Könntest Du bitte mal Dich kurz
beschreiben?
Mein Name ist Tom Neidhardt, ich bin 33 Jahre alt, bin verheiratet
und Vater meiner 2 1/2 jährigen Tochter. Ich entwickle seit 1995
eigenständig EASys! und wickle meine Tätigkeiten unter dem Namen EasySystem ab.
Weiterhin arbeitet aktuell die ATO (Amiga Translation Organisation) an der
Übersetzung der EASys! Systemresources in folgende Sprachen: Französisch,
Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Estnisch. Deutsch und Englisch
habe ich bereits selbst zur Verfügung gestellt.
Natürlich habe ich auch "Verbündete", die mir gerne zur Seite stehen, wenn
es darum geht, Betaversionen nach endlosen Eigeninstallations-Tests erstmals
auf Fremdsystemen zu installieren. An dieser Stelle möchte ich insbesondere
Robert Schwandner, Jochen Franz und aus früherer Zeit Ingmar "InK" Krause
recht herzlich danken.
Ein herzlicher Dank geht insbesondere an verdiente 3rd Party Autoren, die
sich bereiterklärt haben, ihre Software direkt in die EASys! Distribution
aufnehmen zu lassen. Die 3rd Party Autoren erhalten im Gegenzug gratis eine
aktuelle Version des Softwarepaketes inklusive Support und Upgradeservice.
Ohne 3rd Party Software wie MultiNotify (Patrick BURNAND), Play16
(Thomas Wenzel), EaglePlayer(Jan Blumenthal) uvm. wäre EASys!
nicht mit vertretbarem Aufwand realisierbar gewesen.
Auch Andrew Korn und Neil Bothwick von der englischsprachlichen
Amiga-Zeitschrift AmigActive möchte ich an dieser Stelle für die Abwicklung
und Veröffentlichung des aktuellsten Tests von EASys! in Issue9 herzlich
danken!
Seit wann bist Du im Amiga-Bereich tätig?
Das ist eine kleine Geschichte:
1986, direkt nach dem Abitur und nach einer langen Zeit, in der ich auf C64
begann meine ersten Schritte mit Computern zu unternehmen, kaufte ich mir eine
Amiga 500 mit einem für damalige Verhältnisse tollen 14 Zoll RGB Farb-Monitor
der Firma Thomson und einem Nec P6 Nadeldrucker. Animiert dazu hatte mich Andi
Klingler, einer meiner besten Freunde, der zu jener Zeit bereits eine Amiga
1000 besaß. Was für eine phantastische Maschine das damals war!
Zuerst spielte ich im wesentlichen mit der Kiste, insbesondere von Spielen
wie MarbleMadness und SilentService war ich zu jener Zeit sehr angetan.
Wie ging es weiter?
Es folgten für's Studium bald Anschaffungen wie BeckerText und bereits
damals erhältliche Mathematik Grafiksoftware. Damit erwuchs der Wunsch nach
einer größeren Amiga. Somit stand 1988 der Kauf meiner Amiga 2000 auf dem
Programm - eine Zeit, zu welcher es sich schickte, Atari-Usern paroli zu
bieten, einer davon ein guter Studienfreund.
Zuerst noch ohne Zusatzausrüstung, stattete ich meine A2000 dann bald mit
einer 2MB Speichererweiterung von Roßmöller, einer Big Fat Agnus, einem Kronos
SCSI Controller inklusive sagenhaften 42MB Quantum Festplatte und dem Microway
Flicker- Fixer aus, dazu einen EIZO 9070S 16 Zoll Monitor (1989) ... eine
GVP030/40MHz mit 4MB und SCSI on board (1991) und einen Sunrize PerfectSound
8Bit-Sampler, mit dem auch die Samples der EASys! Sprachausgabe aufgenommen
wurden.
Programmieren - wie kamst Du dazu?
Die Lust, das Betriebssystem und dessen Programmierung zu erlernen kam
naturgemäß zum Ausbruch. Mit Spielen hatte ich fortan nicht mehr viel am Hut,
denn nichts konnte ich weniger leiden, als Programme, die meine teuer
erstandene Hardware nicht zu würdigen wussten und im Gegenteil ihre
Zusammenarbeit damit aufkündigten... Ich meine, schon damals hätten die
Mutterfirma und die Masse der Anwender und Programmierer die Zeichen der Zeit
erkennen müssen, dass die Orientierung an moderner Hardware und modernen
Erweiterungen ein essenziell wichtiger Faktor für den erfolgreichen
Fortbestand eines Computersystems sind - und sei es noch so fortschrittlich.
Nichts desto trotz brachte ich mir damals studienbegleitend erstmal das CLI
und dann C im Eigenstudium bei (um ehrlich zu sein: während langweiliger
Vorlesungen), während 68000er, sowie 8080 Assembler und Fortran77 auf dem
offiziellen Studienprogramm standen.(F77 das gab es damals auch für Amiga, so
wie alles, was damals professionellen touch in der Computerwelt innehatte.)
Bewaffnet mit diesem Rüstzeug und einem Stapel Amiga-Bücher, die ich
kaufte, machte ich mich dann auf, in die interessante und ergreifende Welt des
Amiga OS ..
Was waren Deine ersten größeren Projekte?
Nunja ...
Viel Zeit verbrachte ich kurz darauf mit der Anschaffung
von TeX und dessen Einrichtung auf dem eigenen System, sowie der nahtlosen
Einbindung diverser Programme wie beispielsweise GnuPlot in TeX, um sogenannte
Ortskurven für elektronische Schaltungen in Zusammenarbeit mit dem
Schaltungssimulations Programm SPICE (welches es auch für Amiga gibt)
erstellen zu können.
Hier stellten sich, wie das bei Amiga nunmal so ist, immer neue und
interessante Aufgaben. Beispielsweise hatte sich ein Studienkollege einen HPGL
Einzugplotter zuge- legt und wollte diesen zum Ausdruck von o.g. Ortskurven
verwenden - so schrieb ich ihm dafür einen kleinen Treiber. Die
TeX-Arbeitsumgebung entwickelte sich somit zu einer voll integrierten
Arbeitsumgebung, die ich nach und nach mit allem erdenklichen Komfort
ausstattete.
EASys! ist ja bekanntermaßen hauptsächlich in ARexx programmiert.
Wie und wobei hattest Du erstmals ARexx-Kontakt?
Bei diesen Tätigkeiten hatte ich erstmals meine mit OS 2.x erworbenen
Kenntnisse in ARexx zum Einsatz gebracht. Zuerst war ich noch verwundert wozu
man denn eine Sprache bräuchte, mit der man andere Programme steuern konnte -
ich dachte mir, Programme bediene ICH doch, wozu soll ich sie dann vom
Computer sozusagen fernbedienen lassen?
Doch bald wusste ich es besser, dass genau dies der Grundstock für den
enormen Wert des Amiga Betriebssystems war, denn mit ARexx bestand erstmals
ein echter bis in kleinste Programme gesetzter Standard zur Anwender
unterstützenden Verknüpfung der Fähigkeiten vieler verschiedener Programme auf
einem stabilen Multitasking System. So, wie es bis heute auf keinem anderen
System so durchgängig verfügbar ist.
Welchen Zusammenhang hat das nun mit EASys ?
Mit allen gerade genannten Voraussetzungen war auch der Grundstein
für EASys! gelegt: Gerade die Benutzerschnittstelle und damit
der Anwender sollte meiner Meinung nach mehr von den Stärken
des Amiga Betriebssystems und den dadurch offenstehenden Toren
zur Welt moderner Computerbedienung profitieren können.
Die Fähigkeiten des Betriebssystems und
der vielen guten existenten Programme warteten buchstäblich darauf, genutzt zu
werden, indem sie nur vorteilhaft genug miteinander verknüpft wurden, anstatt
das Rad wieder und wieder von neuem zu erfinden. Ich machte mich an die
Arbeit...
Arbeitest Du mit anderen Gruppen/Firmen zusammen?
Ja. Einerseits kann ich auf das Wissen und die Kommunikation in meiner
UserGroup IMAGE (Interessengemeinschaft mittelfränkischer Amiga Enthusiasten)
zurückgreifen, andererseits habe ich zur Realisierung des Projekts auch
Kontakt zu den Entwicklern diverser 3rd Party Software aufgenommen.
Während meines Studiums arbeitete ich eng zusammen mit meinem Freund Jens
Hellmerichs, mit dem ich damals studierte. Wir schrieben mit SAS/C eine nie
veröffentlichte Bibliothek zur einfachen Programmierung von Intuition (also
der Anwenderschnittstelle von Amiga). Als Produkt entstand dabei ein "Mensch
Ärgere Dich nicht" Spiel für ECS/AGA, welches sich noch heute auf meiner Amiga
4000D inklusive 68060 MKII/SCSI und Cybervision64/3D reibungslos spielen
lässt. Desweiteren entstanden noch ein paar weitere kleine Programme.
Seit der Messe HEW'99 stand ich in engem Kontakt zu Petro Tyschtschenko und
Jürgen Haage sowie mit Haage&Partner. Ich beabsichtige in diesem
Zusammenhang, mit einigen in EASys! eingeführten Techniken moderne Standards
für zukünftige Amiga Betriebssystem Software zu setzen.
Die Firma Eternity, die ich bereits bei der ersten öffentlichen
Präsentation von EASys! auf den Magischen Tagen von Trier, April 1998 in der
Person des netten und sehr aufgeschlossenen Herrn Martin Wolf kennenlernte,
ist nun auch mein Vertriebspartner für das Softwarepaket. Martin erkannte
schon damals, dass sich mit der von mir vorgeführten Software eine Marktlücke
im Amiga-Segment schließen ließe. Doch ich wusste damals noch zu genau um die
mangelnde Marktreife der Software, speziell wenn es darum ging, diese auf
fremden und bekanntermaßen wild zerpflückten Systemen sicher und stabil zu
installieren. Weiterhin war und ist es mein oberstes Ziel, ein für jeden
Anwender leistungsfähiges und gleichzeitig einfach zu bedienendes System zur
Verfügung zu stellen. Dazu musste noch einiges getan werden. Seit
Jahreswechsel 1999/2000 ist es soweit ... die konsequente Nutzung von neuer
OS3.5 Funktionalität eröffnet dem Anwender dabei bisher ungeahnte Welten...
Was ist EASys! ?
Welchen konreten Nutzen hat der Anwender?
EASys! ist der derzeit wohl umfangreichste System Enhancer für Amiga OS
3.x Der Anwender profitiert unmittelbar von allen Vorzügen des AmigaOS und von
einer auf die täglichen Bedürfnisse der Computernutzung abgestimmten
Arbeitsumgebung, die sich nicht nur auf die Workbench beschränkt, sondern
Anwendungsübergreifend zur Verfügung steht.
Anders, als Produkte mit vergleichbarem Ansatz, wie z.B. SCALOS oder
Directory Opus Magellan, die ja als kompletter Workbench Ersatz fungieren,
handelt es sich bei EASys! um eine konsequente Erweiterung der Classic Amiga
OS Arbeits- oberfläche Workbench - wenngleich der Einsatz als Ergänzung zu
diesen WB-Ersatzprogrammen durhaus sinnvoll sein kann (siehe Anmerkungen im
Testbericht AmigActive, Issue9, Juni 2000).
So stehen dem Anwender direkt nach der Installation viele
praktische Helferlein (EasyWizards) zur Seite - im Rahmen
dieses Interviews ist aber leider nur eine kleine Auswahl
daraus unterbringbar:
- Ein auf den täglichen Nutzer-Bedarf abgestimmtes und umfangreich
erweitertes und durchdacht strukturiertes Workbench-Menü zur Arbeit mit
Dateien, zum Start von Programmen und zur Nutzung aller Möglichkeiten des
Internet
- Eine umfangreich vorkonfigurierte Toolbar, sowohl zum Start
verschiedener Programme, als auch zum konsequenten Drag&Drop von Dateien
der Workbench, um sie sofort mit ausgewählten Programmen zu nutzen und zu
bearbeiten.
- Die Möglichkeit, Dateien und Verzeichnisse auf der Workbench auszuwählen
und mit einem weiteren Mausklick versandfertig in einer neuen eMail zu
haben.
-
Internet-Seiten direkt vom Workbench-Menü aus starten,
inklusive automatischer Internet-Einwahl - unabhängig von
Browser und Internetstack des Anwenders...
- Mit Archiven aller gängigen Formate schon mit einem Mausklick
Pack- und Entpack-Vorgänge komplett durchzuführen. Auch
diese Funktion wird natürlich durch virtuelle Laufwerke unterstützt,
die von jeder Anwendung aus genutzt werden können.
- Die Möglichkeit 'Multithreaded' Dateioperationen
auf der Workbench durchzuführen - die Workbench ist
dabei nicht blockiert. Automatisches Versionsmanagement
bei Überschreiben älterer Dateien sowie informative
Dateiinformation zu Quell- und Zieldatei inklusive
Versionsangabe bei Überschreibaktionen.
- DDconv, das auch auf der Disribution vertrieben wird, bietet dem
Anwender EINE einfach zu bedienende Schnittstelle zur Konvertierung fast
aller gängigen Dateiformate (Grafiken, Sounds, Archivdateien, Textformate,
...) . So etwas gibt es mit DDconv auf Amiga erstmalig in der Computerwelt.
DDconv ist auch in der Lage Batchkonvertierungen zu erledigen (das heißt
z.B. die Konvertierung aller in einem Verzeichnis liegenden Dateien in einem
Schwung).
Und wie werden nun die Funktionen "anwendungsübergreifend" nutzbar -
wie oben genannt?
- EASys! bietet virtuelle Laufwerke zur Nutzung der EASys!
Leistungsmerkmale direkt aus allen Anwendungen, die in der Lage sind,
Dateien zu speichern. So ist es auch möglich, beispielsweise im
Soundprogramm einen Text aufzusprechen und zu digitalisieren, diesen dann
als Datei in AS_EasyMail: zu speichern. Schon steht die Sprachnachricht in
einem neu geöffneten eMail Formular versandfertig bereit. Ein anderes
Beispiel: Eine handschriftliche Nachricht auf Papier soll versandt werden -
sie wird gescannt, wieder als Datei in AS_EasyMail: gespeichert und steht
sofort versandfertig bereit. Auch zur Präsentation, weiterverarbeitung und
zum Ausdruck von Dateien aller Art stehen derartige virtuelle Laufwerke zur
Verfügung.
Bei EASys! fällt auch häufig der Begriff "Reference" - was hat es damit
auf sich? Welche Vorteile hat eine Referenz?
- Das mit EASys! eingeführte "Reference" Konzept erlaubt die zentrale
Verwaltung von Programmen, die für bestimmte Aufgaben zuständig sind. Soll
z.B. eine Musikdatei, die in EasyWizards, SimpleFind, IBrowse oder YAM zur
Anzeige gebracht wird, nicht mehr mit Hippoplayer, sondern ab sofort nur
noch mit EaglePlayer abgespielt werden, so ist lediglich durch Nutzung des
"Reference-Editors" die Referenz für das MultiTracker Programm auf den Pfad
von EaglePlayer einzustellen. Fortan verwenden EasyWizards, SimpleFind, YAM
und IBrowse automatisch EaglePlayer - vorausgesetzt, sie wurden einmal statt
mit direkten Pfaden für Mime-Types, mit den jeweiligen EASys!
Referenz-Aufrufen versorgt. YAM wird während der Installation bereits
automatisch konfiguriert, während z.B. IBrowse, AWeb oder Voyager noch
einmalig vom Anwender bearbeitet werden müssen. Ein hervozuhebender Vorteil
dieser Referenzierung von Aufrufen, Pfaden und Programmoptionen ist, dass
durchgängig im gesamten System auf eine einmalig festzulegende Quelle
zugegriffen wird. Für den Anwender werden also immer und überall die
Programme zum Einsatz gebracht, die er aktuell für bestimmte
Anwendungsbereiche bevorzugt. Durch die mitinstallierte Vorbereitung des
Systems wird auf diese Anwender-Referenzen auch bei der Nutzung von
Aminet-CD-Guides automatisch zugegriffen.
Warum hast Du Dich entschieden, Deine Software auf Amiga zu entwickeln
und nicht auf gewinnbringenderen Märkten wie Mac oder PC?
Amiga ist nunmal mein lieblings-Compuersystem. Dies ist sicher der
Hauptgrund. Ein weiterer Grund hierfür ist natürlich auch die einfachere und
effektivere Art der Programmierung des Amiga Compuersystems. Ich habe Mittel
und Wege, die mich schneller zum Erfolg, zur Realisierung meiner Ideen
bringen, als dies auf anderen Computersystemen möglich wäre - trotz
aufwendiger Programmierumgebungen, die leider bei uns noch Mangelware sind.
Was ist Dein aktuellster Titel bzw. was für Sachen liegen in der nahen
Zukunft an?
EASys!, EASys! ... und EASys! - was sonst :)
Das Softwarepaket wird kontinuierlich weiterentwickelt. Während einerseits
geplant ist, verschiedene Teile als neue Softwarestandards zu etablieren, gibt
es täglich neue Einfälle für das nächste Update (im Rhythmus von ca. 1/4
Jahr). Die rege Teilnahme an der Ideenfindung für innovative Anwenderkonzepte
ist ein wichtiges Ziel meines engagierten Kundensupports. Im Mittelpunkt aller
Tätigkeiten stehen die Bedürfnisse der Anwender. Amiga soll in Punkto Nutzung
anderen Computersystemen auch heute, morgen, übermorgen in nichts nachstehen.
Welche sind Deine Lieblingsspiele auf Amiga?
MarbleMadness, ... Lemmings 2!
Ist Amiga Dein hauptberufliches Betätigungsfeld oder ist es für Dich
eher nur ein "Nebenjob"?
Wohl eher Nebenjob. Derzeit wäre es sicher kaum möglich, am Amiga-Markt
auch mit einem noch so begehrten Softwaretitel sein Brot zu verdienen. Ich
sehe meine Tätigkeiten für EASys! eher als einen Dienst an der Gemeinschaft
an, selbst wenn jetzt einige einwenden werden, ich kassiere dafür ja auch
Geld. Doch wenn man mal nachrechnet, wieviel Zeit, Ärger und Schlaf dieses
Projekt ununterbrochen verschlingt, dann wird mir sicher die Mehrzahl der
Anwender zustimmen, dass es sich dabei allerhöchstens um eine kleine
Entschädigung handelt. An dieser Stelle möchte ich allen bereits "easy"
dahinwerkelnden Easyanern danken, dass sie sich für diese richtungsweisende
Software entschieden haben.
Was machst Du hauptberuflich?
Ich bin als Software Support Ingenieur bei Siemens beschäftigt. Dort
arbeite ich in einem Projekt, das für einen deutschen Stromerzeuger eine
Anlage erstellt, die aus 200 vernetzten UltraSparc-II Unix Systemen besteht,
welche - mit einem sogenannten Netzleit-Softwaresystem ausgestattet - das
Stromnetz großer Teile Deutschlands automatisch überwachen und steuern hilft.
Ich selbst bin dabei tätig im Gebiet der Installation der Software, ihrer
Konfigurierung, Datenbank-Parametrierung, Tests und Fehlerbeseitigung in der
Kommunikationssoftware, sowie Inbetriebsetzung vor Ort uvm.
Eine Tätigkeit also, von deren Know-How EASys! und seine Anwender
gewissermaßen schon oft profitieren konnten. Aufgrund meiner häufigen Arbeiten
mit Unix-Systemen bin ich aber auch kein Fan von Linux und Konsorten.
Welche Dinge - Software, Hardware, ... - vermisst Du für Amiga?
... einen Notebook-Classic-Amiga! Naja, auf meinem Notebook, das ich von
der Firma habe, läuft ja bereits WinUAE mit meiner Workbench 3.5 in 1024x768
Auflösung mit 16 Bit. Immerhin ist somit Amiga in 68020er oder 68030er
Geschwindigkeit nutzbar, doch ich finde, erst wenn ein WinUAE mit annähernd
060er Geschwindigkeit läuft, könnte ich mich damit so richtig zufrieden geben.
Mal sehen was neuere Prozessorgenerationen da noch ausrichten können!
... und als Sortware ...
Eine Entwicklungsumgebung mit WYSIWYG GUI Editing Machine, mit der ohne
langwierige Eigenarbeit moderne Anwenderschnittstellen zu neuen Programmen
erstellt werden können. Sicher gab es auch hier in der Vergangenheit auch
bereits gute Ansätze, doch gibt es bis jetzt immer noch keine annähernd
wirklich gute Standardsoftware zu diesem Zweck.
Ich vermisse in diesem Zusammenhang insbesondere, dass sich mal ein paar
Entwickler zusammentun, und beispielsweise gemeinsam auf diese Weise Standards
festlegen, wie z.B. folgendes:
Schon lange gibt es immer wieder Software für Amiga, die ein wirklich gutes
GUI Konzept aufweist, wie z.B. GoldEd's GUI Classes, fxPaint's
Anwenderschnittstelle, GlobalTrash's Bedienerelemente, ... Wie wäre es denn
nun, wenn sich die Leute mal zusammentun, alles in einen Topf werfen,
rumrühren und diese absolut modernen aber hinderlich proprietären Früchte
schweißtreibender Arbeit in einem WYSIWYG GUI-Editor zusammentragen würden?
Niemand bräuchte mehr davor zurückschrecken, eine ausgefeilte
Benutzeroberfläche zu programmieren, ansprechende Anwendungen würden wieder
wie Blumen im Mai aus dem Boden sprießen, die Räder wären erfunden und
bräuchten nicht wieder von jedem neu erfunden zu werden. Die Anwender würden
sofort von ihren anpsrechenden Benutzeroberflächen profitieren, sie bräuchten
sich nicht bei jedem Programm wieder auf neue Bedienelemente einzupendeln,
sondern würden gemäß ergonomischen Software Richtlinien mit EINER klaren
Benutzerführung konfrontiert.
Ich finde, wir haben schon genug Hickhack gehabt. Wie wäre es denn,
wenn wir uns mal wirklich alle aufraffen würden und an einem Strang
ziehen, wenn wir endlich mal zeigen würden, dass wir wirklich eine
Gemeinschaft sind, statt dies nur dauernd zu behaupten?
Niemand hätte dadurch Nachteile. Die Anwender würden von ansprechenden
Oberflächen profitieren, Programmierer würden von wesentlich vereinfachte
Oberflächendesign profitieren und könnten schneller und damit preisgünstiger
entwickeln, die Autoren der jeweiligen GUI-Systeme könnten ein Wenig
Geld und Ruhm dazuverdienen, indem sie das GUI-Design-Center vertreiben.
Für welche Prozessorhardware programmierst Du speziell? 68k oder PPC?
Ich entwickle ganz allgemein für 68k (setze aber mindestens 68030
voraus), da ich selbst kein PPC Board besitze. Zwar gibt es mittlerweile
einige interessante Ansätze, die sehr dazu verleiten, sich doch noch ein PPC
Board inklusive CyberVisionPPC o.ä. zuzulegen, jedoch erscheint mir mein
System (MKII060/50 MHz + SCSI, 72MB FastRAM, CyberVision64/3D inkl.
Scandoubler) mehr als genug leistungsfähig, weshalb ein Umstieg derzeit nicht
in Frage kommt - ganz abgesehen von den Verzögerungen, die sich bei den
Weiterentwicklungen von EASys! einschleichen würden, weil so eine
Hardware-Umrüstung immer mit größeren Problemen verbunden ist.
Planst Du, in Zukunft AmigaNG zu unerstützen, oder arbeitest Du bereits
an einem solchen Projekt?
Vorerst arbeite ich sicher noch eine geraume Zeit weiter an EASys! Wenn
AmigaNG greifbarer wird, werde ich sehen, inwieweit mir die neue Umgebung
zusagt, und inwieweit ich dort Möglichkeiten zur Verwirklichung meiner
Vorstellungen sehe. Ich hoffe, dass insbesondere der Anwender das Maß der
Dinge wird und nicht zuviel Augenmerk auf technische Details verloren werden.
Die Software machts und ihre Fähigkeiten sowohl was einfache Realisierung
angeht als auch was die ungehinderte (!) Verwendbarkeit existierender
Dateiformate anbelangt.
Wirst Du Classic Amiga immer noch unterstützen, wenn AmigaNG erhältlich
ist?
Wie ich bereits sagte:
Vorerst werde ich ununterbrochen weiterhin
Classic Amiga unterstützen. AmigaNG ist derzeit noch zu undfiniert und
ungreifbar. Das kann sich natürlich ändern, wenn konkretere Fakten -
insbesondere der Anwenderschnittstelle - bekannt werden. Ich schätze, dass in
dieser Richtung erst ab Jahreswechsel 2000/2001 mit planbaren Fakten zu
rechnen ist.
Planst Du auch, Teile Deiner Software auf anderen Plattformen zu
veröffentlichen?
Nun, aus aktueller Sicht ist das zeitlich nicht möglich, da ich neben
meiner Ingenieurstätigkeit und meinem Engagement im Amiga-Markt auch noch ein
lieber Ehemann für meine Moni und ein lieber Papi für meine zweieinviertel
Jahre alte Tochter Kerstin sein will. Dennoch - einer Bekannten habe ich
jüngst erzählt, was ich mit EASys! so alles für Amiga realisiert habe, da
meinte sie, sowas wäre doch toll, wenn es das auch für PC geben würde...
Bist Du dafür, Amiga Software - unbeachtet des Umfanges - zukünftig
generell auf CDROM zu veröffentlichen?
Ja. Disketten haben einfach für Softwaretransfer ausgedient.
Allerhöchstens, um mal ein paar Dateien von A nach B zu schaffen, wenn keine
Netzwerkverbindung existiert, macht das noch Sinn. Eine CDROM ist leichter als
eine Diskette, sie ist im allgemeinen schneller gebrannt als die gleiche
Datenmenge auf Floppies kopiert, sie bietet Platz für umfangreiche
Softwareprojekte wie z.b. EASys!
Und wie siehst Du die Zukunft von DVD für Amiga?
Wenn sich die DVD mal so richtig am "normalen" Consumermarkt platziert
hat, wird es auch nicht mehr lange dauern, bis wir mit DVD Support rechnen
können. Allerdings wird wahrscheinlich wie immer erst noch einige Zeit
vergehen, bis vernünftige Lösungen auch für Amiga erhältlich sind :)
Welches Computersystem benutzt Du privat?
Na welches schon? Amiga! Um genau zu sein: Amiga OS3.5 mit EASys! in der
aktuellen Fassung :) Alles drauf, alles drin. Ich bin damit "drin"! Die
Hardware-Ausstattung: Amiga 4000 Desktop, 68060 50MHz MK-II mit 72MB FastRAM
und SCSI-MK-II, CyberVision64/4D mit Scandoubler, 2.2GB Quantum Ultra II SCSI
Platte, IOblix Parallel/Seriell-Karte, Epson Stylus Color 600, ein
Split-Keyboard von Lenco am Micronik Tastaturadapter und eine 4Dplus
2-ScrollRad Maus am seriellen Port. Dann noch ein Syquest 270MB
Wechselplattenlaufwerk (auch als Notfall-Bootdisk nutzbar), ein Toshiba XM3701
CDROM und ein Yamaha CDRW 6-4-16 Brennerlaufwerk sowie ein popeliges 14.4 kBit
Modem, das bald durch ein 56 kBit Modem ersetzt wird.
Was hältst Du von der momentanen Amiga Situation?
Es ist nicht schön, wie von vielen Seiten das Classic Amiga System
einfach links liegengelassen wird. Man stelle sich mal vor, wie unglaublich
schnell ein Amiga OS native auf der IBM Plattform laufen würde, die H&P
auf der Messe HEW'99 ausgestellt hat. Wenn dann noch die richtige Software
dazu geschrieben wird, stünde einer guten Zukunft nichts im Wege. Sicher, es
gibt immer Leute, die mäkeln herum, dass im AmigaOS moderne Dinge wie
Speicherschutz fehlen würden, sicher das wäre schön, aber ist das wirklch das
Maß aller Dinge, vor allem das, wovon der 0815-Anwender, um den es
letztenendes geht, einen echten Vorteil hat?
Die Vorteile für den Kunden ergeben sich aus einem guten modern
durchgestylten und aufeinander abgestimmten GUI-Konzept, einer verfügbaren
Hardware, auf der das System ordentlich schnell läuft und aus der Nutzbarkeit
etablierter Dateiformate. Das alles sind Dinge, die nur einer engagierteren
Softwareentwicklung bedürfen - das OS hat alle Voraussetzungen dazu -
natürlich bräuchten wir auch eine kauffreudigere und vor allen Dingen wieder
eine größere Anwenderschicht.
Wie stellst Du Dir genau die Zukunft für Amiga vor?
Welche Rolle
spielt dabei der Endanwender?
Schon zu oft und zu lange ist der 0815-Anwender auf dem Amiga-System für
tot erklärt worden, oder er wird einfach mit Sätzen wie "was bist Du denn für
einer - kennst Dich ja noch nichtmal mit so einfachen Sachen aus ..."
weggeschoben. Dennoch gibt es (glücklicherweise) noch genug Normalanwender.
Gerade den Anwender, der halt mal diese Maschine benutzen möchte, brauchen
wir aber und wir (die Softwareentwickler) müssen ihn, wo wir nur können
unterstützen, denn von einer Freakgemeinde, die sich irgendwie sowieso alles
selbst strickt kann auch ein Amiga-Markt nicht leben, wohl aber von Anwendern,
die bereit sind, in ihre Maschine zu investieren, die bereit sind, Leistung
durch Gegenleistung zu erwerben. Wer hier von Abzocke redet, dem werfe ich
vor, dass er Diebstahl für rechtmäßig erklärt - sicher, bis zu einem gewissen
Grad kann man natürlich Gratisleistung erbringen (mal ein kleines CLI-Utility
z.B.), aber alles kann es nicht für lau geben.
Hast Du eigentlich eine Homepage?
Ja. Die ist aber schon seit langer langer Zeit nicht mehr überarbeitet
worden. Vielleicht gibt es noch ein paar Links drauf, die noch funktionieren
:)
http://www.fen-net.de/thomas.neidhardt
Wie bist Du am besten zu erreichen - per eMail oder Schneckenpost?
Per eMail natürlich.
mailto:thomas.neidhardt@fen-net.de
Telefonsupport gebe ich in Ausnahmefällen nach Vereinbarung.
Wie gefällt Dir eigentlich das AmigaFuture Magazin?
Ein vorbildlich gestaltetes Magazin mit breiter Abdeckung des Amiganer's
Interessengebietes. Macht weiter so! Ich finde gut, dass es keine reine
Spielezeitschrift ist. Wie wär' mal mit einem freundlichen Lächeln des
Chefredakteurs auf dem Editorial?
Was denkst Du über das Insolvenzverfahren von Phase5?
Eine Sache die nicht hätte sein müssen, denn auch dies ist in meinen
Augen zu großen Teilen eine Folge der mangelnden Kooperation von Firmen auf
dem Amiga-Markt, des mangelnden Aufrüstwillens (Modernisierung des eigenen
Systems) in der Amigagemeinde (schon seit jeher) und natürlich eine Folge der
Fehlentscheidungen A\Box und B\Box. Eine Sauerei ist natürlich, wie bei diesem
Verfahren mal wieder mit Amiga-Kunden umgegangen wird - ganz so als gäbe es
keine Kunden und deren Grundrecht auf Eigentum.
Hast Du ein Maskottchen?
Hmm... ich glaube nicht!
Wenn dann ... eine Uli-Stein-Maus.
Was sind Deine (anderen) Hobbies?
Ich spiele sehr gerne Klavier (Boogie, Blues, Eigenkompositionen, aber
auch mal Klassik), fahre gerne meine BMW R65 (18 Jahre alt) spazieren.
Desweiteren beschäftige ich mich auch gerne mit der Realisierung
schaltungstechnischer Ideen, repariere Geräte aller Art - vom Handmmixer über
Fernseher bis zum defekten Amiga.
Auf menschlicher Seite liebe ich es auch, mit meiner kleinen Kerstin was zu
unternehmen, oder allgemein gut essen zu gehen (italienisch, indisch,
griechisch, mexikanisch ...). Als sportliche Lieblingstätigkeit fällt mir auf
Anhieb Tanzen ein (Standard, Latein), dann auch noch Schwimmen und wenn's sein
muss auch Joggen mit Robert, meinem eifrigen Betatester. Ansonsten
interessieren mich Computer, Amiga ... oder Amiga und unsere Usergroup IMAGE !
Und was ist Dein Lieblingsfilm?
Schwer zu sagen. Ich glaube, es sind die StarWars Episoden.
Was hältst Du von so langen ermüdenden Interviews?
Na - wenn's denn sein muss! Ich finde sie interessant, insebesondere
natürlich als passiver Leser, wenn ich auch mal Einblick in die Geschichte,
Arbeit und Erfahrung anderer Gleichgesinnter haben darf.
Vielleicht noch ein Wort zum Schluss?
Ja.
Einen ganz ganz lieben Dank möchte ich an dieser Stelle meiner
Frau Moni aussprechen. Sie hat einfach alle Gründe, auf meine Amiga
eifersüchtig zu sein... Bei all den endlosen nächtlichen Arbeiten zu EASys!