Hildesheimer Allgemeine vom 15.08.94 ohne Kommentar :-) VOM FAXEN KEINE AHNUNG DEALER WICKELT DROGENGESCHÄFTE MIT TELEKOPIERER AB Im Kampf gegen das organisierte Verbrechen sieht die Polizei bekanntlich nicht immer glücklich aus. Gibt es keine Ermittlungspannen oder redefreudige Beamte, dann ist die Unterwelt technisch oft so gut ausge- rüstet, daß ihr die Ermittler nur schwer auf die Schliche kommen können. Doch bei all den Klagen über unzulängliche technische Ausstattung der Polizei haben offenbar auch scheinbar clevere Kriminelle Schwierigkeiten mit der Handhabung von High-Tech- Geräten. Ein Gerichtsverfahren gegen Kokain Dealer in Hannover hat dies kürzlich eindrucksvoll bewiesen Denn möglich geworden war der Prozeß nur, weil ein Mitglied der Bande keine Ahnung von Faxgeräten hatte. Dieses Gerät, auch unter dem Namen Telekopiergerät in Bürokreisen einschlägig bekannt, hatte die Bande als absolut sicheres Kommunikationsmittel für ihre illegalen Geschäfte entdeckt. Denn während Post von aufmerksamen Fahndern abgefangen und Telefongespräche abgehört werden können, sind Faxnachrichten eigentlich nicht anzuzapfen. ABHÖRSICHERE METHODE Die Schreiben werden in kleinste elektronische Teilchen aufgelöst und über Telefonleitungen verschickt, das Faxgerät des Empfängers setzt die zerlegte Botschaft wieder zusammen und spuckt sie auf einem Blatt Papier aus. Doch diese abhörsichere Methode der Nachrichten- übermittlung hat das Mitglied der Drogenbande, das Kokain-Nachschub aus Kolumbien bestellen sollte, im Handumdrehen zunichte gemacht. Vorschriftsmäßig hatte der Mann den Hörer des Gerätes abgenommen und die Faxnummer des Drogenlieferanten in Übersee eingetippt. Doch legte er die Bestellung nicht zum Senden auf das Gerät, sondern tat genau das, was man beim Faxen nun einmal nicht machen muß: Er las die schriftliche Bestellung am Telefonhörer lauthals vor - sehr zur Freude einiger Fahnder. GERÄT ANGEZAPFT Diese hatten nämlich das kombinierte Telefon- und Faxgerät angezapft und konnten nun durch Zufall die telefonische Bestellung mithören. Seine Nachrichtenübermittlung begann der Kriminelle einleitend mit den Worten "Hier kommt jetzt ein Fax". Mit jedem weiteren Satz, den er vorlas, stieg die Freude bei den Ermittlern. Denn neben genauen Lieferbedingungen erfuhren sie, auf welchem Weg das Kokain Hannover erreichen sollte. In dem Verfahren gegen die gefaßte Bande wurde die Ton- bandaufzeichnung zur Überraschung einiger Angeklagter im Gerichtssaal vorgespielt. Dem "Fax-Spezialisten" war dies offensichtlich äußerst peinlich. "Es tut mir leid", ent- schuldigte er sich kleinlaut. Allerdings nicht beim Gericht, sondern bei seinen Komplizen. Welche Auswirkungen diese "Offenbarung" des Angeklagten haben wird, ist noch offen: Das Verfahren läuft noch.