessanteren Funktionen befinden sich unter dem Menü "Simulation". Dort kann eine neue Simulation gestartet und die Simulationsgeschwindigkeit reguliert werden. Der Menüpunkt "Neustart" öffnet einen Requester, in dem alle Simulationsparameter festgelegt werden können.

Screenshot

Auf der linken Seite befindet sich ein vertikaler Regler "Tage:", mit dem der Zeitraum der Simulation eingestellt werden kann. Keine Angst, die Simulation über 2000 Tage dauert in der schnellsten Simulationsgeschwindigkeit auf meinem A1200 mit 040/40CPU weniger als 5 Minuten ;-). Außerdem kann die Simulation jederzeit abgebrochen werden. "Anzahl der Haie" und "Anzahl der Fische" definiert das Jäger/Beute- Verhältnis beim Start der Simulation. "Geburtenrate der Haie" und "Geburtenrate der Fische" legt die Anzahl der Tage fest, in dem ein neuer Hai bzw. frisches Haifischfutter das Licht der virtuellen Welt erblickt. "Max. Hungerrate der Haie" legt den Zeitraum fest, die ein Hai ohne Futter überleben kann und mit dem "Fertig"-Knopf wird die Simulation gestartet.

Screenshot

Die Simulation wird beendet sobald keine Haie oder keine Beute mehr vorhanden ist. Es wird danach eine kleine Statistik ausgegeben, in der deutlich die Schwankungen im Jäger/Beuteverhältnis erkennbar sind. Wie kompliziert ein echtes Ökosystem im Vergleich zu diesem simulierten ist, merkt man sehr schnell daran, daß es schon einige Zeit zum Finden der richtigen Parameter in Anspruch nimmt, bevor eine Simulation über den maximalen Zeitraum von 2000 Tagen aufrecht erhalten werden kann. Wer keine Lust zum langen Ausprobieren hat, kann sich an folgende Parameter halten:

Anzahl der Fische: 130
Anzahl der Haie: 50
Geburtenrate der Fische: 2
Geburtenrate der Haie: 21
Max. Hungerzeit der Haie: 1

Mit diesen Parametern läuft die Simulation über 2000 Tage. In der schnellsten Geschwindigkeitsstufe hängt die Simulationsgeschwindigkeit nur noch von der Rechenleistung der verwendeten CPU ab, so daß es auf sehr schnellen Rechnern interessante Effekte geben kann. Epileptiker sollten, laut Anleitung, dabei aber etwas vorsichtig sein.


Autor: Uwe Hösel 
Aminet: misc/sci/WaTor1_27.lha 
Programmversion: 1.27 
Homepage:  
Lizenz: Frei vertreibbar 
  

So, das war's. Ich hoffe, es war für jeden etwas dabei. Wenn ihr Fehler findet, Kritik oder Lob loswerden wollt oder interessante Programme kennt, dann schreibt mir eine Mail.

Bis zum nächsten Mal,

Christian Aichinger <christian@aakt.de>

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