The Faces of Mars Der Killer konnte überall sein. Ich saß versteckt hinter einer Kiste geschmuggelten Whiskeys. Es war die Zeit der Protektion, Alkohol war in den USA verboten. Mafiabanden hatten dies ausgenutzt und so ein verbrecherisches Imperium aufgebaut. Ich überprüfte nochmals meinen silberschimmernen Revolver, alle Patronen steckten noch in der Trommel. Dies alles kam mir wie eine Ewigkeit vor. Plötzlich bewegte sich etwas in der alten Lagerhalle. Ich hörte das Geräusch einer zersplitternen Flasche. Ich wollte ausholen um zu schiessen, doch dies war ein Fehler, der Killer war schneller als ich. Er traf mich im linken Arm. Es war ein komisches Gefühl hierbei keinen Schmerz zu verspüren. Ich rollte mich erstmal in Sicherheit. Hierbei konnte ich den Killer hintermir hören. Es war zwar unmöglich, aber ich glaubte seinen Atmen zu spüren. Ich lief geradaus zu einem weiteren Kistenstapel. Einen weiteren Zeitaufschub hatte ich mir so verschafft, doch der Killer hatte immernoch einen Vorteil: er kannte meine Position, ich aber nicht die seine. Ich versuchte logisch zu denken, was würde ich an seiner Stelle tun? Doch diese Gedanken führten zu nichts, ich kannte diese alte Lagerhalle einfach zu wenig und außerdem war es einfach unmöglich die Schritte dieses Computermonsters im Voraus zu berechnen. Es gab zu viele Möglichkeiten, die der Killer per Zufallsgenerator nehmen könnte. Ohne Vorwarnung tauchte er vor mir auf. Er kam direkt aus dem Kistenstapel. Im Reflex zog ich meinen Revolver, zielte und traf ihn mitten im Herzen. Ich konnte ihn noch fallen sehen, aber dann löste er sich auf und verschwand als ob er nie dagewesen wäre. MISSION COMPLETED sah ich vor meinen Augen. Es waren rote Buchstaben und langsam wurde es schwarz vor meinen Augen. Es war wie ein Traum, der auch zu einem Alptraum hätte werden können. Ich nahm die Cyberspace-Brille ab und sah den Polizeiübungsraum. Der für das Cyberspace-Trainingsprogramm verantwortliche Wissenschaftler stand neben meinem Sitz, er schien nicht sonderlich zufrieden zu sein, schon wieder war in dem Programm ein Fehler aufgetreten. Menschen konnten im 20.Jahrhundert nicht durch Kistenstapel gehen, genaugenommen konnten sie es heute immer noch nicht und wir schreiben immerhin das Jahr 2157. Es schien ein normaler Arbeitstag zu werden. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse bis jetzt. Ich saß an meinem Schreibtisch und las die Berichte über die letzte Nacht, Überfälle, Drogenmißbrauch und auch ein Mord. Wie ich diese Routine haßte, und dies alles war Routine auf dem Mars. Der Mars war nicht mehr als eine Kolonie der Erde. Hier lebten hauptsächlich Bergleute, Glücksritter, Weltverbesserer, Idealisten und vorallem zwielichtige Gestalten, die von der Erde abgeschoben wurden. Der Mars war nicht allzu beliebt bei rechtschaffenden Bürgern, deshalb war die Polizei chronisch unterbesetzt. Man konnte oftmals die Verbrechen nur noch registrieren, von Verfolgung war nicht zu sprechen. Doch da erblickten meine Augen einen Bericht, der nicht zur täglichen Routine gehören zu schien: Bergwerksunglück in den Iridiummienen, zehn Kumpel bei Explosion getötet. Es war das erste Unglück dieser Art seit ungefähr 50 Jahren. Die modernen Sicherheitsanlagen in den Mienen machten ein solches Unglück unmöglich, dachte ich jedenfalls. Ich nahm meinen Trenchcoat und machte mich auf den Weg zu den Mienen. Die Zufahrt zu dem Schacht war abgesperrt, Polizisten ließen keine Unbefugten auf das Gelände, selbst ich wurde kontrolliert. Dann aber konnte ich den Schacht betreten. Es kostete mich enorme Überwindungskraft, denn seit frühester Kindheit litt ich unter Platzangst. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, als mir die Vorstellung kam, daß die Kumpel eingeschlossen waren und dann erst langsam erstickt waren, ein grauenhafter Gedanke. Sie ließ ihre Blicke in dem hochmodernen Büro schweifen. Hier arbeiteten also die reichsten Menschen des Mars. Ein stilvoller Schreibtisch mit einem Computer. Sie mußte an ihr eigenes enges Büro in der Behörde für Mienen- sicherheit denken. Sie hatte die Vollmacht alle Akten von der Iridiummiene zu beschlagnahmen. Trotzdem wollte man sie ihr nicht rausgeben, erst als sie drohte ein bewaffnetes Polizeikommando anzufordern wurde man kooperativer. Man händigte ihr und ihren Begleitern die gewünschten Unterlagen aus, ohne aber zu versäumen ihr zu beteuern, daß sie nichts finden würde. Sie glaubte aber nicht an einen Unfall, zu groß waren die Sicherheitsmaßnahmen. Ihr Schreibtisch war überfüllt mit Akten, seit Stunden studierte sie die Unterlagen, trotzdem fand sie nichts, was ihren Verdacht bestätigen konnte. Alles war sauber, eigentlich zu sauber. Die Mienen waren nicht immer für ihre Vorschriftsmäßigkeit bekannt, Korruption war hier auf dem Mars eigentlich die Tagesordnung. Deshalb war sie auch nicht gewillt den Akten glauben zu schenken. Vielleicht lebte sie auf der falschen Welt, oder nur in der falschen Zeit, sie war noch eine Idealistin und glaubte an die Gerechtigkeit, für sie war sie bereit zu kämpfen. Mit dieser mentalen Einstellung hat sie sich in der Behörde langsam mit der Zeit heraufgearbeitet. Sie war jetzt die Leiterin der Abteilung Unfallaufklärung. Durch ihre Hartnäckigkeit und Gründlichkeit war es ihr gelungen die Aufklärungsrate um drei Prozent zu steigern. Auch durchaus bedeutende Marspersönlichkeiten waren durch sie schon verurteilt worden. Manchen Mienenbesitzern war sie ein Dorn im Auge, zu oft konnte sie Sicherheitsmängel beweisen. Durch sie sank auch die Rentabilität so mancher Miene, eine mußte sogar später geschlossen werden, weshalb sie auch bei den Arbeitern sich keiner hohen Beliebtheit erfreute. Ihr Telefon klingelte, der Chef wollte sie sehen. Der Schacht war total eingestürzt, alles deutete auf eine Gasexplosion hin. Ich konnte keine Anzeichen auf den Verbleib der Kumpel ausmachen. Sie schienen wirklich hinter dem Wall eingestürzter Decke verschollen zu sein. Kein angenehmer Tod, langsame Erstickung. Man versuchte zwar so schnell wie möglich sich durch den Schutt durchzugraben, aber man war zwangsläufig zu spät. Hier gab es nichts mehr für einen Polizisten zu tun, zumal auch die Spurensicherung nichts Verdächtiges gefundet hatte. Es schien ein Unfall gewesen zu sein, Grausam aber wahr. FILE: CYBERSPACE ================ Die Wirklichkeit aus dem Computer. Hier wird eine andere Welt simuliert. Mal Mittelalter, mal Römisches Reich oder alles andere, der Phantasie des Programmierers sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Um in die Cyberspace- Welt hinabtauchen zu können sind eine spezielle Brille und ein Anzug nötig In der Brille sind kleine Screens integriert, so daß der User nur die Computerwirklichkeit sieht. Der Anzug gibt die Muskelbewegungen an den Computer weiter. Dieser reagiert entsprechend und der User hat das Gefühl, sich in einer wirklichen Welt zu bewegen. Neurere Anzüge geben auch Widerstände an den User zurück, so daß man auch das richtige Gefühl hat, Gegenstände anfassen zu können. Fünf Minuten vor acht, wieder stand ein Test der neuen Polizei-Cyberspace- Anlage auf der Tagesordnung. Ich hatte meine Bedenken gegen diese Anlage, niemals würde ein Computer die Wirklichkeit ersetzen können. Die Türe öffnete sich, der verantwortliche Wissenschaftler stand vor mir. Kannte dieser Mann überhaupt die Wirklichkeit? Ca.30 Jahre alt, gepflegt und intelektueller Blick. Wahrscheinlich lebte er am Rande der Stadt in einem Viertel für Besserverdienene. Abgeschottet vom Rest der Stadt, ach was, dem Rest dieses Planeten. Ich betrat den Raum, da war der Sessel mit den vielen Kabeln. Diese Polizei Cyberspace-Anlage gehörte der sogenannten zweiten Generation an. Bevor der User an diese Anlage angeschlossen wird, bekommt er eine Droge, die ihn in eine Art Trance versetzt, diese verstärkt dann später das Gefühl in einer anderen Wirklichkeit zu leben. Man kann diese Wirklichkeiten nicht mehr von der Realität unterscheiden. Man verabreichte mir jetzt die Droge, langsam wurde mir schwarz vor Augen. New York 2003, Harlem. Ich hatte meine Maschinenpistole gezückt. Mein Auftrag war einen Drogendealer auffliegen zu lassen. In diesen Hintergassen lauerte um diese Zeit überall der Tod: Junkies, Banden, Dealer, Killer, ... Die Polizei hatte längst den Kampf gegen das Verbrechen verloren, sie hatte es nur noch nicht gemerkt. Ein gestreckte Limousine näherte sich, ich versteckte mich hinter ein paar überquellenden Mülltonnen. Jetzt hielt sie an. Aus einer Seitenstraße kam ein Mann, Hut und langer Mantel, aber nicht sehr gepflegt. Er ging zu der Limousine, ein Fenster wurde runtergekurbelt. Der Mann griff in seine Innentasche und holte ein weißes Päckchen raus. Plötzlich heulten Polizeisirenen auf, zwei Streifenwagen tauchten auf, die Gangster waren weg, nicht einfach weg, sie schienen sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft aufgelößt zu haben. Ohne mich zu bewegen stand ich auf einmal mitten auf der Straße. Mit quitschenden Reifen hielten die beiden Streifenwagen an. Eine Polizeibeamtin stieg aus, ich erschoß sie. Wieder heulten Sirenen, das ganze Bild wurde rot, ich verlor die Besinnung. Weiße Decke, weiße Wände, ich wachte in einem Krankenhauszimmer auf. Meine linke Hand konnte ich nicht bewegen, kurze Zeit später bemerkte ich, daß ich mich überhaupt nicht bewegen konnte. Es schien so, als hätte man mir eine Starrspritze verabreicht. Ich konnte mich nicht erinnern, wie ich hierher gekommen bin, das letzte was ich noch wußte waren die Cyberspace- Ereignisse, die Polizistin hatte ich erschossen, aber eigentlich wollte ich sie gar nicht erschiessen, es wäre auch vollkommen unlogisch gewesen. Genauso unlogisch, wie hier in einem Krankenhaus zu liegen, warum durfte ich mich nicht bewegen. Dies waren die Dinge, die mir durch den Kopf gingen. Plötzlich ging die Tür auf, zwei Männer betraten den Raum. Mein Instinkt sagte mir, daß es sich um Polizisten handelten. Ich täuschte mich nicht, es war die Mordkommission, ich hatte wirklich die Frau erschossen. Was die beiden Polizisten mir erzählten war erschreckend für mich. Während ich mich in der Cyberspace-Wirklichkeit befand, soll ich die Kontrolle über meinen Körper verloren haben. Ich hatte meine Pistole gezogen und eine Frau erschossen, die hinter mir stand um das Experiment zu beobachten. Nach vielen Fragen und nachdem die Wirkung der Starrspritze verklongen war, konnte ich das Krankenhaus verlassen. Vollkommen fertig kam ich zu Hause an, alles war so wie ich die Wohnung verlassen hatte. Doch war jetzt alles anders, ich hatte einen unschuldigen Menschen erschossen. Zugegeben, während des Dienstes hatte ich schon mehrere Menschen ins Jenseits befördert, doch das waren alles Verbrecher und bewaffnete dazu. Diesesmal war es anders. Nach unruhigem Schlaf wachte ich am nächsten Tag auf, ich fühlte mich immer noch nicht besser. Die Morgenzeitung war schon da und lag unter der Tür. Auf der ersten Seite sah ich das Foto einer Frau, es war die von mir getötete. Mitte dreißig und nicht unattraktiv, sie hatte ich aus dem Leben gerissen. Darunter stand ein Bericht wie es passiert war, ein Unfall. Ich konnte nicht glauben, daß ich sowas getan haben konnte. In der Zeitung stand, daß sie für die Mienensicherheit gearbeitet hatte, dort befand sie sich auch in einer gehobenen Position. Die Behörde für Mienensicherheit hatte auch Interesse an Cyberspace-Geräten, deshalb soll sie auch dort gewesen sein, um einen Test zu beobachten. Mich störten ein paar Sachen an der Story, ich wußte beim besten Willen keine Einsatzmöglichkeiten von Cyberspace bei der Behörde und zweitens warum war sie persönlich gekommen, hatte sie nichts besseres vorgehabt? Ich ging in mein Büro um an meinen Auftrag weiter zu arbeiten. Die letzten Berichte wollte ich gerade zu Ende schreiben, als mir plötzlich eine Idee durch den Kopf schoß: Sie arbeitete für die Mienensicherheit und ich arbeitete an einem Fall von einem Mienenunglück. Gab es einen Zusammenhang? Lange hatte es keinen Mienenunfall mehr gegeben und eigentlich waren die Sicherheitsbestimmungen zu streng, als daß es noch zu Unfällen hätte kommen können. War geschlampt worden? Oder war es am Ende gar kein Unfall? Korruption war auf dem Mars allgegenwärtig. Die Mienengesellschaften waren hier mächtiger als die Planetenregierung, jedenfalls inoffiziell. Ich wußte, daß einer meiner Vorgesetzten bestimmt auf der Lohnliste der Gesellschaften stand, ich müßte daher viel auf eigene Faust arbeiten. doch ich wollte diesen Fall auf jeden Fall lösen, ich war es einfach der Frau schuldig. Einer der Wachen der Mienensicherheit war mir noch einen Gefallen schuldig, da ich kleinere Helereien mal unter den Tisch hatte fallen lassen. Jetzt war der Tag gekommen, wo er mir einen Gefallen tun mußte. Heute Nacht würde ich der Behörde einen kleinen Besuch abstatten. Die Nacht war dunkel, keiner der beiden Monde schien am Himmel. Mit dem nachgemachten Generalschlüssel drang ich in das Gebäude ein. Nur die Nachtbeleuchtung gab eine gewisse Helligkeit ab. Ich mußte vorsichtig sein, es konnte gut möglich sein, daß hier noch jemand Überstunden machte, doch es war niemand zu sehen. Wie ich erfahren hatte lagen die Büros der Führungsschicht auf der 57.Etage. Um kein Risiko einzugehen benutzte ich das Treppenhaus, was ziemlich anstrengend war. Auf der Etage angekommen suchte ich zuerst das Büro des Personalchefs, welches ich auch ziemlich schnell fand. Der Aktenschrank war durch ein elektronisches Zahlenschloß gesichert. Doch keine Elektronik ist vor Elektronik geschützt. Ich hatte einen Minilaptop mit. Durch eine spezielle Harware gab er Piepstöne an das Schloß ab, die das Drücken der verschiedenen Zahlentasten simulierten. In sekundenschnelle ging er die verschiedenen Kombination durch. Trotzdem konnten solche Aktionen unter Umständen einige Minuten in Anspruch nehmen. Plötzlich hörte ich Geräusche vom Gang her. Ich schlich mich zur Tür um ihnen genauer zu lauschen. Es waren Schritte. Das mußte die Streife sein. Der Laptop zeigte mir an, daß er das Schloß geknackt hatte. Die Schritte Lkamen näher. Ich fand die Akte der Frau, schnell machte ich Fotos von der Akte, legte sie dann zurück und schloß den Schrank wieder. Hoffentlich hatte die Streife das Blitzlicht nicht gemerkt. Vorsichtshalber zog ich meine Waffe und versteckte mich hinter der Tür. Die Schritte waren jetzt vor der Tür. Er blieb für einen Moment stehen, mir stockte der Atem, dann ging er weiter. Erleichtert atmete ich auf, diesmal blieb ich noch unerkannt. Zuhause angekommen machte ich mir einen Kaffee und setzte mich an meinen Computer. Ich legte die Diskette aus der Camera ein und betrachtete den Film mit der Akte. Sie hatte viele Fälle bearbeitet. Besonders interessant war, daß sie Untersuchungen nach verschwundenen Mienenarbeitern geleitet hatte. Auf dem Mars verschwanden relativ viele Arbeiter, die nie gefunden worden, aber eigentlich war das nicht ihr Job, sie war für die Mienen- sicherheit verantwortlich, nicht für das Verschwinden von Menschen. Oder gab es hier einen Zusammenhang? Gab es doch mehr Mienenunfälle als die Gesellschaften zugeben wollten? Und dann ihr letzter Fall, derselbe wie meiner: das Mienenunglück. Der nächste Morgen, ich hatte wieder nicht gut geschlafen. Wie jeden Morgen ging ich in mein Büro. Gleich als ich ankam wollte der Chef mich sehen. Ich war vorübergehend beurlaubt, bis daß der Unfall aufgeklärt würde und daß kann hier ziemlich lange dauern. Auf der Nachhausefahrt beschäftigte mich nur ein Gedanke, warum die plötzliche Beurlaubung. Zwei Personen, die nicht mehr an dem Fall arbeiten sollten. In ihrem Fall war es endgültig. Doch ich wollte noch nicht aufgeben, ich war es ihr einfach schuldig. Auf eigene Faust würde ich weiter machen, auch ohne Dienstwaffe und Polizeimarke. Als erstes mußte ich herausfinden was sie wußte bevor sie starb. Nach meiner Theorie wurde sie nicht ohne Grund getötet. Jemand hatte Angst, daß sie zu nah an ein Geheimnis kommen könnte. Zum Glück stand ihre Adresse in der Akte. Es regnete mal wieder. Die künstlich erzeugte Atmosphäre des Mars war noch nicht richtig eingependelt, wahrscheinlich würde dies noch ca.100 Jahre in Anspruch nehmen. FILE: MARSATMOSPHÄRE ==================== Es gibt Theorien, daß der Mars in grauer Vorzeit mal eine Atmosphäre besessen hat, diese aber nach einiger Zeit durch ungeklärte Ereignisse wieder verloren hat. Man vermutet unter der Marsoberfläche noch riesige Wasser- und Sauerstoffvorkommen, die im gefrorenen Zustand dort lagern. Wenn man diese erhitzt, könnte sich wieder eine Atmospähre bilden. Beim zweiten Versuch sprang mein Gleiter an. Es war 23 Uhr Marszeit und die Strassen folglich nicht mehr sehr befahren, folglich konnte ich mein Ziel schon nach ca. 15 Minuten erreichen. Zu meiner Überraschung war die Wohnung nicht abgeschlossen, was aber trotzdem nicht zu meinem Vorteil war, jemand war schon vor mir hier. Die ganze Wohnung war schon durchwühlt. Hier waren Profis am Werk, ich würde nichts mehr finden. Meine einzige Chance war es, ihren Computer nach interessanten Dateien zu durchforsten. Mir kam es entgegen, daß sie die gleiche Software wie ich benutzte, so fand ich mich sehr schnell zurecht. Auf ihrer Festplatte befanden sich neben ein paar Spielen, Dateien über die Viking I und II Missionen, über UFO-Sichtungen und natürlich über Mienensicherheit. Ich kopierte mir diese Dateinen auf eine Disk, um mir diese in Ruhe zu Hause anzusehen, vielleicht kam ich so einen Schritt weiter. Wieder daheim las ich zuerst die Datei über Mienensicherheit. Ich fand Routineuntersuchungen, aber auch Infos über verschwundene Arbeiter. Wie herauszulesen war vermutete sie, daß die Arbeiter nicht während ihrer Freizeit verschwanden, sondern während der Arbeitszeit. Ihr Problem war, daß sie dies nicht beweisen konnte. Ihre Vermutung stützte sich auf die Tatsache, daß die Akten der spurlosverschwundenen Arbeiter ebenfalls nicht mehr anzutreffen waren. Was auch noch fehlte, war ein Motiv, sie hatte nicht die kleinste Vermutung hierüber. Auch mir fiel nichts ein. Was wollte ein Mienenkonzern mit verschleppten Arbeitern? Sie zu Sklaven machen? Eher unwahrscheinlich, sie arbeiteten schon zu einem Hungerlohn, das konnte also nicht der Grund sein. Aber wurden sie überhaupt verschleppt, waren diese armen Kreaturen noch am Leben? Was war wenn sie schon so lange tot waren? Ich ging von einer Mordserie aus. Wo könnte man die vielen Leichen verstecken? Da fiel mir das Krankenhaus ein, die Arbeiter wären gesund gewesen, wenn sie ermordet worden wären. Also, hätte man sie sezieren können, und ihre Organe als Spenderorgane für teures Geld an das Krankenhaus verkaufen können. Die Überprüfung über die Herkunft von Spenderorganen ist nur lückenhaft. Wenn man die richtigen Quellen schmiert, kann man die Routineüberprüfungen leicht umgehen. In der Vergangenheit hatte es hier schon mehrere Skandäle gegeben, allerdings ist der Mars so korrupt, daß nur die schwächsten Glieder der Kette ihren Hut dafür nehmen mußten, die Köpfe waren noch da. War das ein Ansatzpunkt für meinen Fall? Ich mußte es versuchen, da mir derzeit nichts anderes einfiel. Als Erstes würde ich es per Computer versuchen. Ich würde ich mich in das Netz des Krankenhauses einklinken. Ich mußte herausfinden wer in der Abteilung arbeitete und wer die Möglichkeiten hatte, die Organe an den Routineuntersuchungen vorbeizuschmuggeln. Die Datei hatte ich nun gefunden, die Namen herausgeschrieben und jetzt war ich dabei ihre Bankkonten zu überprüfen. Tatsächlich wurde ich fündig, ein Angestellter hatte seit Anfangdes Jahres eine Million Credits mehr auf dem Konto. Ungewöhnlich für einen einfachen Verwaltungsangestellten. War er die Person, die ich suchte? Ich würde es herausfinden. Mein Gleiter stand betriebsbereit in der Garage, so machte ich mich sofort auf den Weg. Er wohnte in einer typischen Mittelstandsgegend, ein kleines Apartment mit Garten hinter dem Haus. Alles deutete auf einen Spießer hin, sollte so ein Mensch wirklich in eine solche schmutzige Sache verstrickt sein? Der Schein trügt manchmal, aber trotzdem kamen mir doch vereinzelte Bedenken. Ich klingelte, doch niemand machte auf. Es schien also keiner zu Hause zu sein. Ich schlich mich hinter das Haus, da ich hier eine Hintertür vermutete. Und ich lag richtig. Nur ein Standardschloß wollte mein Eindringen verhindern, natürlich war es kein Hindernis für mich. Nach zweieinhalb Minuten war die Tür offen. Genauso einfach wie das Öffnen der Tür war das Finden des Computers. Ein läppisches Codewort wollte mir den Zugang zu dem Kontenprogramm verwehren. Doch kein Problem für einen Fachmann. Ein kleines Knackerprogramm fand das Wort sehr schnell heraus: Terra, das lateinische Wort für Erde. Eigentlich nichts ungewöhnliches, die meisten Marsbewohner träumten davon, irgendwann zur Erde zurückzukehren. Doch für diesen Mann und seine Familie sollte der Traum in Erfüllung gehen, seit einem halben Jahr hatte dieser Mann mehr Geld auf seinem Konto als er normalerweise verdient haben konnte. War er doch der Mann den ich suchte? Ich mußte herausfinden woher das Geld stammte, vielleicht gab der Computer mir auch hierauf eine Antwort. Und er tat es tatsächlich, nur war sie anders als ich sie mir vorstellte. Es war wirklich unglaublich, ich dachte sowas passierte nur in schlechten Kitschromanen. Eine Erbtante auf der Erde war gestorben und er erbte ihr ganzes Vermögen. Nein, so stellte ich mir die Antwort wirklich nicht vor, ich war in eine Sackgasse geraten. Ich war ziemlich niedergeschlagen, als ich zu Hause angekommen war, ich wußte nicht wie es weitergehen sollte. Ein Ausflug in die Cyberspace-Welt würde mir vielleicht jetzt gut tun. Ich legte mich auf mein Bett, schaltete das Gerät ein und setzte die Cyberspace-Brille auf. Komische Muster umgaben mich. Alles war total abstrakt, aber es beruhigte mich ungemein. Nach einiger Zeit besserte sich meine Stimmung wieder. Es war so, als gäbe es nirgends im Universum irgendwelche Probleme. Langsam änderten sich die Formen, sie lößten sich auf. Nur noch Nebel waren zu Sehen. Das ging für ungefähr fünf Minuten so. Plötzlich sahen mich aus dem Nebel zwei grüne Augen an. Wunderschöne Augen, aber ich wußte nicht, wem sie gehörten. Völlig entspannt und ruhig erwachte ich wieder aus meinen künstlichen Träumen. Es mußte einen Ansatz geben, der mich zu einer Lösung des Problems führen würde. Ich ging noch mal die Dateien durch: Mienensicher- heit, Infos über die Viking-Missionen und Berichte über UFO-Sichtungen. Eigentlich glaubte ich nicht an UFOs, aber vielleicht würde es mich weiter bringen, wenn ich diese Datei mal durchging. Alle Sichtungen waren auf dem Mars gemacht worden. An den Vermerken konnte ich erkennen, daß diese Unterlagen von einem Ministerium der Marsregierung stammte. Wie sie an diese Unterlagen kam, war mir vollkommen schleierhaft, aber noch schleierhafter war mir, was sie eigentlich damit wollte oder was die Regierung damit wollte oder warum diese angeblichen Sichtungen nie veröffentlicht wurden. Es waren immer die gleichen UFOs, die in den Berichten beschrieben wurden, zigarrenförmig und helleuchtend. Nie wurden sie von der Nähe gesehen, nur im Vorbeiflug. Ein paar schlecht- gemachte Fotos fand ich auch in der Datei. Total unscharf, die angeblichen UFOs konnten alles sein. Am Ende der Datei fand ich die Adresse einer Frau, sie war die Leitende der UFO-Untersuchungen. In meinem Fall kam ich derzeit nicht weiter, es war also gut, mich mal etwas abzulenken, ich wollte der Frau einen Besuch abstatten. Das Wetter war wie immer schlecht, grauer Himmel und Nieselregen. Sie wohnte in der Innenstadt. Das Haus war von außen ziemlich unscheinbar, typische Einheitsbauweise. Ich fand ihren Namen auf dem Klingelbrett, nachdem ich die Klingel betätigte hörte ich ihre Stimme, eine sehr schöne Stimme, wie ich zugeben mußte, außerdem klang sie jünger als ich erwartet hatte, ca. ende zwanzig. Ich bin von der Polizei, erklärte ich, es ginge um einen ziemlich komplizierten Fall. Sie machte auf. Ihre Wohnung lag in der fünften Etage. Da ich Aufzüge haßte, benutzte ich die Treppe, das hatte auch weiter den Vorteil gesund zu sein. Als Sie die Tür aufmachte, war ich wieder überrascht, sie hatte nicht nur eine sehr schöne Stimme, sie sah darüberhinaus auch sehr gut aus. Ich trat ein, es war eine einfache, aber duchaus geschmackvoll eingerichtet Wohnung. Nach ein bißchen Smalltalk kam ich dann auf den wirklichen Grund meines Besuchs, woher hatte das Opfer ihre Adresse? Was verband sie? Warum hatte sie die ganzen Informationen über UFOs in ihrem Computer? Hatte das ganze überhaupt etwas mit ihrem Tod zu tun? Zu meinem Erstaunen hatte dieses gutaussehende Geschöpf wirklich Antworten für mich. Die beiden arbeiteten zusammen an einen Fall. Es ging um die verschwundenen Mienenarbeiter. Es klang umfaßbar, aber sie sprach davon, daß sie von der Mienenleitung verkauft worden waren. Menschenhandel, so wie im tiefsten Mittelalter. Aber das war erst der Anfang, das wirklich Unfaßbare sollte jetzt kommen. Die Käufer waren nicht einfach nur irgendwelche Menschen, sondern UFOnauten. Das war jetzt zu viel für mich, UFOnauten hier, auf dem Mars. Was wollten sie hier, warum besuchten sie nicht die Erde, unseren Heimatplaneten, der nicht nur viel schöner war, sondern auch viel besser entwickelt. Ich verabschiedete mich, ohne zu vergessen Sie am nächsten Wochenende zum Essen einzuladen. Dunkelheit lag über der Stadt als ich wieder im Freien war. Sie ging mir nicht aus dem Sinn, sie war wirklich etwas Besonderes... Grüne Augen. Das war es, sie hatte grüne Augen, genau wie im meinem Cyberspacetrip. Konnte das noch Zufall sein oder war es eine Vision? Wieder zu Hause angekommen ging ich sofort an meinem Computer, die Frau ließ mich einfach nicht los, ich mußte mehr über sie erfahren. Das Computersystem der Polizei sollte mir Auskunft geben, doch es tat mir nicht den Gefallen. Nichts war über sie zu finden, sie war nicht vorbestraft und hat auch nie falschgepark. Noch wollte ich nicht aufgeben, ich gab ihre Adresse in den Computer ein, mal sehen wem die Wohnung gehörte. Nicht ihr, sondern einer Firma, die sich auf die Entwicklung von Cyberspace-Software spezialisiert hat. Cyberspace? Mir kam eine Ahnung, waren die grünen Augen doch keine Vision? Hat man mich für irgendetwas auserwählt, sollte ich noch mehr mit ihr zusammenarbeiten? Eigentlich war mir dies nicht so unheimlich, wie es mir mein Verstand einreden wollte. Die Frage war nur, was hatte Cyberspace mit Morden und UFOnauten zu tun? Das Wochenende mußte mir neben einer schönen Frau auch einige Antworten bringen. Samstag, 19.05 Uhr, ich saß in diesem italienischen Restaurant, Sie war fünf Minuten zu spät als sie zur Tür hereinkam. Sie trug eine rote Bluse und einen schwarzen Minirock. Sie kam an meinen Tisch und setzte sich. Als ich in ihre Augen sah vergaß ich all meine Fragen, jetzt im Augenblick war sie nicht die geheimnisumwitterte Person, die vielleicht der Schlüssel zu dem Mord war, sondern nur die schönste Frau, die ich jemals gesehen hatte. Das Essen schmeckte vorzüglich, bei dem Espresso kam sie dann auf den geschäftlichen Teil des Abends. Ein paar meiner Vermutungen sollten sich als wahr herausstellen. Sie sprach offener als ich es eigentlich erwartet hatte. Ja, es war Mord. Als ich in der Cyberspacewelt versunken war, hatte ich ohne daß ich es merkte die Frau erschossen. Es war ein ganz neues Programm gewesen, es gaukelt einem nicht nur eine künstliche Welt vor, sondern es hypnotisiert einen zusätzlich. Spätere Anwendungsgebiete dafür sollte z.B. Vernehmungen von besonders verschwiegenen Personen sein. Offiziell wurde es nur getestet, doch es war ein programmierter Mord. Die Tat war mir nun klar, doch wo lag das Motiv? Auch hier konnte und wollte sie mich aufklären. Die Cyberspacesoftwarefirma gehörte über ein paar Scheinunternehmen der Mienengesellschaft. Dort hatte man mitgekriegt, daß jemand auf der richtigen Spur im Fall der verschwundenen Arbeiter war, dies mußte verhindert werden. Meine Gesprächspartnerin wollte das Opfer warnen, doch sie kam angeblich zu spät. Sie war eine Freundin von der Getöteten. Noch wußte ihr Arbeitgeber dies nicht, doch es war bloß eine Frage der Zeit wann er dahinter kommen würde. Sie hatte herausgefunden, daß ich an dem Fall arbeitete und wollte mir helfen. Informationen hatte sie, jedoch keine Beweise, die müßte ich finden. Ihr Hobby war die UFOlogie, in dieser Eigenschaft hat, sie sich eine Vermutung über die Herkunft der Käufer gemacht und dies war gar nicht so weit weg. Ich sah die großen Pyramiden jetzt deutlich näher kommen, sie waren wirklich beeindruckend. Niemand wußte wer sie gebaut hatte oder zu welchem Zweck. Fest stand, daß sie ca. 1 Million Jahre alt waren. Äußerlich glichen sie nicht so sehr ihren ägyptischen Verwandten, sondern viel mehr denen in Südamerika. Sie waren ungefähr 200 Meter hoch und hatten jeweils einen riesigen quadratischen Innenraum. Das Seltsame daran war, daß diese Innenräume keine Einrichtungen besaßen und nichts deutete darauf hin, daß jemals sich irgendetwas darin befunden hatte, und doch sollten diese Pyramiden etwas mit den Verschwundenen zu tun haben. Sie saß neben mir in meinem Gleiter, an dieser Pyramide sollte ich halten. Es war eine relativ kleine im Gegensatz zu den anderen. Vor ungefähr zwanzig Jahren wurden ein paar von den Pyramiden von einem irdischen Forscherteam untersucht. Nachdem man bei den drei größten nichts Interessantes finden konnte, wurde die Expedition eingestellt, wahrscheinlich ist in der Zeit der Rezession ihre Geldquelle versiegt. Die kleine die sie meinte war noch geschlossen, keine menschliche Seele hatte sie jemals betreten, jedenfalls in der neueren Zeitrechnung. Uns wurde der Eingang von einer großen Eisentür verwährt. Trotz ihren Alters sah sie noch sehr stabil aus, was ein Drücken von mir auch bestätigte, sie gab keinen Zentimeter nach. Es würde keinen anderen Eingang hier geben, das wußte ich, ich hatte schon mehrere Sendungen über die Pyramiden gesehen. Jede hatte nur einen Eingang, dieser mußte bei der Expedition bei jeder der drei Pyramiden kostspielig weggesprengt werden. Plastiksprengstoff besaß ich nicht, ich besaß eigentlich gar keinen Sprengstoff, wie sollten wir da rein kommen? Es sah aus wie ein Scheckkarte, auf der einen Seite befanden sich Schriftzeichen die ich nicht verstehen konnte. Ich sollte keine Fragen stellen. Sie reichte mir diese Karte und deutete auf einen Schlitz in der Eisentür. Es war nicht zu glauben, die Karte paßte. Ich hörte ein leises Summen, diese uralte Technologie funktionierte noch. Die große schwere Eisentür verschwand nach oben. Unglaublich, die Gänge in der Pyramide waren hell erleuchtet. Nichts deutete daraufhin, daß das Gebäude schon so lange lehrstehen sollte. Die Gänge waren alle in freundlichen und einladenen Grüntönen gehalten. Eigentlich sollte ich bezogen auf diese gigantische Technologie Angst oder Ehrfurcht kriegen, aber ich fühlte nur Neugier. Meine Begleiterin sah nicht so überrascht aus, meine Bauchgegend sagte mir, daß sie sowas nicht zum ersten Mal sah. Irgendetwas verschwieg sie mir. Aber es war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sie darauf anzusprechen, ich wollte erst die Pyramide untersuchen. Wir gingen den Gang weiter bis wir in eine Halle kamen, es mußte ungefähr die Mitte des riesigen Baus sein. Die Halle war kreisförmig angelegt. An den Seitenwänden waren Monitore installiert. Es liefen typische Szenen des städtischen Lebens. Sie mußten den Mars überwachen, aber zu welchen Zweck? Hinter mir glitt eine Tür auf, ein fremdes Wesen betrat die Halle. Es war ca. 1.40m groß, braune Haut und sehr große Augen, die einen für menschliche Verhältnisse traurigen Gesichtsausdruck hatten. Ich war wie vom Blitz getroffen, niemand hatte bisher bewiesen, daß es nichtmenschliches Leben im All gab, und gerade diesem Leben stand ich jetzt gegenüber. Es starrte mich an, ich wußte nicht wie ich mich in dieser Situation verhalten sollte, darum tat ich erstmal garnichts, außer das Wesen ebenfalls anzustarren. quälende Sekunden später fing das Wesen mit der Kommunikation an, es waren seltsame Laute. Es klang wie der Gesang von Walen, sehr hoch, sehr melodisch und doch sehr traurig. Aber was wollte es mir sagen? Ich wäre schon erwartet worden. Das war die Stimme meiner Begleiterin. Wieso konnte sie das fremde Wesen verstehen? Eine weitere Merkwürdigkeit an ihr. War sie der Schlüssel zu dem Geheimnis, mein Instinkt wollte mir das sagen, doch mein Verstand weigerte sich dies zu akzeptieren. Du mußt mir vertrauen, sie sind Intelligenzen genau wie wir, nur kommen sie aus einer unvorstellbar alten Kultur. Ich blickte sie ratlos an. Das Singen fing wieder an, diesmal war es länger. Ich verstand zwar immer noch nichts von dieser fremdartigen Sprache, doch es klang so, als ob er uns, oder nur mir, etwas erzählen würde. Eine sehr alte Geschichte. Eine Geschichte von Leben und Evolution, eine Geschichte von dem Aufbruch zu den Sternen und den Geheimnissen des Alls, eine Geschichte in der auch die Menschheit ihr Kapitel hatte. Mit leuchtenden Augen übersetzte sie mir den Gesang. Besonders interessiert war ich natürlich an dem Kapitel der Menschheit. Dieses Klang äußerst unglaubwürdig für einen Durchschnittsbürger, doch ich hatte in den letzten Tagen so viel erfahren, daß ich mittlerweile mehr akzeptieren konnte. Die Erde vor Millionen von Jahren, ein unwirklicher Planet ohne Leben. Eine Forschungsmission landete auf der leeren Welt, deren Aufgabe: Anhand von Verbinden verschiedener Moleküle und Atome Leben erschaffen. Dieses Experiment gelang der Besatzung auch. Erst entstanden Einzeller in den Gewässern, dann drang das Leben auf die Landmassen vor. Ein Paradies mit Flora und Fauna wurde erschaffen. Wieder etliche Jahre später entwickelte ein Säugetier Intelligenz, diese Spezies würde sich eines Tages die Welt untertan machen. Doch die Computer berechneten dieser Spezies ein frühes Ende voraus: Sie würden die Eiszeiten nicht überleben. Die am weitesten Entwickelte Art der Menschen wurde mit einem Raumschiff auf den Mars gebracht. Dies geschah lange bevor der Neandertaler die Bildfläche des Lebens betrat. Eine Untergruppe des Menschen verschwand von dem Planeten, später würde man sie das "Missing Link" der Evolution nennen, um auf einer anderen Welt ihr Glück zu versuchen. Die fremden Wesen hatten auf dem Mars eine Atmoshpäre wieder errichtet, die schon vor langer Zeit verloren ging. Trotz diesen günstigen Startvoraussetzungen schafften es diese intelligenten Säuger nicht eine alte Kultur zu werden. Nach 1000 Jahren starben sie aus. Nur ihre Artgenossen auf der Erde lebten noch. Sie waren stark genug, um sich der widrigen Natur entgegenzustellen. Tausende von Jahren später kamen sie sogar zu der früheren heilen Welt, von der allerdings nicht mehr viel übriggeblieben war, nur vereinzelte Bauten der Menschen. Große Pyramiden und riesige Gesichter, die in das All hinein zu blicken schienen. Das war sogar die Absicht ihrer Erbauer. Sie wußten, daß es in diesem Sonnensystem noch weitere Menschen gibt, dank riesigen Teleskopen hatte man dies herausgefunden. Man hoffte, daß die Erdlinge ebenfalls solche optischen Geräte hatten, und die Gesichter entdecken würden. Doch dies geschah vielzu spät, die Marsbewohner waren schon längst ausgestorben, als der Mars neu besiedelt wurde. FILE: MARSGESICHTER =================== Die Viking Missionen der NASA haben Ende der 70er Jahre wirklich verschiedene Marsgesichter fotografiert. Man hat es zwar anfangs bestritten, daß sie auf nicht natürliche Art und Weise zu Stande gekommen sind, doch Computeranalysen haben es bewiesen, es sind künstlich geschaffene Werke. Doch was wollen uns die Gesichter des Mars sagen? Es klang fantastisch, aber dennoch zweifelte ich keine Sekunde an der Geschichte, der Fremde war sehr glaubwürdig. Langsam kam mir aber wieder der Anfang des Falls in Erinnerung zurück. Als ob man meine Gedanken lesen könnte, das Wesen fing wieder mit seinem Gesang an, dann drehte es sich um und ging auf die Tür zu, aus welcher es auch gekommen war. Wie von Geister- hand glitt sie wieder auf. Die Geste des Fremden war eindeutig, ich sollte ihm folgen. Was würde mich erwarten? Der Pyramidenbau war riesig, wir gingen mehrere Minuten durch ein schwach beleuchtetes Tunnelsystem, bis daß wir unser Ziel erreichten, es war ein Ruheraum. In ihm befanden sich gläserne Särge deren Inhalt mich als Ausnahme mal nicht überraschte, es waren die vermißten Mienenarbeiter. Sie waren nicht tot, sie schliefen nur, klärte man mich auf. Doch was sollten sie hier? Die Antwort lag auf der Hand. Die Fremden wollten herausfinden warum die Marsbevölkerung ausstarb, und die Erdlinge entgegen den Computerberechnungen immer noch existierten. Die Arbeiter wurden entführt und in einen Kälteschlaf versetzt. Man machte unzählige Test mit ihnen um dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Doch trotz modernster Technik konnten die Wesen den Grund für das Aussterben nicht herausfinden, es war ihnen ein Geheimnis geblieben. Irgendwie beruhigte mich dieser Umstand, denn auch sie waren nicht allmächtig. Die Forschungs- arbeiten waren beendet und die Arbeiter sollten wieder zurückkehren. Man planete sie am Rande der großen Sandwüste auszusetzen, sie würden sich an nichts mehr erinnern können. Die großen grünen Augen meiner Begleiterin schauten mich an. Auch für mich hatten die Raumfahrer eine Bestimmung, ich sollte mein Wissen behalten. Zusammen mit einer Hand voll Leute sollte ich prüfen ob die Menschheit reif genug war mit dem Fremden in Verbindung zu treten. Dann und wann würden die Wesen zurückkehren und mit den Bestimm- ten in Verbindung treten. Doch ich durfte meine Erinnerungen nicht an Unbeteiligte weiter geben, denn die Zeit war noch nicht gekommen, Kor- ruption beherrschte den Mars. Ich wachte mit Kopfschmerzen auf, der Ort: mein Schlafzimmer. Keine Ahnung wie ich hier hin gekommen war, mir fehlten einfach ein paar Stunden in meiner Erinnerung. Es war kein Traum gewesen, daß wußte ich. Den Wünschen der Fremden wollte ich nachkommen, es hatte wirklich keinen Zweck, daß ich mit meinem Wissen an die Öffentlichkeit trat, man würde mir nicht glauben, außerdem könnte es gefährlich sein, ich wußte zwar jetzt, daß den Arbeitern von Seiten der Fremden kein Haar gekrümmt werden würde, doch hatte dieser Fall schon ein Opfer gekostet. FILE: MARS ========== Äquatordurchmesser: 6796 km Masse: 0,107 Erdmassen Mittlere Dichte: 3,94 g/cm^3 Oberflächenbeschleunigung: 0,38 (Erde=1) Entweichungsgeschwindigkeit: 5 km/s Entfernung von der Sonne größte: 249,1 Mill.km kleinste: 206,5 Mill.km mittlere: 227,9 Mill.km Größte Annäherung an die Erde: 56 Mill.km Umlaufzeit: 687 ird.Tage Rotationszeit: 24,62 Stunden Neigung des Äquators zur Bahnebene: 25 12´ Satelitten: 2 (Phobos, Deimos) Es war 3 Uhr morgens, ich mußte sie warnen, das Leben würde auf dem Mars zu gefährlich für sie werden. Auf der Erde würde sie viel sicherer aufgehoben sein. War ich zu spät oder wußte sie bescheid? Ihre Wohnung war leer. Auf einen Kampf deutete jedenfalls nichts hin. Alles sah so aus als ob sie nur mal einkaufen gegangen war, aber ich spürte das sie für immer weggegangen war. Auf ihrem Schreibtisch lag ein Briefumschlag für mich. 10000 Credits und eine Flugkarte zur Erde. Anbei lag auch ein Schreiben: "Vielleicht sehen wir uns eines fernen Tages wieder, aber versuche nicht mich zu finden. Alles Gute." Sie hatte recht, es würde besser sein auf der Erde einen Neuanfang zu machen. Ein Leben auf der Erde, der Traum eines jeden Marsbewohners. Copyright 1993 by Patrick Henz Der Soundtrack zu der Story wird auf der FACES OF MARS-PD-Serie im dritten Zyklus veroeffentlicht.