Könntest Du bitte mal Dich
kurz beschreiben?
Ich entwickle seit 1995 eigenständig EASys! und
wickle meine Tätigkeiten unter dem Namen EasySystem ab.
Weiterhin arbeitet aktuell die ATO (Amiga Translation Organisation)
an der Übersetzung der EASys! Systemresources in folgende Sprachen:
Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch,
Estnisch. Deutsch und Englisch habe ich bereits selbst zur
Verfügung gestellt.
Natürlich habe ich auch "Verbündete", die mir gerne zur
Seite stehen, wenn es darum geht, Betaversionen nach endlosen
Eigeninstallations-Tests erstmals auf Fremdsystemen zu installieren.
An dieser Stelle möchte ich insbesondere Robert Schwandner,
Jochen Franz und aus früherer Zeit Ingmar "InK" Krause
recht herzlich danken.
Ein herzlicher Dank geht insbesondere an verdiente 3rd Party
Autoren, die sich bereiterklärt haben, ihre Software direkt
in die EASys! Distribution aufnehmen zu lassen. Die 3rd Party
Autoren erhalten im Gegenzug gratis eine aktuelle Version des
Softwarepaketes inklusive Support und Upgradeservice. Ohne
3rd Party Software wie MultiNotify (Patrick BURNAND), Play16
(Thomas Wenzel, Deutschland), EaglePlayer(Jan Blumenthal, Rostock)
uvm. wäre EASys! nicht mit vertretbarem Aufwand realisierbar
gewesen.
Auch Andrew Korn und Neil Bothwick von der englischsprachlichen
Amiga-Zeitschrift AmigActive möchte ich an dieser Stelle für die
Abwicklung und Veröffentlichung des aktuellsten Tests von EASys!
in Issue9 herzlich danken!
Seit wann bist Du im Amiga-Bereich tätig?
Das ist eine kleine Geschichte:
1986, direkt nach dem Abitur und nach einer langen Zeit,
in der ich auf C64 begann meine ersten Schritte mit Computern
zu unternehmen, kaufte ich mir eine Amiga 500 mit einem für
damalige Verhältnisse tollen 14 Zoll RGB Farb-Monitor
der Firma Thomson und einem Nec P6 Nadeldrucker. Animiert
dazu hatte mich Andi Klingler, einer meiner besten Freunde,
der zu jener Zeit bereits eine Amiga 1000 besaß. Was für eine
phantastische Maschine das damals war!
Zuerst spielte ich im wesentlichen mit der Kiste, insbesondere
von Spielen wie MarbleMadness und SilentService war ich zu jener
Zeit sehr angetan.
Wie ging es weiter?
Es folgten für's Studium bald Anschaffungen wie BeckerText
und bereits damals erhältliche Mathematik Grafiksoftware.
Damit erwuchs der Wunsch nach einer größeren Amiga. Somit
stand 1988 der Kauf meiner Amiga 2000 auf dem Programm -
eine Zeit, zu welcher es sich schickte, Atari-Usern
paroli zu bieten, einer davon ein guter Studienfreund.
Zuerst noch ohne Zusatzausrüstung, stattete ich meine A2000 dann
bald mit einer 2MB Speichererweiterung von Roßmöller,
einer Big Fat Agnus, einem Kronos SCSI Controller inklusive
sagenhaften 42MB Quantum Festplatte und dem Microway Flicker-
Fixer aus, dazu einen EIZO 9070S 16 Zoll Monitor (1989) ...
eine GVP030/40MHz mit 4MB und SCSI on board (1991) und
einen Sunrize PerfectSound 8Bit-Sampler, mit dem auch die
Samples der EASys! Sprachausgabe aufgenommen wurden.
Programmieren - wie kamst Du dazu?
Die Lust, das Betriebssystem und dessen Programmierung
zu erlernen kam naturgemäß zum Ausbruch. Mit Spielen hatte
ich fortan nicht mehr viel am Hut, denn nichts konnte ich
weniger leiden, als Programme, die meine teuer erstandene
Hardware nicht zu würdigen wussten und im Gegenteil ihre
Zusammenarbeit damit aufkündigten... Ich meine, schon
damals hätten die Mutterfirma und die Masse der Anwender
und Programmierer die Zeichen der Zeit erkennen müssen,
dass die Orientierung an moderner Hardware und modernen
Erweiterungen ein essenziell wichtiger Faktor für den
erfolgreichen Fortbestand eines Computersystems sind
- und sei es noch so fortschrittlich.
Nichts desto trotz brachte ich mir damals studienbegleitend
erstmal das CLI und dann C im Eigenstudium bei (um ehrlich
zu sein: während langweiliger Vorlesungen), während 68000er,
sowie 8080 Assembler und Fortran77 auf dem offiziellen
Studienprogramm standen.(F77 das gab es damals auch für
Amiga, so wie alles, was damals professionellen touch
in der Computerwelt innehatte.)
Bewaffnet mit diesem Rüstzeug und einem Stapel Amiga-Bücher,
die ich kaufte, machte ich mich dann auf, in die interessante
und ergreifende Welt des Amiga OS ..
Was waren Deine ersten größeren Projekte?
Nunja ...
Viel Zeit verbrachte ich kurz darauf mit der Anschaffung
von TeX und dessen Einrichtung auf dem eigenen System,
sowie der nahtlosen Einbindung diverser Programme wie
beispielsweise GnuPlot in TeX, um sogenannte Ortskurven
für elektronische Schaltungen in Zusammenarbeit mit dem
Schaltungssimulations Programm SPICE (welches es auch
für Amiga gibt) erstellen zu können.
Hier stellten sich, wie das bei Amiga nunmal so ist,
immer neue und interessante Aufgaben. Beispielsweise
hatte sich ein Studienkollege einen HPGL Einzugplotter zuge-
legt und wollte diesen zum Ausdruck von o.g. Ortskurven
verwenden - so schrieb ich ihm dafür einen kleinen
Treiber. Die TeX-Arbeitsumgebung entwickelte sich somit
zu einer voll integrierten Arbeitsumgebung, die ich nach
und nach mit allem erdenklichen Komfort ausstattete.
EASys! ist ja bekanntermaßen hauptsächlich in ARexx programmiert.
Wie und wobei hattest Du erstmals ARexx-Kontakt?
Bei diesen Tätigkeiten hatte ich erstmals meine mit
OS 2.x erworbenen Kenntnisse in ARexx zum Einsatz gebracht.
Zuerst war ich noch verwundert wozu man denn eine Sprache
bräuchte, mit der man andere Programme steuern konnte -
ich dachte mir, Programme bediene ICH doch, wozu soll
ich sie dann vom Computer sozusagen fernbedienen lassen?
Doch bald wusste ich es besser, dass genau dies der
Grundstock für den enormen Wert des Amiga Betriebssystems
war, denn mit ARexx bestand erstmals ein echter bis in
kleinste Programme gesetzter Standard zur Anwender
unterstützenden Verknüpfung der Fähigkeiten vieler verschiedener
Programme auf einem stabilen Multitasking System. So, wie es bis
heute auf keinem anderen System so durchgängig verfügbar ist.
Welchen Zusammenhang hat das nun mit EASys ?
Mit allen gerade genannten Voraussetzungen war auch der Grundstein
für EASys! gelegt: Auch das OS sollte meiner Meinung nach
von den Stärken des Amiga Betriebssystems und den dadurch
offenstehenden Toren zur Welt moderner Computerbedienung
profitieren können. Die Fähigkeiten des Betriebssystems
und der vielen guten existenten Programme warteten buchstäblich
darauf, genutzt zu werden, indem sie nur vorteilhaft genug
miteinander verknüpft wurden, anstatt das Rad wieder und wieder
von neuem zu erfinden. Ich machte mich an die Arbeit...
Arbeitest Du mit anderen Gruppen/Firmen zusammen?
Ja. Einerseits kann ich auf das Wissen und die Kommunikation
in meiner UserGroup IMAGE (Interessengemeinschaft mittelfränkischer
Amiga Enthusiasten) zurückgreifen, andererseits habe ich zur
Realisierung des Projekts auch Kontakt zu den Entwicklern
diverser 3rd Party Software aufgenommen.
Während meines Studiums arbeitete ich eng zusammen mit meinem
Freund Jens Hellmerichs, mit dem ich damals studierte. Wir schrieben
mit SAS/C eine nie veröffentlichte Bibliothek zur einfachen
Programmierung von Intuition (also der Anwenderschnittstelle von Amiga).
Als Produkt entstand dabei ein "Mensch Ärgere Dich nicht" Spiel für
ECS/AGA, welches sich noch heute auf meiner Amiga 4000D inklusive
68060 MKII/SCSI und Cybervision64/3D reibungslos spielen lässt.
Desweiteren entstanden noch ein paar weitere kleine Programme.
Seit der Messe HEW'99 stand ich in engem Kontakt zu
Petro Tyschtschenko und Jürgen Haage sowie mit Haage&Partner.
Ich beabsichtige in diesem Zusammenhang, mit einigen in EASys!
eingeführten Techniken moderne Standards für zukünftige Amiga
Betriebssystem Software zu setzen.
Die Firma Eternity, die ich bereits bei der ersten öffentlichen
Präsentation von EASys! auf den Magischen Tagen von Trier, April 1998
in der Person des netten und sehr aufgeschlossenen Herrn Martin Wolf
kennenlernte, ist nun auch mein Vertriebspartner für das Softwarepaket.
Martin erkannte schon damals, dass sich mit der von mir vorgeführten
Software eine Marktlücke im Amiga-Segment schließen ließe. Doch ich
wusste damals noch zu genau um die mangelnde Marktreife der Software,
speziell wenn es darum ging, diese auf fremden und bekanntermaßen
wild zerpflückten Systemen sicher und stabil zu installieren.
Weiterhin war und ist es mein oberstes Ziel, ein für jeden Anwender
leistungsfähiges und gleichzeitig einfach zu bedienendes System
zur Verfügung zu stellen. Dazu musste noch einiges getan werden.
Seit Jahreswechsel 1999/2000 ist es soweit ... die konsequente
Nutzung von neuer OS3.5 Funktionalität eröffnet dem Anwender
dabei bisher ungeahnte Welten...
Was ist EASys! ?
Welchen konreten Nutzen hat der Anwender?
EASys! ist der derzeit wohl umfangreichste System Enhancer für Amiga OS 3.x
Der Anwender profitiert unmittelbar von allen Vorzügen des AmigaOS und
von einer auf die täglichen Bedürfnisse der Computernutzung
abgestimmten Arbeitsumgebung, die sich nicht nur auf die Workbench
beschränkt, sondern Anwendungsübergreifend zur Verfügung steht.
Anders, als Produkte mit vergleichbarem Ansatz, wie z.B.
SCALOS oder Directory Opus Magellan, die ja als kompletter
Workbench Ersatz fungieren, handelt es sich bei EASys! um
eine konsequente Erweiterung der Classic Amiga OS Arbeits-
oberfläche Workbench - wenngleich der Einsatz als Ergänzung
zu diesen WB-Ersatzprogrammen durhaus sinnvoll sein kann (siehe
Anmerkungen im Testbericht AmigActive, Issue9, Juni 2000).
So stehen dem Anwender direkt nach der Installation viele
praktische Helferlein (EasyWizards) zur Seite:
- Ein auf den täglichen Nutzer-Bedarf abgestimmtes
und umfangreich erweitertes und durchdacht strukturiertes
Workbench-Menü zur Arbeit mit Dateien, zum Start von
Programmen und zur Nutzung aller Möglichkeiten des Internet
- Eine umfangreich vorkonfigurierte Toolbar, sowohl
zum Start verschiedener Programme, als auch zum konsequenten
Drag&Drop von Dateien der Workbench, um sie sofort mit ausgewählten
Programmen zu nutzen und zu bearbeiten.
- Die Möglichkeit, Dateien und Verzeichnisse auf
der Workbench auszuwählen und mit einem weiteren
Mausklick versandfertig in einer neuen eMail zu haben.
- Die Möglichkeit 'Multithreaded' Dateioperationen
auf der Workbench durchzuführen - die Workbench ist
dabei nicht blockiert. Automatisches Versionsmanagement
bei Überschreiben älterer Dateien sowie informative
Dateiinformation zu Quell- und Zieldatei inklusive
Versionsangabe bei Überschreibaktionen.
- DDconv, das auch auf der Disribution vertrieben wird,
bietet dem Anwender EINE einfach zu bedienende Schnittstelle
zur Konvertierung fast aller gängigen Dateiformate (Grafiken,
Sounds, Archivdateien, Textformate, ...) . So etwas
gibt es mit DDconv auf Amiga erstmalig in der Computerwelt.
DDconv ist auch in der Lage Batchkonvertierungen zu erledigen
(das heißt z.B. die Konvertierung aller in einem Verzeichnis liegenden
Dateien in einem Schwung).
Und wie werden nun die Funktionen "anwendungsübergreifend"
nutzbar - wie oben genannt?
- EASys! bietet virtuelle Laufwerke zur Nutzung der
EASys! Leistungsmerkmale direkt aus allen Anwendungen,
die in der Lage sind, Dateien zu speichern. So ist es
auch möglich, beispielsweise im Soundprogramm einen
Text aufzusprechen und zu digitalisieren, diesen dann
als Datei in AS_EasyMail: zu speichern. Schon steht
die Sprachnachricht in einem neu geöffneten eMail
Formular versandfertig bereit. Ein anderes Beispiel:
Eine handschriftliche Nachricht auf Papier soll versandt
werden - sie wird gescannt, wieder als Datei in
AS_EasyMail: gespeichert und steht sofort versandfertig
bereit. Auch zur Präsentation, weiterverarbeitung und
zum Ausdruck von Dateien aller Art stehen derartige
virtuelle Laufwerke zur Verfügung.
Bei EASys! fällt auch häufig der Begriff "Reference"
- was hat es damit auf sich? Welche Vorteile hat eine Referenz?
- Das mit EASys! eingeführte "Reference" Konzept
erlaubt die zentrale Verwaltung von Programmen, die
für bestimmte Aufgaben zuständig sind. Soll z.B.
eine Musikdatei, die in EasyWizards, SimpleFind,
IBrowse oder YAM zur Anzeige gebracht wird, nicht mehr
mit Hippoplayer, sondern ab sofort nur noch mit
EaglePlayer abgespielt werden, so ist lediglich durch
Nutzung des "Reference-Editors" die Referenz für das
MultiTracker Programm auf den Pfad von EaglePlayer einzustellen.
Fortan verwenden EasyWizards, SimpleFind, YAM und IBrowse automatisch
EaglePlayer - vorausgesetzt, sie wurden einmal statt mit direkten
Pfaden für Mime-Types, mit den jeweiligen EASys! Referenz-Aufrufen versorgt.
YAM wird während der Installation bereits automatisch konfiguriert,
während z.B. IBrowse, AWeb oder Voyager noch einmalig vom Anwender
bearbeitet werden müssen. Ein hervozuhebender Vorteil dieser
Referenzierung von Aufrufen, Pfaden und Programmoptionen ist,
dass durchgängig im gesamten System auf eine einmalig festzulegende
Quelle zugegriffen wird. Für den Anwender werden also immer und
überall die Programme zum Einsatz gebracht, die er aktuell
für bestimmte Anwendungsbereiche bevorzugt. Durch die mitinstallierte
Vorbereitung des Systems wird auf diese Anwender-Referenzen auch bei
der Nutzung von Aminet-CD-Guides automatisch zugegriffen.
Warum hast Du Dich entschieden, Deine Software auf Amiga zu entwickeln
und nicht auf gewinnbringenderen Märkten wie Mac oder PC?
Amiga ist nunmal mein lieblings-Compuersystem. Dies ist sicher
der Hauptgrund. Ein weiterer Grund hierfür ist natürlich auch
die einfachere und effektivere Art der Programmierung des
Amiga Compuersystems. Ich habe Mittel und Wege, die mich
schneller zum Erfolg, zur Realisierung meiner Ideen bringen,
als dies auf anderen Computersystemen möglich wäre - trotz
aufwendiger Programmierumgebungen, die leider bei uns noch
Mangelware sind.
Was ist Dein aktuellster Titel bzw. was für Sachen liegen in der
nahen Zukunft an?
EASys!, EASys! ... und EASys! - was sonst :)
Das Softwarepaket wird kontinuierlich
weiterentwickelt. Während einerseits geplant ist, verschiedene
Teile als neue Softwarestandards zu etablieren, gibt es täglich
neue Einfälle für das nächste Update (im Rhythmus von ca. 1/4 Jahr).
Die rege Teilnahme an der Ideenfindung für innovative Anwenderkonzepte
ist ein wichtiges Ziel meines engagierten Kundensupports. Im Mittelpunkt
aller Tätigkeiten stehen die Bedürfnisse der Anwender. Amiga soll in
Punkto Nutzung anderen Computersystemen auch heute, morgen, übermorgen
in nichts nachstehen.
Welche sind Deine Lieblingsspiele auf Amiga?
MarbleMadness, ... Lemmings 2!
Ist Amiga Dein hauptberufliches Betätigungsfeld oder ist es für Dich
eher nur ein "Nebenjob"?
Wohl eher Nebenjob. Derzeit wäre es sicher kaum möglich, am Amiga-Markt
auch mit einem noch so begehrten Softwaretitel sein Brot zu verdienen.
Ich sehe meine Tätigkeiten für EASys! eher als einen Dienst an der
Gemeinschaft an, selbst wenn jetzt einige einwenden werden, ich kassiere
dafür ja auch Geld. Doch wenn man mal nachrechnet, wieviel Zeit, Ärger
und Schlaf dieses Projekt ununterbrochen verschlingt, dann wird mir sicher
die Mehrzahl der Anwender zustimmen, dass es sich dabei allerhöchstens um
eine kleine Entschädigung handelt. An dieser Stelle möchte ich allen
bereits "easy" dahinwerkelnden Easyanern danken, dass sie sich für diese
richtungsweisende Software entschieden haben.
Was machst Du hauptberuflich?
Ich bin als Software Support Ingenieur bei Siemens beschäftigt.
Dort arbeite ich in einem Projekt, das für einen deutschen
Stromerzeuger eine Anlage erstellt, die aus 200 vernetzten
UltraSparc-II Unix Systemen besteht, welche - mit einem sogenannten
Netzleit-Softwaresystem ausgestattet - das Stromnetz großer Teile
Deutschlands automatisch überwachen und steuern hilft. Ich selbst bin
dabei tätig im Gebiet der Installation der Software, ihrer Konfigurierung,
Datenbank-Parametrierung, Tests und Fehlerbeseitigung in der
Kommunikationssoftware, sowie Inbetriebsetzung vor Ort uvm.
Eine Tätigkeit also, von deren Know-How EASys! und seine Anwender
gewissermaßen schon oft profitieren konnten. Aufgrund meiner
häufigen Arbeiten mit Unix-Systemen bin ich aber auch kein
Fan von Linux und Konsorten.
Welche Dinge - Software, Hardware, ... - vermisst Du für Amiga?
... einen Notebook-Classic-Amiga! Naja, auf meinem Notebook,
das ich von der Firma habe, läuft ja bereits WinUAE mit meiner
Workbench 3.5 in 1024x768 Auflösung mit 16 Bit. Immerhin ist
somit Amiga in 68020er oder 68030er Geschwindigkeit nutzbar,
doch ich finde, erst wenn ein WinUAE mit annähernd 060er
Geschwindigkeit läuft, könnte ich mich damit so richtig
zufrieden geben. Mal sehen was neuere Prozessorgenerationen
da noch ausrichten können!
... und als Sortware ...
Eine Entwicklungsumgebung mit WYSIWYG GUI Editing Machine,
mit der ohne langwierige Eigenarbeit moderne Anwenderschnittstellen
zu neuen Programmen erstellt werden können. Sicher gab es auch hier
in der Vergangenheit auch bereits gute Ansätze, doch gibt es bis
jetzt immer noch keine annähernd wirklich gute Standardsoftware
zu diesem Zweck.
Ich vermisse in diesem Zusammenhang insbesondere, dass sich mal ein
paar Entwickler zusammentun, und beispielsweise gemeinsam auf diese
Weise Standards festlegen, wie z.B. folgendes:
Schon lange gibt es immer wieder Software für
Amiga, die ein wirklich gutes GUI Konzept aufweist, wie z.B. GoldEd's
GUI Classes, fxPaint's Anwenderschnittstelle, GlobalTrash's
Bedienerelemente, ... Wie wäre es denn nun, wenn sich die Leute
mal zusammentun, alles in einen Topf werfen, rumrühren und diese
absolut modernen aber hinderlich proprietären Früchte schweißtreibender
Arbeit in einem WYSIWYG GUI-Editor zusammentragen würden? Niemand
bräuchte mehr davor zurückschrecken, eine ausgefeilte Benutzeroberfläche
zu programmieren, ansprechende Anwendungen würden wieder wie Blumen
im Mai aus dem Boden sprießen, die Räder wären erfunden und bräuchten
nicht wieder von jedem neu erfunden zu werden. Die Anwender würden
sofort von ihren anpsrechenden Benutzeroberflächen profitieren, sie
bräuchten sich nicht bei jedem Programm wieder auf neue Bedienelemente
einzupendeln, sondern würden gemäß ergonomischen Software Richtlinien
mit EINER klaren Benutzerführung konfrontiert.
Ich finde, wir haben schon genug Hickhack gehabt. Wie wäre es denn,
wenn wir uns mal wirklich alle aufraffen würden und an einem Strang
ziehen, wenn wir endlich mal zeigen würden, dass wir wirklich eine
Gemeinschaft sind, statt dies nur dauernd zu behaupten?
Für welche Prozessorhardware programmierst Du speziell? 68k oder PPC?
Ich entwickle ganz allgemein für 68k (setze aber mindestens 68030 voraus),
da ich selbst kein PPC Board besitze. Zwar gibt es mittlerweile einige
interessante Ansätze, die sehr dazu verleiten, sich doch noch ein PPC Board
inklusive CyberVisionPPC o.ä. zuzulegen, jedoch erscheint mir mein System
(MKII060/50 MHz + SCSI, 72MB FastRAM, CyberVision64/3D inkl. Scandoubler)
mehr als genug leistungsfähig, weshalb ein Umstieg derzeit nicht in Frage kommt -
ganz abgesehen von den Verzögerungen, die sich bei den Weiterentwicklungen
von EASys! einschleichen würden, weil so eine Hardware-Umrüstung immer
mit größeren Problemen verbunden ist.
Planst Du, in Zukunft AmigaNG zu unerstützen, oder arbeitest Du bereits
an einem solchen Projekt?
Vorerst arbeite ich sicher noch eine geraume Zeit weiter an EASys!
Wenn AmigaNG greifbarer wird, werde ich sehen, inwieweit mir die
neue Umgebung zusagt, und inwieweit ich dort Möglichkeiten zur
Verwirklichung meiner Vorstellungen sehe. Ich hoffe, dass insbesondere
der Anwender das Maß der Dinge wird und nicht zuviel Augenmerk auf
technische Details verloren werden. Die Software machts und ihre
Fähigkeiten sowohl was einfache Realisierung angeht als auch was
die ungehinderte (!) Verwendbarkeit existierender Dateiformate anbelangt.
Wirst Du Classic Amiga immer noch unterstützen, wenn AmigaNG
erhältlich ist?
Wie ich bereits sagte:
Vorerst werde ich ununterbrochen weiterhin Classic Amiga
unterstützen. AmigaNG ist derzeit noch zu undfiniert und
ungreifbar. Das kann sich natürlich ändern, wenn konkretere
Fakten - insbesondere der Anwenderschnittstelle - bekannt werden.
Ich schätze, dass in dieser Richtung erst ab Jahreswechsel
2000/2001 mit planbaren Fakten zu rechnen ist.
Planst Du auch, Teile Deiner Software auf anderen Plattformen
zu veröffentlichen?
Nun, aus aktueller Sicht ist das zeitlich nicht möglich, da ich
neben meiner Ingenieurstätigkeit und meinem Engagement im Amiga-Markt
auch noch ein lieber Ehemann für meine Moni und ein lieber
Papi für meine zweieinviertel Jahre alte Tochter Kerstin sein will.
Dennoch - einer Bekannten habe ich jüngst erzählt, was ich mit
EASys! so alles für Amiga realisiert habe, da meinte sie, sowas
wäre doch toll, wenn es das auch für PC geben würde...
Bist Du dafür, Amiga Software - unbeachtet des Umfanges - zukünftig
generell auf CDROM zu veröffentlichen?
Ja. Disketten haben einfach für Softwaretransfer ausgedient.
Allerhöchstens, um mal ein paar Dateien von A nach B zu schaffen, wenn
keine Netzwerkverbindung existiert, macht das noch Sinn. Eine CDROM
ist leichter als eine Diskette, sie ist im allgemeinen schneller
gebrannt als die gleiche Datenmenge auf Floppies kopiert, sie
bietet Platz für umfangreiche Softwareprojekte wie z.b. EASys!
Und wie siehst Du die Zukunft von DVD für Amiga?
Wenn sich die DVD mal so richtig am "normalen" Consumermarkt
platziert hat, wird es auch nicht mehr lange dauern, bis wir
mit DVD Support rechnen können. Allerdings wird wahrscheinlich
wie immer erst noch einige Zeit vergehen, bis vernünftige
Lösungen auch für Amiga erhältlich sind :)
Welches Computersystem benutzt Du privat?
Na welches schon? Amiga!
Um genau zu sein: Amiga OS3.5 mit EASys! in der aktuellen Fassung :)
Alles drauf, alles drin. Ich bin damit "drin"! Die Hardware-Ausstattung:
Amiga 4000 Desktop, 68060 50MHz MK-II mit 72MB FastRAM und SCSI-MK-II,
CyberVision64/4D mit Scandoubler, 2.2GB Quantum Ultra II SCSI Platte,
IOblix Parallel/Seriell-Karte, Epson Stylus Color 600, ein Split-Keyboard
von Lenco am Micronik Tastaturadapter und eine 4Dplus 2-ScrollRad Maus am
seriellen Port. Dann noch ein Syquest 270MB Wechselplattenlaufwerk
(auch als Notfall-Bootdisk nutzbar), ein Toshiba XM3701 CDROM und
ein Yamaha CDRW 6-4-16 Brennerlaufwerk sowie ein popeliges
14.4 kBit Modem, das bald durch ein 56 kBit Modem ersetzt wird.
Was hältst Du von der momentanen Amiga Situation?
Es ist nicht schön, wie von vielen Seiten das Classic Amiga
System einfach links liegengelassen wird. Man stelle sich mal
vor, wie unglaublich schnell ein Amiga OS native auf der IBM
Plattform laufen würde, die H&P auf der Messe HEW'99 ausgestellt hat.
Wenn dann noch die richtige Software dazu geschrieben wird, stünde
einer guten Zukunft nichts im Wege. Sicher, es gibt immer Leute,
die mäkeln herum, dass im AmigaOS moderne Dinge wie Speicherschutz
fehlen würden, sicher das wäre schön, aber ist das wirklch das
Maß aller Dinge, vor allem das, wovon der 0815-Anwender, um den
es letztenendes geht, einen echten Vorteil hat?
Die Vorteile für den Kunden ergeben sich aus einem guten
modern durchgestylten und aufeinander abgestimmten GUI-Konzept,
einer verfügbaren Hardware, auf der das System ordentlich schnell
läuft und aus der Nutzbarkeit etablierter Dateiformate. Das alles
sind Dinge, die nur einer engagierteren Softwareentwicklung
bedürfen - das OS hat alle Voraussetzungen dazu - natürlich
bräuchten wir auch eine kauffreudigere und vor allen Dingen
wieder eine größere Anwenderschicht.
Wie stellst Du Dir genau die Zukunft für Amiga vor?
Welche Rolle spielt dabei der Endanwender?
Schon zu oft und zu lange ist der 0815-Anwender auf dem
Amiga-System für tot erklärt worden, oder er wird einfach
mit Sätzen wie "was bist Du denn für einer - kennst Dich ja
noch nichtmal mit so einfachen Sachen aus ..." weggeschoben.
Dennoch gibt es (glücklicherweise) noch genug Normalanwender.
Gerade den Anwender, der halt mal diese Maschine benutzen möchte,
brauchen wir aber und wir (die Softwareentwickler) müssen ihn, wo
wir nur können unterstützen, denn von einer Freakgemeinde, die
sich irgendwie sowieso alles selbst strickt kann auch
ein Amiga-Markt nicht leben, wohl aber von Anwendern, die
bereit sind, in ihre Maschine zu investieren, die bereit
sind, Leistung durch Gegenleistung zu erwerben. Wer hier von
Abzocke redet, dem werfe ich vor, dass er Diebstahl für
rechtmäßig erklärt - sicher, bis zu einem gewissen Grad
kann man natürlich Gratisleistung erbringen (mal ein kleines
CLI-Utility z.B.), aber alles kann es nicht für lau geben.
Hast Du eigentlich eine Homepage?
Ja. Die ist aber schon seit langer langer Zeit nicht mehr
überarbeitet worden. Vielleicht gibt es noch ein paar Links drauf,
die noch funktionieren :)
http://www.fen-net.de/thomas.neidhardt
Wie bist Du am besten zu erreichen - per eMail oder Schneckenpost?
Per eMail natürlich.
MailTo: thomas.neidhardt@fen-net.de
Telefonsupport gebe ich in Ausnahmefällen nach Vereinbarung.
Wie gefällt Dir eigentlich das AmigaFuture Magazin?
Ein vorbildlich gestaltetes Magazin mit breiter Abdeckung
des Amiganer's Interessengebietes. Macht weiter so! Ich finde
gut, dass es keine reine Spielezeitschrift ist. Wie wär' mal
mit einem freundlichen Lächeln des Chefredakteurs auf dem Editorial?
Was denkst Du über das Insolvenzverfahren von Phase5?
Eine Sache die nicht hätte sein müssen, denn auch dies
ist in meinen Augen zu großen Teilen eine Folge der mangelnden Kooperation
von Firmen auf dem Amiga-Markt, des mangelnden Aufrüstwillens (Modernisierung
des eigenen Systems) in der Amigagemeinde (schon seit jeher) und natürlich eine
Folge der Fehlentscheidungen A\Box und B\Box. Eine Sauerei ist natürlich, wie
bei diesem Verfahren mal wieder mit Amiga-Kunden umgegangen wird - ganz so
als gäbe es keine Kunden und deren Grundrecht auf Eigentum.
Hast Du ein Maskottchen?
Hmm... ich glaube nicht!
Wenn dann ... eine Uli-Stein-Maus.
Was sind Deine (anderen) Hobbies?
Ich spiele sehr gerne Klavier (Boogie, Blues, Eigenkompositionen,
aber auch mal Klassik), fahre gerne meine BMW R65 (18 Jahre alt)
spazieren. Desweiteren beschäftige ich mich auch gerne mit der
Realisierung schaltungstechnischer Ideen, repariere Geräte aller
Art - vom Handmmixer über Fernseher bis zum defekten Amiga.
Auf menschlicher Seite liebe ich es auch, mit meiner kleinen
Kerstin was zu unternehmen, oder allgemein gut essen zu gehen
(italienisch, indisch, griechisch, mexikanisch ...). Als sportliche
Lieblingstätigkeit fällt mir auf Anhieb Tanzen ein (Standard, Latein),
dann auch noch Schwimmen und wenn's sein muss auch Joggen mit Robert,
meinem eifrigen Betatester. Ansonsten interessieren mich Computer,
Amiga ... oder Amiga und unsere Usergroup IMAGE !
Und was ist Dein Lieblingsfilm?
Schwer zu sagen.
Ich glaube, es sind die StarWars Episoden.
Was hältst Du von so langen ermüdenden Interviews?
Na - wenn's denn sein muss!
Ich finde sie interessant, insebesondere natürlich als
passiver Leser, wenn ich auch mal Einblick in die Geschichte,
Arbeit und Erfahrung anderer Gleichgesinnter haben darf.
Vielleicht noch ein Wort zum Schluss?
Ja.
Einen ganz ganz lieben Dank möchte ich an dieser Stelle meiner Frau Moni
aussprechen. Sie hat einfach alle Gründe, auf meine Amiga eifersüchtig zu sein...
Bei all den endlosen nächtlichen Arbeiten zu EASys!