Heise: Microsoft schießt gegen Open Source (Meldung)
Cpt Future (20-Feb-2001, 11:49)
an Anonym:
Respekt, du traust dich ja richtig, deine Meinung zu sagen.....
an Martin:
Alles in allem ist dein text argumentativ OK uns stützt sich in sich selbst. Es scheint der erste text (neben dem von McGreg), der sachlich versucht, die Dinge zu erläutern.
>wenn das genau so wäre, wie Du behauptest, dann dürfte es z.B. auch keine
>Zivis in der Altenpflege usw. geben, da sie den professionellen
>Altenpflegern (die es ja unzweifelhaft gibt), die Jobs wegnehmen.
Im engeren Sinne hast du vollkommen recht. Bei einem vollkommen (also marktwirtschaftlichen) Arbeitsmarkt würden jeweils sagen wir 3 Zivis dafür sorgen, dass es einen professionellen Pfleger weniger gibt.
Aber... *hol luft* auch in diesem Markt haben wir es eben _nicht_ mit einem vollkommenen Markt zu tun, so dass dieses Beispiel (im Übrigen wieder mal Gemeinwohl, anders als ein OSP) ganz stark in die richtung des Feuerwehr-Beispiels tendiert. Warum? Ganz einfach. Die Leistung darf - gesetzlich vorgeschrieben - nur nach bestimmten Staffeltarifen an den Kunden verkauft werden. Soweit ich weiß zählen dort 3 Härtefallstufen. Danach muss der Kunde bezahlen. Weil der Staat (und immer wenn der Staat eingreift, handelt es sich eben _nicht_ um einen vollkommenen Markt) so verhindern möchte, dass ein Mensch, nur weil er z. B. einen Unfall hatte, nicht soviel bezahlen kann, um weiterzuleben (->Sozialstaat).
Im Klartext heißt das für das Unternehmen, dass in der Altenpflege tätig ist, dass nur ein begrenztes Einkommen durch einen Patienten erzielen. Sie haben folglich auch nur begrenzte Mittel, um den Betrieb zu finanzieren. Deshalb sorgt der Staat dafür, dass es "billige" Zivis gibt, die der Unternehmer bekommt, um mit seinem begrenzten Kapital die Arbeit verrichten (lassen) zu können.
Das Resultat ist wie gesagt ähnlich wie die Feuerwehr, nur dass bei der Feuerwehr gesetzlich vorgeschrieben ist, dass sie ÜBERHAUPT KEIN Geld für ihre Leistung nimmt, und dass die Altenpflege nur BESTIMMTES Geld für ihre Leistung nehmen darf.
>Denn gäbe es keine Zivis, dann bräuchten wir mehr Altenpfleger usw. (das >kannst Du auf alle Bereiche, in denen Zivis eingesetzt werden übertragen).
>Das diese Bereiche dann nicht mehr zu bezahlen wären, mal ganz ausseracht
>gelassen.
Wie gesagt sorgt der Staat so dafür, dass die geringe Verdienstmöglichkeit durch geringverdienende Arbeitskräfte ausgeglichen wird, und diese Arbeit gemacht werden kann.
>Aber jetzt mal zu einem Deiner Argumente:
>Bei Deinen Argumenten gegen OpenSource Software widersprichst Du Dir >nämlich: Du behauptest, OSP verdränge die kommerziellen Anbieter aus dem >Markt und vernichte somit Arbeitsplätze.
Ja, bei äquvalenten Produkten (Homogenität) ist dies zu 100% der Fall.
>Auf der anderen Seite sagst Du, das OSP (fast) immer schlechter ist als
>kommerzielle Software.
Ja, auch richtig. Dies ist jetzt jedoch meine eigene Meinung und Schlussfolgerung und ist keine wirtschaftswissenschaftliche Tatsache mehr (das müsste man empirisch erforschen).
>Aber wenn sie schlechter ist, dann wird doch die kommerzielle Software
>gekauft, da die Leute schon bereit sind, für Qualität zu zahlen
Allerdings gibt es so auch sogenannte Substitutionsmöglichkeiten, die ganz eng mit den persönlichen Preferenzen der Leute zu tun hat (Bsp: "ich will doch nur ein text schreiben, tabellen braucht meine textverarbeitung nicht zu können"). Das bedeutet, dass sie _bewusst_ auf das bessere Produkt verzichten, und sich für das freie Programm entscheiden, weil ihnen der Preis für das ´gute´Produkt zu hoch ist.
Deswegen sage ich ja auch, dass bei Homogenität 100% aller Leute sich für die kostenlose Variante entscheiden würden, bei minderer Qualität sind es zwar weniger, aber es sind immer noch einige oder mehrere.
>Und wenn ein Haufen Semi-(oder Un-) Professionieller Programmierer, die ja
>nur in ihrer Freizeit Programmieren, ein besseres Produkt erschaffen, als
>die professionielle Konkurrenz, die einen Full-Time Job hat, dann ist das
>1. ein Armutszeugnis für die professionellen Programmierer und
Auf jeden Fall, wenn die Ursache im Personalkapital liegt. Ist es jedoch bereits so, dass das Unternehmen keine genügenden Verkäufe seines produktes mehr erzielen kann, weil das kostenlose Konkurrenzprodukt (Substitution) ihnen die Kundschaft wegnimmt, so wird dies dann daran liegen, dass gar nicht mehr genügend Finanzkapital vorhanden ist, um die Entwicklung auf einen höherwertigen Stand zu bringen (Personal fehlt, Kosten werden eingespart, andere Prioritäten werden gesetzt....)
>2. ein Ansporn für die Profis, es besser zu machen (sollte es zumindest)
...und wenn sie nicht mehr können, weil sie keine Finanzkapital von der Nachfrageseite mehr erhalten, da diese mittlerweile zum Großteil andere, freie substituierte Güter verwendet? Sie können es dann gar nicht mehr besser machen. Die Ressourcen fehlen.
>Denn in der Wirtschaft sehen viele nicht nur auf den Preis, sonder auf das
>Preis/Leistungsverhältnis.
absolut.
>Das billigste Produkt bringt mir nichts, wenn es nichts taugt. Und ein
>teures Produkt, das seinen Preis wert ist, das wird gekauft.
Korrekt. Sind die _Anforderungen_ an ein Produkt aber erstmal klar definiert (die Leistung, die gebraucht wird, festgelegt), wird das Unternehmen das Produkt anschaffen, dass bei der Anschaffung und während des Betriebes die geringsten Kosten verursacht. Wie du schon richtig sagtest -> Preis/Leistung
Und hier verliert Linux z.B. momentan noch eindeutig, da dass OS im Gegensatz zu W2K einen erheblich höheren Administrationsaufwand verursacht, und es somit langfristig teurer ist als das achso teure Windows.
>Abgesehen davon, gibt es einen Vorteil, den kommerzielle Waren gegenüber
>allen anderen Formen (OPS, PD, Shareware,...) haben:
....es gibt mehrere, aber egal.....
>Viele Kunden (gerade Firmen) legen Wert auf eine gewisse Sicherheit,
>daß das Produkt, das sie kaufen, auch weiterentwickelt wird.
>Diese Sicherheit ist bei einem kommerziellen Produkt eher gegeben, als bei
>jeder anderen Form.
Auch richtig. Das ist ebenfall ein Argument aus einem älteren text von mir. Diese Weiterentwicklungsgarantie (Kommerzmotor der Innovation, wie es MS bezeichnete) ist jedoch ganz stark durch die OSP gefährdet und wird sich bei "ausreichender" Qualität der OS-Software ziemlich tiefgehend auf die kommerzielle Software-Branche auswirken!
mfG
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