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Der Ausverkauf der Techno-Szene ?
Es war ein wundervoller Traum - als vor einigen Jahren eine neue Musikrichtung entstand und sich aufmachte die Welt oder besser unsere Ohren zu erobern. Alles sollte anders, unproblematischer, undergroundiger, unkommerziell kurzum - anders werden. Man wollte nicht die Fehler begehen, die die diversen anderen Musikstilrichtungen begangen hatten. Es sollte ein einschneidendes Erlebnis werden für die mittlerweise kaum noch zu überblickende Pop-Musik-Flut, die damals über uns alle hereinschwappte und drohte uns damit zu ertränken. Es war die Zeit einiger weniger Pioniere, die trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte eine neue Kultur begründeten. Zu diesen Pionieren gehören zum einen die US-amerikanischen DJs, die mit ihren Detroit- und Chicago-House-Platten einen der wesentlichsten Grundsteine für diese Musik legten und andererseits heute bekannte Größen wie Westbam, DJ Dick & Mate Galic, um hier nur einige wenige zu nennen. Doch wie sollte es anders sein - alles kam anders. Schnell - aus heutiger Sicht sogar viel zu schnell - entdeckten Wirtschaftsunternehmen aller Art - zuerst Major-Labels - den neuen, recht profitablen und zur Massenbewegung mutierten Musik- & Lifestyle-Trend. Die "ravende Gesellschaft" hatten wir uns alle herbeigesehnt ?! Sie sollte alles verändern - die Gesellschaft sollte sich ändern.Waren diese Ziele zu hoch ? War es ein Kampf gegen Windmühlen ? War es unmöglich geworden dieser Gesellschaft andere Wege aufzuzeigen ? Es kam schließlich wie es letztlich kommen mußte - Techno wurde von findigen Unternehmern und unserer schmarotzenden Gesellschaft ausgeschlachtet. Die Ideale mußten wiedermal dem Geld weichen. Eine andere "ravende Gesellschaft" kam. Mittlerweile dröhnt uns nicht nur aus fast jedem Autoradio, aus jedem Supermarkt und aus jedem Walkman Techno entgegen, sondern auch technounkundige Eltern, ältere Verwandte und Schilkinder werden mit passenden Formaten (dem sogenannten Technopop) bedient. Letztlich sprangen auch Techno-Labels auf den Kommerz-Zug auf. Aber warum kommerzielle Ziele nur verurteilen ? Warum sollte nicht ein Künstler nach jahrelanger Untergrund-Tätigkeit auch mal die Früchte seiner Arbeit ernten ? Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden, jedoch sollte dies nicht zur Ausschlachtung oder dem Verkauf der Ideale dieser Bewegung ausarten. Das es auch anders geht, zeigt sich bei diversen "Underground"-Tracks, die später von Major-Labeln lizensiert und/oder re-released werden. Meist sind dies dann auch kommerzielle Erfolge, die aber nicht speziell auf dieses Ziel hin konzipiert wurden. Diese Tracks werden durch den Re-Release bzw. durch die Lizensierung keineswegs schlechter oder besser, jedoch wird damit im eigentlichen Sinn aus "Underground" "Overground". Hiermit führt also eine "Underground versus Overground"-Diskussion ad absurdum.
In diesem Sinne - keep the spirit alive not the money ! (cm)
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