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1. Workshop: Virtual Network Computing (von Uwe Pannecke)

Der Herr der Fernbedienung

Der VNC Viewer für Amiga von Denis Spach

0. VNC - eine neue Tierseuche?

SPD und CDU kennt (in Deutschland) jeder, BSE inzwischen auch, aber was verbirgt sich hinter dem Kürzel VNC? Die AT&T Laboratories Cambridge [1], die diese freie Software entwickelt haben, verstehen unter VNC ein Virtual Network Computing. Sehr schön, wird nun mancher Leser sagen, und was heißt das konkret und auch für "Nicht-Engländer" verständlich? Hinter VNC verbirgt sich ein System, das es erlaubt, in einem Netzwerk (egal ob lokal begrenzt oder weltweit ausgedehnt wie das Internet) die grafische (Bildschirm-) Ausgabe eines Rechners, also sein "Desktop Environment" (etwa die Workbench des Amigas oder KDE und GNOME unter Linux), nicht nur auf dem Rechner selbst, sondern jedem anderen vernetzten Rechner zur Verfügung zu stellen. Dieses Virtual Network Computing bedient sich dabei der Server- Client-Philosophie: Der Server-Rechner stellt seine Bildschirmausgabe dem Client-Rechner zur Verfügung einschließlich Tastatur- und Mausunterstützung. So läßt sich der Server-Rechner vom Client aus mit grafischer Oberfläche bedienen und somit fernsteuern, auch wenn er tausende Kilometer (oder nur wenige Meter) entfernt räumlich unerreichbar vor sich hin summt sollte. Dabei spielt es kaum eine Rolle, welches Betriebssystem auf den beteiligten Rechnern läuft. VNC-Viewer und -Server existieren für unix-artige OS wie etwa Linux, HP/UX und BSD-Derivate ebnso wie für Windows, DOS, OS/2, BeOS, Geos (z.B. Nokia 9000), PalmOS und Dank mehrerer findiger Programmierer auch für Amiga. So programmierte Joerg Dietrich sein 'VVA', einen "VNC Viewer for Amiga", der von Denis Spach [2] seit Version 0.2 weitergeführt und zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei Version 0.9.6 angekommen ist. Übrigens findet Ihr auf Denis Spachs Homepage auch einen VNC- und X11-Server für den Amiga. In diesem Text will ich mich aus Platzgründen nur auf Installation und Kon- figuration des VNC Viewer für Amiga beschränken. Es soll gezeigt werden, wie der Amiga die Bildschirmausgabe von Linux und Windows einfangen und so die vollständige Kontrolle über die Rechner erlangen kann.

1. Systemvoraussetzungen

Euer Amiga sollte mindestens 256 Farben für die Bildschirmdarstellung beherrschen, also entweder über AGA oder besser gleich eine Grafikkarte mit CyberGraphics oder Picasso96 verfügen. Ausserdem muss mindestens eine MC68020-CPU im Amiga werkeln und AmigaOS 3.0 oder höher installiert sein. Für die Kontaktaufnahme mit weiteren Rechnern benötigt Euer Amiga einen TCP/IP-stack wie Miami, AmiTCP ab V3 oder Genesis. Natürlich muss irgendwo im erreichbaren Netzwerk ein laufender VNC-Server (weiter unten müssen dafür Linux und Windows98 herhalten) vorhanden sein. Zu guter Letzt ist eine installierte reqtools.library vonnöten.

2. Installation

2.1 Amiga

Nachdem das vva096.lha-Paket auf Eurem Rechner gelandet und in ein Verzeichnis Eurer Wahl entpackt ist, hat damit gleichzeitig die Installation ihren Abschluß gefunden. Nach einem Doppelklick auf das 'vva'- Verzeichnis-Icon präsentiert sich ein Fenster mit vielen vva-xx-Icons im MagicWB-Look, hinter denen sich vorkonfigurierte Startoptionen für den VNC- Viewer verbergen.

Ihr habt die Wahl zwischen Grafikausgabe in einem Fenster auf der Workbench, als Workbench-Hintergrund oder auf einem eigenen Screen in 8, 16 oder 32 Bit Farbtiefe. Entweder, Ihr passt die Tooltypes der Icons an Eure Gegebenheiten an oder erstellt eigene Projekt-Icons mit den entsprechenden Einträgen.

Screenshot

Bevor der VNC-Viewer in Aktion treten kann, muss zuvor erst noch der passende VNC-Server auf dem fernzusteuernden Rechner installiert werden.

2.2 Linux

Die geeigneten Pakete findet Ihr auf den VNC-WEB-Seiten der AT&T [3] unter dem Abschnitt DOWNLOAD. Wählt die für das Betriebssystem geeigneten Pakete aus und installiert sie auf dem entsprechenden Rechner. Zuvor lohnt sich jedoch ein Blick in das meist vorhandene Linux-CD-Set. So bringt etwa SuSE Linux aktuelle Pakete sowohl für VNC-Server als auch -Viewer gleich mit. Sind die Pakete (z.B. mittels RPM oder eines Tools wie etwa YAST bei SuSE) installiert, wird der VNC-Server per Shell-Eingabe zur Zusammenarbeit überredet. Der Server möchte zu Beginn gern ein Passwort wissen, mit dem sich der Client, also der VNC-Viewer später beim einloggen authorisieren muss.

Screenshot

Sinnvollerweise sollte dem Server zumindest die zu verwendende Display- Nummer übermittelt werden. In unserem Fall soll es das Display Nummer 2 sein. Außerdem soll die Bildschirmauflösung 800x800 Pixel betragen, denn so kann bei einer vorhandenen Workbenchauflösung von 1024x768 Pixel die Garfikausgabe als Fenster auf der Workbench geöffnet werden. Wählt Ihr eine höhere als die aktuell genutzte Workbenchauflösung, öffnet 'vva' einen eigenen Screen, dessen Daten über einen Screenmode-Requester auswählbar sind.

Soll der VNC-Server seine Arbeit beenden, befördert die Shell-Eingabe "vncserver -kill :2" die aktuelle Server-Sitzung ins Daten-Nirvana.

2.3 Windows9x

Wer eine aktuelle SuSE-Distribution besitzt, kann sich auch für Windows9x den Download sparen. Auf der ersten CD bzw. der DVD versteckt sich im Verzeichnis '/dosutils/vnc' neben einem VNC-Server zusätzlich auch noch ein VNC-Viewer für Windows9x. Ansonsten kann wiederum die AT&T-Seite [3] als Anlaufstelle dienen. Eine im Paket enthaltene Installationroutine klinkt die entsprechenden Daten in das Windows9x-System ein. Vor der ersten Nutzung sorgt die Anwahl der Einträge "Start/Programme/Vnc/Administrative Tools/Install Default Registry Settings" und ".../Install WinVNC Service" für die Präparation. Der VNS-Server erfragt beim ersten Start wiederum ein Passwort. Das gleiche Passwort wird der VNC-Viewer wissen wollen, um so eine unauthorisierte Fernsteuerung zu unterbinden. Ausserdem ist die Wahl einer Display-Nummer notwendig. Neben der automatischen Vergabe ist eine explizite Festlegung möglich und soll auch in unserem Beispiel genutzt werden. Wir legen als Display-Nummer wie schon unter Linux die 2 fest und klicken auf "OK".

Screenshot

Ab sofort wartet der VNC-Server im Hintergrund auf Anbändelungsversuche eines VNC-Viewers.

3. Kontaktaufnahme

Vielfältige und auf den ersten Blick kaum überschaubare Konfigurations- möglichkeiten können realisiert werden. Um dennoch in kürzester Zeit zum Erfolgserlebnis zu kommen, soll an dieser Stelle wieder einmal ein einfaches Beispiel herhalten. Für weitergehende Möglichkeiten sei auf die "vva"-Dokumentation und die VNC-Webseite [3] verwiesen. Nehmen wir den Linux-Rechner: Er soll unter der IP-ID '192.168.03' oder unter dem Namen 'linux.xwing.de' erreichbar sein und dessen VNC-Server exportiert die Grafikausgabe, wie schon konfiguriert, auf das Display 2. Wir wollen die Grafikausgabe des Rechners in einem Fenster auf unserer Amiga-Workbench, die in 8 Bit Farbtiefe läuft, sehen.

Um unser Ziel zu erreichen, nutzen wir das von Denis Spach mitgelieferte "vva-sharepens"-Icon. Lasst Euch also die Informationen zum Icon anzeigen. Unter "Merkmale:" werden wir jetzt die passenden Einträge vornehmen: Als Argument für HOST tragen wir die IP-ID oder den Namen des zu steuernden Rechners ein, also HOST=192.168.0.3 oder HOST=linux.xwing.de. Der PORT erhält als zusätzliche Angabe die Display-Nummer. Da in unserem Fall Display 2 benutzt wird, erfolgt der Eintrag PORT=5902. Soll Display 1 Verwendung finden, wäre PORT=5901 der korrekte Eintrag.

Screenshot

Mit SCREENMODE kann auf Wunsch ein zu verwendender Bildschirmmodus für den Start angegeben werden, wobei grundsätzlich der Modus in dezimaler Angabe erfolgen muss. Um die passende Ziffernkombination herauszufinden, liegt dem 'VVA'-Paket das Tool "mid" bei. Ist das SCREENMODE-Merkmal deaktiviert wie unserem Fall, öffnet sich nach dem Start ein Screenmode-Requester. Die restlichen Angaben in den Icon-Merkmalen belassen wir vorerst im Ursprungszustand. Nähere Informationen zu den weiteren Einträgen findet Ihr in der 'VVA'-Dokumentation. Mit einem beherzten Klick auf das soeben angepasste Icon werdet Ihr, wie schon angedeutet, mit einer Passwort- Abfrage konfrontiert.

Screenshot

Tragt hier das zuvor beim Server festgelegte Passwort ein, wählt anschließend den gewünschten Bildschirmmodus (wenn kein Fenster auf der Workbench geöffnet werden kann) und staunt über das sich öffnende Fenster samt Grafikausgabe des soeben "angezapften" Rechners.

Screenshot

4. Fazit

Virtual Network Computing ist eine faszinierende Möglichkeit, vernetzte Rechner zu bedienen. Die exportierte Benutzeroberfläche macht eine Kontrolle des Remote-Rechners sehr einfach. Viele interessante Anwendungsfälle sind so realisierbar.

Obwohl das Programm 'vva' erst die Versionsnummer 0.9.6 erreicht hat, arbeitet es dennoch sehr zuverlässig und leistungsstark. Ein weiteres feines Stück Amiga-Software. Sehr empfehlenswert.

5. Informationen

[1] http://www.uk.research.att.com/
[2] http://dspach.free.fr/amiga/vva/index.html
[3] http://www.uk.research.att.com/vnc/index.html

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>

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