@DATABASE Text.inc @NODE Text The Faces of Mars II: The Return to the Red Planet ************************************************** Copyright by Patrick Henz Kapitel 1 Namen, nichts weiter als Schall und Rauch! Ich saß in meinem Büro, die Füße auf dem Schreibtisch betrachtete ich meinen Ausweis. Alle Namen, alle Angaben waren natürlich gefälscht, nur das Foto stimmte. Als ehemalige Marsbewohner hätte ich sonst hier in San Fransico, oder sonst irgendwo auf der Erde, keine Arbeitserlaubnis gekriegt. Früher war ich ein Bulle, jetzt Privatdetektiv. Ich kam mir wie ein Privatschnüffler aus den über 200Jahren alten Schwarz-Weiß-Filmen vor, und wir schrieben schließlich das Jahr 2158. Früher habe ich mir hier das Leben besser vorgestellt. Wie war es hier wirklich: oberflächlich war es friedlich, aber im Untergrund lebte das Verbrechen. Eigentlich war es alles wie auf dem Mars, nur das Wetter war besser. Aber lohnte es sich nur deswegen zur Erde zu kommen? Die Erde, der Traum eines jeden Marsbewohners?Wohl der Traum von Eden. Mich zog es zurück, zurück zum roten Planeten. San Francisco Spaceport, ich hatte gerade ein Flugschein für den Mars gekauft. Eine Rückfahrkarte brauchte ich nicht. Es sah sowieso so aus, als ob die Zeiten härter werden sollten. Die Spannungen zwischen der Erde und der Marskolonie wurden immer größer. Auch ein Krieg war nicht mehr ausgeschlossen, obwohl ich persönlich dies für unwahrscheinlich hielt. Schließlich war die jetzige Marsregierung noch vollkommen von der Erde abhängig. In der Bevölkerung hatte sie längst ihre Unterstützung verloren, nur noch mit Hilfe der Erdentruppen konnte die innere Sicherheit aufrechtgehalten werden. Aber eine Rebellion wahr ausgeschloßen, es gab auf dem Mars keine einheitliche und starke Opposition. Jeder versuchte sogut wie möglich für sich selbst zu sorgen. Die Mächtigen wurden immer mächtiger und die Schwachen immer schwächer. Vielleicht war dies mit ein Grund wieder zurück zum Mars zu gehen. Er war meine Heimat und ich wollte, daß ich wieder stolz auf sie sein konnte. Irgendjemand mußte ja damit anfangen aufzuräumen, wieso nicht ich? Ich glaubte an die Freiheit, ich war halt ein Träumer. Schien heute nicht mein Tag zu sein, mein Schiff zum Mars kam heute nicht, der Abflug war gecancelt worden. Wo das Klima zwischen den beiden Planeten immer rauer wurde, war dies allerdings auch nichts ungewöhnliches. Wenigstens kam ich in den Genuß eines Hotelszimmer, die Rechnung hierfür wurde von Marslines übernommen. Das Zimmer entsprach internationalem Standard, wie man es auf allen Raumhäfen finden konnte. Das einzig Auffällige war ein Cyberspaceadapter. Da ich den restlichen Tag nichts vorhatte, gab ich mir eine gefühlsfördernde Spritze und setze die Cyberspacebrille auf. Die Hotelsoftware ließ mich unter 3 verschiedenen Programmen wählen, "Die Reise durch unser Sonnensystem", "Venusmädchen" und "Cyber Warriors". Da ich irgendwie eine agressive Grundstimmung hatte wählte ich das Kampfprogramm. Nach endlosscheinenden Menüs und Einstellungen fühlte ich, wie ich mich langsam in eine andere Person verwandelte. Am Ende war ich zwei Meter großer Muskelmann. Die Umgebung hatte sich in einen alten aztekischen Kampfplatz verwandelt. Die großen Steintribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Mitte der Menschen, saß eine gekrönte Schlange, ein Gott der Azteken. Die Sonnen brannte auf mich hernieden, doch ich verfügte über riesige Kräfte und eine ebensogroße Kondition. Jetzt fehlte nur noch mein Gegner. Da kam er aus einem Eisentor, ein Hühne wie ich, ein mächtiger Athlet, ein Azteke. Er näherte sich mir mit großen Schritten, dann fing er an auf mich loszustürmen, geschickt wich ich ihm aus und in der Drehung gab ich ihm noch einen Faustschlag auf den Kopf mit. Der Mann schien aber nicht sehr mitgenommen zu sein. 2 Meter hinter mir stoppte der Kämpfer und drehte sich wieder mir zu. Er griff nicht sofort wieder an. Stattdessen warf er mir einen Blick zu, der mich in der normalen Welt auch schon getötet hätte. Hier aber blieb ich unbeeindruckt. Blitzschnell griff der Azteke wieder an. Diesmal war ich zu überrascht um noch reagieren zu können. Mit einem Bodycheck ging ich zu Boden. Zum erstenmal bemerkte ich, daß das Programm einen auch Schmerz fühlen lassen konnte. Eine Erfahrung, auf die ich im Moment doch lieber verzichtet hätte, denn es war ein stechender Schmerz. Ein Gutes hatte es aber, mein Adrenalinspiegel schoß in die Höhe und Dank meines neuen Körpers wurde ich jetzt zu einem richtigen Berserker. Kerzengrade stand ich wieder in der Arena, mein Gegner war ungefähr 5 Meter vor mir. Ich wartete bis er wieder anstürmte, diesmal aber hatte ich einen Plan. Als er Nahe genug war, sprang ich ihn an. Meine Fußkante traf ihn voll am Kopf. Mit einem lauten Knacken brach sein Genick und er fiel regungslos insichzusammen. Langsam wachte ich wieder auf. Als ich aus dem Fenster sah gab es dort nichts anderes als schwarz. Die Hälfte der Flughzeit hatte ich hinter mir. Unser Shutttle befand sich jetzt mitten den beiden Planeten. Ich wollte gerade wieder einnicken als die Stimme des Captain aus dem Lautsprecher kam. "Geehrte Fluggäste hier spricht ihr Kaptiän. Es folgt eine wichtige Durchsage für alle Passagiere. In Folge der andauernden Konflikte zwischen der Erde und dem Mars haben die beiden Planeten ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen abgebrochen. Unser Flug ist derzeit der letzte zwischen den Planeten. Ein Rückflug zur Erde ist leider nicht mehr möglich. Trotzdem wünsche ich ihnen einen angenehmen Aufenthalt auf dem Mars." So weit war es also schon gekommen. Der nächste Schritt zu einem offnen Konflikt, also Krieg war nicht mehr weit. Zumal irdische Truppen die Iridiummienen auf dem Mars bewachten. Es sollte also keine ruhige Zeit für mich werden. Diverse Stunden später traf unser Shuttle auf dem Mars an. Jeder Neuankömmling wurde aufs schärste untersucht, da man vermutete, daß Erdenspione an Bord wären. Auch ich mußte mich 2 Stunden dieser Prozedur unterziehen. Für die Behörden war es verdächtig, daß ein geborener Marsianer eine kurze Zeit auf der Erde lebte, um dann wieder auf den Mars zurückzukehren. Schließlich hatte ich es aber geschafft. Auch ein Zimmer zu finden war nicht schwer, waren doch kaum noch Geschäftsreisende hier unterwegs. Kurz vor dem Schlafengehen hörte ich noch aus dem Fernsehen, daß der Ausnahme zustand ausgehängt worden war. Nach 21 Uhr durfte keiner mehr die Häuser verlassen. Mir kamen die ersten Zweifel, ob ich nicht doch besser auf der Erde geblieben wäre, schließlich gab es noch andere die die Helden spielen könnten. Nach einer unruhigen Nacht wachte ich in meinem Hotelzimmer auf. Ich duschte, frühstückte und sah meinen Zimmerterminal nach irgendwelchen Infos durch. Zu meiner Überraschung hatte ich schon Post gekriegt. Eine anonyme Nachricht mit einer Adresse und dem Passwort für ein Cyberspaceprogramm:"The City". Ich kannte dieses Programm aus der Werbung. Es war ein digitaler Treffpunkt für Menschen von überallher auf dem Mars. Das Computernetzwerk simuliert hier eine normale Stadt mit ihren Bewohnern. Leider hatte ich jetzt keine Zeit, die Adresse aufzusuchen, ich brauchte erstmal eine richtige Bleibe. ThreePyramids war eine eher kleine und abgelegene Stadt. Ihren Namen hatte sie von drei alten Marspyramiden die Nahe der Stadtgrenze lagen. Es gab hier keine Mienen oder sonstigen Bodenschätze, also lebte man hier hauptsächlich vom Handel und kleineren Fabriken. Seit dem Handelsembargo seitens der Erdregierung sind besonders hier die Geschäfte merklich leerer geworden. In dieser Zeit hatte ich auch keine nennenswerten Probleme eine Wohnung zu finden, da es viele in die Großstädte zog, auch schon vor dem Konflikt. Es war ein kleines zweistöckiges Haus, unten eröffnete ich meine Detektei neu und oben kam meine Privatwohnung rein. Als ich mich fertig eingerichtet hatte fand ich auch den Zettel mit der Adresse wieder. Ich glaubte zwar nicht, daß ich jetzt noch jemanden dort anfinden würde, schließlich waren seitdem ich die Botschaft gekriegt hatte zwei Marswochen ins Land gegangen, aber ich wollte das Programm sowieso mal ausprobieren. Mit der Passwortabfrage hatte ich keine Probleme und schon betrat ich die Stadt. Es war eine Überraschung für mich. Zwar lag diese fiktive Stadt auf dem Mars, doch war die Athmosphäre des roten Planeten ganz anders. Anstatt des düsteren regenreichen Himmels, sah ich das Blau und vereinzelte Wolken. Auch schien es wärmer zu sein, die Sonne gab mir ein angenehmes leichtes Gefühl. Beeindruckend wie weit die Cyberspacetechnik war. Konnte die Zukunft für den Mars wirklich so aussehen? Da ich auf diese Frage jetzt sowieso keine Antwort kriegen würde, machte ich mich auf, die Adresse zu finden. Mit meinem elektronischen Stadtplan hatte ich auch keine Mühe damit. Gibsonstreet 17, hier war es also. Ich stand vor meinem eigenen Haus, daß ich soeben erst in der Realität erworben hatte. Irgendjemand schien mit mir spielen zu wollen. Ich ging auf die Tür zu und betrachtet das Klingelschild, kein Name, kein Zeichen, trotzdem oder gerade deshalb klingelte ich und mit einem vertrauten Surren ging die Tür auf. Mein Büro schien leer zu sein, nein im Drehstuhl hinter dem Schreibtish saß jemand und schaute zum Fenster hinaus. Dann drehte sie sich mir zu. Regierungspalast des Mars "Es scheint, als ob wir ein Problem kriegen Mr.President.", der Sicherheitsminister sah dabei besorgt in seine Notizen, "Die Mienengesellschaften sehen ihre Sicherheit gefährdet." Der Präsident wirkte nicht allzu überrascht. Die Minengesellschaften beuteten ihre Arbeiter gnadenlos aus. Dabei waren sie selbst äußerst korrupt, mehr als einmal wurden Fälle bekannt, wo die Firmen gegen herrschendes Marsrecht verstoßen hatten. Doch jedesmal wurden nur Bauern geopfert, die Bonzen blieben alle im Amt. Außerdem ist die Erde Hauptkunde der Iriudummienen. Daher bildeten diese Firmen eine starke Opposition der Regierung. "Es ist bekannt geworden, daß die Firmen als Sicherheitsmannschaften getarnte Erdentruppen eingeflogen haben."Jetzt wirkte der Präsident schon beunruhigter. Erdentruppen hier auf dem Mars. Aus dem aktuellen kalten Krieg konnte also jederzeit ein heißer werden. "Bringen sie unsere Truppen in Alarmzustand. Das wäre alles für heute. Danke." Ich erkannte die Frau sofort, es war die schöne Unbekannte die mich schon damals zu den Pyramiden begleitet hatte, mit ihr stand ich dem Nichtmenschen gegenüber, doch dann trennten sich unsere Wege, ich ging zur Erde, aber was sie tat wußte ich nicht. Jetzt saß sie mir gegenüber, in meiner Detektei, in meinem Sessel. "Hallo!", begüßte sie mich. "Hallo! Ich hätte nicht gedacht sie wiederzusehen." "Sehen sie mich wirklich? Oder ist dies nur eine Illusion? Wahrheit oder Fiktion? Sie vergessen, daß sie sich im Cyberspace befinden. Vielleicht bin ich ganz jemand anderes und will nur das sie glauben ich sei ich." Zu diesem Zeitpunkt verstand ich nicht alles was ich hörte oder sah, ich ließ es einfach über mich ergehen. "Was wollen sie von mir?" "Aha, kommen wir also zur Sache. Es wird Krieg geben. Er wird Zerstörung bringen, aber auch neue Hoffnung. Der Mars wird sich auf seine Wurzeln zurückbesinnen und Du, ja Du, Du mußt selbst herausfinden was deine Rolle dabei sein wird." Sie stand auf und ging zur Tür. "Werde ich Sie wiedersehen?", fragte ich sie. Sie antwortete nur, daß sie es nicht wüßte. Langsam wachte ich wieder auf, ich befand mich immernoch in meinem Büro, aber diesmal war es die Gegenwart und vorallem die Realität, jedenfalls hoffte ich dies. Es war Abend geworden. Wie immer nahm ich meinen Junk-Food gemeinsam mit den Fernsehnachrichten ein. Die politische Lage schien sich wirklich immer weiter zu verschlechtern. Erdentruppen bewachten mittlerweile die Minen hier auf dem Mars. Ein Muskelspiel der Erdregierung, denn die Minen waren der Hauptarbeitgeber des Mars, auf der anderen Seite war die Erde aber auch abhängig vor deren Produktion. In einem Krieg würden die Minen also eine Schlüsselposition darstellen. Eine andere Schlagzeile war der rasche Zulauf zu einer neuen Sekte. Sie nannte sich die "Kraft des Mars". Kann konnte sagen, daß sie an eine Wiederkehr der Nichtmenschen glaubte und hoffte. Deshalb beteten sie alle 5 Tage an einer der großen Pyramiden. Zusätzlich versammelten sie sich einmal im Marsmonat an einem der riesigen Gesichter und erhellten dieses mit Hilfe modernster Strahler. So leuchtete dieses Gesicht ins All hinaus. Es waren beeindruckende Bilder, die ich hier sah. Selbst von den beiden Marsmonden konnte man es sehen. Ich fragte mich, wieviel diese Sekte wirklich über die Nichtmenschen und die alte Marskultur wissen. In naher Zukunft sollte ich ihnen einen Besuch abstatten. Es war ein großer eckiger Bau. Komisch, eigentlich hatte ich sowas wie ein alte Kirche oder ein Kloster erwartet. Aber wie hätte das denn auch auf den Mars kommen können? "Die Kraft des Mars" stand an der Tür. Ich betrat das Gebäude und befand mich in einem dunklen Gang. Im Gegensatz zu außen wirkte es von innen wirklich irgenwie alt und heilig. An einer Tür stand "Beratungsstelle für Neuankömmlinge". Vielleicht gab es hier ja Antworten auf meine Fragen. Zwei Tage nachdem ich zum ersten Mal bei der "Kraft des Mars" war, saß ich nun erneut hier. Es war eine Einführungsveranstaltung für Neulinge. Eine riesige Aula und sie war bis zum letzten Platz besetzt. Verwunderlich, da in dieser Zeit doch im allegemeinen die Gesellschaft das Interesse an Religionen verloren hat. Vielleicht liegt es aber auch genau daran. In diesen politischen unruhigen Zeit suchten die Menschen wie nach einfachen Antworten auf ihre vielen Fragen. Aber das war nicht mein Bedürfnis. Ich wollte herausfinden was diese neue Religion mit den Nichtmenschen zu tun hatte. Das Licht ging aus und auf einer Leinwand fing ein Werbefilm an. Er war psychologisch intelligent angelegt. Es wurde der Mars in einem mytischen Bild gezeigt. Dadurch wurde dem normalen Zuschauer eine mytische Kraft suggestiert, viel älter als die Erde. Dann wurde es doch ein wenig informativer. Erst gab es eine kleine unscheibare Pyramide zu sehen, diesselbe in der ich meine Begegnung hatte. Danach ging es in Innere. Man sah Gänge und dann Zeichnungen. Zeichnungen von den Nichtmenschen und von Gärten und Flüssen, Meeren und Wiesen. Der Mars vor tausenden von Jahren, wie der Film erklärte. Doch dann gab es noch weitere Zeichnungen in der Pyramide: Menschen. Sie sahen nicht ganz so aus wie wir, aber es waren Menschen. Unterscheiden taten hauptsächlich in der Größe, etwas größer als wir, doch dafür sahen sie auch grober in ihren Gesichtszügen aus. Mir schoß es in den Kopf, das waren die Menschen, die von den Nichtmenschen von der Erde zum Mars gebracht worden sind. Nacht. Es war dunkel nur ab und zu gab es helle Punkte zu sehen. Diese gehörten den Gewehrläufen der Soldaten, denn der kalte Krieg ist in seine heiße Phase gekommen. Es war nicht mehr festzustellen wer wen provoziert hatte, aber jedenfalls bekriegten sich die Marsarmee mit den irdischen Schutztruppen der Minen. Selbst in der nahegelegenen Stadt "ThreePyramids" konnte man den Kriegslärm noch hören. Man fürchtete hier zwar den Krieg, aber doch war man erleichtert, daß die Zeit des Wartens endlich vorbei war. Man fühlte die Veränderung förmlich in der feuchten Luft liegen. Die Frage blieb nur, in welche Richtung sich der Planet jetzt verändern würde. Ich schloß das Fenster wieder und verdunkelte es anschließend. Der Krieg blieb draußen und ich konnte weiter arbeiten. Der Computer summte und ich gab einige Codes ein. An dem heutigen Tag wollte ich einiges über die Pyramiden herausfinden. Dafür betrat ich das Computernetz der Marsuniversitäten. Zwar sind aus Kostengründen die Erforschung der Marsartefakte eingestellt worden, doch hierirgendwo mußten sich noch ein paar Informationen der Expeditionen befinden. Schließlich fand ich auch das Directory das ich suchte. Doch leider war es gut geschützt. Ich benutzte mein Hackerprogramm, welches aber auch versagte. Irgendjemand wollte anscheinend nicht, daß man Antworten bekäme. Was sollte ich noch versuchen? Es gab keinen Zugang. Plötzlich erschien ein grünes Auge auf dem Bildschirm. Dann gab mein Computer, wie von Geisterhand gesteuert, das Codewort ein. Das Auge blinzelte mir zu und verschwand dann wieder. Ich war drin. Die Logbücher aller bisherigen Pyramidenerforschungen. Diese Aufzeichnungen kopierte ich mir auf meine Festplatte und fing dann an sie der Reihe nach zu lesen. Die meisten waren zwar interessant, aber nicht außergewöhnlich. Man fand die Pyramdien zumeist leer vor, wennauch in gutem Zustand. Nichts zu finden, alle Logbücher boten mir keine neuen Informationen. Gerade das aber machte mich stutzig, denn über die kleine Pyramide, an der ich besonders interessiert war, gab es keine Angaben. Es schien, als ob sich noch kein Forscher ihr genähert hätte. Irgendetwas stimmte hier nicht, die Anwort lag vor mir, aber ich konnte sie nicht sehen. Ich unterzog die Files einer erneuten Untersuchung und ich entdeckte, daß hier ein File gelöscht worden war. Leider ließ sich der Text nicht mehr wiederherstellen, aber ich konnte ermitteln, wer den letzten Zugang zu ihm hatte. Mein Hackerprogramm verfolgte die Spur zurück. Der Weg war lang, er ging über zahlreiche öffentliche Ämter, wahrscheinlich zu Tarnzwecken, schließlich kam ich aber bei der Ausgangstelle an. Es war nicht verwunderlich, daß ich mich plötzlich der "Kraft des Mars"-Mailbox befand. Die Organisation schien nicht nur religiös orientiert zu sein, denn ihr Computernetz war auf dem neuesten Stand. Man schmiß mich nach wenigen Sekunden aus dem Netz. Ich mußte es also wieder auf die altmodische Tour probieren. Seit einer Woche gab es nichts mehr neues, keine neuen Informationen und keine neuen Spuren. Das war aber nicht alles, es war Weihnachten. Das Fest verbrachte ich alleine hier auf dem Mars. Trotz aller politischen Probleme kriegte ich Karte von meiner Schwester und ihrem Mann. Den Kindern ging es gut und ihnen tat es Leid, daß ich nicht kommen konnte. Mir auch, schon seit Jarhzehnten gab es zu dieser Zeit die meisten Selbstmorde. Ich konnte dies nachvollziehen, denn ich saß hier vor einem virtuellen Kaminfeuer. Das Weihnachts-Special dieses Jahre im Fernsehen war ein 3D-Remake von Kampfstern Galactica. Der Weihnachtsmann allein weiß, wie man auf diesen Stoff gekommen ist, aber was bleibt einem übrig. Nach meinem aufgewärmten Festessen stand ich auf, ging zum Fenster und starrte nach draußen. Es sollte schneien, alles was ich aber sah war der typische Marsnieselregen. Warum nur bin ich zurückgekehrt? Es klingelte an der Tür. Wer konnte dies an so einem Tag sein? Ich öffnete die Tür und blickte plötzlich in diese grünen Augen. Mir kam wieder mein eigenartiges Cyberspace-Begebnis in den Sinn, aber diesmal war sie real und stand vor mir. "Kann ich reinkommen? Oder wartest Du noch auf den Weihnachtsmann?" "Äh nein, kommen Sie rein!", antwortete ich schnell. "Sag du zu mir." Wir gingen ins Wohnzimmer. "Was verdanke ich deinen Besuch?" Sie sah mich nur an und meinte: "Es ist das Fest der Liebe und du warst einsam!" Ohne viele Worte sahen wir uns dann noch Kampfstern Galactica an, der Abend wurde doch besser als ich heute morgen gedacht hatte. Diverse Schüsse aus einiger Entfernung ließen mich am nächsten Morgen erwachen. Ich blickte mich um und sah sie noch schlafen, eigentlich hatte ich erwartet, daß sie wieder verschwunden wäre, aber da lag sie noch. Irgendetwas war an ihr besonders, als ob sie nicht in diese Welt gehören würde. Aber erneute Schüsse störten mich bei meinen Gedanken. Der Lärm kam aus Richtung der Minen. Natürlich wußte ich was passiert war, das was alle Marsbewohner erwartet haben. Die Erdtruppen waren mit Marseinheiten aneinandergeraten. Aus dem kalten Krieg war ein heißer geworden. "20.00 Mars-Standardzeit, Kanal5-Nachrichten. Heute ist es zu ersten Gefechten zwischen Marsregierungstruppen und vereinzelten Erdentruppen gekommen. Es gibt einige Opfer auf beiden Seiten. Der Erdbotschafter hat sich in der Zwischenzeit bei der Regierung entschuldigt, es handle sich hierbei um einen unglücklichen Zwischenfall. Man setze weiter auf Verhandlungen. Außerdem hat er bestritten, daß es sich bei dem Raumfahrzeug, welches sich im langsamen Anflug auf den Mars befindet, um ein irdisches Kriegsschiff handeln würde. Lieén-Outpost: Die astronomische Beobachtungsstation hat bestätigt, daß sich ein Objekt in Richtung des Mars zubewegt. Die Herkunft ist noch unbekannt. Es könnte sich um einen Meteoriten handeln. Doch scheint die Flugbahn zu berechnet hierfür. Es könne nicht ausgeschlossen werden, daß es von der Erde kommt. Um die Herkunft zu verschleiern hätte es eine größere Flugbahn nehmen können. Wetter: Die Atmposhäre hat sich stabilisiert und gefestigt. Meterologen stellen in Aussicht, daß die durchschnittliche Temperatur in den nächsten 50Jahren um 5Grad Celsius steigen könnte. Die ersten sonnigen Tage könnten schon im nächsten Jahr eintreten. 4Jahre früher als bei der Marsbesiedlung geplant wurde." Es scheint also doch noch gute Nachrichten zu geben. "Ich weiß das Du es weißt". Überrascht drehte ich mich um, sie war mittlerweile aufgestanden. "Was soll ich wissen?", antwortete ich. Sie lächelte nur, "Mein Geheimnis". "Haben sie das Objekt auf dem Schirm?" "Ja Sir!", antwortete der Mann an dem Beobachtungsschirm. "Es handelt sich um ein längliches Objekt. Der Form nach kann es eindeutig kein Meteor sein." Nachdenklich beobachtete nun auch der General der Marsraummarine den Bildschirm. Es schien so, als ob der Konflikt nun eine neue Dimension erhalten würde. In etwas zwei Tagen würde der Mars Besuch kriegen. Ich sah sie weiter an, "Nein, ich vermute es nur." Eine kleine Sprechpause sollte mir Mut machen, denn meine Vermutung war weit, sehr weit, hergeholt. "Irgendwie paßt du nicht an diesen Ort, jedenfalls nicht zu dieser Zeit." Wieder lächelte sie, diesmal nickte sie aber leicht dabei. "Ich weiß nicht wie und warum, meine Vermutung ist, daß Du eine Überlebende der Marsbewohner bist, die vor tausenden von Jahren von der Erde hierher geflogen worden sind." Mein Blick verfing sich in ihren grünen Augen. Würde meine Theorie gleich wie ein Kartenhaus zusammenbrechen, jedenfalls war ich darauf vorbereitet. "Ja.", antwortete sie, "Allerdings leben wir schon lange nicht mehr auf dem roten Planeten, aber einst taten es unsere Vorfahren noch. Als die Fremden sahen, daß unsere Kultur hier keine Zukunft mehr hatte, nahmen sie die letzten Überlebenden mit zu ihrer Heimatwelt. Dort leben wir noch immer. Doch Aufklärungsmissionen haben herausgefunden, daß ihre auf der Erde entgegen unseren Überlegungen überlebt hattet und jetzt dabei seit wieder den Mars zu besiedeln. Es sieht so aus, als hätten sich die Umstände geändert. Man schickte mich mit einem neuen Forschungsteam mit um herauszufinden, ob es eine Möglichkeit gibt, daß wir wieder hierher zurückkehren können." "Und? Was hast du herausgefunden?""Es sieht so aus, als sie Menschen Menschen geblieben und sie bekämpfen sich weiter. Solange der Krieg noch andauert kann man es nicht wissen." Mein Computer gab ein Piepsen von sich und auf dem Bildschirm erschien die Mitteilung, daß ich heute wieder den Tempel sesuchen wollte. "Kommst Du mit", fragte ich sie. Meine Begleiterin und ich trafen gegen 12Uhr Marszeit bei dem Sektengebäude ein. Neben der Tür war ein großes Plakat, welches besagte, daß der Weltuntergang unmittelbar bevor stand. Das Bild zeigt den Mars und daneben ein riesiges Marsgesicht, welches in Begriff war, mit seinen Augen den Mars zu vernichten. "Was wissen sie?", fragte ich. "Nichts, sie haben nur alte Artefakte gefunden, die Nachrichten gesehen und einige Schlußfolgerungen gezogen." "Stimmen Sie denn?" Als Antwort lächelte sie nur, "Komm! Laß uns reingehen", wich sie aus. Das Gebäude war wie ausgestorben, als ob der Weltuntergang sie schon erfaßt hätte. Wir gingen zum Büro, hier war die Wahrscheinlichkeit am größten was über den Verbleibt der Mitglieder zu erfahren. Nach einer kurzen Suchen wurden wir schließlich auch fündig. Die letzte Eintragund im Terminkalender war das große Gebet an einem der Marsgesichter. Danach war der gesamte Terminkalender leer es schien als würden sie wirklich an den Untergang glauben. Es gab nichts gefährlicheres als fanatische Weltuntergangsgläubiger. In der Geschichte hatte es schon viele Massenselbstmorde gegeben. Das Ziel stand fest, als wir wieder in den Gleiter einstiegen. "Hier die letzten Nachrichten. Wieder kam es zu Gefechten bei den Minen. Erdtruppen wieauch Marseinheiten haben viele Gefallene zu beklagen. Als Antwort auf diese erneuten Kämpfe wurde der Erdbotschafter ausgewiesen. Wie wir so eben erfahren haben sind 10 Truppentransporter auf der Erde gestartet. Ihr Ziel ist wahrscheinlich der Mars. Unser Präsident fordert alle kampftauglichen Marsbewohner wie auch Bewohnerinnen sich bei der Armee zu melden. Es gilt der Ausnahmezustand. Weiterhin befindet sich auch das geheimnisvolle Objekt auf seinem Kurs zu unserem Planeten." Ich schaltete das Radio ab. Vielleicht hatte "Die Kraft des Mars" doch recht, der Untergang des roten Planeten stand unmittelbar bevor. Wir waren dabei die Stadtgrenzen zu verlassen, das Marsgesicht zu welchem wie unterwegs waren, war einige hundert Kilomenter entfernt. So daß die Fahrt knapp drei Stunden dauerte. Trotz der apokalyptischen Umstände strahlte sie eine ruhige Wärme aus, die mich irgendwie sicher fühlen ließ, als ob irgendeine übergeordnete Macht ihre Hand schützend über diesen Planeten halten würde. Langsam fing es auch zu dämmern und ich sah am Horizont das riesige beleuchtete Marsgesicht. Hier waren wir richtig. Noch was fiel mir in dieser Nacht auf, es war eine sternklare Nacht, die erste die ich auf dem Mars erlebte. Hunderte kleine Lichter schienen auf die Oberfläche hinab, als ob sie das Marsgesicht begrüßen wollten. Wir stiegen aus und gingen auf das riesige Bauwerk zu. Als wir näher kamen wandelte sich dieses euphorische Bild in eins des Schreckens. Rund um das Marsgesicht waren Leichen der Sekten-Anhänger verteilt. Es mußten hunderte sein. Sie schienen Gift aus einem goldenen Kelch zusich genommen zu haben. Jedenfalls hatte der Hohe Priester diesen Kelch in der Hand. Dieser Narren! Diese Nacht würde etwas wunderbares passieren, etwas was den Mars zu einem neuen Anfang verhelfen würde, nur wußte ich nicht was. "Es geschieht!" Ich drehte mich um zu ihr. "Es geschieht!", wiederholte sie, dabei sah sie hoch zum Himmel. Die Sterne waren verschwunden, doch es war nicht das typische trübe Marswetter, eher wie hochfliegende Wolken. Dann fing es leise an zu schneien. Als der Boden mit einer ca.2cm hohen Schneeschicht bedeckt war, fiel sie auf die Knie. Nicht um zu beten, sondern sich an dem Schnee zu erfreuen. Reinen weißen Schee hat es hier vorher nie gegeben. "Was passiert?", fragte ich sie, "Und woher kommt der Schnee?" "Er entsteht bei Ankunft ihres Landungsbootes. Die Fremden besuchen uns." Plötzlich brach ein helles durch den Himmel. Ich mußte mir die Hände vor das Gesicht halten um nicht geblendet zu werden, aber ich wollte unbedingt sehen, wer oder was da kam. Dann sah ich es wirklich, ein helles diskusförmiges Gefährt. "Das Landungsboot.", erklärte sie. Leise senkte sich das Gefährt, bis es schließlich landete. Gespannt was passiert beobachtete ich die Szene. Langsam wurde eine Treppe heruntergelassen und ein ca.30jähriger Mensch ging sie herunter. Meine Begleiterin lief auf ihn zu und sie umarmten sich lange, dann kamen sie auf mich zu. "Mein Bruder.", stellte sie ihn mir vor und nur schwer konnte ich meine Erleichterung verbergen. Der Moment war gekommen das die Fremden zum Mars zurückkehrten, jedenfalls kam jetzt einer von ihnen vom Schiff herunter. Der Beginn einer neuen Epoche für den roten Planeten. The End. @ENDNODE