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HOUSEPOOL  Magazine
Ausgabe 20 (August/September 1998)





Von Carsten Marmulla

Evosonic - Das Ende eines Traums ?

Eine Meldung, die überraschte, erreichte uns Anfang Juli: Von Seiten des Kölner Kultsenders für elektronische Musik hieß es man habe seit dem 01.07.1998 zwar noch weiterhin eine Sendelizenz, jedoch keine Übertragungsfrequenz mehr. Was war passiert ?
Letztendlich lief es wohl mehr oder weniger auf eine Tatsache hinaus: Evosonic Radio ging und geht das Geld aus ! Fakt ist, daß das Kölner Projekt recht hohe monatliche Kosten hat, die nur unzureichend durch Einnahmen gedeckt sind bzw. gedeckt werden können. Aus einer Presseerklärung von Mike Schmidt, dem Geschäftsführer und Programmchef des Senders, geht hervor, daß z.B. 400.000,- DM/Jahr für die Transpondermiete an SuperRTL überwiesen wurde. Weitere 100.000,- DM wurde jährlich für den Uplink bezahlt und auch die Telekom wollte für die Einspeisung ins Kabelnetz 300.000,- DM pro Jahr haben. Für die Werbeindustrie war Evosonic aber letztendlich nicht offen, da diese eine Reichweitenanalyse von anerkannten Instituten forderten, die aber mehr als 100.000,- DM kosten sollte.
Mit solchen Kosten fiel es von Anfang an schwer an einen wirtschaftlichen Erfolg glauben zu können und somit arbeiteten seit September 1997 alle (?) Mitarbeiter ehrenamtlich weiter - ohne Bezahlung. Doch auch das reichte nicht aus, als SuperRTL den Tonunterträger Ende Juni abschaltete, waren die Rechnungen schon 3 Monate nicht bezahlt. Und plötzlich stand Evosonic Radio ohne Übertragungsweg da, denn die Kabeleinspeisung erfolgte auch über die SuperRTL-Satellitenausstrahlung. Nun hatte man zuvor schon das Unheil kommen sehen und bereits einen Ausweg gesucht und auch fast einen gefunden: Da gab es doch diesen Geisterkanal namens Phoenix, dem Kulturkanal von ARD/ZDF, der auch seinen Sitz in Köln hat (wichtig, da der Uplink nach Entfernung berechnet wird). Diese Möglichkeit wurde fast Realität, denn weder Astra noch Phoenix noch das ZDF hatten Einwände gegen die Transpondervermietung und die "Hucke-Pack-Lösung". Jedoch meldete sich Widerstand von unerwarteter (?) Seite: der WDR - für die technische Umsetzung bei Phoenix zuständig - legte gegen den potentiellen Mitbewerber sein Veto ein, wobei bis heute zweifelhaft ist, ob sie dieses Recht überhaupt besitzen.
Fakt ist jedenfalls, daß Evosonic bis zum jetzigem Zeitpunkt keinen neuen Transponder hat und somit immer noch "Off Air" ist. Die Zukunft des Senders ist ungewiß, momentan stützen sich alle Hoffnungen auf den "Neukult e.V.", dabei handelt es um eine Art Förderverein, der demnächst zusammen mit anderen Finanziers Gesellschafter also Eigentümer von Evosonic wird. Um einen Sendebetrieb wieder aufnehmen zu können, werden insgesamt 12.000 Mitglieder gebraucht, für einen werbefreien Sendebetrieb 25.000 - derzeit sind bereits 1.900 Mitglieder vorhanden. Für einmalig 10,- DM und monatlichen 11,- DM erhält man auf jeden Fall 3 CD Compilations und vielleicht auch ein stück von evosonic. Derweil müssen Fans aufs Internet ausweichen, dort werden etliche Sendungen via RealAudio ausgestraht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft für das innovative Radio entwickelt, denn die Zeit drängt und auch ein Entzug der Sendelizenz wäre möglich, was wohl das endgültige Aus bedeuten würde. Wem also was an evosonic liegt, der sollte jetzt handeln und nicht reden - Mitglied werden, Freunde überzeugen auch Mitglied zu werden und hoffen.

Mehr Informationen:
Evosonic Radio im Netz
Cosmium.net Website
Kommentar zu diesem und anderen Themen.


(cm)

 




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