Satire Die Leiden eines Nachwuchs-Produzenten Tja Leute, es ist wieder mal Freitagnachmittag - d.h. ab zum Plattendealer und die neusten Platten eingesackt, sofern unser Dealer sie hat oder herausrückt. Auf dem Weg zum Record-Shop begegnen mir wieder viele unwissende Gesichter, die jedesmal ganz verstört und verständnislos dreinschauen, wenn sie am Record-Shop vorbeikommen und die Bassdrum ihnen genau in die Seite schallt. Zurückgeworfen von so viel Kulturlosigkeit machen sie sofort einen großen Bogen um das Geschäft, daß diese Teufelsmusik vekauft (Schon mal die Zeugen Jehovas mit einem Gettoblaster, aus dem Techno schallt, begrüßt ??? Was ein Spaß !). Betritt mensch nun, nachdem mensch die üblichen Gefahren des Straßenverkehrs überstanden hat, den Record-Shop, blicken einen sofort die musternden Gesichter der im Laden versammelten Vinyl-Junkies an. Hat mensch die prüfenden Blicke nach dem Motto "Kenn´ ich den ? Muß´ ich den überhaupt kennen ? Is´ der berühmt ? Muß´ ich mich jetzt bei dem einschleimen und den grüßen ? Sieht ja eigentlich Scheiße aus" überstanden, kann mensch sich endlich seiner Vinyl-Sucht widmen und die Suche nach neuem Input kann beginnen. Die besten Chancen bei dieser "Eingangsprozedur" hat derjenige, der schon von weitem vom Record-Dealer höchstpersönlich mit einem schallenden "Hallo !" bedacht wird. Die schlechtsten Karten hat der wirkliche UndergroundTechnohead. Sieht mensch überhaupt nicht nach Techno aus und arbeitet tatsächlich ohne großes persönliches Aufsehen im und für den Underground, hat mensch verloren. Tatsächlich hat der Record-Dealer dann noch Panik in den Augen, daß mensch seine CD´s klaut, wenn mensch nur mal einen flüchtigen Blick ´draufwirft. Hat unser Nachwuchs-Produzent seine Vinyl-Sucht vollständig befriedigt und sich zu Hause seine frisch erworbenen Platten angehört, kehrt es zu seinem Equipment zurück, um die gerade aufgenommenen Inputs in die Tat umzusetzen. Schnell den Computer und das andere gesamte Equipment-Gesocks angeworfen, den Sequencer eingeladen und...Schock !!!...der PC hat sich zum erstenmal aufgehangen ! Also wieder alles ausgeschaltet und neu gestartet und diesmal hält der PC auch, was M****soft verspricht und hat alles eingeladen. Nun an den Synthesizer gesetzt...der nächste Schock...der Synthesizer hat nen´ Wackelkontakt...einmal mit der Faust davor geschlagen...das Kick-Start-Prinzip hilft immer ! Nach einigem ´Rumschrauben an meinen Geräten habe ich, wie ich meine, dann einen Track halbwegs fertig -denkste !!! Denn das, was ich fabriziert habe klingt keineswegs so wie beabsichtigt ! Schon gar nicht wie meine Vorbilder ! Schluck !!! Was nun ? - Zur Sicherheit ´mal abspeichern, vielleicht ist es ja irgendwann ´mal brauchbar. Naja, fangen wir wieder von vorn´ an. Dann will ich den Speicher des Computers löschen- Mist, schon wieder !!! Mein kleiner Computer-Freund hat sich schon wieder den Strick genommen !! Wieder alle Geräte ausgeschaltet und die gesamte Prozedur beginnt von vorne. Einschalten, Computer hochladen lassen, Software laden. Ein Blick auf das Zeiteisen sagt mir, daß mittlerweile vier Stunden vergangen sind...und draußen ist es mittlerweile auch dunkel geworden. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir die Hölle meiner Jugend-Kleinstadt bei Nacht...Pah ! Naja, vom Produzieren naß geschwitzt, schnell geduscht, ab ins Auto und die Freundin abgeholt, die schon ungeduldig wartet. Mensch, sieht sie heute wieder scharf aus. Bevor ich auf andere Gedanken komme, zerrt sie mich in Richtung Auto. Schade drum. Ab zum Club... mensch muß sich schließlich Kontakte schaffen. In den Club werd´ ich nicht eingelassen, weil ich weder ein Mädel in knapper Reizwäsche noch mit dem Türsteher verwandt bin oder ihm ein üppiges Bestechungsgeld bieten kann. Tja, soll in den besten Clubs vorkommen.... Also die Freundin wieder ins Auto gepackt. Mittlerweile ist es nach 1 Uhr und die Lust aufs Tanzen ist mir vergangen. Auf dem Heimweg versuch´ ich mir selbst meinen Techno-Haß auszureden. Als ich meine Freundin zu Hause absetze, bietet sie mir an noch mit ´reinzukommen - doch auch darauf ist mir die Lust vergangen. Sauer knallt sie meine Autotür zu und verschwindet schnell im Haus. Zu Hause angekommen trete ich aus Frust vor mein Materkeyboard, das daraufhin zu Boden fällt und das Modulations- und Pitchbendrad herausspringen. Na bravo !!! Die Reperatur wird mich auch wieder ein paar hundert Mark kosten !!! Neues Mischpult adé...(Toshie)
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