@EX 0 "wi_11:progs/farbe" @SH y @TI "TWIST: Rezension zum `Dark Future`-Zyklus" @CO 5 1 @SB RIGHT 020 wi_11:data/award.b Titel : "DARK FUTURE" (Zyklus) - "DF 1: Dämonenjagd" - "DF 2: Krokodilsjagd" - "DF 3: Mutantenjagd" Art : Roman (Game-Novellisation) System : basiert auf dem RSP Autor : Jack Yeovil Firma : Goldmann Preis : je 12.90 DM @CO 2 1 Ich weiß nicht warum, aber in dieser Ausgabe scheine ich die MÆGIC AWARDs reihenweise zu verteilen. Vielleicht liegt es an der Qualität der von mir gekosteten Ware; wahrscheinlich. Dieses Mal habe ich mir die DARK FUTURE-Reihe von Jack Yeovil reingezogen, und bin felsenfest davon überzeugt, daß die drei Bücher auf jeden Fall eine der begehrten (aber für die Autoren eigentlich total unwichtigen;) Auszeichnungen verdienen. Jawohl! Denn: mit Yeovil ist mir ein Schriftsteller untergekommen, der seinesgleichen sucht. Er hat den genialen Nigel "2XS" Findley vom ersten Platz in meinen Charts auf den zweiten bugsiert, und wer meine Begeisterung ob "2XS"` kennt, weiß, das dazu schon `ne ganze Menge gehört. Bis vor kurzem wußte ich noch nicht mal, daß es ein RSP namens DARK FUTURE (ab jez kurz "DF" genannt) gibt; aber ich habe mich kundig gemacht und herausgefunden, daß es darin fast nur um Straßenschlachten mit bis zur Unkenntlichkeit getunten Autos geht. Mag wohl nicht jedermanns Geschmack sein, aber davon sollte man sich nicht vom Kauf der Romane abschrecken lassen. Denn Yeovil hat sich nicht davon abhalten lassen, einen kompletten (politischen) Hintergrund für seine Geschichten zu entwerfen. Die ganze Story spielt auf der Erde in der Gegenwart, allerdinx in einer anderen Zeitschiene (oder eben auf einer Alternativ-Welt, wie man will). Im Wesentlichen geht es um einen unsterblichen (?) Schmutzfuß namens Nguyen Seth, der schon solange lebt wie die Welt existiert. Der Mann ist abgrundtief böse (sonst wäre er ja auch kein Schmutzfuß:) und strebt an, die Erde den Mächten der Finsternis untertan zu machen (nein, welch scharf durchformulierter Satz...:). Zu diesem Zweck hat er sich zum Elder der Josephiner-Sekte gemacht und bastelt jez vehement an seinem großen Ziel herum, indem er mehr oder weniger terroristische Taten vom Gedanken in die Tat umsetzt, als da wären: Einspeisung eines Dämons (!) in das weltweite Computernetz oder Reaktivierung eines längst stillgelegten SDI-Projekts, um nur mal zwei der drei bösen Sachen zu nennen, die in den Büchern beschrieben werden. Glücklicherweise gibt`s einige tapfere Zeitgenossen, die sich mutig gegen Seth und seine Jünger stellen: die junge, mit allen (Weih-)Wassern gewaschene Nonne Chantal Juillerat, "die mit Nagellack genauso gut umgehen kann wie mit großkalibrigen Präzisionswaffen"; den Trooper Nathan Stack, der nicht aus Heldentum, sondern aus simplem Überlebenstrieb gegen den Dämon angeht; Jessamyn "Krokodil" Bonney, die von der kleinen Psychopomps-Zische zu Seth`s größtem Feind mutiert und nicht zuletzt - FESTHALTEN! - der alternde Op Elvis Aaron Presley, der Krokodil helfend unter die Arme greift und sich als singender Schamane herausstellt. Die Alternativ-Welt (oder andere Zeitschiene, wie auch immer), auf der das Geschehen angesiedelt ist, ist verhältnismäßig surrealistisch und erschreckend real. Nehmen wir Cyborgs wie Krokodil - es ist zwar (für mich jedenfalls) ein netter Gedanke, sich das Leben durch eine Zarathustra-Behandlung von GenTech künstlich verlängern zu lassen, nur daß der Berliner Bürgermeister Rudolf Heß (!) diese Methode durchgezogen hat, ist wohl mehr die Kehrseite der Medaille. Bei DF ist unter "Surrealismus" ist wohl das geringe Erscheinen von Magie abzubuchen, unter "Realität" die nicht endenwollende Kette von rassistischen Gruppierungen. Das meinte ich mit "erschreckend" real: Die Romane lesen sich super, es ist alles irgendwie fremd, aber trotzdem _sehr_ vertraut. Irgendwie könnte man sagen "CYBERPUNK 2020 trifft CAR WARS und stößt später auf KULT", aber ich weiß nicht recht, ob mit dieser Aussage alle Facetten der DF-Reihe abgedeckt sind...? Egal - weiter im Text. Die Novellen sind dermaßen abgefahren, also wirklich... Nicht nur vom Thema oder den jeweiligen Situationen her, sondern auch von Yeovil`s ganz eigenen Schreibstil und Humor her. Hier mal eine kleine Kostprobe aus dem ersten Band des Zyklus, "Dämonenjagd", Seite 116 - der Trooper Stack ist in einem kleinen Motel untergekommen... (Achtung: nicht ganz jugendfrei): @CO 4 1 "Im Kabelfernsehen lief ein mexikanischer Pornostreifen, aber die weibliche Hauptattraktion schielte, und die Teilnehmer der gerade stattfindenden Orgie stotterten sichtlich. Pornovideos waren die Gideon-Bibel der 90er. Es gab kein Motel- oder Hotelzimmer mehr ohne. Stack sah einige Minuten zu und versuchte, hinter die Handlung zu steigen. Nach den Klamotten auf dem Boden zu urteilen, handelte es sich vermutlich um ein Historiendrama, andererseits trugen die Darsteller Reizwäsche aus Leder. Ein Ringkämpfer mit einer Ganzkopfmaske und sonst nichts probierte ein paar interessante Griffe an einer Vampirlady mit struppigen Haaren aus, der ständig die Plastikzähne aus dem Mund fielen, während ein Wesen mit Riesentitten und männlichen Geschlechtsorganen die Revolution besang. Das ganze mußte etwas mit Kunst zu tun haben, schloß Stack. Gelegentlich schaltete sich ein Privqatsender mit einem nebulösen Schwarzweiß-Streifen dazwischen, in dem ein Typ in Kampfanzug und Hundehalsband, der sich als Priester des Überlebenskampfes bezeichnete, eine nicht endenwollende Predigt hielt, dabei mit einer .44er Magnum auf seiner Bibel herumklopfte und die Gläubigen aufforderte, a) ihm all ihr Geld zu geben und b) im Namen Jesus ein Kommunistenschwein zu häuten. Der Hintergrundchor des Priesters kannte nur zwei Songs: »Gimme Dat Ole Time Religion« und das Horst-Wessel-Lied, und beide brachte er manchmal durcheinander. Einen Ausschalter gab es nicht, also mußte Stack den Ton ab- und den Bildschirm zur Wand drehen, bevor er ein Auge zumachen konnte. ... Er verließ den Bungalow und sah, daß sein Motorrad an einen Pfahl gekettet war. Er hatte die Batterie so verkabelt, daß sie jedem einen bösen Schlag versetzte, der sich an den Ketten zu schaffen machte. Auf den Gliedern aus Durium befanden sich verkohlte Fingerabdrücke. Eins zu Null für seine Umsicht. Er deaktivierte den Scherzartikel, schob die Schrotgewehre in die Halfter und bestieg den Bock." @CO 2 1 Gut, gell? Ich habe jedenfalls gelegen vor Lachen. Und das war nur eine Stelle von vielen. Ihr solltet erstmal die unregelmäßig erscheinenden Nachrichten auf ZeeBeeCee hören/lesen, da geht`s erst richtig zur Sache... Ich schätze, ich bin krank. Zumindest ist es mein Humor, nehme ich an :). Gut, wo war ich stehengeblieben? Ach ja: KAUFEN! Unbedingt. Wer "2XS" von Findley mochte, wird "DF" LIEBEN. War jedenfalls bei mir so. Was ich allerdinx nicht ganz begriffen habe, ist Goldmann`s geniale Idee, den eigentlich zweiten Band vor dem ersten herauszubringen. In einem Nachwort im dritten Roman gibt Yeovil ganz klar die Reihenfolge der Bücher an: "Krokodilsjagd" - "Dämonenjagd" - "Mutantenjagd". Aber was macht Goldmann? "Dämonenjagd" stempeln sie als "DF 1" ab - intelligent. Okay, es ist nicht soooo schlimm, man kommt immer noch klar, aber was zum Geier soll das?! Lesen die Leute nicht ihre eigenen Bücher oder was?! Hirnrissig, aber wir sind ja schließlich viel gewohnt. Spätestens nach der Lektüre dieser gottgleichen Literatur. @CO 7 1 © Twist 11/08-94