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Foundation - Prolog
Von: Jason Hayman

Deutsch von: Gunnar Gertzen

 

Es war eine uninteressante Kammer, dunkel und ungemütlich, so wie jede andere Anwaltskanzlei. Bücher füllten die Regale, die bis unter die Decke reichten,und Pergamentrollen, die durch die Zeit vergilbt waren, ragten unbeholfen aus dunklen Ecken hervor, während einige wenige ihren unbequemen Platz in einem Schirmständer gefunden hatten, der die Form eines Elefantenfußes hatte.

Ein Schreibtisch stand am äußersten Ende des Raumes; aus dunklem Holz, übersät mit Einkerbungen und Falten, genauso wie der alte Mann, der hinter ihm saß. Eine einsame elektrische Lampe bestrahlte den Tisch und warf ihren flackernden, elektrischen Schein auf das Blatt Papier, auf dem der alte, hagere Mann wild herum kritzelte. Das harte Licht gab dem wettergegerbten Gesicht des alten Mannes ein geplagtes, aber dennoch würdevolles Aussehen. Hinter dem schreibenden Mann, eingerahmt von hoch aufragenden Bücherregalen, die unter ihrer Last beinahe zusammenzubrechen schienen, lag eine unscheinbare Tür, die gut zu einer Toilette, oder schlimmer noch, zur Buchhaltung führen konnte.

Schritte die vom Korridor herüberkamen, irritierten den alten Mann kurzzeitig in seinen Aufzeichnungen. Er unterbrach seine Bemühungen für den Augenblick eines Herzschlags, sah kurz zur Tür, die vor ihm lag, um sich gleich wieder seinem aufgeregten Tun zuzuwenden.

Die Tür öffnete sich einen Spalt. Ein Strahl hellen Lichtes füllte die Hälfte des Zimmers aus und erfaßte die andere Seite des Raumes, so daß es schien, als zögen sich die alten, staubigen Bücher plötzlich tiefer in die schützenden Schatten der Regale zurück.

"Schließen Sie die Tür hinter sich, Gibbons" ,sagte der alte Mann, mit einem Hauch von Verärgerung in seiner mürrischen Stimme.

Knarrend schloß sich die Tür. Der schmächtige, dürre Körper des kleinen Mannes schien geradezu über den Boden auf den Schreibtisch zuzuschweben. "Gute Neuigkeiten, Sir!" sagte die kleine Figur in einer süßlichen, gleichzeitig aber auch ein wenig ärgerlichen Stimme. Den alten Mann, der hinter seinem Schreibtisch saß, erinnerte diese Stimme immer an eine Katze, die während des Schleuderganges in der Waschmaschine gefangen war.

Es gab keine Antwort von dem hektisch schreibenden Mann. Gibbons blickte etwas unbeholfen durch den Raum, so daß das einzig auffällige in der düsteren, bedrückenden Dunkelheit das Weiße in seinen Augen war. Er haßte es, wenn ihn sein Meister ignorierte und so legte er voller Selbstbewußtsein seine Hände klangvoll ineinander.

"Machen Sie weiter, Gibbons.Verschwenden sie keine Zeit."

"Sir, Ich glaube, ich habe die Personen gefunden, die sie gesucht haben."

Das Schreiben hörte auf, und der Stift wurde langsam abgelegt, um seine Ruhe auf dem Blatt Papier zu finden. Dann blickte der Schreiber auf, um in Gibbons stechende Augen zu blicken. Der alte Mann hob eine Augenbraue. "Alle ?" fragte er skeptisch, als ob er nicht glauben konnte, daß die Aufgabe zu bewältigen war. Die kleine, unscheinbare Gestalt nickte energisch. Er war immer froh darüber, seinen Meister zufriedenzustellen. "Nun ?" drängte der alte Mann ungeduldig, nach einem kurzen Moment der Stille.

Gibbons schaute verdutzt auf seinen Meister, bis er begriff, was dieser wollte. "Oh! Ich soll sie herein führen, oder?"

"Ja Gibbons. Seien sie so nett", kam die spöttische Antwort seines Meisters.

Sich übermäßg verbeugend, zog sich die schlanke Figur bis zur Tür zurück und verließ den Raum. Einige Momente später klopfte es.

"Herein !" rief der alte Mann mit einer nun wesentlich freundlicheren Stimme.

Die Tür öffnete sich, und ein großer, gutgewachsener Mann, mit einem wie aus Stein gemeißelten Gesicht, betrat den Raum. Lange rötliche Locken fielen über seine Schultern und sein graues Gewand, daß mit Zickzackmustern an den Aufschlägen seiner Ärmel verziert war, und der Verlauf der Ziernähte stellten einen Glanz an seiner Kleidung dar, die kaum ein anderer "Kunde"aufweisen konnte, der in der Vergangenheit hier gewesen war.

"Bitte, setzen sie sich", forderte der alte Mann den stattlichen Fremden auf, ohne sich selbst von seinem Platz zu erheben. Der Besucher schien anfänglich etwas skeptisch zu sein, zog dann jedoch den Stuhl unter dem Schreibtisch hervor und setzte sich langsam darauf, ohne jedoch den alten Mann für einen Moment aus den klaren blauen Augen zu verlieren.

"Mir wurde ein Urlaub angeboten?" sagte der rothaarige Mann, halb fragend, halb bestimmt. Er klang immer noch mißtrauisch und er fühlte sich sichtlich unbehaglich."Ein besonderer Urlaub?"

"In der Tat, Sir!" antwortete der alte Mann, mit einer wie eingeübt wirkenden Spannung in seiner Stimme. "Ein Urlaub, wie Sie noch keinen vorher erlebt haben!"

Der gutaussehende Mann schaute ihn lange und eindringlich an, bevor er seine nächste Frage stellte. "Und es ist umsonst?"

Der alte Mann lächelte siegreich. "Ja, Sir. Für Menschen so wie Sie." Der Mann sah immer noch nicht restlos überzeugt aus. "Betrachten Sie es, als ein Spiel. Wenn Sie verlieren, ist der Urlaub vorbei, und Sie kehren dorthin zurück, wo Mr.Gibbons Sie gefunden hat." Der alte sah, daß ein großer Teil der Anspannung vom Gesicht des Fremden wich. "Es wird sein, als ob Sie ein anderes Leben leben; ein neuer Anfang, in einer Welt, die von der Magie und den Göttern beherrscht wird."

"Göttern? Ha!" brüllte der große Mann. "Ich habe genug von der Kirche! Die sind nichts weiter, als Tyrannen und säumige Zahler!"

Der alte Mann lächelte. "Ich versichere Ihnen, Sir, in dieser Welt wird Sie niemand tyrannisieren. In dieser Welt werden all Ihre Träume wahr." Die Anspannung im Gesicht des Fremden wich nun vollständig.

"Träume. Ja ! Ich habe viele Träume," der stattliche Mann lächelte verträumt. "Wissen Sie, ich habe die Idee für einen großen Ballon, der mit heißer Luft gefüllt wird. Heiße Luft steigt nach oben, und hebt sie von der Erde hoch. "

"So soll es sein, Sir. Ich garantiere Ihnen, daß der Traum in diesem Urlaub wahr werden wird." Der alte Mann beugte sich über den Schreibtisch. "Deshalb wollen wir gerade Sie, Sir. Sie sind ein Erfinder, ein Träumer, genau die Art von Mensch, für die durch diese Welt gesorgt wird." Er sah, daß er den Fremden sprichwörtlich an der Angel hatte, die er nur noch einholen mußte. "Natürlich können Sie noch 'nein' sagen, und nichts von alledem hier hat jemals stattgefunden."

Der große Mann wachte aus seinem Tagtraum auf. "Ich möchte diesen Urlaub machen!" entgegnete er entschlossen.

"Ausgezeichnet!" Der alte Mann strahlte. Er öffnete eine Schublade und zog ein Blatt Papier heraus. "Ich brauche noch ein paar Einzelheiten, Sir." Der alte Mann kritzelte auf dem Papier und fragte, ohne aufzusehen,"Ihr Name bitte, Sir."

"Da Vinci", antwortete der große Mann. "Leonardo Da Vinci."

"Beschäftigung?"

"Künstler, Bildhauer, Erfinder."

"Ich danke Ihnen, Sir. Wenn Sie die Vereinbarung nun hier unten unterschreiben würden." Er reichte dem Künstler den Bogen Papier, auf dem er eben noch gekritzelt hatte. "Hier, Sir ", der alte zeigte auf eine bestimmte Stelle auf dem Vertrag, " Wo die gepunktete Linie ist."

Schwungvoll unterzeichnete Leonardo Da Vinci mit seinem Namen.

"Und nun, Sir, bitte hier entlang", der alte Mann erhob sich majestätisch von seinem Stuhl und deutete auf die einfache hölzerene Tür, die hinter seinem Schreibtisch lag. Indem er die Klinke herunterdrückte, öffnete der alte Mann die Tür und winkte Leonardo hinein. "Wenn Sie nun hinein gehen, können sie den letzten Teil Ihres Vertrages in Anspruch nehmen."

Der Raum war dunkel und unheilvoll. Leonardo sah den alten Mann an, der lächelte, wie die Katze, die gerade ihre Milch bekommen hatte. "Sind Sie sicher? Es sieht sehr dunkel da drinnen aus."

"Es wird sich bald alles erhellen, Sir." Abermals winkte der alte Mann den Künstler hinein. Behutsam legte Leonardo die letzten verbleibenden Schritte zurück, die ihn in die Dunkelheit führten. Er sah sich um und warf dem alten Mann einen ängstlichen Blick zu. "Ganz ruhig, Sir. Es ist alles in Ordnung." Plötzlich erfüllte ein helles Licht den Raum. Leonardo blickte sich um, beunruhigt von dem strahlenden Glanz. "Entspannen Sie sich, Sir. Nun wird es ernst mit Ihrem Urlaub."

Der alte Mann schloß die Tür und ging zurück zu seinem Schreibtisch. Helle Lichtstrahlen drangen aus den Türritzen hervor. Ungerührt machte der alte Mann weitere Eintragungen auf dem Papier und legte das Blatt anschließend vorsichtig zurück in die Schublade. Sein Raum war nun ganz von sich drehenden Lichtstrahlen erfüllt, die aus den Bücherschatten schemenhafte Gesichter formten, die an Buchrücken und Einbänden hinunterzukriechen schienen. Die Bücher schienen zu grinsen.

"Wwwwwaaaaaahhhhhhhh " POP! Fiiizzzzzz! Leonardos Klagerufe hörten auf einen Schlag auf, und die scheinenden Lichtstrahlen, die aus dem verborgenen Raum kamen, verschwanden augenblicklich.

Ruhig schloß der alte Mann die Schublade und beugte sich zu einem kleinen Apparat, an dem einige Knöpfen angebracht waren, herüber. Er drückte auf einen von Ihnen, und der Apparat stieß ein Zischen aus."Schicken Sie den nächsten herein, Gibbons." sagte er ungerührt.

Nach wenigen Augenblicken klopfte es wiederum an der Tür.

"Kommen Sie!" rief der alte Mann.

Die Tür schwang auf, und die Umriße eines breiten, kleinen Mannes waren in der Türöffnung zu erkennen. Licht drang nun in das Büro ein, so daß der alte Mann langsam Einzelheiten erkennen konnte. Der kleine, stämmige Mann trug metallene Schulterplatten und einen Brustpanzer, der dem Brustkorb eines muskulösen Mannes nachempfunden war. Unter seiner Rüstung trug er eine weiße Tunica, deren goldgesäumte Ärmel an seinen Ellenbogen endeten. Ein weiterer wohlhabender Mann, dachte der alte Mann. Überraschenderweise trug der Mann eine Art Rock und kniehohe Stiefel, die um seine beharrten Beine geschnürt waren. Ein Schwert war an seiner Seite gegürtet und der stämmige Mann hatte eine Hand locker auf den Griff gelegt, wie jemand, der das Töten sehr leicht nahm.

"Bitte, setzen Sie sich", bot der alte Mann an.

Der Soldat blickte sich im Raum um, griff energisch nach dem Stuhl und nahm seinen Platz ein. "Ich sollte hierher kommen!" brüllte der Mann. Er richtete seinen Kopf zur Seite und starrte den alten Mann mit seinen klaren blauen Augen an. "Für ein Spiel." er beugte sich über den Schreibtisch. "Ein Kriegsspiel, ein Plan der Götter", sagte er mit einem unheilvollen Augenzwinkern.

"Das ist es, Sir! Und ein großes Spiel dazu!"

Der Soldat sah sich im Zimmer um. "Bücher!" rief er verächtlich. "Von den Büchern kommt nichts gutes!" Wiederum starrte er den alten Mann an, "Wo sind Ihre Schwerter und Schilde und die abgeschlagenen Köpfe, die auf Pfählen stecken?"

Der alte Mann rückte in seinem Stuhl ein wenig nach hinten, den harten Kommentar des Fremden ignorierend. "Dies ist ein Tor, Sir. Hinter dieser Tür", der alte Mann drehte sich in seinem Stuhl zur Seite und deutete auf die schmucklose Tür, "liegt eine Welt voller Gewalt und Krieg, Pestilenz und Hungersnöten. Dahinter, Sir, liegen Ihre Träume."

"Frauen?" fragte der Soldat und blickte den alten Mann mißtrauisch an.

"Natürlich, Sir. Und Alkohol." , antwortete er süßlich.

Der Soldat grinste. Ein breites Grinsen, das seine weißen Zähne entblößte. Der alte Mann konnte die Lücken darin nicht übersehen.

"Und wenn ich sterbe, sterbe ich nicht?" Den Fremden schien dieser Satz zu verwirren, als ob ihn ein Verstand wiederholte, der seinen Sinn nicht verstanden hatte.

"Wenn Sie in jener Welt sterben, Sir, kehren Sie in diese zurück; dorthin, wo Mr. Gibbons Sie gefunden hat" ,entgegenete der alte Mann.

"Dieser wieselige Mann mit den unruhigen Augen, die nie stillstehen können?"

"Ja, Sir! Ich sehe, Sie haben Ihn gut beobachtet."

"Mann, er ist ein verdammtes Waschweib. Beim ersten Anzeichen von Gefahr verdrückt er sich!"

"Dafür ist er bekannt", erwiederte der alte verteidigend. "Es hängt mit seiner Erziehung zusammen, glaube ich."

"Wie auch immer! Kann ich nun in diese Neue Welt oder nicht? Ich muß unbedingt wieder etwas erobern!" kläfffte er mit einem schurkischen Lachen. "Eine gute Frau vielleicht!" höhnte er mit einem Zwinkern.

"Natürlich können Sie, Sir!" unterbrach ihn der alte Mann schnell. "Sie sind genau der, den wir suchen." Der alte Mann beugte sich zu seiner Schreibtischschublade herunter." Roh", fügte er sich selbst zugewand hinzu, als er das kleine Fach öffnete und ein neues Blatt Papier heraus nahm. "Ihr Name bitte, Sir. Für die Unterlagen, Sie verstehen."

"Alexander der Große!" brüllte der Mann, sprang auf seine Füße und stemmte seine Hände in die Hüften. "Eroberer der bekannten Welt und von den Göttern ausgewählt!"

"Ganz recht, Sir, und sie brauchen Sie sehr." Zum Schreiben lehnte sich der alte Mann näher an seinen Schreibtisch. "Dort drüben werden sie Sie lieben!" fügte er in einem ruhigeren Ton hinzu. "Ausgeübter Beruf, Sir?"

"Gott," antwortete Alexander selbsverliebt. Er wischte einige nicht vorhandene Staubpartikel von seinem Brustpanzer und betrachtete dann seine manikürten Fingernägel."Frauen fallen vor mir auf die Knie und bieten sich mir selbst an. Wie würden Sie das nennen?" fragte der Mann, und seine Frage schien ihm offensichtlich selbst Kopfzerbrechen zu bereiten.

"Verzweifelt?" entgegenete der alte Mann.

Alexander der Große warf ihm einen eiskalten Blick zu, dann erschien ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. "Hah! Ich mag Sie, Kerl. Sie haben mächtig was in der Hose!"

"So ist es, und es bleibt alles genau da, wo es ist." Alexander prustete vor Lachen. "Wenn das so ist, Sir. Soll ich bei Ihrer Beschäftigung noch Frauenheld und tobender Alkoholiker hinzufügen?" Alexander lachte noch lauter.

"Ich mag Sie!" brüllte er. "Sie haben mehr Rückgrat als irgendeiner meiner Befehlshaber!"

"Danke sehr, Sir, das werde ich im Kopf behalten." Er erhob sich von seinem Stuhl. "Wenn Sie nun durch die Tür gehen würden, wäre der letzte Teil des Vertrages erfüllt."

Alexander streckte sich, um größer zu wirken, was auch erfolgreich gewesen wäre, wenn es nicht den Umstand gegeben hätte, das er drei Fuß kleiner war als der alte Mann.Als der Krieger sich der Tür näherte, öffnete sich diese wie von Geisterhand. Alexander warf dem alten Mann einen alarmierten Blick zu.

"Die Götter warten nur begierig auf Ihr Eintreten.," suggerierte der alte. "Ihr Reich erwartet Sie."

Alexander strahlte und ging zuversichtlich in den dunklen Raum hinein. Als der Krieger den Raum betreten hatte, schlug die Tür hinter ihm zu.

Polternde Geräusche waren von der anderen Seite zu hören. "Das ist alles Betrug hier!" schrie Alexander. "Hier gibt es nichts außer Dunkelheit." Plötzlich fiel ein heller Lichtschein durch die Türritzen in das Büro."Hexenkräfte! Ich wurde betrogen!" Erneut polterete es, nur diesmal stärker. "Ich werde ...- !" Wie abgeschnitten brach sein Schrei plötzlich ab. "Aarrgghhhhhhh - !" POP! Fiiizzzzzz!

Das Licht verschwand und der alte Mann kehrte zu seinem Sitz zurück. Er drückte den Knopf auf seiner Sprechanlage, die mit einem Zischen zum Leben erwachte. "Der nächste!" befahl er schroff.

Nach kurzer Zeit klopfte es an der Tür.

"Herein!" sagte der alte Mann.

Ein Kopf schob sich durch den Türrahmen. Nun, technisch gesehen war es ein Kopf, aber es sah eher so aus, als habe man einem Kopf einen zerfransten, stacheligen Pinsel aufgesetzt. Sogar der alte Mann blickte überrascht.

"Bitte, kommen Sie!"

"Ist dies der Raum für die Ferien?" fragte eine Stimme mit starkem Akzent. Der alte Mann kramte in seinem Gedächtnis, um den Akzent zuordnen zu können.Jüdisch, mit einem Hauch amerikanisch.,grübelte der alte Mann.

"Setzen Sie sich bitte," bot der alte Mann an. Was da durch die Tür kam, war zum Schreien komisch. Der Mann trug einen grauen Anzug, der ihm zu klein war, eine braune Krawatte, die nur lose um den Hals geknotet war und ein weißes Hemd, auf dem kreuz und quer verlaufende Linien Karos bildeten. Die weißgrauen Haare, die vom Kopf abstanden, als ob der Mann gerade einen elektrischen Schlag bekommen hatte, waren eine so auffällige Erscheinung, daß sie das Auge und der Verstand nur schwerlich übersehen konnten. Ein dicker Schnurrbart, der auch irgendwie komisch aussah, saß wie eine übergewichtige Raupe über seinen Lippen. Eindeutig das Aussehen eines zerstreuten Professors.

"Oh, gut!" sagte der Fremde. Er schlängelte sich zum Schreibtisch hinüber, die Augen auf die Reihen von Büchern gerichtet, bis er gegen den Stuhl prallte und sich schließlich setzte."Der seltsame Mann mit den umherirrenden Augen war ein wenig ungenau mit seinen Angaben."

"Ich werde ein Wörtchen mit ihm reden" , antwortete der alte Mann hinter seinem Schreibtisch, und er fühlte eine gewisse Seelenverwandtschaft mit dem neuen Fremden.

"Jawohl, aber logischerweise mußte dies der richtige Raum sein."

"Ist das so?"

"Ja, da war ein großes Schild, außen an der Tür, auf dem stand 'Ferien Raum'." Der Fremde lächelte verschmitzt, und der alte Mann mußte einfach schmunzeln.

"Haben Sie den Inhalt und die Bedingungen des Vertrages verstanden?"

"Ja, Mr. Gibbons hat alles genau erklärt." Der Fremde beugte sich über den Tisch und schaute sich geheimnisvoll um. "Ist es eine Parallelwelt?" Er flüsterte und schaute sich erneut um. "Dies ist eine meiner Theorien, die ich noch überprüfen muß. Unser Universum ist langweilig geworden, als ich es enträtselt hatte." Er lächelte den alten Mann an.

"Im Moment mangelt es noch an Einzelheiten" , erwiderte der alte Mann."Aber Sie können es selbst herausfinden. Ist das nicht genau das, was Sie wollen?"

" So ist es!" antwortete der Mann."Sie kennen mich gut, ja?" Er blickte sich erneut um, um sicherzugehen, daß sie nicht beobachtet wurden, was natürlich nur der Fall war, wenn man von den neugierigen Blicken der Bücher absah. " Ich habe gehört, daß es Magie in dieser Neuen Welt gibt. Ist das wahr? Ich würde das mögen, ja? Ich bin vom Ausprobieren der herkömmlichen Dinge so gelangweilt. Es würde mir soviel Spaß machen, etwas anderes auszuprobieren. Ein Zauberer zu sein würde sehr spaßig sein, oder?"

"Es gibt dort mehr Magie, als Sie sich wünschen!"

"Wundervoll!" sagte der Fremde, seine Hände aufgeregt ineinander schlagend. "Wo muß ich unterschreiben?"

"Genau hier", antwortete der alte Mann, als er einen Bogen Papier hervorholte. "Albert Einstein, nicht wahr?" fragte der alte Mann, obwohl dieser seinen Namen bereits unter das Schriftstück gesetzt hatte. Bei Beruf schrieb er 'Genie' und 'Partytier'. "Wenn Sie hier unterschreiben würden." Albert tat es, sehr aufgeregt.

"Es ist, als würde ich meine Seele dem Teufel überschreiben, oder?"

"Nicht wirklich", entgegnete der alte Mann. "es gibt andere, die mit dem Teufel zutun haben. Er wird von denen versorgt, die Ihre Verträge brechen." Der alte Mann erhob sich von seinem Sitz ".Wenn Sie bitte hier entlang kommen würden, durch diese Tür."

Als Albert Einstein aufstand, öffnete der alte Mann die Tür. Albert ging bedächtig, mit einem Lächeln auf den Lippen, geradewegs in die Dunkelheit.

"Es ist dunkel hier drinnen, ja?" fragte er.

"Das wird sich bald ändern, Albert", antwortete der alte Mann, als er die Tür langsam schloß.

"Oh!" bemerkte Albert "Ein helles Licht. Wie beim Urknall, ja?" Dann war einen Moment lang Ruhe. "Oh, ich..! Wwwaaahhhhh - !" POP! Fiiizzzzzz!

Stille.

Mit einem warmen Lächeln auf dem Gesicht setzte sich der alte Mann wieder. "Der Nächste bitte, Gibbons," sagte er in einem fröhlichen Ton. Die Begegnung mit Albert hatte seine Stimmung angehoben.

Diesmal gab es kein Klopfen, die Tür wurde einfach geöffnet und jemand trat, von dem Schatten der Tür verborgen, ein. Die Augen des alten Mannes verengten sich, ärgerlich über die Ungeduld des neuen Besuchers.

"Sind Sie es, Hawkins?" fragte die Figur, die noch immer im Schatten verborgen war. Es war eine junge Stimme, jünger als die der drei vorhergegangenen Besucher.

"Ja", antwortete der alte irritiert.

"Oh. Gut." Die Stimme antwortete, ohne zu wissen, was als nächstes passieren sollte.

"Schließen Sie die Tür", sagte der alte Mann müde abwinkend, als er sich wieder den Papieren auf seinem Schreibtisch zuwandte. Aus seinen Augenwinkeln heraus sah er, wie der Fremde zögerte und schließlich doch die Tür schloß. Als er sah, daß sich der Neuankömmling nicht bewegte, schaute er auf. "Setzen Sie sich," forderte er den Fremden sachlich auf.

Der Fremde tat, wozu er aufgefordert wurde und als er in das spärliche Licht trat, wurde er aufmerksam von dem alten Mann beobachtet. Er hatte hellbraunes Haar, das in der Mitte gescheitelt war, so daß es wie ein paar Vorhänge seitlich an seinem Gesicht herabfiel. Er trug eine Art Matrosenhemd, in knallbunten Farben, eine knallbunte Mischung, die dem alten Mann beinahe die Augen verdreht hätten, als er auf die Kleidung sah. Ihm fiel auf, daß der Neue dunkle Jeans trug, und als dieser sich setzte, konnte er ein Grün in der Farbe erahnen. Gibbons hatte gesagt, daß er alle Personen gefunden hatte, die gebraucht wurden, um die vier offenen Plätze zu besetzen. Was ging in Gibbons vor, wenn er den letzten freien Platz an diesen Jungen vergeben wollte?

Sich setzend, schaute der Fremde ängstlich zu dem alten Mann herüber, der sich in seinem Sitz langsam zurücklehnte, so daß das Knarren des Leders zu hören war, als er den Jungen musterte. "Sagen Sie mir, womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?"

Der Fremde zuckte mit den Schultern. "Mit Nichts. Ich bin arbeitslos." Er sah ein bischen einfältig aus, wie er so mit leicht zusammengefallenen Schultern da saß. Er sah sich im Raum um. "Bücher. Cool. Und so viele." Er war nicht besonders gut auf dem Gebiet des Small Talk.

"Ja, stimmt," antwortete der alte Mann, eine unangenehme Pause über den Tisch schweben lassend. Der Fremde nickte mit dem Kopf und saugte an seinen Zähnen, als er überlegte, was er als nächstes sagen konnte.

"Ihre Sekretärin, die ungepflegte, mit den kaputten Zähnen, dem Mundgeruch und der belegten Zunge, hat mich hierher gebracht und mir erzählt, daß Sie kostenlose Ferien vergeben würden.."

"Mr. Gibbons?" fragte der alte Mann.

"Das ist ein Mann?" fragte der Fremde geschockt. "Warum trägt er dann ein Kleid?"

Der alte Mann wischte die unheilvolle Frage beiseite. "Seine Eltern waren bei seiner Geburt etwas durcheinander und das hat bleibende Schäden hinterlassen. Keine Angst, er ist harmlos."

Der Fremde nickte unbeholfen und sah sich nocheinmal um. Er bremste sich gerade noch, um nicht nocheinmal zu sagen, wie "cool" die Bücher waren. So fuhr er fort, weiterhin dümmlich mit seinem Kopf zu nicken.

"Irgendwelche Zukunftspläne?" wollte der alte Mann, seine Hände spreizend, wissen.

Der Fremde zuckte mit den Schultern. " Ich hätte nichts dagegen, einen Job in der Computerindustrie zu bekommen" ,entgegnete der Fremde in einem entschlosseneren Tonfall.

"Wirklich?"sagte der alte; einen Hoffnungsschimmer in seiner Stimme mitschwingend. "Sind Sie denn dafür qualifiziert?"

"Nicht wirklich, nun ja, nicht für den Bereich, in den ich gerne gehen würde."

Der alte Mann nickte und sah, wie seine Hand zu der Schreibtischschublade wanderte. "Und welches ist Ihr Bereich?"

"Spieleprogrammierung", entgegnete der junge Mann.

"Hhmmm, wirklich?" Der alte Mann bemerkte, daß er die Schublade geöffnet hatte und bereits nach einem Vertrag kramte."Kreativ, wie?".

"Ja, aber ich suche im Moment noch nach einer guten Idee. Es soll ein Spiel sein, für das die Leute Feuer und Flamme sind. Aber mir fällt nichts ein."

der alte Mann holte den Vertrag hervor und legte ihn auf den Tisch. "Nun, wir haben noch einen freien Ferienplatz. Wollen Sie ihn haben?"

"Ich weiß eigentlich nicht genau, warum ich hier bin."

"Wenn ich Ihnen nun sagen würde, das ich Sie an einen Ort bringen könnte, der Sie inspiriert, Ihnen sogar die Idee für ein Spiel bringen könnte. Würden Sie dann gehen?"

"Ich weiß nicht. Wieviele Leute sind da, außer mir."

"Oh, hunderte. Tausende", sagte der Mann verheißungsvoll."Alle mögen Leute wie Sie, kreative Leute, obwohl es auch ein paar gibt, die nicht kreativ sind, die lieber Dinge zerstören oder andere Leute für sich arbeiten lassen."

"Hhmmm. Ich weiß nicht."

"Sie brauchen sich vor nichts zu fürchten. Wir geben Ihnen eine Lebensversicherung, einfach alles. Wenn irgendetwas passiert, bringen wir Sie an den Ort zurück, an dem Sie begonnen haben, vollkommen unversehrt mit nichts außer den Erinnerungen an Ihre Erlebnisse."

"Erinnerungen?"

"Ja. Wie in einem Traum. Ein Traum, der Sie möglicherweise zu dem lukrativen Spiel inspiriert, von dem Sie mir erzählt haben. "

"Ich tu's." sagte der Fremde. "Wie lange dauert der Urlaub?"

"Solange Sie möchten."

"Ich bin nur kurz weggegangen, um Milch zu holen. Meine Freundin wird sich Sorgen machen, wenn ich nicht bald zurück komme."

"Ich versichere Ihnen, Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie können sie sogar mitbringen, wenn Sie möchten. "

"Ein kostenloser Urlaub? Klingt zu gut, um wahr zu sein."

"Keine Verpflichtungen, das verspreche ich Ihnen. Sagen Sie mir einfach Ihren Namen und unterzeichnen Sie den Vertrag, alle weiteren Einzelheiten können Sie später, hinter dieser Tür dort hinter mir, ausmachen."

"Vertrag?" fragte der Fremde mißtrauisch.

"Ja. Nichts, das Sie irgendwie bindet. Nur Ihre Unterschrift, das ich Sie anerkenne, und das sie mich anerkennen."

"Nun"

Der alte Mann lächelte. "Vertrauen sie mir, Sir. Ihr Name, bitte?"

"Paul," antwortete er zögerlich. "Paul."

"Fein, fein," sagte der alte Mann, während er die weiteren Details eintrug. "Wenn Sie hier unterschreiben würden"

Vorsichtig nahm Paul den Stift auf und sah auf das Papier vor ihm. Mal sah er die Wörter, mal sah er sie nicht. Es war schwer zu beschreiben. Deutlich sah er, wo er unterschreiben sollte, und ebenso deutlich sah er seinen Namen, der in Druckbuchstaben von dem alten Mann auf das Papier gebracht wurde. Einem Impuls folgend, unterzeichnete er den Vertrag und legte den Stift zurück.

"Gut gemacht," sagte der alte und klatschte in die Hände. "Sind Sie ein religiöser Mensch? "

"Nicht wirklich, warum?"

"Oh, ich wollte nur fragen," antwortete der alte Mann abwesend. Er stand auf. "Wenn Sie mir nun folgen würden" Er drückte kurz auf den Knopf der Sprechanlage und sprach in einem scharfen Ton. "Gibbons! Hierher! Sofort!"

"J-Ja, Sir!" hallte die krächzende Stimme zurück.

Der alte Mann stand auf und öffnete die Tür, die in die mysteriöse Kammer führte. In diesem Augenblick kam Gibbons angelaufen, der ein rosafarbenes Kleid mit Rüschen an den Enden trug. "Ich komme Sir! Vergessen Sie mich nicht."

"Äh," sagte Paul, "es ist ein wenig dunkel hier drin, oder?"

"Das hellt sich bald alles auf", erwiderte der alte Mann.

Die Tür schloß sich.

"Und was passiert nun?" fragte Paul, eingeschüchtert von dem großen alten Mann und dem häßlichen, vom Schicksal geplagten, Frauenkleider tragenden Mann, der angefangen hatte ein kindliches Lied zu singen, das Paul langsam entnervte.

"Warten Sie einen Moment." Die Stimme des alten kam irgendwo aus der Dunkelheit neben Paul.

"Hehehehehe," lachte Gibbons schrill vor sich hin.

"Ich denke, Ich werde jetzt gehen, danke sehr." sagte Paul energisch, und er fühlte sich unbehaglich und plötzlich sehr, sehr verängstigt.

"Nein, Nein. Da ist nichts, vor dem sie sich fürchten müssen." , beschwichtigte der alte Mann ihn süßlich.

"Wir gehen nach Hause, Meister!" Gibbons benahm sich, wie ein Kind.

"Ja, Gibbons. Nach Hause."

Licht erfüllte den Raum, und Paul fand sich in seinem Zentrum wieder. "Uh!" bemerkte Paul.

"Machen Sie sich keine Gedanken. Das gehört alles zum Vertrag", sagte der alte Mann.

Paul mußte seine Augen vor dem gleißenden Licht schützen, indem er seinen Arm vor sein Gesicht hielt. Als er über seinen Arm hinweg lugen konnte, erkannte er einen langen weißen Tunnel, in dessen Mitte eine ganze Anzahl verschiedener Wolken kreisten. Plötzlich fühlte er sich hineingezogen, als wenn sein gesamter Körper durch einen Abfluß gezogen würde. "Wwwwwaaaaahhhhh" Die Welt erschien einfach um ihn herum. Seine Ohren klingelten von der Explosion - oder war es eine Implosion? - und als er seine Augen wieder öffnete, sah er eine gewaltige Landschaft mit Inseln und Inselchen, die sich vor ihm erstreckten, so weit die Augen sehen konnten.

Als er irgendwie durch die Landschaft schwebte, blieben Felder hinter ihm zurück. Menschen bearbeiteten diese Felder, sie beackerten und pflügten sie. Steinerne Gebäude zogen unter ihm durch, er überflog einen hölzernen Zaun, der hinter ihm aufstieg, nachdem er ihn erblickt hatte. Als er wieder geradeaus sah, entdeckte er eine Windmühle; Ihre Flügel drehten sich im Wind und ihr whop-whop schien im Takt seines Herzen zu klingen.

Plötzlich wurde er nach unten gezogen. Die Windmühle schoß in einem halsbrecherischen Tempo an ihm vorbei, und die Welt verpuffte aus seinem Kopf. Als er sein Bewußtsein verlor, und die Welt, so wie er sie kannte, aus seinem Kopf verschwand wie ein verirrter Gedanke, hätte er schwören können, daß auf einem Teil der Windmühle ein Schild gesehen hatte, auf dem in kindlicher Schrift geschrieben stand: "Willkommen im Land von Foundation!!!!!!!!!" Da waren noch mehr Ausrufezeichen in seinem Kopf, aber an dieser Stelle explodierte es in seinem Kopf und seine Augen schlossen sich.

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