Ein der Wahrheit entsprechendes, dennoch heiter gehaltenes Essay: Über die Schwierigkeit einen Computer zu kaufen ------------------------------------------------------------------------------- Man möchte meinen, daß angesichts der Schwemme an Computerläden es ein leichtes sein sollte, eine neue Kiste sich zuzulegen. Aber weit gefehlt, bei kaum im Voraus berechenbaren, unabsehbaren Schwierigkeiten auf den Wege dorthin. Und es soll auch hier weniger um den oft steinigen Weg hin zur System-Entscheidung gehen, als viel mehr um den unmittelbar bevorstehenden Kauf und dessen Abwicklung. Zuvor waren selbstverständlich mehr oder weniger umfangreiche Leideswege durchquert worden, bis feststand, ein PC sollte es sein. Und auch eben welcher. Wie war es doch früher einfach, wenn man für den Heimbereich sich einen Rechner anschaffen wollte: Entweder landete man über Kaufhaus oder Versandhandel bei einem netten, ansprechenden, preiswerten und durchaus praktikablen Heimcomputer wie dem C64, AtariST oder Amiga. Oder man sprang schon damals auf die PC- Schiene, um zu den Kompatiblen zu gehören. Mit wenig Hardwareausstattung war eben auch die eigene Kompatibilität des Kompatiblen gesichert. Es war nicht viel dran und drin, um einem das Anfängerleben schwer zu machen. Bei den inzwischen unter 5% Marktanteil gefallenen Heimrechnern war es ohnehin ein in sich ziemlich geschlossenes System, das ohne große Ängste auch "instant" gekauft werden konnte. Die Kiste lief. Denn alle Komponenten dafür, damit sie lief, waren ja bereits herstellerseitig eingebaut. So konnte man beruhigt auch im Versandhandel ordern. Aber wie ist es nun? Selbst die besten Freunde von ehemals wandten einem den kompatiblen Rücken zu, da auch sie sich für den Marktstandard inzwischen entschlossen. Das Inseldasein sollte aber nun ein Ende haben, indem man sich auch dem Trend anzuschließen beginnt... Nach Studium von Bergen an Fachzeit- schriften, die alle einem die richtigen und vorallem ultimativen Einsteiger- und Umsteigertips zu geben schienen, war man bald so weit. Aber eher für die Klappsmühle. Denn wie so oft suchte man ja eigentlich das, was es in der Branche nie geben wird: Den Rechner mit Zukunft. Trotz der Gewißheit, egal was man sich augenblicklich zulegen würde, spätestens nach zwei Jahren würde es zum Wohlstandsschrott zählen. Aber trotzdem galt der Grundsatz: Zukunft kostet Geld. Also schraubte man neben den Erwartungen auch die Ansprüche zunehmend in die Höhe, und erklomm schließlich über DX33, DX2-66, DX4 und diverse AMD- oder Cyrix-Varianten den Gipfel. Den Gipfel des Wahnsinns, betrachtet man sein ohnehin durch andere Plattformaktivitäten angegriffenes Finanzbudget. Aber auch den Gipfel der Zufriedenheit. Zumindest für die nächsten zwei Jahre: Pentium. Alle Wege ließe man sich offen, alle Möglichkeiten ebenfalls und auch alle doch so aufregenden Ausbaumöglichkeiten. Die Spirale, sicherlich vielen bestens schon von anderen Rechnern bekannt, setzt sich also auch bei PC fort. Und hier womöglich noch dynamischer, da sich hier ja die Neuerungen noch schneller abzulösen scheinen. Nichts konnte einen noch aufhalten. Der bestens durchdachte und konfigurierte PC mit guter bis bester Performance wird angeschafft! Und weil man so viel hörte über den bösen Versandhandel gerade in diesem Marktbereich, sollte es erstmals seit Jahren mal wieder im ortsansässigen Fachhandel sein. Zwar machte man mit einigen inzwischen durch diverse Käufe sehr vertrauten Versandhändlern des Atari- und Amigamarktes alles in allem durchaus gute Erfahrungen. Aber weil man doch so viele Klagen von PC-Geschädigten vernahm, wollte man diesem einen Stoplerstein gezielt aus dem Wege gehen. Nichts ahnend, über diverse neue bald darauf fast auf die berühmte Schnauze zu fallen. Aber der Reihe nach: Kapitel 1 - Die Entscheidung ist gefallen Eigentlich müßte der Fachhändler einem dankend um den Hals fallen. Denn man stellte das Idealbild des Käufers dar. Durchaus kompetent und sich selbst zu helfen wissend. Demzufolge nicht mehr beratungsintensiv. Allenfalls einige nebensächliche, aber dennoch einem wichtig erscheinende Fragen, die einem die zuvor gewälzte Fachliteratur nicht beantworten konnte. Außerdem sich durchaus bewußt, in der Regel einem Gegenüber zu begegnen, das sicherlich nicht alles wissen kann, was man selbst nicht mal weiß. Das leidige Personal- problem - geschulte Fachkräfte mit Kompetenz - das ist teuer! Mit diesem Wissen gerüstet und gleichzeitig auch auf Zurückhaltung und Verständnis bedacht, entschloß man sich also, das Geschäft über einen örtlichen Laden abzuwickeln, der zu einer großen Ladenkette Deutschlands zählt. Dort stimmt durchaus die Leistung und der Preis. Alles andere sollte man mit Abstrichen bewerten. Also, die Voraussetzungen auch seitens des Kunden stimmten. Möchte man meinen. Dienstag vor vierzehn Tagen. "Anrufen brauchst Du da nicht, da geht eh nie einer ran. Oder es ist dauerbelegt!" Ein Bekannter klärte mich frühzeitig auf. Also machte ich mich an meinem arbeitsfreien Tag auf den Weg, den Laden das erstemal aufzusuchen. Welche Konfiguration es sein sollte stand also längst fest. Nur wäre noch von Bedeutung, welches Board im Rechner stecken wird. Das sollte keine allzu schwierige Frage sein, dachte ich. Denn ein Blick in die Dokumentation dürfte die Klärung mit sich bringen. Es war gegen 14 Uhr nachmittags. Der Laden war gerammelt voll. Ein "Grüß Gott!" wäre nicht zu vernehmen gewesen, so ließ ich es und war also nun unter den Anwesenden, die sich durch Schauen, Angrapschen diverser Ausstellungsstücke und abermaliges Schauen die Zeit zu vertreiben schienen. Denn sie waren alle noch nicht dran. Hinter der vor Menschen kaum wahrnehmbaren Ladentheke zwei arme Angestellte. Ein jüngeres Mädchen und ein durchaus kompetent wirkender Mitdreißiger, betrachtet man den pflegeleicht gehaltenen Kurzhaarschnitt. Das erleichtert das morgendliche Styling nach etwaigen Spätschichten vor diversen Rechnern ungemein. Der sollte die Ahnung haben, dachte ich mir. Und stellte mich fast unterbewußt cheauvinistisch bei ihm an. Sie verkaufte ohnehin fast ohne Unterbrechnung linker Hand ihre Mousepads und Druckerbänder. Nur einmal durch das Ausfüllen eines Reparaturscheines unterbrochen. Der Aufenthalt zog sich hin. Ich nahm mir vor, das Kurzgespräch, besser die "Kurzfrage" so kurz wie möglich zu halten, um niemand lange aufzuhalten. Zwar ertrug ein jeder der Anwesenden die lange Wartezeit mit erstaunlicher Geduld, betrachtet man die sonst übliche Rücksichtslosigkeit zum Beispiel im Straßenverkehr. Aber ebenso deutlich war der argwöhnische Blick der noch immer Anwesenden zu bemerken, sobald sich die Ladentüre wieder öffnete, um einen neuen Anwesenden hineinzuspülen. Und sie öffnete sich unablässig. Und die Anwesenden mußten weiter zusammenrücken, ohne daß sie jedoch den Status des Kunden erreichten. Denn noch immer ging es zäh voran. Und so vebrachte auch ich meine Zeit mit Schauen und ... Nein, ich unterließ das Grapschen an den Austellungsstücken. Wenn man ohnehin den Artikel nicht kaufen möchte, bringt einem das Anfingern erstaunlich wenig, wenn man es richtig bedenkt! Na endlich. Ich kam dann doch noch dran. Beinahe vergaß ich meine Einleitung, mit der ich lediglich eine beruhigende Wirkung auf den Verkäufer ausüben wollte. Denn er war schon mächtig gestressed. Ich merkte an, im Grunde schon genau zu wissen, was ich haben wollte. Um aber endgültig die Entscheidung treffen zu könne, benötigte ich halt nur die Auskunft, welches Board sich in der von mir gewünschten Konfiguration befinden würde. Genauer gesagt, welcher Chipsatz zur Verwendung kommt. "Ja wieso, welche Programme wollen Sie denn laufen lassen?" war die etwas schroffe Gegenfrage. Als ich erklärte, worum es ging, daß es mir auf bestimme Eigenschaften ankäme, um wenigstens einigermaßen zukunftssicher zu sein, verstand er. Ohne aber eine Antwort geben zu könne. Aber ich war ja vorbereitet und ließ ihm den Ausweg, es in Erfahrung zu bringen, und mich anzurufen. Es eile nicht, aber ich hätte auf jedenfall vor, den Rechner zu kaufen. Ich ließ Name und Nummer da, und entfernte mich. Alles in allem war ich weder überrascht noch enttäuscht über diesen ersten Kontakt. Um es nochmals zu betonen: Ich war darauf vorbereitet. Auch darauf, daß selbstverständlich nicht zurückgerufen wurde. Auch nach einer Woche des Wartens nicht. Angesichts des Trubels im Laden, der offensichtlich tagtäglich über die beiden armen Verkäufer hereinbricht, schreckte mich dies selbstverständlich nicht ab. Das Verständnis für die Sachlage schien grenzenlos. Also selbst anrufen! Doch Fehlanzeige! Es war entweder dauerbelegt, oder es ging keiner ran. Irgendwie kam mir das bekannt vor... Ach ja, der Bekannte sagte es doch! Zumindest in diesem Punkt gab es eine ziemliche Verlässlichkeit... Irgendwann vor einer Woche schließlich kam ich also - selbst vom Arbeitsplatz aus anrufend - kurz vor Geschäftsschluß durch. Eine andere Stimme war dran. Ich wiederholte meine Frage nach dem Board bzw. Chipsatz und bekam wie aus der Pistole geschossen die Antwort! Welch eine durchschlagende Wirkung! Denn darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet! Und vergessen war der Schmach der zurückliegenden Tage. Das Ansehen der Firma stieg binnen weniger Minuten wieder ins fast Übertriebene. Ich schien doch die richtige Wahl getroffen zu haben mit diesem Laden und diesen kompetenten Leuten! Und selbstverständlich wollte so etwas auch gleich belohnt werden: Ich gab umgehend meine Bestellung durch, nachdem das Board genau dem entsprach, was ich wollte. Schließlich hatte ich durch einen göttlichen Glücksgriff gleich den Richtigen an der Leitung. Derjenige, welcher es sein wird, der meinen Rechner zusammensetzen wird! Fast ungewollt in Zugzwang setzte er sich, als er mir das alles schon für die nächsten drei Tage versprechen wollte. Ich bremste ab, ohnehin erst in einer Woche die Zeit zu finden, wieder mich unter die Anwesenden zu mischen. Außerdem meinte ich, dann könnte auch alles sauber eingestellt werden. Ohne Hektik und Zeitdruck. Also lieber erst in einer Woche. Am Ende wußte ich es, daß mir das Gegenüber sogar persönlich bekannt ist. Ein Freak um die 20 aus dem Umland, den ich oft - im eigenen Geschäft als Kunden oder ebenfalls Anwesenden begrüßen durfte. Schon als Bub, so um die 10. Lange ist es her. Was konnte also noch schiefgehen? Eine etwas persönliche Bindung zu der Werkstatt, zum großen Meister, der mir meine Kiste zusammenkonfiguriert - das konnte niemals schaden! Und prompt schien er das in ihn gesetzte Vertrauen gleich rechtfertigen zu wollen: "Ich mache am besten gleich einen 12-Stunden-Burn-In, damit auch alles sauber gecheckt ist! Und außerdem stelle ich gleich alle Jumper richtig ein..." kündigte er auf meinen Hinweis hin an, daß ich beabsichtige, einen SCSI-PCI-Adapter, den ich bereits besaß, gleich nach dem Kauf reinschieben zu wollen. Er werde mich anrufen, sobald alles fertig und abholbereit sei. Das war vor einer Woche. Selbstverständlich war ich vorbereitet auf die Tatsache, selbst anrufen zu müssen. Denn auch er wird in der Werkstatt als Einzelperson genug zu tun haben. Er ist außerdem auch noch für die Hotline zuständig und ab und zu werde er auch im Verkauf benötigt. Ich war vorbereitet. Und so kam es schließlich auch. Extra eine Woche einkaluliert, rief ich also erst danach wieder an. Das war gestern. Nach erneuten mehrmaligen vergeblichen Anläufen erreichte ich meinen Werkstatt- Mann wieder knapp vor Geschäftsschluß. Ein guter Trick, den ich niemand verra- ten werde. Denn sonst ist auch zu jenem Zeitpunkt wieder gnadenlos dauerbelegt! "Ich wollte mal nachfragen, wie weit mein Rechner ist..." fragte ich dezent, gar nicht fordernd. "Im Prinzip fertig. Wenn Du hörst, kannst Du es vielleicht hören. Der Burn-In läuft gerade...". Wir sind per Du - kann auch nie schaden! Mich wunderte zwar, daß der Burn-In soeben erst und in dieser Stunde erfolgte, aber was hinderte mich kühn nachzuhaken, ob man die Kiste gar schon die nächste Zeite abholen könnte. "Jederzeit, im Prinzip!". Ich fragte lediglich noch nach, ob es nicht nur "im Prinzip", sondern auch in der "Praxis" so sei, was mir mein noch immer kompetenter Gesprächspartner bejahte. Also machte ich aus, anderntags gegen 10 Uhr vormittags zur Abholung vorbei- zukommen. Man möge alles herrichten. Gesagt, getan! Teilweise... Kapitel 2 - Die Abholung (Kapitel 1) Heute nun war also der Tag des Umstiegs, des jahrelang hinausgezögerten Bruchs mit dem Vertrauten, mit dem liebgewonnenen Dasein als 5%-Plattform-User. Als PC-Einsteiger! Und wieder war ich darauf vorbereitet, daß es bei den kommenden Wochen der Einarbeitung die allseits bekannten Stolpersteine geben wird. Sie gilt es eben zu meistern, keine Frage. Doch zunächst galt es scheinbar einen ziemlich großen Brocken hinwegzuräumen, der einem den Weg zu den kleinen Stolpersteinen noch immer versperrte. Den Computer-Fachhandel! Es war in etwa kurz vor zehn Uhr vormittags. Nein, kein arbeitsfreier Samstag, oder gerade Schulschluß. Dennoch war der Laden wieder zahlreich mit Anwesenden und Kunden gefüllt. "Ein Glück, daß ich 14 Tage Urlaub habe!", sagte ich mir. Denn die werden wohl nun drauf gehen, bis ich endlich meinen Rechner in Händen halten und eingearbeitet sein werde! Ich ließ sodann einigen den Vortritt, befaßte mich mit der Ausstellungsware und schaute. Nein, auch heute ließ ich das Grapschen sein! Wenngleich ich es so gerne getan hätte. Denn einer der Ausstellungsrechner war von dem Typ, den ich mir auswählte. Das edle Design, diese tolle neue Klappentechnik an der Front! Doch ja, es war der Schönste unter den ganzen Rechnern. Selbstverständlich. Und unwillkürlich machte ich bereits Umbaupläne und Stellpläne, denn die abgerundete Oberseite des Rechnergehäuses, ein Tower, brachte mich in den Stellplänen etwas durcheinander. Denn wie sollte ich die von mir geplante externe SCSI-Unitbox draufstellen? Die rutscht runter! Einen "Gegenkeil" sich schnitzen, oder doch lieber daneben stellen, oder darunter? Die Zeit vertrich. Fast schon eine Stunde. Nicht übertrieben! Ich hielt mich zurück, denn es ist irgendwie unangenehm mit einer Meute von 15 Kunden im Rücken den ganzen Betrieb aufzuhalten, nur weil man eben schnell mal einen Rechner kaufen, abholen und zahlen möchte... Ich wartete auf die gewisse "Intimität", die sich aber nicht einzustellen schien. Ganz im Gegenteil! Die Ladentüre ging minütlich auf. Weniger, um Anwesende wieder an die frische Luft zu lassen, als Neue in die Warteschlange zu integrieren. Es war frustrierend. Dennoch schienen die meisten es zu ertragen. Reine Gewohnheitssache! Ja, das wird es wohl sein. "Rezession in der Computerbranche?" Schien dies nur ein Schlagwort, um den Personalabbau weiter vorantreiben zu können? Mir schien es immer eindeutiger! Inzwischen holte ein anderer einen bestellten Rechner ab. Einer von der Feuerwehr irgendwo vom Land. Er wartete bereits Stunden vor mir, so schien es. Er wirkte etwas ermüdet und verschlafen. Aber er hatte 60 km Anfahrt. Vielleicht übernachtete er sogar schon zuvor? Gut, zurück zu den Tatsachen. Wir kamen ins Gespräch, nachdem ich ihm zum Transport der diversen Kartons mehrmals die Türe aufhielt. Denn das Personal bediente weiter. Für derartige Gesten war echt die Zeit nicht. Auch das war zu verstehen. Wir fachsimpelten, als er schließlich etwa 20 Minuten auf die Rechnung wartete. Ein Gemeiner hätte nach dem Transport der Kartons sich verflüchtigen können... Kaum einer beachtete den Mann. Langsam ging's mir auf Nerven. Denn die Schlange riß nicht ab und bis auf ein kleines Zunicken vernahm ich von meiner Werkstattbekanntschaft auch noch nicht viel. Irgendwie verlor ich ohnehin den Überblick, ob ich denn überhaupt "schon" dran sei. Ich meinte zu dem Feuerwehrmann, man sollte entweder eine gemütliche Sitzecke einrichten, in der man sich bei Kaffe und Kuchen hätte zurückziehen können. Aber wer sollte einem den Kuchen servieren und den Kaffee warm machen?! Ein Kreuz! Diese Personaldecke. Nicht nur, daß sie zu kurz sei, sie wies auch einige eklatante Löcher auf! "Aber wie überall", war der Tenor zum Abschluß des Fachgesprächs. Nun hätte ich langsam gerne ein ebensolches mit dem kompetenten Werkstatt- Mann geführt, der längst zum bloßen Verkäufer mutierte. Denn wie sich später herausstellte, ist die eine Kollegin (von neulich) heute nicht erschienen, weil sie irgendwie ihren Einsatzplan durcheinander brachte. Und so sei mittleres Chaos heute. Und er arbeite ohnehin die ganze Woche schon durch. Sogar an seinem freien Tag, den er im übrigen hatte, als ich gestern anrief. Ich meinte, ich könne schon noch warten, denn ich habe ja immerhin 14 Tage Urlaub. Das sollte reichen! Dennoch rückte der Termin des Mittagessens und damit eine Verabredung zu einem ebensolchen bedrohlich näher. Mir wurde bewußt, das dürfte etwas "Längeres" werden, diese Anwesenheit. Denn noch immer war ich nicht in den Status des Kunden aufgerückt. Ein anderer hätte vielleicht mit der Faust auf den Tisch gehauen, wie zuvor ein Kunde aus den neuen Ländern, der eine Reparatur seiner Kiste bis zum Wochenende forderte, da er so viele Schreib- arbeiten hätte. Aber der erreicht damit auch nichts. Was nicht geht, geht nicht. Bei diesem Personalstand, der Reihenfolge der eingehenden Aufträge etc. Aber die Faust als Drohung bringt wenig, wenn man hinterher noch eine zuvorkommende Bedienung, sowie Rat und Tat auch nach dem Kauf verlangen möchte. Außerdem kann das Personal selbst für das Dilemma am wenigsten. Also hieß es weiter "Zurückhaltung" zu üben. Nur endlich den Rechner in Händen halten und wieder abdampfen... Nebenbei bekam ich dann noch mit, daß zwei junge Männer einen Rechner eben- falls bestellten und nun gemäß Vereinbarung zur Abholung vorbei kamen. Der eine wagte bei der geöffneten Werkstatttüre einen kurzen Blick, nachdem man zuvor gewisse metallene Geräusche vernehmen konnte, wie wenn einer gerade was zusammenbauen würde. Dies tat er auch, "mein" Werkstatt-Mann. Und zwar den Rechner der beiden. Als der eine es mitbekam, schüttelte er nur ungläubig den Kopf. Und ich bekam meine Horrovorstellung, daß ich nun seit fast einer Stunde hier stehe, und gar mein Rechner auch noch nicht zugeschraubt und installiert sei. Schöne Bescherung, wenn es so wäre. Aber dem war nicht so - er war überhaupt nicht mehr vorhanden! Aber der Reihe nach: Mit einem Trick (schnell mal telefonieren zu müssen) bekam ich Einlaß in die Werkstattzone und rief auch kurz an, daß das Mittagessen mal so eben um eine Stunde nach hinten zu verschieben sei. Der Werkstatt-Mann verschraubte gerade einen der Tower und war in großer Hektik, als er mir das Telefon freischaltete. Ich fragte danach mal mehr beiläufig, ob es wohl heute womöglich nicht so passe, wenn ich meine Kiste abholen möchte. Doch, doch, aber es gibt da die Schwierigkeit, daß er sie erst zusammenbauen müsse... Ich staunte nicht schlecht. Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Ob Ausrede oder nicht, gut klang sie auf jedenfall: Daß die Kollegin gestern Abend noch meinen Rechner fertig konfiguriert und installiert verkaufte, obwohl ein Zettel daran hing. Aber sie brauchte genau diese Konfiguration, und weg war die Maschine... Schöne Bescherung. Ich behielt die Fassung. "Na, ich habe ohnehin noch nicht alle Kabel beisammen und auch noch nicht alle Umbauten zuhause erledigt" wollte ich mich scheinbar selbst beruhigen. Nachmittag um 3 hätte er die neue Kiste fertig, was ich aber ablehnte. Ich wolle nicht einen schnell hingeschraubten Rechner, und dann klappe es mit dem Burn-In auch nicht mehr. Also lieber wollte ich warten und machte aus, in einer Woche wieder zu kommen. Denn die Lage in der Werkstatt, was das Arbeitsaufkommen anging, war beängstigend. Somit verlängerte ich das nun in Erwägung gezogene Ultimatum stillschweigend um eben diese Woche, um dann den argumentativ wirklich vorbereiteten Faustschlag (aber nur auf den Tisch) durchzuführen. Bei aller Freundschaft! Und hier wurde nun die Idee zu diesem Essay geboren, das einem sowieso kaum einer abnimmt. Auch wenn er es schwarz auf weiß zu lesen bekäme. Ja, das sollte man in Erwägung ziehen! Nicht, um das armselige Personal in die Pfanne zu hauen, sondern mal der Geschäftsführung solcher Unternehmen einen Dämpfer zu verpassen. Denn sie sind die wahrhaft Schuldigen dieses Jammerspiels. Ein wahres Highlight unter den Kaufstories, die sicherlich viele Zeitschriften und vorallem deren Leser interessieren könnte! Wie zum Beispiel der Verlag von "Highscreen Highlights". Aber ob man diese Chance gerade hier wahrnehmen würde, wo doch so wenig von den technischen Highlights in diesem Essay die Rede war? Kunststück: Bisher gab's auch keine... Fortsetzung folgt... Kapitel 3 - Die Abholung (Kapitel 2) Eine Woche später. Mittwoch in der Früh um Sieben. Die Welt war noch in Ordnung. Trotz Urlaubes schon zeitig wach, um auch in frischer Form in besagtem Laden stehen zu können (das Ultimatum!), so war ich gerade beim Frühstückmachen als das Telefon klingelte. "Ja, hier ich!" Es war "mein" Werkstattmann. "Es gibt da ein kleines Problem..." - "...und welches?" fragte ich nach. "Na ja, ich hab' die Grafikkarte im Moment nicht..." Irgendwie hatte ich die Nacht über schlecht geschlafen. Diverse Ereignisse des alltäglichen Lebens und Miteinanderlebens bildeten die unruhigen Träume. Erstaunlicherweise verschwendete ich keinen Gedanken an den Rechner. Denn die Realität ist viel bitterer, als der schrecklichste Traum. Um ein Haar hätte ich mich schon auf die Socken gemacht... Ich gewinne der Situation was positives ab: Immerhin ruft er an! "Na und wann...", in der Früh bin ich immer etwas wortkarg, oder lag's an der Situation? "Ich hab' schon alle Lieferfaxe kontrolliert, heute ist sie nicht dabei. Aber sie kommt bald. Sie muß eigentlich bald kommen..." Er tat mir irgendwie leid, vorallem als sein Freak mit ihm durchding. Denn normalerweise sollte erja kaufmännisch instruiert durch seine Geschäftsführung den Kunden möglicherweise auf eine andere Karte bringen (sprich: beraten)... Er fing auch damit schüchtern an, in dem er sich frage, warum es denn ausgerechnet diese Karte sein solle. Um aber im selben Atemzuge mir zu bestätigen, daß er es verstehen könne... "2 MB VRam, TrueColor auch in hohen Auflösungen, so super schnell, Windows... und überhaupt..." Er hat ja so recht, das Warten würde sich lohnen... "Also wann, Samstag?" - "Eigentlich schon früher!", meinte er. "Ich rufe sofort an, wenn die Grafikkarte auf meinem Tisch liegt!" Doch wie gehabt: Ich will ja kein Gehetze, also meinte ich, bis Samstag eben mal wieder die Zeit vergehen zu lassen. Vielleicht könnte er ja auch wieder anrufen, oder so... Und dann käme ich, und dann hole ich... "Ich laß den Rechner gleich offen stehen, muß Dir ein paar Dinge zeigen und so..." - er fühlte sich verpflichtet. Doch das gefiel mir. "Irgendwie sind es alles arme Hunde, bei diesem Personalstand!", war mein Grundgedanke, und ich bedankte mich für seinen frühen Anruf. Besser so, als die Rolle des Anwesenden im Laden spielen, ohne je in die nächste Hierarchie aufzurücken... Zweckoptimismus war angesagt. Was könne man in solchen Situationen schon anderes machen? Einen neuen Händler aussuchen? Neue Preisvergleiche? Einen ganz anderen Rechner? Nie wieder! Die Entscheidung war gefallen, und das ziehe man nun bis zum bitteren Ende durch. Jawohl! Man ist doch als Computerfreak einigen Kummer gewöhnt, was Hardware, Software, Kundendienst anginge. Also muß man da durch. Im Übrigen ist derart schönes Wetter für kurz nach Allerheiligen... Gar keine Zeit zum Computern! Das Ultimatum verlängerte sich quasi von selbst... Kapitel 3 - Die Abholung (Kapitel 3) Es ist Freitag Abend, kurz vor Geschäftsschluß. Das gute Wetter neigt sich ebenso seinem Ende entgegen, wie mein Urlaub und was noch schwerer wiegt: Meine unter- schütterlich gute Laune. Denn es gab natürlich (wieso eigentlich "natürlich"?!) keinen Anruf! Nichts von Grafikkarte und Abholen! Einfach nichts! Und ich beschließe, mich mit Fachliteratur zu Telefonanlagen einzudecken. Denn es ist mir ein Rätsel, wie ein Telefon einerseits dauerbelegt sein kann, andererseits eine Sekunde später schon das Freizeichen ertönen kann, aber sodann keiner rangeht. Vielleicht ist es ein Computerprogramm mit Zufallsgenerator, das den Anrufer bei zweifelhafter Laune hält, während das Personal wie immer beim Rotieren ist? Also selbst mein Geheimtip "kurz vor Geschäftsschluß" half heute nichts! 17 Uhr 59 Minuten und 30 Sekunden: Keiner daheim! Ach nein - Es war ja wieder belegt! Ich gebe für heute auf. Denn Samstag ist ein ohnehin ungünstiger Abholtermin! Langer Samstag zudem! Warum sich in die Stadt quälen, ausgerechnet an den letzten beiden Urlaubstagen dieses Jahres?! Nein, Montag werde ich mich melden. Gleich in der Früh. Neue Taktik! Ich hoffe derweil, daß mich morgen Früh keiner um sieben aus den Federn reißt mit seinem Anruf. Ich verdränge zwei Tage das Thema, einen Computer kaufen zu wollen. Sollte ich mir nicht lieber eine Golfausrüstung zulegen? Das entspannt, das gleicht aus! Lieber doch nicht, das Sportgeschäft an der Ecke ist immer so überlaufen... Kapitel 3 - Die Abholung (Kapitel 4) Montag war wieder der Alltag eingekehrt. In Gestalt der Arbeit, die einen wieder voll den letzten Nerv kostete. Dennoch fand ich die Gelegenheit, zwischendurch mal mein gewagtes Vorhaben in die Tat umzusetzen: Diesen Computerladen telefonisch zu erreichen. Um es kurz zu machen: Montag ist nicht unbedingt der ideale Tag um einen Laden, der mit Computern handelt, erreichen zu wollen. Wahrscheinlich sind die Wochenendgrübler schuld, daß erneut ein Überlauf dafür sorgte, daß die telefonische Kontaktaufnahme erneut scheiterte. Entweder belegt, oder keiner ging ran. Wie gehabt! Was einen in Rage versetzen könnte ist schnell erklärt: Rief man unverschämter Weise zwei Minuten vor Geschäftsöffnung an, ging keiner ran. Auch eine Minute davor war noch keiner zugegen. Eine Sekunde (!) nach 9 Uhr war dauerbelegt! Es zermürbt. Kurzfristig kommen Gedanken auf, ob denn ein PC unbedingt nötig sei... Bei so viel Komplikationen, die damit verbunden... Aber schließlich habe ich mich mental schon vollends und physisch bald ebenso von dem Bündel Scheine getrennt. Also ist der Kaufeswille ungebrochen. Ließe man ihn doch auch zum Durchbruch kommen! Dienstag war der ultimative Endzeitmoment. Würde es an diesem Tage nicht endlich gelingen, wieder einmal "höflichst nachzufragen, was denn nun mit dem bestellten Rechner sein möge", wird das Unternehmen ad acta gelegt. Man kommt sich langsam wie ein Hanns-Wurst vor, der Unmögliches fordert und Wahnsinniges verlangt... Als würde eine höhere Macht einen erhört haben, um den Glauben an die Geschäftswelt nicht vollends zu verlieren: Dienstag klappte es! Nicht gleich beim erstenmal. Das wäre nun auch zu vermessen gewesen. Aber nach etwa 20 Minuten und ungezählten Versuchen. Ein Glück, daß man sich seine Arbeit selbst einteilen kann, so daß derartige zeitintensive "Nebentätigkeiten" möglich werden! Mein Werkstattmann ist wieder dran! Welch ein Glück, denn ich hatte größte Befürchtungen, endlich durchzukommen und dann einem Unwissenden gegenüber zu stehen, dem man den kompletten Sachverhalt erst einmal ausführlich erläutern müßte... Kaum war mein morgendlicher Begrüßungstext verhallt und ich schon versucht, freundlich meine vorformulierte Frage zu stellen, wurde ich von ihm jäh unterbrochen: "Dein Rechner ist fertig!". Vor Freude konnte ich mir den sofortigen kritischen Gedanken, warum dann "keine alte Sau anriefe" verkneifen. Sofort ging ich zum technischen Teil über und fragte, was denn nun mit der Grafikkarte sei. Sie sei noch immer nicht da, und mein Werkstattmann habe eben mal eine gleichwertige Ersatzkarte eingebaut - selbstverständlich mit vollem Umtauschrecht, wenn die eigentlich bestellte Videokarte einträfe. Auch recht! "Also kann ich Donnerstag kommen?" fragte ich noch ungläubig. Und als er mir erneut diesen großen Moment bestätigte, glaubte auch ich daran und verabschiedete mich. Donnerstag deshalb, weil mein freier Tag es ermöglicht, ohne Zeitdruck das Geschäft über die Bühne gehen zu lassen. Ich hing auf. Die Freude war groß! Und im selben Moment hätte ich mich selbst in den Allerwertesten treten können. Denn vor lauter Vorfreude vergaß ich ganz und gar nachzufragen, ob einerseits mein Werkstattmann auch an diesem Tag anwesend sein wird. Und ob überhaupt die Videokarte die 2 MB Ram hat, wie die bestellte. Andernfalls wäre es nicht gerade das Erwünschte... Beides vergessen, die Leitung gekappt und die große Chance zur Nachfrage vertan! Ein Gefühl der Leere kam auf. Werde ich es je erfahren? Sollte ich es auf Donnerstag ankommen lassen? Als vorsichtig gewordener PC-Käufer lieber doch nochmal schnell rückfragen? Die Prozedur zog sich erstaunlicherweise nicht allzu lange hin und ich kam noch einmal durch. Geht jemand von denen ans Telefon, dann anscheinend ohnehin nur der Mann aus der Werkstatt, mein Werkstattmann. So war es auch. Und als alles geklärt war, daß er da sei, und die Karte 2 MB habe, war ich zufrieden und freute mich auf Donnerstag. 2 Minuten nach 9 Uhr morgens stand ich im Laden und freute mich erneut. Ich war der einzige! Ein seltenes Gefühl und ich mußte dies sofort gegenüber der Verkäuferin als äußerst angenehmen Eindruck betonen. "Ja mei, wir haben ja eh erst grad geöffnet!" meinte sie und als ich sagte, was ich wollte, rief sie 'rüber in die Werkstatt. Von dort aus hallte es zurück, ich möge eintreten. Der Werkstattmann war in einem Rechner verschwunden. Zumindest teilweise. In der einen Hand mit Schraubenzieher hantierend, deutete er mit der anderen auf eine Riesenschachtel links neben ihm. Mein Rechner war fest verpackt und ich meinte auch, ihn gar nicht ausgepackt und laufend sehen zu wollen. Nur keine Umstände! Er wird schon gehen. Schließlich hatten die Leute ja mehr als 3 Wochen Zeit, das Ding zum Laufen zu bringen. Was sollte also noch schiefgehen?! Selbstverständlich überprüfte ich die beigefügten Berge an Zusatzsoft und Handbüchern, den Rest der Peripherie wie Maus, Keyboard und was nicht noch alles. Zum Glück hatte ich meinen daheim gedruckten Einkaufszettel dabei, um nicht selbst die Übersicht zu verlieren. Denn der Werkstattmann wirkte recht fahrig. Aber kein Wunder bei dem täglichen Streß! "Alle Handbücher dabei?" wollte ich wissen. Er nickte. "Auch für's Board?" Er nickte erneut. Und meinte, machen wir halt mal schnell auf. Was er dann auch tat, indem er das firmeneigene Verpackungs- band von der Oberseite des Kartons abzog. "Na nu, wo ist es denn?" Ich fragte nach, was er meinen würde. "Die Beschreibung des Boards suche ich". Sie war genauso wenig drin, wie das Rechnerhandbuch, das den Tower beschreiben sollte. Er verschwand kurzzeitig und kehrte mit einem versigelten Kuvert zurück. Darin waren alle obligatorischen Unterlagen. "Hab sie mal aus einem anderen Rechner geholt", meinte er. "Mir wurscht, daß sie nun in einem anderen fehlen", dachte ich mir insgeheim. Hauptsache, ich hab' endlich meinen Computer! So war es dann auch. Da ich als Nicht-Autofahrer und ambitionierter Radfahrer diesmal per Bus unterwegs war, war ich sehr zufrieden, daß die Softwareberge bestens in meinem mitgeführten Rucksack unterzubringen waren, und der Riesenkarton durchaus noch akzeptabel in meinen Händen. In den heutigen Rechnergehäusen, vorallem bei DX2/66- und Pentium-Boards, ist ohnehin nicht mehr viel drin. Sehr praktisch! Tragbar. Nicht nur preislich! Als Dank für seinen Service steckte ich ihm noch einen Zehner Trinkgeld zu, den er ohne zu zögern (ich würde mich zieren, aber na ja!) annahm. Man weiß ja nie, ob nicht der Ernstfall des Servicesfalles eintreten könnte. Und da kann es nicht schaden, so rein psychologisch... Wir verstehen uns?! Ich war noch immer, zwischen zwei kurzen Unterbrechungen, der einzige Kunde. Nach einer beiderseits freundlichen Verabschiedung, verließ ich den Laden. Bepackt mit einigen Kilos an derzeit aktueller HighTech. Unwillkürlich kam mir der Gedanke, daß diese bereits bei Eintreffen an der Haltestelle wieder veraltet sei. Aber man hat sie sich erkämpft, also wird sie einem auch die entsprechende Freude bereiten (müssen)! Nicht nur ein Einsteigen auf eine neue Rechnerwelt, sondern auch ein Umsteigen bei der Buslinie war erforderlich. Und wiedereinmal ärgerte ich mich über die Sparmaßnahmen der öffentlichen Verkehrsbetriebe der Stadt. Um 10 Uhr morgens verkehrt meine Linie, die mich unmittelbar vor der Heimadresse absetzen würde, nur noch einmal in der Stunde. Erst wieder gegen Abend, bei Arbeitsschluß, wird sie wieder im 15-Minuten-Takt geführt. Konsequenz: 30 Minuten warten! Ein Glück, daß der Karton hoch genug ist, um einen angenehmen Sitzplatz einem zu verschaffen. Denn das Wartehäuschen war mit Rentnern besetzt. Und ich war nach einem musternden Blick auf mich und meinen Großkarton gefaßt, daß man mich fragen würde, ob ich "was Großes wohl gerade gekauft hätte". Ich nahm mir vor, das Gerät als "Heizofen für den Winter" zu deklarieren. "Als Student in der kalten Einraum-Wohnung..." Denn die Herrschaften würden wohl den Ausdruck "Rechner" wenig verstehen können, und sowas eher mit einem "Taschenrechner" interpretieren. Um erstaunte Rückfragen ob seiner Größe zu vermeiden, wäre also "Heizofen" einfach praktikabler. Immerhin haben wir schon Mitte November inzwischen... Die Fragen blieben aber aus, weil die älteren Leute wenig später mit dem "1er" abdampften. Der fährt nämlich nach wie vor alle 10 Minuten. Nur meiner nicht! Aber wie so oft, kommt es anders. Nach Fahrplan in erst 25 Minuten, fuhr auf einmal meine gewünschte Linie an die Haltestelle und ich nahm die Gelegenheit wahr... Mir war es abermals wurscht, wo der nun herkam. Denn eine 30minütige Verspätung ist eigentlich nicht vorstellbar gewesen. Wie dem auch sei, vielleicht habe ich auch die Fahrpläne nicht verstanden. Ich war ohnehin ganz auf den Rechner konzentriert. Behutsam vollendete ich den Transport und landete schließlich wenig später unversehrt zu Hause. Kapitel 4 - Der erste Kontakt Hier steht er also nun. Der Neue. Der Tower ist vom Design her einer der elegantesten, die zur Zeit auf dem Markt... Die Dokumentation auf den ersten Eindruck erstklassig. Die Kritik wegen fehlender Handbücher bei den früheren Generationen nahm sich der Hersteller zu Herzen. Neben der englischen Boardbeschreibung von Intel war ein angenehm handliches und kurzgefaßtes Taschenbuch für die "ersten Schritte" beigelegt. Auch befanden sich sämtliche Dokumentationen der Grafik- und Soundkarte dabei, und noch einige Software als "Schmankerl" und Kaufanreiz. Es gibt nun viel zu tun, dies alles durchzuackern. Leider fand ich die Zeit weder am Donnerstag noch Freitag, da ein Freund meine Kenntnisse in Sachen Amiga beanspruchte. Als angehender Familienfilmer mit Videoambitionen hat er sich einen Gebrauchten zugelegt und mich zur Installation des Systems und der Software engagiert. Macht man ja gerne! Zumal der Freund länger schon PC-Erfahrung besitzt... Wer weiß, wozu das gut sein könnte... Das Wochenende naht und die Zeit der ersten, zarten Kontakte... (Wurde auch Zeit, nach der langen Anbandelung!) Ergänzung ------------------------------------------------------------------------------------ Das Wochenende nahte und strich vorüber, leider ohne näheres Kennenlernen der neuen, unbekannten Welt. Denn mal wieder kam es anders, als man dachte. Da es schon wieder "wichtigere" Dinge gab, bzw. Erledigungen zu erledigen waren, die ein ausgeruhtes und konzentriertes Befassen mit der PC-Materie verhinderten. So über's Knie zu brechen braucht man schließlich die Sache nun auch nicht, dachte ich mir. Hauptsache, die Kiste steht endlich daheim. Und nachdem mein Werkstattmann selbige ohnehin bis ins Windows hinein installierte, werden erste Erfolgserlebnisse gewiß recht schnell einstellen... Dachte ich mir. Aber so war es natürlich nun auch wieder nicht. Acht Tage verstrichen und dann kam endlich der Tag, bzw. der (Feier)Abend, an dem ich den PC das erstemal einschaltete. Beinahe unfreiwillig. Aber ich benötigte dringend eine PC-formatierte Diskette. Und wozu hat man schließlich seinen neuen Pentium dastehen?! Der erste Kontakt mit der unbekannten Kiste verlief ernüchternd. Zwar fuhr die Harddisk hoch, aber das System bootete nicht. Vielmehr wurde ich aufgefordert, die Dos-Systemdisk einzulegen! Schöne Bescherung. Die hatte ich noch nichtmal ausgepackt! Scheinbar oder offenbar war die Harddisk nicht installiert. Oder sonstwas?! Nach Booten von Disk meldete mir die Kiste, daß entweder die Harddisk defekt sei, oder ein spezieller Treiber benötigt werden würde. Das dumme Gesicht von mir sah zum Glück keiner! Warum hatte ich auch so viel Vertrauen im Laden und ließ mir die Kiste nicht an Ort und Stelle doch noch vorführen?! Zermürbende Minuten. Dann fand ich die Fassung wieder, und die Kämpfernatur. Nach Jahren der Beschäftigung mit Rechnern dürfte einen ja nichts mehr erschüttern. "Die Platte werde ich schon noch zum Laufen kriegen!" sagte ich mir, und ging ins PC-Setup. Dort war sie nicht angemeldet, ließ sich aber auch nicht anmelden. Weder die Auto-Configuration des doch so modernen PCI-Systems, noch eine manuelle Einstellung erkannte irgendetwas, das einer 730 MB-IDE-Platte gleichkam. Also wird sie wohl hin sein... Oder auch der OnBoard-Controller. Selbstverständlich nahm ich auch die Kabelverbindungen unter die Lupe, ob sich möglicherweise eines beim Transport lockerte... Alle Kabel ordnungsgemäß an ihrem Ort. Also rückte die unangenehme Tatsache, daß es sich nun wirklich um einen Defekt handeln könnte immer näher. Aber einen letzten Versuch unternahm ich noch: Mir fiel nach Studium der Motherboard-Beschreibung auf, daß es zwei IDE-Steckplätze gab. Einen PCI-IDE für 32bit-Verbindung. Das werden vermutlich die neuen EnhancedIDE-Platten sein. Und dann noch einen mit ISA-IDE titulierten Connector. Die Platte befand sich in einem hermetisch abgeriegelten Blechkäfig, da es sich um eine Wechselrahmen-Platte handelte. Zum Glück konnte ich schon vorher durch Lüftungsschlitze zumindest feststellen, daß es sich korrekt um die bestellte und bezahlte 730er handelte. Aber bei dem günstigen Preis - so kombinierte ich - wird es sicherlich eine normale IDE-Platte sein... Aber warum steckt dann das Harddiskkabel auf dem PCI-IDE-Platz?? Aha! Als ich es umsteckte, lief das System hoch und bootete einwandfrei. Hat also mein "lieber" Werkstattmann wahrscheinlich mit einer zweiten Harddisk das System aufgespielt. Das ist heute durchaus üblich. Und als er dann die Kiste zuschraubte, hat er ganz einfach vergessen, die interne Platte auf ihrem ISA-Connector zu belassen, da es sich ja nicht um eine E-IDE handelte. Er steckte sie auf den benachbarten PCI-Stecker und schon war der Fehler mit im Lieferprogramm. Probiert wir er hinterher wohl demnach nichts mehr haben... Ich hätte ihn würgen können, den Kerl! Aber andererseits vermittelte er mir unfreiwillig das erste globale Erfolgserlebnis! Da kann nicht mehr viel kommen... Am Wochenende will ich den PCI-SCSI-Adapter einbauen, um meine Amiga-Peripherie nutzen zu können... Ergänzung 2 ------------------------------------------------------------------------------------ Viel konnte nicht mehr kommen (an Ärgernissen). Nach erfolgreicher Installation der Treiber für Grafik- und Soundkarte, ein wenig Windows-Tuning und dem Einstellen von gebräuchlichen Screen-Auflösungen unter Windows und DOS, lief das System soweit schon sehr zufriedenstellend und vielversprechend. Nach anfänglicher Skepsis wegen der überdimensionierten Bildschirmdarstellungen unter Windows, die sich mir auf dem 17-Zöller präsentierten, sah nun alles schon ganz wunderbar aus. Denn erst wenn man die geeigneten Bildschirmauflösungen für den Monitor auswählte, wirkt auch Windows wesentlich hübscher. Von Haus aus wird ja auf 640x480 Bildpunkte konfiguriert, um auf jedenfall ein Hochfahren des Rechners zu gewährleisten. Ganz gleich, mit welcher Grafikkarte er bestückt sein mag. Es konnte also nicht mehr viel Ärger kommen. Allerdings war der SCSI-Adapter von Adaptec noch nicht im Kasten... Und der war zwingend nötig, sollte doch mit Streamer und SCSI-CDRom gearbeitet werden. Beide Units warteten neben einer 44/88er-Wechselplatte auf ihren Einsatz. Sie befanden sich in einer eigens zusammengebauten Box - nennen wir sie SCSI-Box. Die bietet den Vorteil, daß sie nicht nur am PC angeschlossen werden kann, sondern zum Beispiel auch am Amiga. So sind kostspielige Doppelanschaffungen überflüssig, und man kann die SCSI-Peripherie auf beiden Plattformen nutzen. Das SCSI-Konzept mit internen und externen Geräten erlaubt dies ohne Probleme. Das Adaptec-Interface zur Ansteuerung der SCSI-Geräte war mit wenigen Handgriffen im Rechner. Zuvor wurde eine zweite Harddisk eingesetzt, die einen bequemen Filetransfer von größeren Datenmengen von CD auf Platte und von dort zum Beispiel zum Streamer ermöglichen soll. Das PCI-Interface meldete sich nach Einschalten des Rechners sofort an und der Bootvorgang endete im Setup des Adaptec. Dort konnte umgehend die Adresse "D" für die neue Harddisk angemeldet werden. Danach wurde der Rechner neu hochgefahren. Nichts ging mehr. Aus heiterem Himmel erkannte der Computer seine Bootplatte C nicht mehr. Kurzerhand steckte ich die Platte nach einigen Schreckminuten auf den PCI-IDE-Steckplatz um. Auch wenn mir das vollkommen unlogisch vorkam, da ja diese Verbindung ganz am Anfang auch so vorlag und deswegen ja der Rechner nicht bootete. Ich erinnerte mich aber dran, daß mein "Werkstattmann" mir ankündigte, alles schon so einzustellen, daß es gleich mit dem Adaptec klappt. Er rechnete aber scheinbar nicht damit, daß ich zunächst "ohne" probierte. Und da nahm dann eben das Unheil seinen Lauf. Wie eben. Auch diesmal erkannte das Setup die Platte nicht mehr. Als ich erneut umsteckte, fand der Rechner seine Harddisk wieder und alles lief einwandfrei hoch. Auch die SCSI-Platte "D" war anwählbar und es konnte danach ohne größere Schwierigkeiten auch die SCSI-Box installiert werden. Die interne IDE-Platte war nun doch eine Enhanced-IDE-Platte. Denn Benchmarktests ergaben danach, daß die Geschwindigkeit rapide anstieg, so daß beim Windows-Booten nicht einmal mehr das Startbild gelesen werden konnte! Der Wert stieg von zuerst etwa 1.05 MB/sec auf 1.9 MB/sec. Weswegen die Platte ohne Adaptec auf dem PCI- IDE-Steckplatz nicht erkannt wurde, liegt noch im Dunkel... Nach Sicherung der Konfigurationsdateien auf Diskette und einem kompletten Backup des installierten Rechners, kann jetzt die eigentliche Arbeit mit dem Rechner beginnen. Viel kann nun nicht mehr kommen... Oder? PS: Ausführliche Erfahrungsberichte über den Bau der SCSI-Box, sowie über die gemeinsame Nutzung von SCSI- und IDE-Bus mit dem Adaptec-PCI-Interface folgen. Ebenso über die Installation der Grafikarte "Spea Mirage P64" und der Soundkarte "Miro PCM-1". Für die direkte Verbindung zwischen Amiga und PC wird einerseits die "lowcost"-Lösung "Nullmodem-Kabel" erläutert, andererseits aber auch ausführlich auf die Möglichkeit der Netzwerkverbindung via Ethernet eingegangen.