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HOUSEPOOL  Magazine
Ausgabe 19 (Juni/Juli 1998)


Sven Väth´s Fusion Tour, Unit Hamburg


Von Bülent Cakir

Die ganze Woche über war Sven  Väth  das  Gesprächsthema  Nr.1.  Jeder
wußte  davon, jeder wollte hin und das Problem war, wie es sich später
herausstellen sollte, jeder konnte hin. So kam es wie es kommen  mußte
und  um 22.00 Uhr schon war die Schlange vor dem Eingang ca. 100 Meter
lang. Von Goa - Hupen bis zu verstrahlten Tunnel-HH-Proleten waren  so
ziemlich  alle  Sparten diverser Techno-Subkulturen vertreten. Im Unit
drin angelangt kam man sich  vor  wie  in  einer  Sardinenbüchse.  Der
gesamte  Laden war brechend voll. Und mit brechend voll meine ich auch
brechend voll. Die Unit-Verwaltung hätte  sich  mal  vorher  überlegen
sollen  wie hoch ihre Besucherkapazität ist und dementsprechend vielen
feierwütigen den Eintritt gewähren sollen.

Der Longset von Sven Väth begann um  0.00  Uhr  und  dieser  Mann  war
gewaltig.  Und  die  Musik  war gewaltiger. Es fing an von Acid-House,
ging über Breakbeats und endete irgendwo im experimentellen Väth-Stil.
Doch  tanzen  konnte  man dazu nicht, weil es einfach zu voll war. Wie
soll man sich in  die  Musik  reinsteigern,  wenn  man  sich  alle  20
Sekunden  beim  tanzenden Nachbarn entschuldigen muß, weil man ihm auf
den Fuß getrampelt oder ihm mit dem Ellenbogen ins Gesicht  geschlagen
hat,  obwohl  man  sich  doch nur den Schweiß von der Stirn wegwischen
wollte? Das war vorerst zuviel. Erstmal ein Bier trinken. Dachte  ich,
aber  um  2.00 Uhr war keines mehr da. Ausverkauft. Nachschub kam erst
gegen 3.30 Uhr. Und es wurde immer heißer und feuchter. Und nun  kommt
der  größte Knüller des Abends. Ab 1.00 Uhr konnte man zwar raus, aber
man kam nicht mehr rein!!! Denn Einlaß war nur von 22.00 bis 1.00 Uhr.
Und  nicht  einmal der kleine Open-Air-Bereich wurde geöffnet. Und als
dann um 4.00 Uhr auch noch der 2nd Floor mit Stereo  Jack  geschlossen
wurde,  weil  der  Verstärker  durchgeknallt  war und kein Ersatzgerät
vorhanden war (Jippie!) bewegte sich überhaupt nichts mehr. Es war nur
noch  eine  einzige  erstarrte und komprimierte Masse aus verstrahlten
Feierwütigen, denen nichts anderes übrig blieb, als mit dem  Kopf  zur
Bassline zu wackeln. Doch Glückwunsch an alle, die außer mir auch noch
da waren. Trotz allem war  die  gesamte  Menge  am  feiern.  Es  wurde
getrunken,   ge*****,  ge*****,  mit  den  Armen  gewedelt,  gebrüllt,
geschrien und mit dem Kopf gewackelt, was das  Zeug  hielt.  Alles  in
allem  eine  fette  Feier, sie war jedoch anstrengend, eben weil es so
voll war und weil die Musik teilweise sehr experimentell war.

Um 8.30 Uhr dann die größte Frechheit der Menschheitsgeschichte.  Sven
Väth  legte  die  Platten  nieder.  Noch  ca.  400  Personen  auf  der
Tanzfläche (!!), ganz zu schweigen von dem Rest des Laden. Alles breit
und  alles will tanzen und feiern, weil man jetzt endlich auch richtig
abgehen kann. Doch keiner da, der auflegt. Sven  Väth  wird  alles  zu
spät,  Stereo  Jack  ist  weg,  und Bernd (Besitzer vom Unit) will die
Party beenden. Doch da tauchen MartinK und Bapho auf und schlagen vor,
diese geile Party fortzuführen. Man kann die Leute doch in dem Zustand
nicht nach Hause schicken. Doch Bernd  ist  das  egal.  Unter  Protest
werden alle Gäste rausgeschmissen.

Benotung (1-10): Musik: 1 - Fun: 4 - Atmosphäre: 4 - Gesamt: 3

								  (bc)
	
 




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