AMIGA & KARLSBAD ---------------- © M.Scheidl 1990 Am historischen Schachturnier in Karlsbad 1907 haben viele "Alte Meister" teilgenommen, deren klangvolle Namen, wie z.B. Tschigorin, Nimzowitsch oder Tartakower, heute noch dem wahren Schachkenner wie Musik erklingen. Vier der auffälligsten Highlights dieses Turnieres habe ich ausgewählt, um ein seelenloses Etwas aus Plastik, Blech und Silizium (unser Amiga) gegen die reiche Erfahrung, die feine Technik, den untrüglichen Schach- instinkt, kurzum, gegen die unerreichbaren Möglichkeiten des menschlichen Geistes antreten zu lassen. Das Ergebnis ist niederschmetternd. (Diagramm 1) Schwarz am Zug Diagr. 1: Mit welcher ungewöhnlichen Abtauschkombination erreichte Mieses, dessen Dame soeben von Dr. Olland angegriffen worden war, bereits deutlichen Vorteil? Sargon III gibt schon nach 7 Sekunden die richtige Antwort (Lösungen am Schluß). (Diagramm 2) Schwarz am Zug Diagr. 2: Janowski (Schwarz) mußte erleben, daß sein Gegner Dus-Chotimirski den Angriff auf den Bc4 zu ignorieren schien und einfach d6 gezogen hatte. Warum antwortete Janowski Td7 und nicht Tcxc4? Der "außergewöhnlich mächtige Suchmechanismus" (Originalton des Handbuches) von Chessplayer 2150 läßt diesen nach 6 Sekunden ebenfalls auf den Bauern verzichten (Td7). (Diagramm 3) Schwarz am Zug Diagr. 3: Hier ist wieder Dr. Olland (Weiß) das Opfer. Sein Gegner Leonhardt eröffnete das Bauernendspiel mit dem Zug, der zugleich der letzte in dieser Partie war. Aufgrund welchen Zuges gab Dr. Olland sofort auf? Chessmaster 2000 gibt nach nur 4 Sekunden prompt Auskunft. (Diagramm 4) Schwarz am Zug Diagr. 4: Ein schachhistorischer Leckerbissen ist diese Stellung aus der Partie Vidmar - Teichmann. Letzterer verschmähte aus gutem Grund den Be5 und zog Tg6. Der Großmeister Dr. Tarrasch tadelte diesen Zug und meinte, Teichmann hätte einfach Dxe5 spielen müssen. Colossus Chess X vermeidet nach 18 Sekunden diesen Bauernschmaus und zieht, ebenso wie seine Software- Kollegen, Dc5. Was hat Dr. Tarrasch übersehen? Übersicht der Lösungszeiten: Spielstufe/verbrauchte Bedenkzeit Diagr.1 Diagr.2 Diagr. 3 Diagr. 4 Sargon III 5"/0'07" 5"/0'08" 5"/0'07" 15"/0'56" Chessmaster 2000 1 /0'08" 1 /0'06"* 1 /0'04" 3 /0'48" *) Ta7 Chessmaster 2100 5"/0'16" 5"/0'15"* 10"/0'08" 1'/1'48" *) Ta7 Colossus Chess X 5"/0'14" 5"/0'14" 5"/0'07" 5"/0'18" Chessplayer 2150 2'/1'35" 5"/0'06" 15"/0'13" 30"/2'07" ChessChampion 2175 2'/2'08" 5"/0'08" 15"/0'10" 30"/1'51" Chess 1.0 (Fish 96) 10'/6'42" 10"/0'11" 1'/0'41" 30'/54'31" Chess 2.0 (Fish 205) 10'/6'41" 10"/0'11" 1'/0'51" 1h /1h00' Lösungen: Diagr. 1: 13... SxSd5!! 14. LxDc5 LxLc5+ 15. Kh1 SxSf4 Mit drei aktiven Leichtfiguren für die Dame und dem Druck gegen den gefes- selten Ld3 steht Schwarz viel besser und gewinnt jetzt mindestens einen Bauern (SxLd3 usw.) Diagr. 2: Auf 37... Tcxc4? würde folgen: 38. d7 Td4 39. d8D+ TxDd8 40. TxTa4 Diagr. 3: 43... c5!! macht alles klar. Wenn der weiße König auf die 5. Reihe geht, dann läuft der Bauer e4 zur Dame. Also bleibt nur 44. Kb3, wonach der schwarze König entscheidend über f4 eindringt, z.B. 44... Ke6 45. Kc2 Kxe5 46. Kd2 Kf4 Diagr. 4: 26... Dxe5? 27. Dxh7+!! KxDh7 28. Td8+ De8 (verzögert) 29. TxDe8+ 29... Sf8 30. Th8+ KxTh8 31. TxSf8 matt bzw. 30. Lh7+ Kh8 31. TxSf8 matt