@EX 0 "wi_11:progs/farbe" @TI "BÄRLI: Verschollen im Bermuda-Dreieck" @SH y @CO 5 1 Verschollen im Bermuda-Dreieck ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ @CO 2 1 Eigentlich sollte es ja nur ein Routineflug zur Beförderung von Kosmetika nach Übersee werden. Doch das anfangs noch prächtige Wetter schlug gerade über dem berüchtigten Bermuda-Dreieck in ein unheilvolles Inferno um und machte es mir unmöglich, die Steuerung des Flugzeugs zu kontrollieren. Schlimmer noch, es reagierte nicht einmal mehr auf meine Korrekturversuche! In Gedanken bekreuzigte ich mich ein letztes Mal und schloß mit dem Leben ab. Es war wohl doch keine so gute Idee, auf einen Fallschirm der Kosten wegen grundsätzlich zu verzichten. Doch plötzlich veränderten sich die Farben meiner Umgebung und gaben mir das Gefühl, durch einen endlosen, lichtdurchflutenden Tunnel zu fallen. War ich jetzt tot? Aber nein, das konnte nicht sein, jedenfalls spürte ich vorher keine Schmerzen. Dann endlich kam das Ende, ich sah Licht und raste auf eine Insel zu.... Als ich in den Trümmern des Wracks aufwachte, wußte ich, daß ein Wunder geschehen sein mußte. Der Großteil meiner Ladung hatte nun die Form von mehr oder weniger festen rußschwarzen Klumpen, die keinen Schluß auf ihre frühere Beschaffenheit mehr zuließen. Nach einiger Suche fand ich doch noch einige Utensilien: 1 Haarschere, 3 Lippenstifte, 1 Dose Hautcreme, 182 Goldstücke und 7 kg Brot. Was ich mit den Lippenstiften und der Hautcreme hätte anfangen sollen, wußte ich nicht. Ich behielt sie jedoch in dem festen Glauben, alles kann man auf irgendeine Weise gebrauchen, bei mir und begann, die Insel zu erkunden. Kalt und regnerisch wie es war, holte ich mir natürlich sofort eine Erkältung. Meine Kleidung konnte mir nur noch wenig Schutz und Wärme bieten, so zerfetzt hing sie schon darnieder. Bei meiner Exkursion bekam ich den Untergang einer Nachbarinsel mit und hoffte, daß 'meine' Insel nicht auch einfach so versinkt. Nachdem ich meine Fußsohlen mit dem unbekannten Eiland anfreundete, traf ich tatsächlich einen Menschen. Er stellte sich auch gleich vor und hieß mich herzlich willkommen. Mein erster Eindruck, selbst auf einsamen Inseln sei man vor Vertretern nicht sicher, verflog schnell, als der gepflegte Herr sich als Bürgermeister dieser Insel auswies, die den Namen Atlantis trug. Was für einen Eindruck mochte ich ihm wohl geben? Nun, obwohl ich ziemlich verdreckt aussah, strahlte immer noch meine äußerst weibliche Schönheit im zarten Alter von 21 Jahren mit grauen Augen und blonden Haaren hie und da durch. Zum Glück bin ich eine Frau, deshalb hat es mir noch nie viel ausgemacht, nur 1.71m groß zu sein. Obwohl ich noch nie recht gut in Nebensächlichkeiten wie z.B. dem Allgemeinwissen bewandert war, stutzte ich doch ein wenig, als sich mein Gegenüber als 'Prinz Charles' vorstellte. Ein Prinz als Bürgermeister? Da blieb ich doch lieber bei meinem einfachen Namen, der sich nicht nur lieblich anhört, sondern auch eine tiefe Wahrheit in sich trägt: Prettany. Schließlich begrüßte er mich als Newcomer und erklärte mir innerhalb weniger Minuten, da diese Insel eine Kolonie von Shakaree sei, dem Regierungssitz und der Hauptinsel einiger obskurer Typen, zu denen sich 'Helmut Kohl' als Arzt, Pinoccio als Hauptkunde der hiesigen Sozialhilfe und sogar der Vetter von Alf gesellten! Auch sonst sei die Gegend recht belebt. Da es so üblich war, half er mir, mich auf den Inseln zurechtzufinden und machte mich mit den Bräuchen der einheimischen Bevölkerung vertraut, die allesamt das gleiche Schicksal wie ich erlitten, wenn man überhaupt von Leid sprechen kann. Denn die Bewohner fühlten sich wohl, trieben regen Handel, stellten eine waschechte Demokratie auf die Beine und unternahmen nebst regelmäßigen Entdeckungsreisen zu weiter entfernten Inseln noch alles mögliche und unmögliche. Selbst eine kleine Zeitung wurde unters Volk verteilt. Seltsamerweise zogen diese und andere Dienstleistungen fast schon automatisch das Zahlen von Steuern mit sich. Wenn man schon mal auf einer Insel strandet... So nach und nach verwuchs ich mit der Bevölkerung, indem ich immer wieder Besuche machte und empfing, was anfangs noch eine Schwierigkeit bot, denn ich hatte keine Unterkunft. Also baute ich mir eine aus großen Blättern und dem rumliegenden Gestrüpp. Natürlich sah ich in dieser windschiefen Hütte nur eine vorübergehende Übergangslösung. Bis ich mir ein Zelt oder eine stabile Hütte vom Vetter von Alf (Goofy) leisten konnte, mußte ich so übernachten. Lange blieb es nicht so paradiesisch, wie ich es gerne gehabt hätte. Ein gewisser 'Werner Brösel' hat Shakaree und somit auch allen Kolonien den Krieg erklärt. Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits fast alle freundlich gesinnten Bewohner einer Nachbarinsel gefangengenommen und irgendwohin verschleppt. Nur einer der beiden Ratgeber blieb unversehrt, da er wie so oft auf einer Entdeckungsreise war. Er hieß Mr. Spock und bat uns um Hilfe. Werner hatte mithilfe des Saneksandes jeden seiner Gemeinschaft eingeschläfert. In Shakaree wurden Verteidigungs- und Rettungsmaßnahmen getroffen, die dazu führten, daß die Gefangenen befreit werden konnten und Werner an einen Baumstamm gefesselt erschossen wurde. Ich erfuhr das erst hinterher, von da an wurde ich etwas vorsichtiger und achtete genau darauf, wer mein Vertrauen verdiente und wen ich besser unwissend ließ. Um mich aus meiner Einsamkeit rauszureißen und auch zu meinem Schutz verbündete ich mich mit einem anderen Newcomer 'Sir Connor MacLeod'. Es sollte nicht nur eine nützliche Verbindung werden, wie ich später angenehm überrascht feststellte. Connor hatte seinerseits bereits mit dem Bau von Schutzvorrichtungen begonnen und weihte mich in seine Pläne ein, so wie ich ihn in meine Pläne einweihte. Wir waren nicht allein. 'Fred Faustbacke' und einige andere halfen uns beim Bau einer Palisade. Auf Atlantis und Shakaree herrschte akuter Frauenmangel, das heißt, ich war eine von zwei Frauen. Es war herrlich, von allen Männern eingeladen und mit allerlei Geschenken verwöhnt zu werden. Doch ich hielt zu den meisten den nötigen Abstand, um nicht in Verruf zu kommen. Nur zu Connor nicht... Anfangs auf mich gestellt hatte ich ein Fitness-Programm aufgestellt, das so gut ankam, daß auch andere gegen Entgelt mit mir trainieren wollten. Da ich nebenbei viel Zeit hatte, begann ich, Fisch-Reusen auszuwerfen, Vögel mit selbstgebauten Bögen zu jagen. Ich versuchte es sogar mit Meditation, um den Geist der verstorbenen Dominique zu erreichen, die nach den Angaben verschiedener Bewohner als Geist über Shakaree wachte. Leider nur mit sehr geringem Erfolg. Jeden Tag entdeckte ich etwas neues, probierte dieses und jenes aus. Einmal biß ich in eine Silberbeere und stellte fest, daß sie eine magische Wirkung hatte. In der Spanne von zwei bis drei Tagen wuchs mir ein sehr langer Bart. Zuerst war ich total geschockt, gewöhnte mich aber bald daran, weil ich wußte, daß ich ihn mit Hilfe der Schere jederzeit beseitigen konnte. Der Start ins Berufsleben verlief nicht unbedingt so wie gewollt. Mein 'Kosmetik-Salon' lief zwar anfangs prima, aber nachdem ich einigen Leuten erst einen Irokesen-Schnitt und dann eine Vollglatze verpasste, kam nur noch selten jemand. Die Steuern nervten mich so sehr, daß ich begann, für die Unabhängigkeit von Atlantis zu plädieren. Und so brachte ich eine Lawine ungeahnten Ausmaßes ins Rollen. Sofort rief die eine Hälfte begeistert ja, während die anderen sich beim Bürgermeister beschwerten, einige Newcomer hatten Angst. Als ich den neugewählten Bürgermeister verdrosch, weil er mir gegen meinen Willen die noch ausstehenden Steuern abknöpfen wollte, nannte man mich fast überall in Shakaree und auch in Teilen Atlantis' die Terror-Amazone. Wo ich doch keiner Fliege was zuleide tun würde.... Connor baute ein Boot und hatte es fast fertig, als ich fortgerissen wurde. Wir wollten in der Ferne liegende Inseln erkunden, denn aus nächtlichen Eingebungen wußten wir, daß es noch andere Inseln gab, die zum Teil ebenfalls bewohnt waren. Doch es hat nicht sollen sein.... Prettany @CO 4 1 I love Bermuda... @CO 2 1 'Das Bermuda-Dreieck' wurde von Andreas Mettler geleitet. Bei diesem Briefspiel handelte es sich um eine Art Freegame, es war also (fast) alles möglich, wenn man es ausführlich mit Worten erklärte. Für die Rahmenbedingungen waren 1300 Inseln mit allen Daten (einschließlich Schätzen und magischen Items) in einem Compi gespeichert. Die Auswertung geschah zum Teil von Hand, zum Teil mit dem Compi. Der Ausdruck kam zwar nur auf einem 9-Nadeldrucker, sollte aber bald mit einem Laserdrucker erstellt werden. Die Kosten beliefen sich auf 2,50 DM pro Zug + Porto. Man konnte den ZAT selbst bestimmen, im Durchschnitt bekam ich wöchentlich eine Auswertung. Der Spielleiter (Andreas Mettler) selbst war telefonisch gut zu erreichen und ging auf jede noch so ausgefallene Frage ein. Ein Traum von einem SL! Als ich meinen Bruder dazu begeistern konnte, auch bei Bermuda mitzuspielen (er war erst zwölf), fragte ich Andreas nach einer Ermäßigung. Die hatte er mir dann auch für meinen Bruder gewährt, hätte mich aber beinahe dazu gebracht, meinem Bruder das Rauchen beizubringen (50% Ermäßigung für ein Photo mit dem Zwölfjährigen, der schon zwölf Züge inhaliert haben sollte; als Beweis). Das war eine der Eigenarten, die ich nie auflösen konnte. Naja, zum Schluß genügte dann eine Ausweiskopie. Jedenfalls spielte die Kommunikation zwischen den Mitspielern eine große Rolle und machte auch viel Spaß. Um das Game einigermaßen umfassend zu beschreiben, braucht es wohl einen Mitspieler, der das Spiel schon länger kannte. Denn wenn ich auch einiges erlebte, sehr vieles wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, da ich ja nur zwischen Atlantis und Shakaree pendelte, was ich ändern wollte. Doch kurz vor der Abreise bekam ich dann keinen Auszug mehr. Die wenigen Grundregeln, zu denen auch die Nahrungseinteilung zählt, sind leicht erlernbar, dennoch bietet das Spiel eine immense Komplexität. Man lebt richtig auf diesen Inseln! Das war mein erstes Briefspiel, die Adresse hatte ich aus dem Computer Flohmarkt, einem computerspezifischen Mag, daß bis vor kurzem einen anheimelnden Szene-Charakter vermittelte. Leider ist im Juli vergangenen Jahres der Spielleiter verunfallt. Und seitdem dessen Bruder uns Mitspielern die traurige Nachricht sandte, habe ich nichts mehr von dem Spiel gehört. Kennt jemand das Spiel? Vielleicht läuft es inzwischen wieder?! Ich würde gerne wieder mitspielen. Gibt es auf dem Briefspielsektor ein solches Supergame oder eins, daß so ähnlich zu spielen ist? Wenn ja, hier meine Addy... Thomas Hirmer, Chamer Str.202, 8400 Regensburg