Das Datenformat einer Audio-CD ist festgelegt, die Auflösung beträgt
16 Bit. Trotzdem existieren viele Geräte, deren Wandler und interne
Verarbeitung mit 20 Bit oder gar 24 Bit operieren. Macht das überhaupt
Sinn?
Grundlagen:
Bei der Digitalisierung wird ein analoges Signal in bestimmten
Zeitabständen abgetastet. Zu jedem dieser Zeitpunkte wird der Pegel
des Signales gemessen und als Zahlenwert dargestellt. Für diesen
Zahlenwert stehen beim CD-Format 16 Bit zur Verfügung, es sind damit 2
hoch 16, also 65536 unterschiedliche, diskrete Zahlenwerte
darstellbar. Da es nur ganze Zahlen gibt, entsteht ein Fehler in den
Bereichen, in denen das ursprüngliche Analogsignal zwischen den
darstellbaren Zahlenwerten lag. Dieser Fehler ist bei jedem Abtastwert
unterschiedlich. Die Differenz zum Originalwert scheint dem Signal
überlagert zu sein und ist als Quantisierungsrauschen oder als rauher
Klang wahrnehmbar. Bei einer Auflösung von 16 Bit befindet sich das
Quantisierungsrauschen jedoch theoretisch 96 dB unterhalb der
Vollaussteuerung, ist also kleiner als die meisten anderen Störsignale
der zu digitalisierenden Aufnahme.
A/D-Wandlung:
Bei der A/D-Wandlung darf im Gegensatz zur analogen Aufnahme keinerlei
noch so kurze Übersteuerung erfolgen. Der darstellbare Zahlenbereich
endet bei 0dB, jeder Wert darüber wird ebenfalls als 0dB dargestellt.
Akustisch äußert sich das als äußerst unangenehmes, hartes Clipping.
Um sicher zu sein, daß im Verlauf der Aufnahme keine Übersteuerung
auftritt, sollte man A/D-Wandler immer sehr vorsichtig aussteuern und
Reserven lassen, den sogenannten Headroom. Dadurch wird der
darstellbare Zahlenbereich aber gar nicht voll ausgenutzt, von den 16
Bit werden also vielleicht nur 14 verwendet. Daher bietet sich für die
Digitalisierung ein 20-Bit-Wandler an. Auch bei diesem ist ein
Headroom nötig, aber von den 20 Bit bleiben dann beispielsweise immer
noch 18 übrig. Das Signal kann mit verschiedenen Algorithmen, z.B.
Dithering, Noise Shaping oder Super Bitmapping auf 16 Bit
heruntergerechnet werden, die dann aber bis auf das letzte Bit
ausgereizt sind. Die Aufnahmen erhalten dadurch maximale Dynamik und
Auflösung.
Bearbeitung:
Bei der Bearbeitung eines digitalen Signales wird mit den
Zahlenwerten, aus denen das Signal besteht, gerechnet. Bei jedem
Rechenvorgang entstehen Nachkommastellen, die im 16-Bit-Format jedoch
nicht dargestellt werden können. Also müssen die Werte auf ganze
Zahlen gebracht werden, was durch simples Abschneiden, Runden oder
Redithering erfolgen kann. Dabei entsteht - ähnlich wie bei der
Abtastung - ein Fehler, der sich durch Quantisierungsrauschen bzw.
einen rauhen Klang bemerkbar macht. Mit jedem Rechenvorgang entsteht
ein neuer Fehler, und alle entstehenden Fehler addieren sich. Bei
intensiver Bearbeitung im Mastering (Equalizer, Compressor, Limiter
etc.) oder in einem digitalen Mischpult würde nicht viel von der
ursprünglich guten Signalqualität übrig bleiben.
Die entstehenden Nachkommastellen bedeuten im digitalen Bereich eine
Erhöhung der Wortbreite. Wenn diese nun nicht sofort wieder auf 16 Bit
reduziert, sondern mitgeführt wird, entsteht auch kein Fehler.
Allerdings ist auch eine größere Wortbreite irgendwann ausgereizt. Bei
20 oder 24 Bit und nur wenigen Bearbeitungsschritten ist der Fehler
jedoch so klein, daß er nicht mehr hörbar ist, denn das
niederwertigste Bit eines 24 Bit Signals liegt bei minus 144 dB.
Zwischenschritte einer digitalen Bearbeitung sollten also in diesem
Format gespeichert werden.
Bei aufweniger Bearbeitung in digitalen Mischpulten oder anderen
DSP-Prozessen ist allerdings eine interne Wortbreite von 32 Bit keine
Seltenheit, und in DSP-Algorithmen können sogar bis zu 72 Bit erreicht
werden.
Erst, wenn der gesamte Bearbeitungsprozeß abgeschlossen ist, sollte
auf die für die CD benötigten 16 Bit heruntergerechnet werden. Dann
wird auch hier das Format voll ausgenutzt, und es kann maximale
Dynamik und Auflösung erzielt werden.
24 Bit Floating Point:
Eine Besonderheit stellt das 24 Bit Floating Point Format dar. Wie
beim Taschenrechner mit Fließkomma-Funktion können hier
Nachkommastellen dargestellt werden, wenn sich vor dem Komma weniger
Stellen befinden. Das kommt unserem Hörempfinden stark entgegen, denn
Quantisierungsrauschen wird bei hohen Pegeln vom Signal verdeckt, ist
bei leisen Passagen aber umso stärker hörbar. Leise Passagen bedeuten
aber kleine Zahlen und somit wenige Stellen vor dem Komma, so daß hier
viele Nachkommastellen mitgeführt werden können. Die Folge ist eine
fast unendlich große Dynamik während der Bearbeitung. Danach wird auch
hier wieder mit den schon beschriebenen Methoden auf 16 Bit
konvertiert. Das Floating-Point-Format findet beispielsweise im
Programm Samplitude von SEK'D Verwendung.
Zum Schluß wieder 16:
Bei allen vorgestellten Verfahren hat die abschließende Konvertierung
auf 16 Bit eine große Bedeutung. Wie bereits angesprochen, existieren
dafür mehrere Verfahren. Das Abschneiden der Nachkommastellen oder die
mathematische Rundung sind dabei die einfachsten. Sie erzeugen ein
16-Bit-Signal, das jedes Bit nutzt. Allerdings gibt es andere
Verfahren, die das Format noch weiter ausreizen können. Diese stellen
wir Ihnen im folgenden vor. Die Methoden haben zum Ziel, das
vorhandene Quantisierungsrauschen weniger auffällig zu gestalten bzw.
ein wenig der 20-Bit-Qualität in die 16 Bit herüber zu retten.
Dithering:
Zu den vier niedrigsten Bits, die in das 16-Bit-Signal nicht
übernommen werden können, wird eine ebenfalls vierstellige Zufallszahl
addiert. Danach wird das Signal nach dem 16. Bit abgeschnitten. Es
ergibt sich der Effekt, daß die Zufallszahlenfolge gemeinsam mit den
vier niedrigsten Bits des 20-Bit-Signales das niedrigste Bit des neuen
16-Bit-Signales, das LSB, moduliert. Somit wird das LSB aufgrund des
Einflusses der musikalischen Information gesetzt, die in den unteren
vier Bits enthalten war.
Zufallszahlen mit der Größe von einem LSB werden als Rauschen mit
einem Pegel von 96 dB unter Vollaussteuerung hörbar. Rauminformationen
und Decayphasen im Musiksignal können nach dem Dithering aber noch bis
minus 115 dB hörbar sein, obwohl das Signal nur 16 Bit umfaßt. Es sind
Informationen hörbar, deren Pegel kleiner ist als das Dither-Rauschen.
Noise Shaping:
Bei Rauschen mit minus 96 dB handelt es sich um einen sehr geringen
Pegel. Trotzdem sind einige Toningenieure in der Lage, das
Dither-Rauschen selbst bei normalen Abhörpegeln zu hören. Zwar hilft
es, subtile Informationen wahrzunehmen, es legt aber gleichzeitig
einen leichten Schleier über die Musik, der diese Informationen zum
Teil wieder verdeckt.
Noise Shaping formt das Frequenzspektrum dieses Rauschens nun derart,
daß es schwächer zu hören ist. Dazu wird es wie mit einem Equalizer
bearbeitet, so daß es den gleichen Durchschnittspegel behält, aber von
den Frequenzbereichen, in denen das Gehör am empfindlichsten ist (ca.
3 kHz), in unempfindlichere verlagert wird (10 bis 22 kHz). Dazu ist
ein Filter höherer Ordnung notwendig, dessen Frequenzkurve mehrere
Tiefpunkte an den Stellen aufweist, an denen das Gehör besonders
empfindlich ist. Dazu bedarf es einer höheren Rechenleistung, das
Resultat überzeugt aber durch erstaunliche Rauschfreiheit. Oft hören
sich Signale nach Noise Shaping obertonreicher an. Dieser Effekt wird
durch die Betonung der hohen Frequenzanteile des Rauschens selbst
hervorgerufen. Die besten Prozessoren schieben diesen Anteil so weit
nach oben, daß es außerhalb des Hörbereiches liegt. Es gibt Geräte,
die einen kompletten 32-Bit-DSP nur dazu verwenden, das Dither-Signal
zu erzeugen.
Super Bitmapping:
Dieses Verfahren ist eine Entwicklung von Sony. Wie es genau
funktioniert, weiß nur Sony selbst. Klanglich liegt es irgendwo
zwischen Redithering und Noiseshaping. Der Original-SBM-Prozessor
kostet ca. 20.000 DM, aber in manchen DAT-Recordern von Sony sind
20-Bit-Wandler mit einer abgespeckten SBM-Variante zu finden.
Und die Moral von der Geschicht'...
Die Erhöhung der Wortbreite eines Digitalsignals bringt Vorteile, und
zwar auch dann, wenn das Musiksignal zum Schluß auf der CD mit 16 Bit
verewigt wird. Bei mehreren digitalen Bearbeitungsschritten ist es
sogar unerläßlich, mit einer höheren Auflösung zu arbeiten, da nur so
die 16 Bit des CD-Formates überhaupt genutzt werden können.
(ths)
Der Autor:
Thomas Sandmann ist Diplom-Ingenieur und Musikproduzent im Bereich Techno, House und Dance.
Er betreibt sein eigenes Studio, das ths master mix.
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