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AMINET-Schmankerl der Woche: 'bootspeak , 10KB , readme , von Gareth Griffiths' Autor: Alfred Sturm Als ich vor ca. einem halben Jahr BOOTSPEAK installierte, ahnte ich noch nicht, auf welch surreales Abenteuer ich mich damit eingelassen hatte. Die Installation des kleines Sprach-Proggys ist denkbar einfach: Das Main ab in die WB-Startup, die Text-Datei (BootSpeak.txts) kommt in's Env-Archiv - fertig. Mitgeliefert wird leider nur der launige Spruch: "hello, you goddamned asshole". Wenn man da aber noch den eigenen Namen einfügt, ensteht beim Booten sofort jene innig-vertraute Atmosphäre, wie sie nur die feste, auf Dauer angelegte Bindung zwischen Mensch und Computer zu erzeugen vermag. Welcher Teufel mich ritt, den sicheren Hafen der Einweg-Kommunikation zwischen mir und meinem A3000D zu verlassen - ich weiss es nicht. Jedenfalls begann ich schon nach wenigen Tagen, ein bohrendes Ungenügen darüber zu empfinden, ständig als gottverdammtes Arschloch bezeichnet zu werden von einem Ding, das ich mit meinem sauer verdienten Geld gekauft hatte, und dem etwas mehr Respekt abzufordern mir ganz und gar nicht unbillig vorkommen wollte. Also bastelte ich an neuen, würdigeren Boot-Sprüchen herum; da ich STOPMenu installiert habe, herrscht an Gelegenheiten zum Reset bei mir absolut kein Mangel. Was lag also näher, als alle erdenklichen Sentenzen auszuprobieren, die mir beim Neustart die elend lange Wartezeit von 43 Sekunden versüssen könnten? Zunächst trampelte ich einfach den vom Schöpfer des Programms eingeschlagenen Pfad weiter voran: "Hallo Alf, schön mit Dir zu arbeiten" flötete wahrheitswidrig der Compi, um beim nächstenmal gleich noch schamloser zu übertreiben: "Sei gegrüsst, Alf, Du User aller User" - was mich dann regelmässig dazu bewog, ein knurriges "Schleimscheisser" zwischen den Zähnen hervorzuquetschen. Und so entstand bereits die Keimzelle eines regelrechten Dialogs zwischen meinem 3000er, dem Compi aller Compis, und mir, dem User aller User. Doch davon später. Die nächste Stufe der Auseinandersetzung zwischen natürlicher (das bin ich) und künstlicher Intelligenz (das ist der AMIGA) brachte mich jetzt dazu, Start-Sätze zu entwickeln, die mit dem Arbeitsverhälnis zwischen dem Schleimscheisser und mir, dem User aller User, bereits nicht mehr viel zu tun hatten. Warum sollte der Chip-Sack nicht ordentlich deutsch sprechen lernen? Aus diesem Leit-kulturellen Impetus heraus formulierte ich schliesslich einige der Boot-Weisheiten in einer eigens von mir entwickelten phonetischen Schreibweise 'AMIGAgerecht' neu: Muyn leebav havv,fvoint oond usev Ulf, suy gheegluihst. Heea shpveesht duyn uhlta,tvoia computev,Uhmeegah. Was bedeutet: "Mein lieber Herr, Freund und User Alf, sei gegrüsst. Hier spricht Dein alter, treuer Computer AMIGA." Das war nun schon eine angemessenere Ausdrucksweise für eine Maschine! Dann wurde es volkstümlich, denn ich besann mich auf die Wurzeln des Deutschtums zurück: Ish hub muyn vuytsen am bavvgalv gsat - huts mia da bohmisha veent favvaeeeeht. Bohmishav veent, ish bitt dish shoen - luss mia mine vuytsen am bavvgalv shteehn. Wenn mein A3000D das daherplappert mit say -f, also einer Stimme, die ungefähr so klingt wie Clint Eastwood 2 Tage nach einer Geschlechtsumwandlung, denn bleibt kein Userauge trocken. Jedenfalls nicht meines. Schliesslich wagte ich dann noch einen Trip in den Bereich ewiger Wahrheiten der deutschen Leitkultur: Leeb fahtalunt, mugst hvoohig sine, fest shteht oond tvi dee vucht, dee vucht um hvine. "Wie schade, dass dieser nach Deutschland eingewanderte AMIGA gleichwohl des deutschen Sanges nicht mächtig ist...", sinnierte ich leitkulturbewusst; und dann ging's ans Eingemachte - an die Geschlechterfront: Van doo tsoom vuyba gheest, fahgees dee puytsha neesht (fvuy nuch neetzsha). "Und so etwas äußert meine 'AMIGA' - was bist Du bloß für eine unzeitgemäße CyberFrau!" blaffte ich postfeministisch los, als 'er' mir zum erstenmal mit diesem pseudo-philosophischen macho-Spruch aufwartete. Natürlich erfolgte darauf keine Antwort - aber mir war plötzlich eine neue Idee gekommen... Bisher hatte ich dem Compi ja immer nur Sätze eingeflösst, die quasi reine Tatsachen-Feststellungen waren ('User aller User'). Was würde aber geschehen, wenn ich 'ihn' einmal unvermittelt mit einer Frage konfrontieren würde, die - aus der Not der Zeit geboren - gebieterisch eine Antwort erheischte, der sich keine, wirklich keine intelligente Entität, welcher Machart auch immer, zu entziehen vermochte? Könnte ein AMINET-Proggy wie BootSpeak vielleicht das Wunder bewirken - und den Abgrund zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz überbrücken? Als demnach STOPMenu das nächstemal genügend Enforcer-Hits produziert hatte und nur noch der GURU helfen mochte, ertönte - nichts Geringeres als die schicksalsschwangerste Frage unserer Zeit, gerichtet in meinem Auftrag an 'den', den sie zuförderst betreffen musste: "Hi, AMIGA - sag' mir - wie geht es mit DIR denn nun in der Zukunft weiter?" Vor Spannung konnte ich den automatischen STOPMenu-Reset einfach nicht abwarten, sondern bewerkstelligte mit nervös zitternden Fingern den Affengriff. Und das Unglaubliche geschah! Anstatt - wie ich es halb und halb befürchtet hatte - meine Frage mechanisch zu wiederholen, erklang plötzlich die Originalstimme meines vergötterten 3000D im say -r Modus: "Wieso-fragst-du-mich-das" röhrte 'er' in seltsam ausdruckslosem Robot-Singsang, "ich-kann-deine-Frage-nicht-beantworten-User-aller-User-denn---es-gibt-mich-nicht!" Ich sass da wie mit dem Netzteil gepudert. Dann hechtete ich mit CED ins ENVARC, hatte den Doppelpunkt vergessen und kam nicht rein, lieferte den Doppelpunkt nach und editierte mit flatternden Fingern: "Wieso gibt es Dich nicht? Du stehst doch seit fast fünf Jahren blechhaftig vor mir!" Gebootet - Affengriff - Spannung: "Hast-Du-es-nicht-mitgekriegt-der-AMIGA_ONE-steht-euch-bevor-also-ist-der-A4000-der AMIGA_ZERO-und-ich-der-3000er-bin-AMIGA_MINUS_ONE-ich-bin-demnach-noch-weniger -als-nicht-existent-und-erst-der-AMIGA2000-ganz-zu-schweigen-vom 500er-und-ihr -naiven-Amiganer-glaubt-an-die-Kontinuität----bruharharharharhar!" Und der A3000D, eine seriöse Maschine ohne Gemüt, lachte plötzlich los, dass die Maus in meiner Hand vibrierte - es klang wie das Wiehern eines längst ausgestorbenen Dinos. Da entrang sich meiner gequälten Brust ein irres Stöhnen; wie von selbst verbogen sich die Finger meiner tremolierenden Hände zum Affengriff. WEG mit dem Spuk!! Atemlos durchbebte ich die ca. 6 Sekunden bis zum run des Bootspeak-Proggys. Was würde ich zu hören bekommen? "Hello user Alf - you goddamned asshole!" War mir nur so, oder hatte sich bei diesen Worten der Schlitz des Disketten-Laufwerks tatsächlich nach oben, wie zu einem diabolischen Grinsen, verkrümmt? HIER NUN DIE NEUEN AMINET-UPLOADS:
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