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Kommentar(e) zu: '08-Jan-2001: Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0'
 
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Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Rüdiger Hanke (09-Jan-2001, 23:01)

Ich wundere mich, wie viele Leute bereits verliebt in das DE
sind, obwohl sie es noch nicht einmal in Aktion gesehen haben.
Bis jetzt hat Amiga von dem neuen System noch rein gar nichts
vorgezeigt, was auf Gefallen oder Mißfallen schließen lassen
könnte. Stattdessen haben sie ein halbes Jahr gebraucht um dem
TAO-SDK einen Installer zu verpassen und sich einen Slogan
ausgedacht ("So the world may know") der mehr als Beschwichtigung
der verbliebenen Amiga-User anmutet als Kampfansage an andere
Systeme a la Apples "Think different" oder (mein liebster) "Close
your Windows".

Womit wir auch schon beim ersten Punkt wären, der einen Vergleich
des DE zum "Classic" von vornherein verbietet. Der Amiga (Classic)
ist eine Alternative zum Industriestandard. Bill McEwen sagte über
das DE, Windows und Mac würden ihn nicht interessieren, weil das DE
konkurrenzlos sei. Aber: Keine Konkurrenz, keine Alternative. Basta.

Ich war zuerst sehr beeindruckt von dem, was von dem AmigaDE
erzählt wurde. Aber mit der Zeit bröckelt es immer mehr an dem
Glauben, daß das DE das wird, was ich bzw. Amiga-User sich
wünschen.

Die Frage die mich am meisten beschäftigt ist, wie sehr sich Amiga
überhaupt für den Desktopmarkt interessiert. Wenn sie tatsächlich
bereits 1.5 Mio AmigaDEs schon im Embedded Devices-Markt verkauft
haben wie Fleecy auf der WOA erzählte dürfte das Interesse am
Desktopmarkt eher gering sein: es dürfte etwas dauern, bis sie
1.5 Mio. DEs dort verkaufen. Und da sie keine Hardware selbst
herstellen sind es die Hersteller des One, die dann ins Gras beißen
würden wenn sich Amiga vollends auf Embedded Devices spezialisiert.
Völlig risikolos für Amiga also.

Und solange es noch kein Handy mit 1 GHz Prozessor und 21"
Farbbildschirm (will das etwa jemand in die Hosentasche stecken?)
gibt wird kaum jemand auf seinem Handy ein Bild raytracen oder ein
Magazin layouten wollen. Wieso sollten also Softwarehersteller von
Desktopapplikationen ihre Programme dann auf ein BS umsetzen, das
die meisten Leute nur in ihren Handys haben?

Überhaupt, was habe ich an Software auf dem DE? Bis jetzt könnte
man immerhin darauf in einem Workbench-ED-ähnlichen (vom Funktionsumfang
her) Editor kleine Texte schreiben und sich ein Jugglerdemo
angucken. Sicher, und irgendwann kann ich dann auch all die
Programme starten auf die ich immer stolz war, sie nicht benutzen
zu müssen (Bloatware Staroffice, crash-ich-jetzt-nicht-crash-ich-
gleich-Browser Netscape).

Was mir doch den letzten Nerv geraubt hat war das Interview mit
Francis Charig hier auf amiga-news.de. Im Prinzip stimme ich mit
seiner Ansicht über Speicherschutz überein, doch dann kam der Satz:

"Handies aber haben keinen Speicherschutz. Stürzen sie ab? Nein, denn
die Software für sie ist gut programmiert."

Hmmm ... tja, was haben Handys so an Software? Snake? Memory?
Wwwwoooowww ... Ich zumindest bekomme immer mehr das Gefühl, daß
mir Amiga mit dem DE meinen 19"-Monitor in ein Handy-Display
verwandeln will. Das tritt immer wieder auf, wenn ich jemanden
von Amiga oder TAO im Interview höre. Entweder sie wollen das
wirklich oder sie drücken sich nur sehr mißverständlich aus.

Also ich bin ja bereit Amiga mit dem DE eine Chance zu geben, aber
sie sollten erstmal etwas vorweisen. Nur das zählt. Und wenn (falls
jemals) sie etwas haben werden, dann schaue ich es mir an und
entscheide dann, ob ich es mögen will oder nicht. Bis dahin gibt's
nur eins: das AmigaOS, das ist da, das existiert, das kann ich
nutzen, das mag ich. Danach die Sintflut.


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Dr.NOP (09-Jan-2001, 13:10)

@Rene:

> Es gibt viele gute betriebsysteme, z.bsp Linux, BeOS, QNX, oder MacOS-X.
> Alles moderne betriebsysteme, fuer die man auch den UAE zum laufen
> bekommt.
> Warum also auf AmigaDE warten?

Weil ich von einer _ins_Betriebssystem_integrierten_ 68k-Emulation erwarte, daß sie mir alte (also 68k-) Programme genauso ausführt wie neue, native (für VP oder wen auch immer).

Denn was muß ich beim UAE tun? Ich muß
- UAE starten
- warten bis er OS 3.x gebootet hat
- im UAE-Fenster die Icons suchen mit den Programmen, die ich ausführen will.

->UAE läuft irgendwie "gekapselt" und gehört irgendwie nicht zu meinem sonstigen Desktop-Erscheinungsbild.

Ich ging seither davon aus, daß eine funktionierende 68K-Emulation bedeutet, daß ich 68k-Programme genauso starten und ausführen kann wie neuere, die für mein aktuelles Betriebssystem geschrieben wurden. Das kann ich mit UAE schon auch erreichen, nur muß ich dann für jedes fragliche Programm eine Config erstellen, ein Icon auf dem Desktop ablegen und habe dann u.U. fünf UAEs gleichzeitig laufen!


@Frank Wille:

> Es gibt doch heutzutage gar keinen vernuenftigen Grund mehr einen Amiga
> zu benutzen.
Das stimmt allerdings .. leider!

> Andere Betriebsysteme sind besser und andere Hardware ist viel billiger.
Hardware ist billiger, richtig.
Aber: Autokonfig? Fehlanzeige!

Andere Betriebssysteme sind auch nicht besser, ganz im Gegenteil, aber sie bieten mehr "drumrum", wie z.B. Java oder so...


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Frank Wille (09-Jan-2001, 11:13)

Also eins verstehe ich nicht. Wenn AmigaOS wirklich so schlecht und veraltet
ist und die Hardware so ein teures Flickwerk, wie ein Grossteil hier be-
hauptet, warum benutzt ihr den Amiga ueberhaupt noch?

Es gibt doch heutzutage gar keinen vernuenftigen Grund mehr einen Amiga zu
benutzen. Andere Betriebsysteme sind besser und andere Hardware ist viel
billiger. Der einzige Grund kann doch nur die Liebe zum Amiga sein. Aber
dieser Amiga, so wie wir ihn kannten, wird mit AmigaDE verschwunden sein!
Da macht es doch wirklich keinen Unterschied ob man jetzt schon auf ein
stabiles BeOS order Unix wechselt, oder noch ein paar Jahre auf das neue
AmigaDE wartet (wenn es denn jemals fertig und so ausgereift wie andere
werden wird).

Der Amiga ist spaetestens seit dem Ende von Escom nicht mehr zu retten.
AmigaDE wird dies nur beschleunigen und die Community noch einmal teilen.
Ich habe lieber noch ein paar letzte Jahre mit einem PPC-AmigaOS, bevor
ich ganz nach Unix wechsele, oder mich erschiesse... ;)

Mein Vorredner hat natuerlich nicht ganz unrecht, wenn er sagt dass fuer
ein AOS4 nicht genug Kaeufer da waeren. Aber man muesste bestimmt keine
Resourcen von AmigaDE abziehen um AOS4 zu machen, denn die Leute die AOS4
sogar umsonst programmieren wuerden, werden sowieso nicht am AmigaDE
mitmachen.

Woher die Software kommt? Freeware, Shareware. Es gibt doch seit Jahren
kaum noch kommerzielle Software, und die PD-Software ist inzwischen min-
destens genau so gut. Ich wuerde das gar nicht alles so kommerziell sehen.
An MorphOS sieht man, wie man ein PPC-OS ohne grosse Mittel erschaffen
kann, einfach durch persoenlichen Einsatz. Die ist die einzige Zufunft
die wir noch haben. Wir muessen uns selber helfen.


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Holger AFisch Häring (09-Jan-2001, 06:21)

Also es ist ja alles lieb und recht. Mir persönlich wäre ein OS4.x PPC mit
dem Look&Feel des AmigaOS auch lieber und das, obwohl ich gar keinen PPC haben. Ich kann Wolfhang H. nur recht geben, was er schreibt. Ich Persönlich mach die meisten Arbeiten auch auf meinem AMiga, weils einfach
besser, zuverlässiger und schneller geht.

Jedoch gibt es das Problem mit der Hardware! Ein PPC-OS findet keine ausreichende Basis. Sollen es 30.000 PPC-User sein, welche insgesamt vorhanden sind. Es sind zu wenige, die die Entwicklung von Programmen rechtfertigen! Desweiteren wird sich nicht jeder der 30K das Programm X
kaufen. Somit kann man nichteinml mit dieser Zahl rechnen.

Alsdann treten hier auch noch die verfluchten Raubkopierer auf den Plan.
Seht ihr es? Der Zug ist fast weg!

Die Fehler wurden schon vor ein paar Jahren gemacht! Ein PPC-OS ist unrentabel, so schön es auch wäre. Desweiteren sollte man auch in betracht ziehen, das deren Entwicklung auch einige Zeit in Anspruch nehemn würde.
Bis es dann fertiggestellt wäre, war noch 1/4 der User abgewandert, weil
es ja keine gescheiten Browser für Amiga gäbe, jedoch unter Linux schon, um
das als Beispiel zu nennen (werdet glücklich mit Netscape). Sicherlich ist es nicht sehr gut, das der Amiga "immernoch" kein Java hat, aber Surfen tu ich am liebsten mit dem Amiga.

Die Verantwortung hierfür tragen die Hersteller und Programmierer selbst!
Als P5 die PPC-Karten ausgeliefert hatte, wurde einfach zu wenig dafür entwickelt. Viele wollten nur auf der sicheren Seite sein, was in zuwenig
Anwendungen resultierte. Hätten dahmals ein paar Leute mehr mit ein bischen
Risiko etwas auf die Beine gestellt, wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.
Aber wir wollen uns nicht zerfleischen. Fehler sollte auch dafür gemacht werden, damit man daraus lernt.

Nur eins ziemlich sicher sein:

Entweder wir entscheiden uns für AmigaDE, oder wir gehen ganz den Bach runter.


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Holger AFisch Häring (09-Jan-2001, 06:00)



Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

mcleod (09-Jan-2001, 01:04)

Salü

Also, ich begreif etwas nicht: Wenn dann schon emuliert werden würde, warum dann nicht gleich auf nem G4? Seit ich umgestiegen bin hat sich noch nix getan in Sachen PPC/gfx. Und jetzt wollte man das Amiga-OS noch voll auf auf die existierenden G1/G2-Systeme anpassen? Wieso eigentlich? Wenn schon, dann bitte gleich ne anständige Emu für nen aktuellen Mac.
Ich versteh eines wirklich nicht: Wieso gebt Ihr Euch mit weniger als G3 zufrieden? Ich beobachte nun schon seit über 6 Jahren, dass die Amiga-Gemeinde einfach kein Selbstvertrauen hat (obwohl sie doch das beste OS habe ?!??!!).
Der Verkauf meines A4000T hat schon sehr weh getan. Doch im nachhinein weiss ich, was den Amiga wirklich ausmachte: das OS. Nicht die Hardware, nicht der 68K und auch nicht Paula, Gary oder Golem, Phase5 und VillageTronic. Gebt mir eine tolle Emu für meinen G4, und ich kaufe Euch die Regale mit Amiga-Soft leer.
Die Idee des OS4-PPC geht an der Zukunft vorbei, es ist rückwärts gerichtet. Und so wird sich auch der Amiga-Anwender richten: rückwärts.
Und darum hat martin Baute recht: Nehmt diese Ressourcen und verwendet sie für die Zukunft, das AmigaDE oder wie auch immer. Reitet auf dem Wellenkamm.

H&P ist eine tolle Firma mit unheimlichen knowhow. Sie hat zumindest ihre Versprechungen gehalten. Bis jetzt hab ich noch keine Paraglide gesehen, noch kein G3-Board in ansprechenden Stückzahlen vom Band gehen sehen. Wo ist denn nun die HW, die das neue OS ausnützen sollte? Dies ist einer der Hauptgründe, warum ich nicht mehr mitmachen wollte. Ich habe schon genug Schwierigkeiten, mein Selbstbewusstsein nicht von aussen beeinträchtigen zu lassen, ich brauch das nicht noch bei meinem Hobby.
Das AmigaOS IST ne tolle Sache, immer noch. Aber sie wäre toller auf nem G3/G4, und nicht au nem 604e.....
Uebrigens: Apple geht mit dem OSX den gleichen Weg: OS9.x wird emuliert, damit die heutigen Anwendungen zumindest eine Zeit lang noch laufen. Der Uebergang ist fliessend, alte Anwendungen laufen in der Emu, alte Anwendungen werden schnell für OSX neu compiliert, laufen aber dann nicht 100% native, neue Anwendungen oder Updates kommen native für OSX raus.

Bitte fängt an, höher zu denken, sonst stirbt der Amiga wirklich.

gruss aus der Schweiz
MD


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Jorge Pino (08-Jan-2001, 23:09)

Ich stimme Martin Baute vollkommen zu! Es macht für mich persönlich keinen Sinn noch weiter in ein OS zu investieren oder programmieren, das auf krass ausgedrückt: veralteter Technik läuft. Die 68k-CPU war damals sicherlich eines der besten und leicht programmierbarsten Systeme (und ist es teilweise heute noch mit seinen 16 Registern). Aber warum geben viele dem AmigaDE nicht eine Chance? Ich weiss auch, das die Fertigstellung noch lange dauern wird und hoffe das alles so klappt, wie wir uns das alle vorstellen. Wenn WinUAE auch entsprechend weiterentwickelt wird und dann extrem schnell ist (lockere Emulation eines 68060er mit AGA + Sound, was mit dem JIT-Package schon eher in greifbare Nähe liegt) hätten ich zumindest einen coolen Rechner ohne die ganzen Inkompatiblitäten, die es damals bereits gab oder heute noch teilweise gibt. Für mich ist der Amiga nicht tot, nur weil es kein OS4.0 geben wird oder es keine Classic-Hardware mehr zu kaufen gibt. Solange es eine Zukunft gibt und Amiga Inc. auf die User hört und nicht den Wettbewerb im Markt aus den Augen verliert sehe ich eine Chance. Ich habe mir auch damals das OS3.5 gekauft um Amiga (zu damaliger Zeit) zu unterstützen (weniger, weil ich es wirklich gebraucht habe!). Andererseits hat niemand behauptet, dass das neue AmigaDE keine AmigaOS Emulation haben wird (zumindest ist diese doch geplant, was heissen würde, das eben auch alle bisherigen Programme genutzt werden könnten - siehe auch WinUAE). Ich kann wieder nur abwarten und sehen was passiert, spät. dieses Jahr wird sich noch einiges zeigen.

MfG
Jorge Pino
http://www.jorge-pino.de


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

GroundZero (08-Jan-2001, 22:49)

Eines versteh ich nicht: Wieso beissen sich so viele am Classic-OS fest? Ein OS existiert doch nicht zum Selbstzweck, sondern um dem Umgang mit Programmen besonders angenehm zu gestalten. Und genau hier hakt es!

Was nützt mir eine Diskussion über die Zukunft eines OS, für das es immer weniger professionelle Soft gibt???

PS: Das mich hier keiner falsch versteht, ich benutze meinen Amiga für alle Dinge, die so computermäßig anfallen, aber ich bezweifle, daß mich ein PPC-OS wirklich weiter bringt :(


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

sandro (08-Jan-2001, 22:26)

Ich muss mich meinen beiden Vorschreibern anschliessen....

Nur warum diese Fixierung auf PowerPC? ich bin immernoch der Meinung, dass Weiterendwicklung und Umsetzung des jetzigen AmigaOS das beste ist. Nur nicht auf PPC, sondern auf den VP von TAO. Ich weiss, ich sagte das bereits, aber es konnt mir noch niemend ein gutes Argument dagegen geben...

Aber wie dem auch sei... Amiga macht eh was es will und wir können nur hoffen...

Ciao, Sandro...


Der heilige Gral, oder: 50.000 x OS3.9 = OS4.0 (Meldung)

Wolfgang Hosemann (08-Jan-2001, 21:36)

Wieder mal ein Kommentar, der den aktuellen Stand beschreibt, aber keine
Wege aufzeigt.

Es werden Fakten aufgezählt, die längst bekannt sind und größtenteils auch
nicht bestritten werden.

Wie immer wird aber auch völlig vergessen, ein wenig in die Zukunft zu
blicken.

AmigaDE kommt. Schön. Wann kommt es denn? Wieweit sind die Arbeiten
daran denn fortgeschritten?

Wer sich die Open Developers ML mal ansieht, wird
feststellen, daß dort so diskutiert wird, als befände sich das AmigaDE noch
im Planungsstadium. Nun gut, das SDK ist auf dem Markt und es wurden einige
kleiner Tools dafür geschrieben. Immerhin ein Beweis für die Aufrichtigkeit
von Amiga Inc. Mehr ist es zur Zeit aber auch nicht. Das GUI für AmigaDE ist
nicht das, das zur Zeit für das SDK Verwendung findet. Im Gegenteil sieht
es so aus, daß das eigentliche GUI wahrscheinlich noch nicht mal im Betatest
läuft. Feine Aussichten, wirklich.

Kommen wir zum Kern der Sache: AmigaDE ist noch nicht mal halbfertig. Es wird
nach dem 3. Quartal 2001 auch noch lange nicht fertig sein. Und es wird
garantiert nicht so sein, wie das bisherige AmigaOS.

Diese Aussicht betrifft natürlich auch die Programme für Anwender: Ich bin
mir nicht sicher, daß Martin Baute selbst glaubt, was er in seinm Kommentar zu
diesem Thema geschrieben hat. Eine breite Basis an (hypothetisch) nutzbaren
Plattformen macht noch keinen garantierten Absatz. Die Programme an sich und die
Akzeptanz derselben bei den Benutzern entscheidet viel mehr darüber, wie sich
Programme verkaufen (und natürlich geschicktes Marketing).

Um es mal ganz klar zu sagen: Die wunderbar einfache Handhabung der Programme,
die zur Zeit für das "alte" AmigaOS erhältlich sind, wird von den Programmen
für das AmigaDE (so es denn erscheint) in der Anfangszeit nicht geboten werden
können, da sich die meisten Programmierer erst in das Gesamtkonzept AmigaDE
einarbeiten müssen. Genau so lief es ab, als der Amiga das Licht der Welt
erblickte. Erst durch die kontinuierliche Verbesserung des Systems wurde
erreicht, was wir heute noch gern nutzen: AmigaOS 3.x

Sicherlich hat Martin Baute Recht, wenn er sich über den bedauernswerten
Zustand der aktuellen Amiga-Hardware beklagt (abgesehen davon: Ich bin
immer noch SEHR zufrieden mit meinem PPC-Amiga, auch wenn ich kein Halflife
oder ähnlichen Ballerkrempel darauf spielen kann. Dafür kann ich, egal mit
welchem Prozessor, darauf Texte schreiben, deren Fußnoten immer da auf der
Seite zu finden sind, wo sie hinghören ;), andererseit verliert er darüber
ein wenig den Blick auf Kommendes. Wenn ein AmigaOS 4.0 PPC auf den Markt
käme, das mit den Unzulänglichkeiten der alten Hardware durch eine 68k/AGA
Emulation aufräumt, was würde dann noch gegen einen Standard-PPC-Rechner
(beispielsweise auf dem POP-Board basierend) sprechen? Nichts! Und das
schönste daran: Man kann dann auch gleich, wenn es in brauchbarer Form
für Desktop-Systeme erscheint, auf AmigaDE umsteigen. Das wären Aussichten,
auf die ich mich freuen könnte.

Im Augenblick sieht es aber eher so aus, daß ich noch ein bis zwei
Jahre auf ein wirklich gutes AmigaDE warten darf...

Meine Sicht der ganzen Geschichte ist, das AmigaDE in der nächsten Zeit wohl
für Desktop-System zu unausgereift sein wird. AmigaOS ist lange Zeit gereift,
es reift noch weiter und vor allen Dingen bietet es, gerade in Form eines
weiter verbesserten AmigaOS 4.0 PPC, noch eine Menge Potential für
Desktop-Systeme. Die technischen Aspekte spielen da übrigens keine so große
Rolle, wie immer wieder gebetsmühlenartig gesagt und geschrieben wird.

Emulation für das AmigaOS3.x wird so oder so benötigt, es ist ganz einfach
wurscht, ob mit MP oder ohne, ob mit Biliotheken in VP oder native PPC-Code.

Neue Programme müssen ebenso geschrieben werden, ob in VP oder PPC. Aber es
ist um Längen einfacher, für ein erweitertes, API-kompatibles System Programme
zu schreiben (oder einfach nur neu zu kompilieren, siehe MorphOS), als diese
Programme komplett neu, in neuer Struktur, mit neuer Handhabung zu schreiben.

Wer mal ganz ehrlich zu sich selbst darüber nachdenkt, wird feststellen,
daß er/sie sein/ihr Herz nicht an die Hardware verloren hat, sondern an das
"System" Amiga. Ich möchte "mein" System jedenfalls nicht holterdipolter
vor die Tür setzen, um dann mit einer Möglichkeit dazustehen, deren Zukunft
noch völlig offen ist (und die noch gar nicht erhältlich ist).

Ich würde sagen, um die Lücke bis zum Erscheinen des AmigaDE zu schließen,
käme AmigaOS 4.0 PPC gerade recht. Alles andere wäre nur ein GANZ schwacher
Ersatz...

Nach soviel Worten noch eine kurze Bemerkung zu OS3.9 und dem "Stimmzettel":

Wer sich OS3.9 nur deshalb nicht kauft, weil es angeblich nur eine
"Shareware"-Sammlung ist (wer hat das eigentlich in die Welt gesetzt?) und
man endlich das AmigaDE haben möchte, schießt sich gleich zweimal selbst
ins Knie: Welcher Shareware-Author, der seinen Beitrag zum OS3.9 geleistet
hat, wird seine Programme noch weiterentwickeln (und den Käufern von OS3.9
wohl für längere Zeit kostenlos zur Verfügung stellen), wenn das Feedback
der Benutzer ihm sagt: "Kein Interesse!"? Abgesehen davon tut man dieser
Version des AmigaOS mit einer so pauschalen Aussage ganz, ganz bitter unrecht.
"Unter der Haube" ist es viel mehr, als es nach außen zeigt. Es wurde und
wird immer noch intensivst weiterentwickelt und getestet. Allein dieser
Aufwand (und die kurze Zeit, in der es entwickelt wurde) rechtfertigt schon
den Kauf. Und das AmigaDE ist noch nicht erhältlich...


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