Instant Music (Hersteller: Electronic Arts, Vertrieb: Ariolasoft) Dieses Programm heißt nicht umsonst "Instant" Music - sofort nach dem Laden kann jeder (!) mehr oder weniger wohlklingende Töne / Harmonien / Rhythmen mitgestalten oder selbst komponieren, und das alles ohne Noten ("Echte" Musiker werden sich jetzt schreiend auf dem Boden wälzen). Fortgeschrittene, die an Noten gewöhnt sind, werden sich anfangs vielleicht mit den farbigen Balken, die das Programm anstelle der Noten verwendet, etwas schwer tun; andererseits ist diese Regelung für Anfänger eine enorme Erleichterung. Der vollständige Laie wird vom Programm so geführt, daß es gar nicht möglich ist, "falsch" klingende Töne zu erzeugen; für Leute mit etwas mehr übung lassen sich diese Hilfen stufenweise entfernen. Was kann man mit dem Programm anfangen? Zu Beginn wird man sicher die (zahlreichen und guten) Demosongs ausprobieren: Im Gegensatz zu anderen Musikprogrammen kann man jedoch hier frei improvisieren. Nach Auswahl des Instruments kann man mit der Maus voll loslegen - Bewegung nach unten, und die Töne werden tiefer, nach oben, und die Töne werden höher, alles im voreingestellten Harmoniemuster. Dabei können die Töne nicht nur einstimmig, sondern auch zwei- oder dreistimmige Akkorde sein. Bekanntlich hat der AMIGA ja nur vier Stimmen, durch geschicktes Ausnutzen von "Lücken" kann man aber den Anschein erwecken, jedes einzelne der vier Instrumente sei mehrstimmig. übrigens ist es in allen Modi möglich, unter allen Abstufungen zwischen größter Programmführung und eigener Kontrolle (was mitunter nicht mehr so harmonisch klingt) auszuwählen (das gilt für Melodie, Harmonik und Rhythmus). Auf der Diskette werden in drei Libraries neunzehn Sounds erster Güte mitgeliefert, neben Klassikern wie Orgel, Streichern etc. auch ausgefallenes wie z.B. Steeldrums, eine schöne Gitarre und eine geniale Do-Voice (allein schon ein Kaufgrund!)... Weitere Sounds, die im IFF-Standard abgespeichert sein müssen, können in eigene Inhaltsverzeichnisse aufgenommen und verwendet werden; umgekehrt lassen sich auch Instant Music-Sounds (8SVX) und -Songs (SMUS) in anderen Programmen, die mit dem IFF-Standard arbeiten verwenden, z.B. DeLuxe Video oder DeLuxe Music. Als nächstes wird man wohl versuchen, die vorhandenen Musik-Stücke zu editieren, was wiederum kein Problem ist; man kann einfach mit der Maus - wie bei einem Malprogramm - Noten / Balken löschen und zeichnen, wobei das Programm noch mit einigen Besonderheiten aufwartet (Auf- und Abwärtsläufe, Akkordmuster etc.). Außerdem stehen recht komfortable Funktionen zum Kopieren und Löschen von Takten und Stimmen zur Verfügung. Die Größe eines Musikstücks ist leider auf vierundsechzig Takte beschränkt, was wohl für größere Projekte nicht ausreicht. Wenn alle Takte gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellt werden, ist oft nicht mehr viel von den einzelnen Balken zu erkennen. Man kann daher einzelne Ausschnitte "vergrößern" und diese bearbeiten. Bei allen Veränderungen kann man die Musik weiterlaufen lassen, leider fängt der Rhythmus beim Herunterziehen von Menüs etwas zu stolpern an. Wem die Demosongs zu langweilig werden und wem es andererseits zu umständlich ist, eigene Songs einzugeben, der kann sich aus der Schublade "Progressions" Grundmuster für Rock- und Jazzsongs holen und diese zu kompletten Stücken zusammenbasteln. Die Dokumentation ist recht gut, aber Dank des amerikanischen Kulturimperialismus' nur mit Knowledge der english Language oder einem Dictionary zu genießen, wie es bei den meisten AMIGA-Programmen der Fall ist (Sachzwang: amerikanischer Computer = amerikanische Handbücher?). Die Dokumentation enthält auch eine (englische) Kurzanleitung zum schnellen Nachschlagen. Im Hauptteil werden alle Funktionen (auf englisch) ausführlich erklärt und wer tiefer einsteigen will (und englisch kann), wird (in Ansätzen) (auf Englisch) mit Grundbegriffen der Harmonielehre vertraut gemacht. ältere Freaks (ab zwanzig) sollten sich allerdings gleich eine Leselupe mitbestellen, die Schrift ist nämlich sehr klein. Das leidige Thema "Kopierschutz" wird hier wieder aktuell, um nämlich mit der Sicherungskopie arbeiten zu können, muß man zwischendurch die Originaldiskette einlegen, was auf die Dauer doch etwas lästig ist (es dauert immer so lange, bis man das Original aus dem Tresor geholt hat). Hier steht man wieder vor der skurrilen Situation, daß Raubkopierer mit einer geknackten Version bequemer arbeiten können als ehrliche Käufer. Hauptsächlich ist dieses Programm nicht für die Super-Musiker gedacht, die im Himmel der Musik-Theorie zwischen Dreiklängen mit großer Terz-Dezime schweben, sondern für User, die auch ohne große Vorkenntnisse einfach mal loslegen wollen, ohne mühsam Note für Note einzugeben. Wenn das Programm vielleicht auch nicht für das Komponieren abendfüllender Musikstücke geeignet ist, bietet es doch etwas, was man bei der Anwendersoftware oft vermißt: Sehr viel Spaß! Man kann stundenlang einfach nur herumspielen und seine bisher unerkannten Talente als Komponist und Arrangeur bestaunen. Nebenher lernt man noch eine ganze Menge über Musik und Harmonielehre. Fazit: Ein kaufenswertes Programm. (bj)