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Ich will so bleiben wie ich bin....
Ich stehe vor dem Spiegel. Wirre Gedanken schießen mir durch den Kopf. "Wie konnte das nur passieren? Wie ist das möglich? Alles war doch exakt geplant"
Vor wenigen Augenblicken hat mich meine elektronische Personenwaage mit kasteiender 100-Gramm-Einteilung und 20-Jahre-Dauerbatterie davon in Kenntnis gesetzt, dass ich über Ostern -diese unscheinbaren, wenigen Tage- fast drei Kilo zugenommen habe.
Der Spiegel verrät noch mehr. Es sind nicht nur die drei Kilo Neuakquise über Ostern. Es sind auch die restlichen 7 Kilo, die mich beim Treppen steigen schnaufen lassen.
Dabei hatte ich mir vor Ostern ganz fest vorgenommen, keine Schoki mehr zu mir zu nehmen. Aber ein Kunde war der Quertreiber. Wieso mußte diese gelbe Knilch auch unbedingt Schoko-Ostereier mitbringen. Einen ganzen Beutel voll. Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Die Dinger waren schnell vernichtet, der Weg zum nächsten Supermarkt nicht weit und der Wille (einmal auf den Geschmack gekommen) schnell gebrochen.
Es hilft nichts, ich muß zur Arbeit. Die Hose spannt ein wenig. Schlanke weibliche Schönheiten drängen sich in die überfüllte U-Bahn. Wohin das Auge reicht nur gesunde, vitale Menschen. Und alle scheine mich anzugaffen. Die ganze U-Bahn hat sich mit dem Gedanken "Ach du großer Gott" gegen mich verschworen. Sogar die sonst lieb guckenden Omis scheinen mich zu mustern und virtuell mit dem Kopf zu schütteln. Zorn steigt in mir auf. Ich denke mir "Guckt nich´ so doof. Wer mit seiner Rentnerkarte schon um 8.50 Uhr in der U-Bahn steht verstößt gegen die Tarifgegebenheiten des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV). Die erlaubt euch erst ab neun Uhr die U-Bahn zu verstopfen. Und überhaupt, wer ist denn für "Auffahrunfälle" am Ende der Rolltreppe verantwortlich, wenn das Ding mal wieder schneller läuft als ihr?"
"Nächsta hoid .... Haubtbaanhof ... Umsteigemöglichkeit zu ...". Der U-Bahn-Fahrer brüllt das erlösende Stichwort. Meine Brille ist leicht beschlagen. Die 10-minütige Tour hat mir ganz schön zugesetzt und ich beschließe, den restlichen Weg zufuß zu gehen; der Fitness wegen ...
Das Büro ist erreicht, ich kann mich setzen. Die rechte Hand greift nach den Taschentüchern, die linke an den Power-Schalter des PCs. Erst mal gepflegt schneuzen .... die Festplatte im Rechner macht ein ähnliches, jedoch deutlich leiseres Geräusch. Jetzt gehts mir zum ersten Mal wieder besser an diesem Morgen. Der Rechner bootet, bootet, bootet und bootet. Tausend unverständliche Befehle werden in einem kleinen Fensterchen abgearbeitet. Und er bootet, bootet und dann ...... macht er garnichts mehr. Ein noch kleineres (neckisch anmutendes) Fensterchen teilt mir mit, dass mit der Netzwerkanbindung etwas nicht stimmt.
Ich sitze baff vor dem Redmond-verwöhnten Rechner, die Spannung steigt ..... und dann flutscht mir ein lächeln über das Gesicht, dass sich langsam zu einem breiten Grinsen entwickelt. "Hah, alter Protzer!! Wohl auch zuviele Schoki-Eier gefuttert, was ?! Das fällt dir trotz deiner vielen Megahertz mindestens so schwer wie mir."
Wie schön .... ich bin nicht allein auf dieser Welt.
Lebt lang und erfolgreich ...
Euer
Ralf Driesner <global-dries@gmx.de>