HousePool® Ausgabe 12 - April/Mai 1997

Musikmesse FFM 1997


Musikmesse FFM 1997
Wenn  in  Frankfurt  die  größte  Internationale  Fachmesse  für   die
klangerzeugende Industrie ihre Tore öffnet, dann schaut die ganze Welt
gebannt auf all das schöne und neue, und  wir  als  Magazin  von  Welt
selbst  natürlich  auch.  Hier  nun das ernüchternde Erlebnisprotokoll
eines unserer Redakteure:

Voller Enthusiasmus, und geballtem Tatendrang machte ich mich auf  den
Weg, um sensationelles über die Musikmesse zu schreiben. Leider musste
ich ziemlich früh feststellen, daß das was  ich  da  schreiben  sollte
eigentlich  gar  nicht  so  atemberaubend  ist, vielmehr ermüdend, und
vielleicht auch beschähmend... Zum Punkte "sensationelle  Neuigkeiten"
kann  ich  schon  vorausschicken,  daß ich eigentlich nur eine richtig
große Sensation entdecken konnte, dazu aber später mehr. Zunächst  mal
zu  den  Streich  und  Zupfinstrumenten:  Hier scheint sich ein groáer
Trend    in    Richtung-Natur    Saiten,    aus     Tierhaar,     oder
Kautschuklegierungen  zu  bewegen.  Auch  in puncto Resonanzräume soll
mehr auf Ökologie geachtet  werden.  Recycling  heisst  das  Stichwort
hier:  Aus  einem  stinknormalen  Tetra-Pack  wird  eine Geige !! Auch
toll....   Also    jetzt    ernsthaft:    Bei    den    elektronischen
Klangerzeugungswerken  stellten  die großen (und kleinen) Firmen, wie:
Sony, Roland, Casio, Yamaha, Vestax,  Quasimidi,  Doepfer,  Steinberg,
und  wie sie noch alle heißen, Ihre supergeilen neuen Produkte vor. An
jeden der jetzt vollgesabbert bis zur Unterlippe  darauf  wartet,  daß
ich  jetzt voll die Granatenneuigkeit loslasse: Pustekuchen !! Sicher,
es wurden neue Produkte vorgestellt, aber in die  Hose  pinkeln  mußte
sich  keiner.  Quasimidi  hat  eine  neue  Maschine  rausgebracht, die
Rave-O-Lution 309. Wie im Namen schon drinsteckt, hat es was  mit  303
und  909  zu tun. Äußerlich hat die 309 Ähnlichkeit mit der 303, Sound
sind auch ein paar versteckt, ebenso wie 909 Drums. Wer  nun  auf  der
Suche nach einem neuen Instrument ist, und zufällig 1500 DM übrig hat,
der ist mit diesem bestens bedient. Aber 1500 DM ??? Naja...

Steinberg stellte neben seiner neuen Cubase Version für Windows´95 ein
Computerprogramm vor, mit dem sich Original 303 und Co. Sounds auf der
Original  Bedienoberfläche  erzeugen  lassen.   Laut   Steinberg   das
komplette  Programm  für  eigene  Tracks.  Der  Name:  ReBirth RB 338.
Einziger Haken: Der Computer den man benutzt sollte schon  vom  feinst
en  sein,  und  das  bezieht  sich  nicht  nur auf den Rechner selbst,
sondern auch auf die Soundkarte...

Roland war mit der neuen Groovebox MC 303 am Start, Doepfer mit seinen
Superkomplizierten    Analogteilen,   und   Sony   mit   einer   Menge
Unterhaltungselektronik, also quasi der Katalog zum anfassen.  Pioneer
stellte  noch  mal  allen die neuen CDJ -CD Player und Mischpulte vor,
und holte sich sogar Mijk  van  Dijk  (Der  trotzdem  noch  mit  Vinyl
auflegen  wird)  um  zu  zeigen, daß der DJ-Trend der Zukunft den CD's
gehört (deswegen werden trotzdem noch über 75 %  der  DJ's  mit  Vinyl
arbeiten).

Bis hierhin fand ich alles noch recht unterhaltend, dann entdeckte ich
aber  einen  kleinen  unauffälligen  Stand,  der sich mit Mix Machines
bezeichnete. Mix Machines, dahinter steckt eine kleine deutsche 6-Mann
Firma. Der Inhaber der Firma hat vor Urzeiten den Original Beatcounter
erfunden.  Leider  hatte  er  damals  nicht  das  Geld   sich   diesen
patentieren  zu  lassen,  sodaß das richtige Geld mit dem Gerät andere
gemacht haben. Diesmal hatte er zwar auch nicht das  nötige  Geld  für
eine  Patentierung,  aber  er hat sich die Geräte trotzdem patentieren
lassen, und das zu  recht.  Ich  präsentiere  euch  nun  die  absolute
Weltneuheit:  Vinyl  Touch  light !! Das ist ganz banal gesagt erstmal
ein pobliger CD-Player. Aber, und jetzt kommt der Hammer, man kann ihn
komplett  über den Technics 1210 er steuern. Vom Start, bis zum Pitch,
abbremsen, beschleunigen, stoppen. Alles über das Turntable. Und alles
wird in Echtzeit an den CD-Player weitergegeben. Der Preis soll so ca.
bei 800-900 DM liegen. Watch out !!!
Ebenso neu ist Vinyl Touch classic. Das ist ein Pitch  Equalizer,  mit
dessen  Hilfe  die  Tonhöhe  eines  Tracks,  selbst  bei +/- 8%, immer
konstant bleibt, und das  um  vieles  genauer,  als  bei  den  Pioneer
Mixern.  Und  das  alles  wurde  hier  bei  uns  in  good  old Germany
entwickelt. Ist doch toll, oder ???

Soviel von den legendären Neuentwicklungen unserer "Lieblingscompanys"
kommen wir nun zu "alten  bekannten".  Der  derzeit  sehr  massiv  ins
Rampenlicht  tretende  Elevator  DJ-Equipment Versand aus Münster (die
"Erfinder" der Reloop-Geräte), präsentierte sich ebenfalls  mit  einem
Stand, und zeigte neben einem Angebot aus der aktuellen Produktpalette
auch einen neuen  Mixer  von  Intimidation  (die  mit  dem  DON),  der
exklusiv über Elevator in Deutschland vertrieben wird.
Eine Vorführung des neuen Gerätes ergab, dass man mit 18 Dreh-  und  4
Druckknöpfen  eigentlich  auch  recht nette Sachen machen kann. Bass-,
Höhen-, Mittelregler,... na super, hat ja jeder, also kommt zur  Sache
Jungs.  Nun  gut,  angenommen  ich  drücke  auf einen der Knöpfe, dann
passiert folgendes: Der Track beginnt zu Stottern. Das könnte man zwar
auch  zu  hause mit seinem Battle-Mixer machen, aber vermutlich nicht,
ohne seinen Fader in der Hand zu haben  (von  dem  Ast  den  man  sich
schüttelt  einmal  völlig  abgesehen). Cooler Effekt, aber nicht genug
für knapp 600 DM. Dafür kann der Mixer aber auch noch mit Hilfe seiner
Knöpfe mit einem Lied eine akustische Wanderung durch den Raum machen.
Auch ziemlich cool, aber ob es den Preis von ca.600  DM  rechtfertigt,
bleibt  den  individuellen  Ansprüchen  abzuwarten. Wer sich das ganze
denn mal genauer ansehen möchte: Das Ding heißt irgendwann  mal  APEX,
kommt von Intimidiation.
Außer dem Apex hat Elevator noch einen sehr gelungenen  Nachbau-Player
anzubieten  (wenn  nicht  vielleicht  noch  der  gelungenste). Starker
Motor, nette Optik, was zählt mehr ?? Der Preis!! mit ca.400  DM  noch
ganz vertretbar, deshalb: Tip !!

Tja, zu guter letzt wären vielleicht bloß noch ein paar Worte über den
Frontpage-Stand,  und  die damit in Verbindung gebrachte "Ausstellung"
Music and Technology". Erwartet mal nicht zuviel. Es war ein  Computer
(mit dem neuen Steinberger-Programm Rebirth 338), zwei Leute die einem
alle möglichen Fragen beantworteten, und  kostenlose  Frontpages.  Der
dazugehörende  Event  im  Dorian  Gray,  mit Talla und Tanith war auch
nichts anderes als ein Technoclub-Event mit Gast DJ. Punkt, ende,  bis
zum nächsten Jahr...
								 (tbc)
  

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