COCOON 2 - Zenith a Alabamahalle/Tempel (14.08.96)
Was wurde im Vorfeld für eine Schlammschlacht um diese Veranstaltung
getrieben ... Hintergrund: Wolfgang Nöth, Münchner Hallenmogul, wollte
nach der Schließung des Riemer Flughafens und noch vor der Eröffnung
des Kulturparks München Ost im ehemaligen Pfanniwerk am Ostbahnhof
München (7 September) eine zweite Partylocation in München etablieren.
Die Zenithhalle an der Lilienthalallee 35 sollte mit Sven Väths Cocoon
Festival, einer Verbindung zwischen Techno, Kunst und Jahrmarkt
amtlich eröffnet werden, sogar in der Münchner Presse (Az, Tz,
Süddeutsche, sonst eher der Technoszene nicht gerade sehr
aufgeschlossen) wurde darüber berichtet. Nun, man hatte die Rechnung
aber ohne den Wirt (sprich dem Kreisverwaltungsreverat München)
gemacht. Die kamen erst einmal vorbei um die Halle abzunehmen und
wegen feuerpolizeilichen Gründen (nicht genug Notausgänge, keine
ausgewiesenen Feuerwehrausfahrten) wurde die Halle trotz vorher
erfolgter mündlicher Zusage nicht für den Partyverkehr freigegeben.
Man muß aber immer zwei Seiten sehen, die Halle war defintitv zum
Zeitpunkt des 14.08 nicht fertig, es lag noch überall Bauschutt herum,
viele Arbeiten waren noch nicht gemacht, bzw. Noch nicht vollendet,
Herr Nöth wollte aber das Projekt auf jeden Fall durchziehen
(finanzieller Verlust ...).
Nun, was machen, es gab 3 Möglichkeiten, verlegen, absagen oder
ausweichen. Das dumme war nur, der Vorverkauf war bundesweit schon
abgeschlossen ... Nun, gegenüber anderen Mitteilungen (Verlegung auf
einen späteren Termin) der Presse, wurde auf Plakaten durch überkleben
eine neue Location (Alabama/Tempel) bekanntgegeben. Allerdings wurde
Cocoon stark abgespeckt. Die geniale Deko, die beim Cocoon 1 in
Frankfurt für Begeisterung sorgte, mußte mit dem Flugzeug nach FFM
zurückgeflogen werden, man mußte sehr stark improvisieren, noch dazu
wurden 2 DJ's vom Lineup gestrichen, leider 2 weswegen viele gekommen
waren, Ritchie Hawtin (as known as the Plastikman) und Jeff Mills. Der
Eintrittspreis wurde deshalb um 10 DM gesenkt, allerdings hatten die
Leute Pech, die (wie ich) im Vorverkauf gekauft hatten. Nun zum
eigentlichen Ereignis ... in der Alabamahalle legte Sven fast
durchgehend von 23.00 Uhr bis 07.00 auf, unterbrochen von einem
genialem Live-set von Earth Nation (wer die schon mal live gesehen
hat, weiß, was ich meine, vor allem das live-drumming ist unschlagbar)
und von einem Live-Auftritt vom Lokalmatador Acid Scout, der sich dem
Sven Set anpaßte und ungewohnt trancig war. Das zweite Sven Set war
das Beste, denn da gab es auf der Bühne etwas zu sehen, eine Fusion
Techno-Kunst. Artisten zauberten mit Neon und Phosphor Gegenständen
eine andere Welt auf die Bühne. Mit den einfachsten Mitteln (Ringe,
Reifen, Bälle, Marionetten) wurde eine andere Dimension erschaffen,
als dann noch eine wunderbare Fackeljongleurin das Publikum magisch in
den Bann zog, untermalt von Svens Musik, fand man sich in einer
Fantasyumgebung wieder. Das Interessante war, das fast alle Leute
stillstanden, und fasziniert auf die Bühne starrten, sich von der Show
verzaubern ließen, und sogar komplett die Musik vergaßen (so etwas
habe ich noch nie erlebt) Offen gesagt, ich stand auch mit offenem
Mund da ... Im Tempel ging es housiger zu, besonders zu erwähnen
bleibt das Set von Felix Houzer, so etwas hab ich noch nie von ihm
gehört, von House fadete er um zu Hardcore-Acid und brachte die Leute
zum schreien und zum toben. Dieses Set werde ich nicht so schnell
vergessen, es war besser als Sex, ich war innerhalb von 5 Minuten
schweißnaß aber er hörte einfach nicht auf und bei Westbam's
Terminator dachte ich, er will uns alle umbringen, aber es wurde noch
schneller und härter und die TB 303-Sequenzen schraubten sich durch
den Tempel ... aber sonst war der Tempel eher uninteressant, eher der
Gegenpart zum relativ schnellen Sven-Tempo, aber dafür gab es hinter
der Allabama einen Chillout-Raum, beschallt vom Love Parade Vater Dr.
Motte, deshalb wäre nachher im Tempel mehr Speed angesagt gewesen,
aber es war dann nur noch langweiligstes Deep-House zu hören.
Das Publikum auf Coccon war trotz der Location überraschend gut,
abschließend bleibt zu sagen, für das Gebotene wären 25 DM angebracht
gewesen aber nie 40 DM. Sven präsentierte sich so wie auf Electric
Acupunkture, nur die wirklich gute Bühnenshow und Felix Houzer ragten
heraus. Also Fazit, durchwachsen - Sven wie man ihn kennt, etwas Kunst
aber leider nicht mehr - nun, vielleicht verzeihbar durch die
Umstände, aber eine Pluswertung ist nicht drin, da das
Preis/Leistungsverhältnis nicht stimmte. Dank sei am Schluß an 89 Hit
Fm gerichtet, die ihre Alabama-Summer-Party-Zone extra wegen Cocoon
verlegten und sich mit uns solidarisch zeigten - danke Jungs, fight
for your right to party !!!
(hh)
HousePool Magazine
Postlagernd
44621 Herne (Germany)
fax: +49-(0)2323-81357
http://www.turntable.de/housepool/
ftp://www.turntable.de/housepool/ftp/
email: HousePool@turntable.de
email: housepool@free.de (MAILING LISTE)
email: idc@turntable.de (IDC-Tipper)
irc: #HousePool (siehe Termine)