HousePool® Ausgabe 05 - Februar/März 1996

Das leidliche Thema Drogen


  

Das leidliche Thema Drogen...

Eigentlich wollte ich ja nie über diese Pseudo-Problematik etwas schreiben, weil mir das ganze Thema immer nach Mediengewäsch roch und es mir zu billig war auf irgendwelche Vorurteile zu reagieren.

Jetzt aber scheint mir die Zeit doch reif dafür zu sein und ich sehe mich gezwungen, hierzu das eine oder andere Wort zu schreiben.

Der Ausschlag dafür kam kurz nach Weihnachten, als ich in den Nachrichten hörte, daß ein junges Mädchen an den Folgen von Extasy-Konsum gestorben ist. Einige Tage später verlautete der BFBS-Nachrichtensprecher, daß ein Besucher des Club UK eben dort ebenfalls durch Drogenkonsum verstarb.

Obwohl diese Thematik in den Medien immer hochgepusht wird, um uns alle als drogensüchtige und taube Spinner darzustellen, fällt einem doch gleichzeitig die Verharmlosung dieses Problems in der Szene selbst auf. Klar - für die Gesellschaft ist es natürlich einfacher uns in Schubladen zu stecken und uns allgemein zu verurteilen. Das wurde ja schließlich schon immer so gemacht. Sei es mit den Punkern, den Rockern, den Heavies, den Hippies, oder was sonst noch dem Bild des Otto-Normal-Spießers nicht ganz entsprach.

Andererseits wird in der Szene, im Club, auf Raves, in Discos oder auch zu Hause munter weiter ein ´E´ nach dem nächsten eingeschmissen. Das dies zwar nur ein sehr geringer Teil der Raver ist, dürfte klar sein, denn die Mehrheit dürfte wohl eher der Sucht nach Musik und Rhythmus verfallen sein, als der nach MDMA, oder sollte ich da irren ?

Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack, denn nach Aufklärung sucht man lange...und vergeblich. Bisherige Versuche in dieser Richtung floppten. Und so wissen die meisten Konsumenten wohl immer noch nicht was sie da eigentlich schlucken. Damit bietet sich natürlich ein idealer Markt auf dem sich mehr und mehr unseriöse Anbieter tummeln, so daß man unsaubere Mittel bekommt, die in irgendeinem Hobby-Labor zusammengebraut wurden.

Um so mehr fällt hier die Gesellschaft und der Staat sowohl durch seine Untätigkeit - oder durch das andere Extrem - auf. Immer wieder werden Discos, Clubs und Raves - oder andere Großveranstaltungen - in von der Polizei durchsucht, Besucher gefilzt, oder sogar gleich mit auf die nächste Wache geschleppt werden.

In welch einem verlogenen System leben wir eigentlich ??? Irgendwie erinnert mich das ganze Schlachtfeld an die Prohibition. Alkohol war damals der Feind. Auch ihn hat man mit allen Mitteln bekämpft und mußte letztendlich doch kapitulieren. Was man nicht besiegen kann vereinnahmt man !?

Um es aber klarzustellen: Ich bin sowohl ausdrücklich gegen Drogenkonsum (das eine oder andere Gläschen Alkohol möge man mir hier verzeihen), ebenso fordere ich hiermit niemandem zum Drogenkonsum auf. Vielmehr sollte man den Konsumenten erklären was sie da nehmen und daß XTC nicht gleich XTC ist. Bei den Hinweisen auf die Gefahren sollte man mal auf den obligatorischen Zeigefinger verzichten. Aber auch ihr selbst seid gefragt ! Überlegt Euch mal, warum ihr überhaupt Drogen nehmt und wofür ihr sie braucht !? Ist es nicht so, daß es gerade "in" ist und ihr damit cool erscheinen wollt ? Weil ihr Angst habt beim nächsten 48 Stunden Rave nicht mehr durchzuhalten ?

Mein eigentlicher Zweck ist hier einige Leute mal zum Nachdenken zu bewegen, so daß mir vielleicht irgendwann diese Meldungen von erneuten Extasy-Opfern, die noch nichtmals wissen woran sie starben, ersparrt bleiben.

Für eine bessere Techno-Community, denn abfeiern und Spaß haben kann man auch ohne Drogen. Die einzige Droge ist die Musik...also denkt mal drüber nach...bitte ! (cm)


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