HousePool® Ausgabe 09 - Oktober/November 1996

Cocoon 2


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COCOON 2 - Zenith a Alabamahalle/Tempel (14.08.96)

Was wurde im Vorfeld für eine Schlammschlacht um diese Veranstaltung getrieben ... Hintergrund: Wolfgang Nöth, Münchner Hallenmogul, wollte nach der Schließung des Riemer Flughafens und noch vor der Eröffnung des Kulturparks München Ost im ehemaligen Pfanniwerk am Ostbahnhof München (7 September) eine zweite Partylocation in München etablieren. Die Zenithhalle an der Lilienthalallee 35 sollte mit Sven Väths Cocoon Festival, einer Verbindung zwischen Techno, Kunst und Jahrmarkt amtlich eröffnet werden, sogar in der Münchner Presse (Az, Tz, Süddeutsche, sonst eher der Technoszene nicht gerade sehr aufgeschlossen) wurde darüber berichtet. Nun, man hatte die Rechnung aber ohne den Wirt (sprich dem Kreisverwaltungsreverat München) gemacht. Die kamen erst einmal vorbei um die Halle abzunehmen und wegen feuerpolizeilichen Gründen (nicht genug Notausgänge, keine ausgewiesenen Feuerwehrausfahrten) wurde die Halle trotz vorher erfolgter mündlicher Zusage nicht für den Partyverkehr freigegeben. Man muß aber immer zwei Seiten sehen, die Halle war defintitv zum Zeitpunkt des 14.08 nicht fertig, es lag noch überall Bauschutt herum, viele Arbeiten waren noch nicht gemacht, bzw. Noch nicht vollendet, Herr Nöth wollte aber das Projekt auf jeden Fall durchziehen (finanzieller Verlust ...). Nun, was machen, es gab 3 Möglichkeiten, verlegen, absagen oder ausweichen. Das dumme war nur, der Vorverkauf war bundesweit schon abgeschlossen ... Nun, gegenüber anderen Mitteilungen (Verlegung auf einen späteren Termin) der Presse, wurde auf Plakaten durch überkleben eine neue Location (Alabama/Tempel) bekanntgegeben. Allerdings wurde Cocoon stark abgespeckt. Die geniale Deko, die beim Cocoon 1 in Frankfurt für Begeisterung sorgte, mußte mit dem Flugzeug nach FFM zurückgeflogen werden, man mußte sehr stark improvisieren, noch dazu wurden 2 DJ's vom Lineup gestrichen, leider 2 weswegen viele gekommen waren, Ritchie Hawtin (as known as the Plastikman) und Jeff Mills. Der Eintrittspreis wurde deshalb um 10 DM gesenkt, allerdings hatten die Leute Pech, die (wie ich) im Vorverkauf gekauft hatten. Nun zum eigentlichen Ereignis ... in der Alabamahalle legte Sven fast durchgehend von 23.00 Uhr bis 07.00 auf, unterbrochen von einem genialem Live-set von Earth Nation (wer die schon mal live gesehen hat, weiß, was ich meine, vor allem das live-drumming ist unschlagbar) und von einem Live-Auftritt vom Lokalmatador Acid Scout, der sich dem Sven Set anpaßte und ungewohnt trancig war. Das zweite Sven Set war das Beste, denn da gab es auf der Bühne etwas zu sehen, eine Fusion Techno-Kunst. Artisten zauberten mit Neon und Phosphor Gegenständen eine andere Welt auf die Bühne. Mit den einfachsten Mitteln (Ringe, Reifen, Bälle, Marionetten) wurde eine andere Dimension erschaffen, als dann noch eine wunderbare Fackeljongleurin das Publikum magisch in den Bann zog, untermalt von Svens Musik, fand man sich in einer Fantasyumgebung wieder. Das Interessante war, das fast alle Leute stillstanden, und fasziniert auf die Bühne starrten, sich von der Show verzaubern ließen, und sogar komplett die Musik vergaßen (so etwas habe ich noch nie erlebt) Offen gesagt, ich stand auch mit offenem Mund da ... Im Tempel ging es housiger zu, besonders zu erwähnen bleibt das Set von Felix Houzer, so etwas hab ich noch nie von ihm gehört, von House fadete er um zu Hardcore-Acid und brachte die Leute zum schreien und zum toben. Dieses Set werde ich nicht so schnell vergessen, es war besser als Sex, ich war innerhalb von 5 Minuten schweißnaß aber er hörte einfach nicht auf und bei Westbam's Terminator dachte ich, er will uns alle umbringen, aber es wurde noch schneller und härter und die TB 303-Sequenzen schraubten sich durch den Tempel ... aber sonst war der Tempel eher uninteressant, eher der Gegenpart zum relativ schnellen Sven-Tempo, aber dafür gab es hinter der Allabama einen Chillout-Raum, beschallt vom Love Parade Vater Dr. Motte, deshalb wäre nachher im Tempel mehr Speed angesagt gewesen, aber es war dann nur noch langweiligstes Deep-House zu hören. Das Publikum auf Coccon war trotz der Location überraschend gut, abschließend bleibt zu sagen, für das Gebotene wären 25 DM angebracht gewesen aber nie 40 DM. Sven präsentierte sich so wie auf Electric Acupunkture, nur die wirklich gute Bühnenshow und Felix Houzer ragten heraus. Also Fazit, durchwachsen - Sven wie man ihn kennt, etwas Kunst aber leider nicht mehr - nun, vielleicht verzeihbar durch die Umstände, aber eine Pluswertung ist nicht drin, da das Preis/Leistungsverhältnis nicht stimmte. Dank sei am Schluß an 89 Hit Fm gerichtet, die ihre Alabama-Summer-Party-Zone extra wegen Cocoon verlegten und sich mit uns solidarisch zeigten - danke Jungs, fight for your right to party !!! (hh)


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