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Herzlich Willkommen zu den kleinen Helfern im Mai.
Das Aminet war diesmal ein richtiges Abenteuer. Nicht, weil vielleicht das ultimative Tool abgeladen wurde, sondern eher wegen der Anzahl an Viren und Fakes die es diesen Monat zu umschiffen galt. "Bobek" hat mich dann leider auch erwischt - obwohl der kleine Schelm wohl nicht mehr kann als abzustürzen. Neben all den digitalen Untrieben hab ich aber doch noch ein paar Tools gefunden, die, wie ich finde, recht brauchbar für die täglichen Aufgaben zu sein scheinen.
Genug geplaudert - diesen Monat gibt es Vorstellungen zu "WB-Tidy", "LatinMap", "SystemViewer" und "MiraPLOT".
Viel Spaß beim Lesen.
Ein entstaubter Monitor, eine saubere Tastatur und eine aufgeräumte Workbench - was braucht "Amiga-User" mehr? Für Erstgenannte hilft nur Spüli und ein Lappen, für die aufgeräumte Workbench gibt es unter anderem WB- Tidy.
Nun - was macht WB-Tidy eigentlich? Ganz einfach: WB-Tidy ordnet alle Fenster auf der Workbench in unterschiedlichen Formationen an. Wurde WB- Tidy gestartet, öffnet sich auf der Workbench in kleines Einstellungsfenster, mit dem die Parameter zur Anordnung der Fenster definiert werden können.
Mit dem Cycle-Gadget unter "Mode" kann der Anordnungsmodus festgelegt werden. Es stehen dabei vier verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Mit dem "Tile"-Mode werden alle Fenster auf der Workbench so verschoben und verkleinert, daß die Umrisse des Fensters (Rahmen, Schließsymbol, Vergrößerungssymbol, etc.) nicht von anderen Fenstern überdeckt werden und genau mit den Grenzen des nächsten Fensters abschließen.
Im "Cascade"-Mode werden Fenster so angeordnet, daß sich ein Fenster immer, mit frei wählbarem X- und Y-Offset, über das andere legt. Im Stack-Mode werden Fenster, mit freiwählbarem Y-Offset, übereinander gelegt, so daß man noch die Ziehleiste mit dem Mauszeiger erreichen kann und mittels "Child"- Mode werden alle Workbench-Fenster einfach übereinander gestapelt.
Neben dem eigentlichen Anordnungsmodus können noch weitere Parameter angegeben werden, wie z.B. das Offset zwischen den Fenstern, eine neue Fenstergröße, auf die die Fenster skaliert werden sollen, ob ausschließlich Workbench-Fenster oder auch Fenster von Applikationen verschoben werden sollen oder aber auch die X- und Y-Koordinaten des Ursprungs der zu stapelnden Fenster. Etwas schwierig wird es, wenn auf der Workbench schon so viele Fenster geöffnet wurden, daß man das Fenster von WB-Tidy nicht mehr findet. Aber auch da hat der Autor vorgesorgt.
WB-Tidy können alle Parameter über die Tooltypes des Programm-Icons übergeben werden. So ist es z.B. denkbar, WB-Tidy in das AmiDock vom OS3.9 oder eine ähnliche Starthilfe zu integrieren. Per Mausklick werden dann alle Workbenchfenster schön ordentlich auf dem Workbenchbildschirm ausgerichtet.
WB-Tidy ist ein waschechtes Tool im klassischen Sinne. Es wird nichts gepatcht, nichts verbogen oder irgendwelche anderen Sauereien mit AmigaOS angestellt. WB-Tidy benötigt keine zusätzlichen Schriftsätze oder Libraries und hält sich im Anspruch an Systemressourcen auf einem sehr niedrigen Niveau. Trotz des gehobenen Alters (Baujahr 1999) läuft WB-Tidy auf meinem AmigaOS3.9-System recht stabil und zuverlässig. Aufpassen sollte man, wenn wirklich sehr viele Fenster geöffnet sind (etwa 200-300 Fenster - ich hab sie nicht gezählt) und nur noch wenig freier Speicher zur Verfügung steht. Bei meinen "Streß-Tests" hat der "Arrange-Button" von WB-Tidy meinen Rechner regelmäßig ins Nirvana geschickt. Allerdings sollte es nur sehr selten vorkommen, daß sich tatsächlich soviele geöffnete Fenster auf der Workbench befinden.
Die Mindestanfordung für einen erfolgreichen Einsatz sind OS2.0, ein Amiga mit etwas freiem RAM und ein paar geöffnete Fenster auf dem Workbench- Bildschirm. Zur Installation kann das Programm an einen beliebigen Platz auf der Workbench kopiert werden.
| Autor: | Simon Hitchen |
| Aminet: | util/wb/WB-Tidy.lha |
| Programmversion: | 1.47 |
| Homepage: | http://www.gadge.u-net.com |
| Lizenz: | freely distributable |
So ein Programm habe ich schon lange gesucht und ich denke, auch andere Vieltipper, Briefeschreiber, Redakteure, Fremdsprachen-Lehrer und -Lernende haben so ein Programm vermißt. Wer auf Anhieb, ohne groß zu überlegen und zu probieren, in der Lage ist, folgende Sonderzeichen einzutippen, kann dieses Review getrost überspringen.
"±","Ñ", "¤"
Alle anderen sollten weiterlesen ;). Tja, wie hab ich das gemacht, ohne mich dämlich zu suchen? Natürlich mit LatinMap. LatinMap ist ein kleines Commodity, das alle Sonderzeichen, die normalerweise nur durch zusätzliches Betätigen von "ALT" und/oder "Ctrl" zu erreichen sind, in einer übersichtlichen Tabelle darstellt.
Der Anwender klickt das benötigte Zeichen mit der Maus an und LatinMap kopiert dieses in das Clipboard. Zurück im Editor, der Textverarbeitung oder dem Email-Programm wird nur noch schnell die Tastenkombination "Linke Amiga+V" gedrückt oder das Einfügen-Menü der entsprechenden Applikation betätigt und das vorher ausgewählte Sonderzeichen wird an der Cursorposition eingefügt.
LatinMap unterstützt bis zu 255 Clipboard-Units, die mit dem unteren Slider-Gadget ausgewählt werden können. Die meisten Text- und Email- Programme unterstützen normalerweise nur eine Clipboard-Unit, wodurch die Entscheidung der zu verwendenden Clipboard-Unit relativ leichtgemacht wird. Als Ausnahme wäre GoldED4 zu nennen, der bis zu 3 unterschiedliche Clipboards unterstützt.
LatinMap benötigt MUI in der Version 3.8 und einen Amiga mit mindestens OS2.0. Installiert wird LatinMap, indem man das Programm an einen beliebigen Platz auf der Festplatte kopiert.
| Autor: | Richard West und Daniel Pimley |
| Aminet: | util/cdity/LatinMap.lha |
| Programmversion: | 1.1 |
| Homepage: | http://www.microdesign.org/ |
| Lizenz: | Freeware |
SystemViewer ist ein System-Monitor in der Art von ARTM oder Scout. Es können alle Möglichen System-Strukturen, Listen, Tasks, Fenster, Bildschirme, Interrupts usw. dargestellt werden. Von der grafischen Aufmachung ist SystemViewer nicht gerade der Hammer - der Autor verzichtet auf ReAction oder MUI - und auch von der Funktionalität vermißt man einige Dinge, die man vielleicht von Scout oder anderen Programmen dieser Art kennt und die noch nicht in SystemViewer implementiert wurden. Auf der anderen Seite ist das Programm Freeware und das Beste: Es werden alle Quellcodes in der Programmiersprache C mitgeliefert. Für Programmierer oder solche, die es noch werden wollen, lassen sich mit Sicherheit einige Funktionen finden, mit denen man interessante Informationen über die Interna des AmigaOS erhalten kann. Aber auch für "normalsterbliche" Amiga- Anwender sind einige nützliche Programmfunktionen zu finden. So lassen sich z.B. "liegengebliebene" Fenster oder Bildschirme von abgestürzten Anwendungsprogrammen schließen oder Prozessprioritäten verschiedener Tasks verändern. Es sollte dabei aber äußerste Vorsicht an den Tag gelegt werden. Systemabstürze lassen sich mit einem System-Monitor sehr einfach fabrizieren. Also Finger weg, wenn man nicht weiß, was man tut!
Die Bedienung gestaltet sich recht einfach. Nachdem SystemViewer gestartet wurde, kann der Anwender über ein Auswahlfenster an die Informationen des entsprechenden Betriebssystem-Teils von AmigaOS gelangen.
Am unteren Rand des jeweiligen Informationsfensters befinden sich noch einige Buttons, mit denen spezifische Aktionen (z.B. das Entfernen von Libraries oder Devices aus dem Speicher) durchgeführt oder zusätzliche Informationen über entsprechende System-Module eingeholt werden können.
Leider bemerkt man hier auch sehr oft den "unfertigen" Zustand SystemViewers. An der Programm-Stabilität kann man allerdings nicht meckern. Während meiner Tests ist SystemViewer nicht einmal aufgrund von Programmfehlern abgestürzt.
Zur Installation beläst man SystemViewer und die dazugehörigen Programm- Module am besten in einem eigenen Verzeichnis und kopiert dieses Verzeichnis an einen beliebigen Platz auf der Festplatte. Voraussetzung für den Betrieb von SystemViewer ist ein Amiga mit 68020 CPU und OS3.0.
| Autor: | James T. Steichen |
| Aminet: | dev/moni/SystemViewer.lha |
| Programmversion: | 1.0 |
| Homepage: | |
| Lizenz: | Freeware (Achtung! trotz der mitgelieferten Quellcodes ist SystemViewer kein Open Source!) |
Und zum Schluß noch zu einem Programm, das eigentlich "zu Schade" für die kleine Helfer-Rubrik ist, denn MiraPLOT ist schon etwas mehr als nur "ein kleiner Helfer" sondern fast schon ein Profi-Werkzeug für Liebhaber von gerenderten Computergrafiken. MiraPLOT kurz erklärt: Dieses Programm berechnet aus 3 mathematischen Funktionen für X-, Y- und Z-Achse ein dreidimensionales TDDD-Objekt, daß z.B. mit der Rendersoftware "Imagine" weiterverabeitet werden kann. An mathematischen Funktionen stehen neben den 4 Grundrechenarten umfangreiche trigonometrische Funktionen ("Sinus", "Cosinus", etc.), logische Operatoren ("and", "or", "not"), Operatoren zum Vergleich von Werten ("IF", "<", ">", "=") und die 2 Konstanten Pi und e (Euler'sche Zahl) zur Verfügung.
Unterteilt wird die grafische Benutzeroberfläche von MiraPLOT, das im übrigen auf die Systemerweiterung MUI zurückgreift, in 3 unterschiedliche Fenster.
Im ersten Fenster werden alle Dateioperationen, wie das Laden und Speichern von Funktions-Parameter-Sätzen oder das Sichern des berechneten Objektes, verwaltet. Es können beliebig viele Funktions-Parameter-Sätze geladen werden.
Im zweiten Fenster, dem Parameter-Fenster, können die mathematischen Ausdrücke für X- , Y- und Z-Koordinaten, des jeweils ausgewählten Funktions-Parameter-Satzes bearbeitet und die Auflösung (bzw. die Anzahl der Knotenpunkte) des Objektes festgelegt werden. Im MiraPLOT-Archiv werden einige Parameter-Sätze mitgeliefert, so daß die Einarbeitung und das Verstehen der Eingabe der Funktionen leicht von der Hand gehen sollte.
Im dritten und letzten Fenster wird das aus den Funktions-Parametern resultierende Objekt dargestellt. Es werden außerdem mehrere Darstellungformen für das Objekt zur Verfügung gestellt. Zum einen wäre dies der "Wireframe"-Modus, der ein einfaches aber in Echtzeit berechnetes Drahtgittermodel des Objektes darstellt. Zum anderen wird ein "Solid Wireframe", ein "Z-Buffer"- und ein "Raytraced"-Modus zur Verfügung gestellt. Im "Solid Wireframe"-Modus werden anstatt der einfachen Linien des "Wireframe"-Modus geschlossene Flächen verwendet und der Einfall einer Lichtquelle simuliert.
Meinem Eindruck nach unterscheiden sich der "Z-Buffer"- und der "Raytraced"-Darstellungsalgorithmus stark in der Berechnungsdauer und nur sehr gering in der Darstellungsqualität vom "Solid Wireframe"-Modus. Als letztes wäre noch zu erwähnen, daß maximal 9 verschiedene 3D-Ansichten geöffnet werden können und daß das berechnete Objekt mit den Cursortasten um die eigene Achse gedreht und mit dem Slidergadget, das sich auf der rechten Fensterseite befindet, skaliert werden kann.
MiraPLOT ist für die Sprachen Englisch, Italienisch und Deutsch lokalisiert. Es wird weiterhin eine kurze, aber ausreichende Amigaguide- Anleitung mitgeliefert, die ebenfalls in den genannten Sprachen vorliegt. Zu den Systemanforderungen: Je schneller der Amiga desto besser. Eine 68000-CPU soll - laut Anleitung - für den Betrieb von MiraPLOT genügen. Empfohlen wird allerdings mindestens eine 68030-CPU, ein FPU (die aber nicht zwingend vorausgesetzt wird) und um eine anständige Darstellungsqualität der berechneten Previews zu erhalten, ist eine Grafikkarte bzw. das AGA-Chipset von Vorteil.
| Autor: | Massimo Perfini |
| Aminet: | gfx/3d/MiraPLOT13.lha |
| Programmversion: | 1.3 |
| Homepage: | |
| Lizenz: | Freeware |
So, das war's wieder mal. Wenn ihr Fehler findet, Kritik oder Verbesserungsvorschläge loswerden wollt oder ihr ein paar gute Programme kennt, dann schreibt mir eine Mail. Ich freue mich über jede Resonanz.
Christian Aichinger <christian@aakt.de>