HousePool® - Der KOMMENTAR :
HousePool® kommentiert ein aktuelles Thema.
Hang the DJ - Tracks, Lügen und DJs
Vor einigen Ausgaben habe ich über den Egoismus und die Egozentrik der
DJs und die Mechanismen der House- und Techno-Szene geschrieben.
Anscheinend, nach langer Zeit des Wartens, scheine ich nicht allein zu
sein mit dieser Meinung. Nun, was bringt es wenn mensch auf der
Tanzfläche steht und der DJ in seinem Profilierungsdrang möglichst
"Underground" zu sein nur Tracks spielt, nach den physikalisch kein
Mensch vernünftig abzappeln kann. Kennt Ihr das Gefühl ? Gut,
natürlich unterscheiden sich die Musikgeschmäcker - doch was bringt
es, wenn die tanzende Meute sich nach dem DJ richtet ? Der DJ hat sich
nach den Tänzern zu richten und nicht umgekehrt - zumindest nach der
ursprünglichen Funktion eines DJs. Der Disc Jockey war Unterhalter des
Publikums. Er sollte das Publikum zum Tanzen bringen - sich also nach
der Stimmung des Publikums richten und seine Musik danach zu richten.
Heutzutage bekommen DJs eine Menge Geld nur dafür, daß sie ein paar
Platten hintereinander abspielen. Ob jemand tanzt und Spaß hat,
interessiert weder Veranstalter noch DJ. Glaubt mensch einigen
Technomedien in ihrem BSE-ähnlichen Underground-Wahn, ist ein DJ nur
gut, wenn er die Tanzfläche möglichst leer spielt, damit er sagen
kann: "Ich leg´ halt Underground auf...das ist anspruchsvolle Musik,
Musik mit Niveau...". Innovationsdrang und neue Ideen in Ehren - aber
bitte da, wo es angebracht ist. Abstrakte oder innovative Musik ist
zwar wichtig, aber ist der Dancefloor der richtige Ort für sie ? Sind
diejenigen, die diese Art der Musik nicht mögen also dumm, oder was ?
Bezahlen wir soviel Geld nur dafür, um uns beleidigen zu lassen ? Von
uns leben sie ja schließlich !
Die Techno-Szene hat sich auf ihr Banner geschrieben, sich von
gängigen Marktstrukturen abzuwenden und völlig anders zu sein. Die
Marktstrukturen wurden schon übernommen - sind nun individuelle
Egozismen und maßlose Selbstüberschätzung dran ? Beispiele dafür gibt
es leider zu Hauf.
Nun, Leute, die von der ganzen Vorgeschichte keine Ahnung haben und
erst vor kurzem zur Szene hinzustießen, finden das wohl normal - sie
kennen es ja auch nicht anders. Wie auch - wenn schon ein weiblicher
"Star DJ" nach mehren Jahren des Auflegens erst vor kurzem in einer
bekannten TV-Personality-Show voller Freude dem Publikum mitteilt
haben soll, daß sie von nun an mehr für ihr Publikum auflegen
würde.... Als Mensch, der sich mit der Musikszene mehr auskennt,
fehlen einem die Worte ! Überspitzt ausgedrückt: Ich bin nicht
ausländerfeindlich ! - Das ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit und
absolut nicht erwähnenswert !!
Aber wahrscheinlich ist das einer der Punkte der "etablierten"
Gesellschaft gegen den sich die Techno-Bewegung gewendet hat.... Aber
wenn man mittlerweile schon die Marktstrukturen dieser Gesellschaft
übernommen hat, kann man das doch eigentlich auch wieder übernehmen,
oder ?
Große Namen und noch weniger dahinter. Szenen haben halt bestimmte
Mechanismen und Aushängeschilder mit großen Namen, die ihr Produkt
sind. Aber sicher - kein DJ kann und darf dagegen verstoßen, ohne
Konsequenzen fürchten zu müssen. Es ist also wie in der etablierten
Gesellschaft: Schwimm´ mit dem Strom, möglichst auf den höchsten
Wellen, andernfalls gehst du unter. Oder anders ausgedrückt: Die Welt
dreht sich um den DJ, nicht der DJ um die Welt. Es gab schon mal
jemanden, der sich gegen die Meinung der Herrschenden gewandt hat. Er
hat behauptet, die Erde drehe sich um die Sonne und nicht
umgekehrt....
(cawi)
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