DIE BRIMSTONE SAGA II (Teil:2)Written by: Rainer Thieke
KAPITEL I
Das Blut der Unschuldigen
Von dem plötzlichen Schlag auf dem Hinterkopf vollkommen überrascht, fiel der Händler mit einem leisen Seufzer bewusstlos in sich zusammen.Dabei polterteten seine Sachen,die er die ganze Zeit über auf den Rücken getragen hatte,klirrend zu Boden.Glänzende Schüsseln, und wertvoll aussehendes Besteck verstreuten sich auf den Kiesweg. Der Händler rührte sich nicht mehr.Er lag mit dem,von einem Schal verdeckten,Gesicht auf dem Boden und hatte beide Arme weit von sich gestreckt. "Volltreffer.",grunzte die Person,die sich von hinten an den Mann heran geschlichen hatte.Kurz darauf traten fünf weitere Personen aus dem Dickicht hervor.Sie hatten sich die ganze Zeit über hinter einer Reihe von Büschen versteckt. "Gute arbeit,Hamzel !",freute sich einer von ihnen und begann das glänzende Besteck in seinen Mantel zu verstauen. Die sechs Personen sahen allesamt gleich aus.Sie waren in grüne Gewänder gekleidet und hatten Tücher über ihre Augen gebunden,damit sie niemand erkennen konnte.Kleine unscheinbare Dolche baumelten von ihren Gürteln.Nur Hamzel,der Anführer der Diebesbande trug keine Augenbinde und statt eines mickrigen Dolches ein mächtiges Breitschwert an seinem Gürtel. "Beeilt Euch gefälligst !",kam der knurrende Kommentar von dem Anführer der Diebesbande.Seine anderen Gefährten waren dabei die Beutel voller Gold zu entleeren,die an dem Gürtel des Händlers fest verschnürt waren.Dolche blitzen kurz auf und kurz darauf kullerten die Münzen durch den zugefügten Schnitt. "Hamzel...",maulte ein Dieb und wies mit mit einer Hand die kleine mit Kies belegte Strasse hinauf.Hamzel lachte laut auf als er in weiter ferne drei weitere Händler sah die sich auf ihrem Weg befanden. Sie trotteten in ihre Richtung und unterhielten sich Gestenreich. "Heute ist unser Glückstag ! Zurück auf Eure Posten !",freute sich Hamzel und klatschte in seine Hände. Seine Kumpanen befolgten den Befehl und in wenigen Sekunden waren sie in den nahegelegenen Büschen entschwunden.Den ohnmächtigen Händler zogen sie hinter sich her.
Der gross gewachsene Händler bemerkte als erster die Münzen,die verstreut auf der Kiesstrasse lagen.Jemand hatte hier seine Spuren hinterlassen.Aus den Augenwinkeln sah er weitere Münzen die zu einer Barriere von Büschen zu seiner linken führten. "Was haben wir Heute Geld gemacht,Freunde.",sprach er so laut, damit es auch jeder verstehen konnte.Auch diejenigen die ihren Augen momentan verborgen waren. "Beim Zeus !",sprach der andere,ebenso laut. "Ich kann es nicht abwarten den Wein in Thorrun fliessen zu sehen !" "Wer hätte gedacht das uns Flawil ein so gutes Geschäft bescheren würde ?",freute sich der letzte im Bunde.Aber seine Stimme klang nicht so freudig erregt wie die der anderen beiden. Langsam gingen die drei weiter,als hätten sie die Gestalt gar nicht bemerkt die sich langsam an ihnen heranschlich.Der Dieb,der sich von hinten näherte verursachte keinerlei Geräusche.Trotzdem war er bemerkt worden. Der Händler in der mitte zog seine Hose hoch,die ihm bei jedem Schritt weiter von der Hüfte rutschte.Sein Beutel voller Gold klimperte dabei.Der Händler ganz rechts aussen atmete tief durch.
Glaubt er,ich würde ihn nicht bemerken ? Für wie schlau hält sich dieser Narr eigentlich ?
Einer der Händler machte noch zwei Schritte,bis er sich plötzlich duckte und mit einem Arm nach hinten griff.Ohne den Dieb hinter sich zu sehen packte er ihn an seine Kleidung und wuchtete den Arm mit einem Bogen nach vorne.Der Dieb lies einen Schrei der Überraschung von sich,als er im hohen Bogen über den knieenden Händler flog und wenige Fuss vor ihm auf den Rücken landete,mit solcher Wucht das einige Kieselsteine reissaus in alle Himmelsrichtungen nahmen. Noch bevor der Dieb sich wieder aufrichten konnte,sah und spürte er auch schon die Klinge die auf seinem Hals ruhte. "Eine falsche Bewegung und dies wird die kürzeste Auseinandersetzung Deines Lebens sein !",sprach der Händler ruhig und gelassen,während er sich aufrichtete,wobei die Spitze seines Schwertes immer noch auf den vor ihm liegenden Dieb wies. "Du bist nicht Hamzel !",knurrte der Händler links aussen und bäumte sich erbost auf. "Nein ! Das bin ich !",kam eine Stimme aus dem grünen Dickicht.Kurz darauf traten fünf Personen aus dem Grün hervor,darunter auch der Anführer der Diebesbande. "Ihr macht es uns verdammt schwer Euch auszurauben,was ?",grunzte Hamzel und zog sein Breitschwert.Seine Kumpanen taten es ihm gleich und hatten im Nu ihre Dolche gezückt. "Zum Hades mit Dir,Hamzel !",rief der Händler links aussen. "Es gab Zeiten da hast Du das Überfallen noch selbst in die Hand genommen.Jetzt schickst Du schon Deine Handlanger !?" "Zeiten ändern sich,wie ich sehe. Bewaffnete Händler !!!",er lachte laut auf. "Wer seid Ihr wirklich ?" Die Händler tauschten kurz ein paar Blicke untereinander aus,dann begann der linke seinen Schal zu entfernen,der die hälfte seines Gesichtes verbarg. "Venom,Thorrun`s Sicherheitskräfte.",stellte er sich vor und lies die Lumpen fallen die nur zur Tarnung dienten. Der Händler in der mitte nickte kurz und lies seine Verkleidung fallen. "Adlera,Thorrun`s Sicherheitskräfte.",sprach sie langsam und deutlich als erwartete sie das es die Diebe von ihren hübschen Lippen ablesen würden.Oder vielleicht genoss sie es auch nur diese Worte aussprechen zu können.Der Händler rechts aussen zuckte kurz mit den Schultern. "Jetzt bin ich wohl an der Reihe." Er wickelte den Schal von seinem Gesicht und schmiss die unbrauchbaren Lumpen,die einer typischen Bekleidung eines Händlers täuschend echt nachempfunden waren,zur Seite. "Zenbar - den Rest kennt ihr !" Aus den Augenwinkeln beobachtete er den Dieb unter ihm,der sich keinen Millimeter gerührt hatte,nachdem er Bekanntschaft mit seinem Schwert gemacht hatte. "So...! Sicherheitskräfte von Thorrun.",Hamzel`s Augen blitzen kurz auf.Er fuhr sich mit einer Hand über seine Glatze,als wollte er damit den Schnee wegwischen der in seichten Flocken vom Himmel fiel. "Ja,seid Ihr denn des Zählens nicht mächtig ? Wir sind zu sechst und Ihr seid zu dritt !",knurrte der Anführer der Diebe. Zenbar und Adlera blickten sich in die Augen. "Er hat recht,Zenbar !" "Zweifelsohne,Kleines !" Adlera machte eine aufscheuchende Handbewegung,als hätten sie es hier nicht mit qualifizierten Dieben sondern mit Hühnern zu tun. "Sechs gegen Drei ist nicht fair,da habt Ihr vollkommen recht. Los verschwindet ! Ihr dürft gehen,wir lassen Euch kampflos ziehen." Wieder diese aufscheuchende Handbewegung und lautes Gelächter von allen Seiten war die Antwort. "Aber !",rief Adlera und hob ihren Zeigefinger. "Hamzel wird mit uns kommen.Es gibt da jemanden in Thorrun,der ihn gerne vor Gericht sehen würde." Hamzel lachte laut auf.Wütend blickte er seine Kumpanen an,als er bemerkte,das er diesmal der einzige gewesen war der amüsiert schien.Die Blicke seiner Kameraden waren fast entschuldigend und schliesslich stimmten sie seinem donnernden Gelächter mit ein. Er hob eine Hand und das Lachen erstarb abrupt. "Keiner meiner Freunde wird mir von der Seite weichen ! Wir werden kämpfen müssen...!",man sah ihm an,das diese Vorstellung ihm freude bereitete. "Wenn`s denn sein muss.",murmelte Venom,griff hinter sich und holte einen langen Kampfstab hervor,der vorher verborgen gewesen war. "Aber bitte schnell...",sprach Aldera sichtlich gelangweilt. "In Thorrun wartet eine heisse Suppe und ein warmes Bett auf mich !" "Bringen wir es hinter uns.",zischte Zenbar durch seine Zähne.
"Bringt sie fort !",grunzte Genamis mit angewiderter Miene. Venom stiess Hamzel und seine Kumpanen durch den Raum.Ihre Ketten,mit denen sie die Bande an den Armen befestigt hatten,klirrten und schleiften teilweise über den steinigen Boden. "Gute arbeit,Zenbar.Diese Bande hat uns nun schon lange genug probleme bereitet.Endlich ist dem ein Ende gesetzt worden !" Zenbar nickte kurz. "Dafür sind wir hier...",sprach der gross gewachsene Krieger leise. "Ganz richtig.Und ich bin froh das Du Dich doch noch entschieden hast der SKT beizutreten." "Es hat nichts mit moralischen Werten zu tun.",sprach Zenbar und setzte sich auf einen nahegelegenen Stuhl. "Es geht mir um das Geld - nichts weiter..." Genamis schmunzelte leicht. "Das ist ein Schutzschild den Du Dir selbst aufgebaut hast,Zenbar. Wenn es soweit kommen sollte das Dein Innerstes nach Recht und Ordnung gefragt wird, dann wird dieser Schild in sich zusammenbrechen." "Ich bin nicht wie Venom oder Adlera.Mir geht es nicht darum Horisha von seinen Verbrechern zu befreien.Nicht in erster Linie." Genamis nickte langsam und stemmte seine Hände in die Hüfte. Er war übergewichtig,und Zenbar erstaunte es immer wieder wie er sich in eine so enge Stahlweste zwengen konnte.Seine langen grauen Haare lagen ihm strähnig und fettig in seinem runden Gesicht. Die Frauen lagen ihm sicherlich nicht zu Füssen,wie Zenbar beim genaueren Betrachten Genamis feststellte. "Ich kenne Deine Vergangenheit,Zenbar.Ich weiss das Du damals enttäuscht wurdest.Enttäuscht von Menschen denen Du vertraut hattest. Aber deswegen solltest Du nicht Deinen ganzen Glauben an die Menschheit zum Hades schicken !" "Ich habe nur einfach keine lust mich in allem zu sehr reinzusteigern.Seht Euch Adlera an...sie würde Ihr Leben für die Götter geben.",sagte Zenbar und schüttelte fassungslos den Kopf. "Sie würde Ihr Leben für ein paar Götter lassen die es ihr nicht gleichtun würden." Genamis Stimme wurde ein wenig lauter: "Ich bewundere diese Frau.Ich wünschte Du hättest Ihre Einstellung !" Zenbar erhob sich und sah mit strengem blick in Genamis Augen. "Diese Zeiten sind vorbei,Genamis.Aber um Eure Frage zu beantworten: Nein,ich habe den Glauben an die Menschheit nicht verloren. Wenn dem so wäre,dann würde ich wohl nicht für die SKT arbeiten. Die Ziele der -Sicherheitskräfte von Thorrun- sind ehrenhaft und ich werde da sein wenn Hilfe benötigt wird." Der Krieger begab sich zur Tür. "Aber ich werde keinen Handschlag für diese feigen Götter tun, die niemals zur Stelle sind wenn wir sie benötigen !" Genamis sagte darauf nichts.Stattdessen verzog er sein Gesicht, als hätten ihn Zenbar`s Worte zum grossen nachdenken verleitet. "Bitte abtreten zu dürfen.",flüsterte Zenbar und als er Genamis nicken sah verlies er den Konferenzraum der SKT.
Halb kniend stützte er sich auf das Brimstone,das heilige Schwert des Avalas,und sein angestrengter Blick verfolgte die züngelnden Flammen im Kamin. Kleine Schweissperlen glänzten auf seinem nackten Oberkörper,sein Atem ging angespannt über seine Lippen.Zenbar wusste das etwas nicht stimmte. Er hatte seit ein paar Tagen wieder diese Träume.Die Szenarien die sich des Nachts in seinem Kopf abspielten glaubte er zu kennen, andererseits waren sie ihn so fremd.Verschwommene Gesichter, dumpfe Schreie,ein dichter Nebel mit vagen Gestalten im Hintergrund. Gestalten die er glaubte zu kennen.Tolve ? War es nicht der Schrei Tolve`s gewesen der seinen Namen schrie ? Zenbar wischte sich über seine Stirn und der Schweiss benetzte seinen Handrücken.Unruhig bebten seine Lippen. "Warum ?",flüsterte er leise. "Warum kann ich mit der Vergangenheit nicht abschliessen ?" Er verfolgte einen kleinen Funken der im Kamin einen langen Bogen flog um dann anschliessend wieder im roten Feuer zu verschwinden. Er hatte seit Tagen nicht mehr richtig schlafen können,irgendeine innere Unruhe hatte sich in ihm breitgemacht. Er hörte ein leises Stöhnen im Hintergrund und anschliessend leise tapselnde Geräusche die sich ihm von hinten näherten. "Habe ich Dich geweckt ?",fragte Zenbar leise,wohlwissend das es nicht Venom war,der seinen Arm um seine Schultern schlängelte. "Was ist mit Dir,Zen ?" "Ich...ich weiss es nicht." Adlera legte ihren Kopf auf seine rechte Schulter. "Du hattest wieder diesen Traum ?",fragte sie leise. Zenbar antwortete nicht auf ihre Frage.Er schien völlig Geistesabwesend in den Kamin zu starren. "Morgen ist es zwanzig Jahre her...",flüsterte der Krieger. "Und es ist als hätte ein Alarm mein innerstes aufgeschreckt.Als versuche mich jemand darauf aufmerksam zu machen das etwas geschehen wird." Adlera seufzte laut auf. "Ich hatte gehofft Du hättest damit endlich abgeschlossen !" "Wie kann ich damit abschliessen wenn ich immer wieder damit konfrontiert werde ? Man schimpft mich den Sohn eines Verräters,weil mein Urgrossvater sich den Mächten der Finsternis angeschlossen hat. Ich habe diese verdammten Träume, wo ich glaube Tolve zu hören wie er meinen Namen ruft...",Zenbar schüttelte heftig den Kopf und senkte sein Haupt. "Nein,es ist noch nicht vorbei." "Watzaka ist tod,Zen !" "Ja...",hauchte Zenbar,und legte seine Stirn in Falten. "Jemena ist nicht mehr - Fumbul,Watzaka - die Diener des Baphomet wurden bezwingt.Und ich wünschte man würde mich einfach in Frieden lassen damit ich diese Vergangenheit endlich begraben kann." "Du hättest Dich uns nicht anschliessen sollen...",murmelte Adlera so leise,als hätte sie sich erhofft das Zenbar es nicht mitbekäme. Er schielte ihr in die glasklaren blauen Augen. "Was soll das heissen ?" Adlera stöhnte laut auf und streckte sich. "Ich bin einfach der Meinung das Dein Eintritt in die Sicherheitskräfte von Thorrun kein weiser Entschluss war.DAS ist der Grund warum Dein innerstes zu protestieren scheint.Vielleicht will es einfach mit allem abschliessen...vielleicht hättest Du Dich einfach zur Ruhe setzen sollen - Du bist auch nicht mehr der Jüngste." "Vielen Dank auch...",grummelte Zenbar und überlegte kurz was er dagegen agumentieren konnte. "...aber ich denke das ist genau das was ich brauche nach der langen Ruhepause die ich mir gegönnt habe.Genamis ist im glauben das ich die arbeit des Goldes wegen verrichte,das ist in meinem Interesse, - aber in wirklichkeit geht es hier um mehr als das - es geht um Thorrun !" "Natürlich !",sprach Adlera. "Es geht gegen die Verbrecher Horisha`s...!" Zenbar schloss seine Augen. "Es hat sich viel geändert zu damals.Erinnerst Du Dich an die Zeit als Du in Flawil gelebt hast ?" Adlera nickte langsam. "Die letzten Schergen Watzaka`s wurden vernichtet.Ich war damals noch ein kleines Kind als Du mit ein paar Kriegern losgezogen bist um die letzten Dämonen Horisha`s zu vernichten...aber ich erinnere mich an die Zeit." "Damals war Horisha noch ein freies Land,frei von korrupten Politikern.Man hatte den Rat der Ältesten gegründet in der Hoffnung, das man das Land in den Griff bekommen könnte." Adlera nickte langsam. "Stattdessen wurde alles nur noch schlimmer.Diebe,Halunken, Mörder - Horisha ist voll davon.",sprach die Kriegerin. "Du hast vollkommen recht. Seitdem jeder Bürger Horisha`s monatlich seine Abgaben leisten muss geht es hier drunter und drüber." "Ich halte nicht viel davon...",erklang die zornige Stimme Zenbar`s. "Die Armen werden nicht berücksichtigt - wer die Steuern nicht bezahlen kann kommt in den Kerker.Sie haben kaum Gold zur Verfügung weil ein paar der Ältesten drei mal am Tag ihre warme Mahlzeit haben müssen.Wen wundert es,wenn der ehrliche Bauer zu einem Dieb wird um seine Familie ernähren zu können ?" Adlera und Zenbar schwiegen eine ganze weile und gingen ihren Gedanken nach.
Die Sicherheitskräfte von Thorrun wurden kurz nach dem Angriff der Orks gegründet,als es das Heer von Horisha nicht für nötig hielt einzugreifen und die Bewohner dieses kleinen Dorfes sich selbst ihrer Haut erwehren mussten.Es war der auftakt einer ganzen Schaar von Sicherheitskräften,die sich verteilt in ganz Horisha gebildet hatten. Flawil hatte seine "Beschützer",ebenso wie Bonbolo oder Wultawa. Die finanziellen Mittel waren knapp bemessen und viele Kämpfer die sich den Sicherheitskräften anschlossen taten dies ihrer Überzeugung wegen,ohne Gold zu verlangen.Diejenigen die bezahlt werden wollten bekamen ihr Gold - das in diese Initiativen nur durch die Spenden der Einwohner floss. Der Rat der Ältesten missbilligte die Sicherheitskräfte,die sich jeweils um eine Stadt in Horisha kümmerten.Man hatte das Heer zum Schutze Horisha`s gegründet - warum sich also einer kleinen Schaar von Beschützern anschliessen,wenn man der wahren Streitmacht Horisha`s beitreten konnte ? Viele taten dies alleine schon des guten Goldes wegen.Der Rat zahlte den Söldnern Horisha`s viel.Ein einzelner Krieger bekam in einem Monat die Summe,für die ein Bauer ein ganzes Jahr lang hart schuften musste.Alleine die Tatsache das dieses Gold schmutzig war hinderte Zenbar daran sich dem Heer anzuschliessen.Auch wenn es hier bei den Sicherheitskräften weitaus weniger Gold gab,so war es wenigstens ehrliches ; es summierte sich nicht durch das Eintreiben der Steuergelder von verarmten Familien,die kaum Gold hatten um sich richtig ernähren zu können.Das beruhigte Zenbar.
Auf der einen Seite waren die Sicherheitskräfte von Horisha - auf der anderen das mächtige Heer.Beide hatten das Ziel für Recht und Ordnung zu sorgen.Aber auch wenn beide Seiten eine ehrenvolle Aufgabe hatten, war Zenbar klar das sie nie Hand in Hand arbeiten würden. Das Heer ging viel zu brutal vor.Sie handelten auf Befehl der Ältesten, die in Horisha das Sagen hatten.Zenbar hatte nie verstanden wie man so ohne Rücksicht auf Verluste sich für sein Land einsetzen konnte. Er erinnerte sich an die Tragödie in Wultawa,der neu erbauten Stadt weit im Westen Horisha`s.Das Heer marschierte dort ein um einige Verbrecher zu stellen.Es waren ein paar Diebe gewesen die sich dort ihren Unterschlupf gesucht hatten.Anstatt die Verdächtigen festzunehmen floss Blut - auch das vieler Unschuldiger.Zenbar wusste nicht genau was dort damals vor sich gegangen war,aber man erzählte sich das einfach jeder der auch nur ansatzweise des Verdachtes stand,auf brutalste Art und Weise getötet wurde.Selbst der Taverneninhaber,der die beiden Diebe aufgenommen hatte wurde umgebracht.Er selbst war aber nicht an den Machenschaften der Diebesbande beteiligt,er wusste noch nicht einmal das die Leute,denen er das Zimmer vermietet hatte, bereits Monatelang auf der schwarzen Liste des Rates standen. Für das Heer spielte das keine Rolle.Der Taverneninhaber trug Mitschuld und wurde kurzerhand hingerichtet - genau wie seine Frau und seine Tochter.Ein neunjähriges Kind...
Zenbar senkte den Kopf.Das Blut der Unschuldigen in Wultawa war nicht die einzige Schande die auf dem Heer lastete.Es hatte sich viel zuviel geleistet.Zuviel,als das Zenbar auch nur einen funken Sympathie für die Streitmacht Horisha`s in sich trug. "Hier bei den Sicherheitskräften fühle ich mich wohl.Die Leute hier kenne ich,denen vertraue ich.",sprach Zenbar und schaute in Adlera`s Augen. "Wir haben die gleichen Ziele wie das Heer, nur mit dem Unterschied das wir mit etwas mehr Herz und Verstand an die ganze Sache gehen..." Zenbar und Aldera hatten sich kurz über die Tragödie in Wultawa unterhalten und stellten das Heer einmal mehr in Frage.Als Thorrun von ein paar blutrünstigen Orks heimgesucht wurde,schickte das kleine Dorf einen Botschafter aus,der es auch bis nach Gemtan,der Hauptstadt Horisha`s,geschafft hatte.Man hatte Hilfe ersucht.Die Orks hatten sich rings herum um Thorrun in den Wäldern postiert.Immer wieder griffen sie in kleineren Gruppen Thorrun an,und auch wenn gerade dieses Dorf seit den Heldentaten von Zenbar einen grossen Zuwachs von Jung-Kriegern vorweisen konnte,so hatte man doch arge probleme die Meute der grünhäutigen Bestien zurückzuhalten.Zu jener Zeit gab es auch noch keine Sicherheitskräfte - weder in Thorrun,noch in Flawil oder Wultawa - da man das Heer hatte und von selbigen bisher auch noch nicht enttäuscht worden war. Halbtot kehrte der Botschafter mit der Nachricht zurück,das das Heer am nächsten Tag sich auf dem Weg nach Bonbolo begeben würde,um einigen Bürgern klar zu machen,dass das zahlen der Steuern eine Pflicht war,der jeder nachkommen müsse.Für Kleinigkeiten hätte man weder die Zeit noch das Personal übrig.Der Rat der Ältesten hatte entschieden ! Das bei dieser "Kleinigkeit" zwei dutzend ehrliche Bürger Thorrun`s um`s Leben kamen,schien nur nebensächlich. Nach einer weile verschwanden die Orks.Vielleicht waren sie der tapferen Gegenwehr der Bürger müde geworden - vielleicht hatten die grünhäutigen Orks ein anderes Ziel vor Augen...was auch immer sie dazu veranlasste: sie verschwanden bei Nacht und Nebel. Zurück blieb ein Dorf mit vielen Verwundeten. Ein Dorf das am nächsten Tag den Friedhof von Thorrun notgedrungen erweitern musste. Ein Dorf das bereits eine Woche später die SKT zu seinem eigenen Schutze gründen würde.Denn es war nicht nur die Enttäuschung auf das unzuverlässige Heer,sondern auch die Angst vor weiteren angriffen der Grund für die Bildung der allerersten Sicherheitskraft. Das Land hatte eine Streitmacht,das sich erst Sorgen um das eigene Wohlergehen machte als um das seiner Einwohner.Man trieb lieber Steuern ein,als ein Dorf vor seinem Untergang zu bewahren.Dies sollte sich mit den Sicherheitskräften von Thorrun, unter der Führung von Genamis,ändern. Viele Dörfer und Städte zogen mit,als die Nachricht von dem Angriff auf Thorrun und der gleichzeitigen Ignoranz der Ältesten die Runde machte. Krieger mit grossen Namen schlossen sich zusammen. Venom,ehemaliger Mönch in der Kapelle von Bonbolo,war einer der ersten der sich Genamis` Sicherheitskräfte anschloss.Er hatte drei Jahre lang treu unter dem obersten Priester Yamsil gedient,und fühlte sich nach der Nachricht über das unzuverlässige Heer dazu berufen der SKT beizutreten.Venom hatte eine offene freundliche Art an sich, die Genamis zu schätzen wusste.Der Mönch sprach immer das aus was er dachte,nahm niemals ein Blatt vor seinem Mund.Er besass Kampferfahrung im Umgang mit Schlagstöcken,und bewies trotz seines stolzen Alters eine hohe Kondition.Ausserdem konnte er als einziger der Sicherheitskräfte kleinere Heilzauber sprechen,sowie mit diversen Heilkräutern umgehen.Meist trug er seine lange braune Kutte,wo er all das verbarg,was man bei anderen Mönchen sonst schon von weiten erspähen konnte.Seinen Kampfstab,der an beiden Enden mit Eisen plattiert war,seine Heilkräuter als auch sein Buch,das er jeden Abend vor dem schlafen gehen gedachte zu lesen.Soweit Zenbar es beurteilen konnte handelte es von den Göttern Horisha`s und deren herkunft in der Sphäre der Götter. Der zweite bei den SKT war Bulze.Sofern man sich nicht mit ihm anlegte konnte man gut mit ihm auskommen.Aber Zenbar war sich sicher das die Götter ihn bei der Vergabe von Intelligenz leicht benachteiligt hatten.Er war ein stämmiger,übergewichtiger Barbar der alten Schule.Nach einem Handgemenge in den eigenen Reihen wurde er von der Gilde der Krieger unehrenhaft entlassen und schritt von diesem Tage an seinen eigenen Weg.Solange er kämpfen konnte und seine wuchtige Streitaxt in etwas schlagen konnte war Bulze glücklich. Zenbar hatte nie einen hochmütigeren Kämpfer gesehen als dieser fast zwei Meter grosse Barbar.Er strotzte alles und jedem - auch wenn die Situation aussichtslos erschien. Bulze hatte Zenbar begleitet zu jener Zeit als Watzaka`s Dämonen das Land heimgesucht hatten.Sie hatten Seite an Seite dafür gesorgt das die letzten Überbleibsel des Bösen vernichtet wurden. Oftmals trauerte Bulze diesen Zeiten nach,wo er sein Können wie sonst kaum unter Beweis stellen konnte. Der Jüngste im Bunde war Hextar,und seine Geschichte war die bewegendste.Aufgewachsen in Gemtan,erlernte er die Kunst des Schwertkampfes im Heer Horisha`s. Er war der Sohn Lumfata`s,einer der wichtigsten Männer im Rat der Ältesten.Hextar wurde der Burg verwiesen,nachdem er seinem Vater grosse Vorwürfe wegen seiner falschen politischen einstellung gemacht hatte. Als Hextar dann auch noch in Gemtan die Bürger um sich versammeln konnte,um sie von internen Plänen der Ältesten in kenntnis zu setzen,wurde er zwanzig Monde lang in den Kerker gesperrt,wo er sein dasein mit feuchtem Dreck und bissigen Ratten fristete. Das anschliessende Gespräch mit seinem Vater führte wieder nur zu Streitigkeiten,weswegen Hextar enttäuscht das Weite suchte. Seine Bestimmung fand er schliesslich bei den Sicherheitskräften von Thorrun.Er lernte seinen Vater abgrundtief zu hassen,und er hatte seinen neuen Kameraden bei der SKT auch versucht zu erklären warum. Es lag nicht nur daran,das Lumfata hauptverantwortlich für das eintreiben der Steuern - und somit Mitschuld an das Schicksal vieler Menschen in Wultawa war - es lag auch an die Art seines Vaters. Kalt,abweisend,kühl berechnend. Hier bei der SKT hatte er so etwas wie eine Familie gefunden,die er in der Burg Gemtan`s nie hatte.Seine Mutter war bereits früh gestorben, und das Verhältniss zu seinem Vater war alles andere als gut. Er war noch sehr jung und musste noch sehr viel lernen,aber Zenbar hielt eine menge von ihm.Umgekehrt war es nicht ganz so: Hextar vergötterte Zenbar.Für ihn war der Sohn Soleom`s ein Held, und er versuchte mit allen mitteln auch einer zu werden,oder wenigstens so dienstlich zu sein,das ein dankbarer Handschlag von Zenbar dabei heraussprang.Er hatte auf Adlera ein Auge geworfen,die aber wiederrum nur Zenbar anhimmelte,auch wenn dieser elf Jahre älter war als sie. Aus Adlera selbst war eine stolze Kriegerin geworden.Nichts war mehr zu bemerken von dem einst so stillen Mädchen,das nach dem Schicksal ihrer Mutter Jahrelang kein einziges Wort gesprochen hatte. Mit ihren achtundzwanzig Jahren hatte sie schon viele höhen und tiefen miterlebt,die das Leben in Horisha mit sich brachte.Aber sie musste ihre tiefen nie alleine bewältigen,da Zenbar nach Chemena`s tod immer an ihrer Seite gewesen war um ihr beizustehen. Er fühlte sich für Adlera verantwortlich - konnte aber die Gefühle die sie für ihn hatte nicht erwiedern.Es blieb eine Beziehung,die wohl einmalig in der Geschichte Horisha`s war.Eine Freundschaft,so eng das der eine meist schon wusste was der andere dachte,ohne das dieser es ausgesprochen hatte.Die Kriegerin hatte erst einige Monate bei den SKT vorzuweisen und war damit,abgesehen von Zenbar der erst ein paar Wochen bei den Sicherheitskräften arbeitete,das jüngste Mitglied der Gruppe. Venom,Bulze,Hextar,Adlera und Zenbar.Sie alle setzten sich für das kleine Dorf Thorrun,das zu jener Zeit nur noch ein paar Hundert Einwohner hatte,und das nahegelegene Gebiet ein. Und sie waren bisher erfolgreich,hatten mehreren Diebesbanden das Handwerk gelegt und sogar einer Schaar Dämonen,die sich in den Wäldern zwischen Thorrun und Flawil postiert hatten,einhalt geboten. Zweifelsohne waren sie bei den Bürgern Thorrun`s sehr beliebt,und sogar die Weisen des Landes hatten die SKT in ihren Schriften festgehalten.Genamis selbst kämpfte nur selten an ihrer Seite. Er konzentrierte sich darauf die Kontakte zu knüpfen,die Finanzen zu regeln und wichtige strategische entscheidungen zu treffen. Ein unscheinbares Kellergewölbe in der Taverne "Zum Ambrosar" war ihr Stützpunkt.Dort trafen sie sich,dort schmiedeten sie ihre Pläne.Es war praktisch nur ein Raum den sie dort zur Verfügung hatten um ihre Konferenzen abzuhalten.Eine Treppe führte tiefer in das Gewölbe,wo sie die Gefangenen aufbewahrten um sie dann Tage später nach Bonbolo zu bringen,die die einzige Stadt neben Gemtan war, die einen Kerker besass.Und auch wenn die finanziellen mittel niemals ausreichend waren,beschwerte sich keiner. Die SKT war eine Einheit,wie sie auch in Bonbolo oder Wultawa gegründet wurde.Und doch unterschied sie sich von den anderen: Sie waren die ersten die sich mit dem Heer anlegten...
"VERFLUCHT SEID IHR ! WO WARD IHR ALS WIR EUCH BRAUCHTEN ?",hallte der Schrei durch die dichte Nebelwand,und Zenbar war zum allerersten mal in der Lage alles klar und deutlich zu verstehen. Es war seine Stimme die dort aus dem Nebel an seine Ohren trat. "Wieviele Bewohner dieses Landes mussten Ihr Leben wegen diesen feigen Göttern lassen ?",stöhnte die Stimme Zenbar`s entsetzt. "Zenbar ?",kam eine weitere Stimme flüsternd aus dem Nebel. "Zenbar ? Wo warst DU als ICH Dich brauchte ? Es ist Deine Schuld das ich sterben musste...Sohn eines Verräter !" Zenbar spürte wie ein Schauer seinen Rücken hinabrieselte. Es war Chemena ! Das wirklich schlimme aber war,das dieser Traum so real war,das er sich selbst atmen hören konnte. Er spürte seinen harten Pulsschlag,der Schweiss der ihm augenblicklich aus allen Poren schoss. "Aufhören.",hörte er sich selbst sagen und wich langsam zurück, als könne er dem Nebel und den dazugehörigen Stimmen so entkommen. Doch er war hier gefangen - nichts konnte ihn von hier wegbringen, es sei denn er würde augenblicklich aufwachen.Doch Zenbar bezweifelte das er die Macht besass eigenhändig den Traum zu beenden. "Du bist verflucht,Zenbar ! Das Blut eines Verräters fliesst in Deinen Adern,das Blut Deines Urgrossvaters Jemena !",kam die wütende Stimme Chemena`s aus dem Nichts. "NEIN !" "Zen ?" "LASST MICH IN FRIEDEN !",schrie Zenbar aus Leibeskräften in den milchigen Nebel hinein.
"Zen ?",sprach Adlera und schüttelte den stämmigen Krieger an seiner Schulter.Wuchtig zuckte Zenbar nach vorne und sass mit einem mal Kerzengerade in seinem Bett. "Genamis erwartet uns und...was ist mit Dir ?" "Nichts weiter.",sprach Zenbar.Ihm wurde bewusst das er Adlera die ganze Zeit angestarrt haben musste als würde ein Geist vor ihm stehen.Wie ähnlich Adlera ihrer Mutter doch geworden war... "Was...was ist passiert ?",murrte Zenbar,der sich von den Strapatzen der Nacht immer noch nicht erholt hatte und dessen Stimme sich fast überschlug. "Es gibt einen Aufruhr im Kolten-Bezirk !" "Im Kolten-Bezirk ? In Flawil ? Was haben WIR damit zu tun ?",fragte Zenbar und schwang sich aus dem spärlich eingerichteten Bett.Schnell begab er sich zu der kleinen Schale,die er noch am Vorabend mit frischem Brunnenwasser gefüllt hatte. Er tauchte seine Hände in das kühle Nass und beobachtete die nervös hin- und herschlendernde Adlera über seine Schulter hinweg.
Diese Träume...wenn ich nicht bald wieder anständig schlafen kann verliere ich noch den Verstand...
"Was haben wir mit dem Kolten-Bezirk zu tun ? Was ist mit den Sicherheitskräften von Flawil ?" "Das wissen wir nicht...",sprach Adlera und ihr Blick ging nervös durch den Raum. "Womöglich sind sie auswärts aushelfen - In Bonbolo, vielleicht auch in Wultawa.Tatsache ist,das der Aufruhr seit gestern Abend zugange ist." "Was beim Zeus...?",fluchte Zenbar laut. "Sie können doch nicht einfach Flawil sich selbst überlassen ! Was genau geht dort vor sich ?" Zenbar nahm stöhnend zur kenntnis wie Adlera ihre berühmt berüchtigte "Ich weiss von nichts"-Miene zur schau stellte.Dabei zog sie immer ihre Mundwinkel nach unten,hob die Augenbrauen und präsentierte ihre freien Handflächen.Was unter bestimmten Umständen lustig anzusehen war,konnte so manchen zur Weissglut treiben. "Ich...",begann Adlera und sah wie der Sohn Soleom`s seine Hand hob. "...weiss von nichts ! Schon klar,Kleines.",vollendete Zenbar ihren Satz und musste unweigerlich schmunzeln.
Zenbar schritt die Treppe in den Konferenzraum der SKT hinab. Es gefiel ihm ganz und gar nicht was er da von Aldera zu hören bekommen hatte.Es musste etwas wirklich schlimmes vorgefallen sein, wenn schon die friedlichen Bewohner von Flawil einen Aufruhr starteten. Dazu kam noch,das der Kolten-Bezirk das ganze in gang gesetzt hatte ; der nördliche teil Flawil`s.Dort lebten einige verarmte Familien,die nur dank der Grosszügigkeit des Bürgermeisters ein Dach über den Kopf hatten.Wenn man zu der ärmeren Schicht in Horisha gehörte, lernte man es schnell sich gewissen Dingen anzupassen und sie einfach hinzunehmen.Dazu gehörten auch die Feldarbeiten die der Bürgermeister für sie auserkohren hatte.So konnten sie ihr Dach über den Kopf finanzieren und gleichzeitig noch ein wenig zusätzliches Gold verdienen.Arbeit die sicherlich nur kräftige Männer ausführen konnten,was aber angesichts der kostenlosen Behausung ein fairer Handel war.Zenbar war nicht der einzige der den Bürgermeister dieses entgegenkommen hoch anrechnete.Ohne ihn hätten die Menschen im Kolten-Bezirk nicht lange unter den Lebenden geweilt.Sie wären jämmerlich verhungert - oder zumindest den Schatten der Nacht schutzlos ausgeliefert,hätten ihre Lager in den anliegenden Wäldern aufschlagen müssen.Und genau dieser Bezirk bot nun seine Stirn gegen was auch immer...ein Aufruhr der ärmerern Schicht ! Was auch immer dort vor sich gegangen sein mag,die Sicherheitskräfte von Flawil,die SKF,waren nicht anwesend und konnten ihrer Stadt nicht beistehen.Das nächst gelegene Dorf war Thorrun,also würden Zenbar und seine Freunde sich noch an diesem Tag auf ihren Weg machen um Flawil noch vor dem Sonnenuntergang zu erreichen. "Vor dem Sonnenuntergang...",murmelte Zenbar leise und sein skeptischer Blick fiel auf die Fackeln,die die Treppe hinab an den Wänden befestigt worden waren.Wieder etwas das in Zenbar eine Flamme der Unruhe entfachte: noch am Tag zuvor als sie Hamzel und seine Bande gestellt hatten,fiel der Schnee in seichten Flocken vom Horizont. Nichts mehr deutete darauf hin,die Temperatur war innerhalb kürzester Zeit gestiegen...
Genamis und die anderen sassen bereits an dem grossen runden Tisch. Als Zenbar den Raum betrat herrschte augenblicklich stille. "Worauf warten wir noch ?",fragte Bulze und erhob sich von seinem Stuhl. "Haben wir noch Zeit zu verlieren ? NEIN !",donnerte die kräftige Stimme des Barbaren durch den Raum. "Er hat recht,Genamis.",wandte Hextar ein und richtete sein alles überstrahlendes Kettenhemd. "Brechen wir auf und..." "Einen Moment !",fuhr Zenbar den jungen Krieger dazwischen. "Erst möchte ich wissen um was es überhaupt geht." Genamis zuckte mit den Schultern. "Das wissen wir nicht,Zenbar.Der Aufruhr startete gestern Abend. Der Bote hat mich mit seiner Nachricht heute morgen aus dem Schlaf gerissen." "Was genau waren seine Worte ?" "Das Owulda die Bewohner des Kolten-Bezirkes um sich versammelt hat um gegen den Rat der Ältesten zu strotzen." Zenbar legte seine Stirn in Falten. "Wer ist Owulda ?" "Der Älteste des Kolten-Bezirkes.",antwortete Adlera,die sitzend einen Krug Wein mit beiden Händen umklammert hatte. "Er gilt als sehr weiser und aufrechter Mensch." "Was bedeuted er würde keine Revolte starten wenn er nicht wirklich tiefsitzende Gründe hätte.",sprach Venom leise und bedächtig. Sein Gesicht war vollkommen in der Kapuze seiner Kutte verschwunden. "Nun,es gibt wohl nur eine Möglichkeit diese Gründe zu erkunden.",seufzte Genamis und erhob sich ächzend aus seinem Stuhl. "Zenbar,Adlera und Hextar ? Ich möchte das ihr noch heute nach Flawil aufbrecht um Euch der Sache anzunehmen. Venom,Bulze und ich werden hier bleiben.Ich erwarte Euren Bericht bis spätestens morgen Abend !" Zenbar nickte kurz und begab sich danach zum Ausgang.Eine ernst dreinschauende Adlera und ein freudestrahlender Hextar folgten ihm.
"Er hätte Bulze wählen können,oder auch unseren schweigsamen Venom. Aber neeeiiinnn - er wollte mich dabei haben !",freute sich Hextar und fuchtelte mit seinem Kurzschwert in der Luft herum.Sein silbern glänzendes Kettenhemd reflektierte die Sonne,die mit kleinen gebündelten Strahlen durch die Kronen des Waldes drang. Zenbar und Adlera warfen sich amüsierte Blicke zu.Hextar verstand es immer aus der Reihe zu tanzen - manchmal sogar ganz unbewusst. Zenbar und seine Freunde würden den Wald schon bald hinter sich gelassen haben,und dann war es nur noch eine Frage von Minuten bis sie die Stadtmauern von Flawil erspähen konnten. "Was weisst Du über Owulda ?",fragte Zenbar seine Gefährtin. "Nicht viel...! Er lebt schon seit Urzeiten in Flawil,und war einer derjenigen der den Bürgermeister den Vorschlag unterbreitete, ein Teil der Obdachlosen von Horisha aufzunehmen." "Ja,Kosuwan ist ein gutmütiger Mensch.Er hatte schon damals den Überlebenden von Thorrun Obhut gewährt." "Wovon auch Owulda Wind bekam und kurz darauf den Kolten-Bezirk gründen wollte.",sprach Adlera und strich sich durch ihr langes schwarzes Haar. "Kosuwan stimmte dem zu,unter der Bedingung das die Bewohner des Kolten-Bezirks,zumindest diejenigen die genug Körperkraft besassen,Feldarbeit verrichten würden - im Dienste von Flawil." Zenbar nickte und wies mit einem Finger zu den Feldern hin,nachdem sie den Wald zwischen Thorrun und Flawil hinter sich gelassen hatten. "Und wie kommt es,das momentan niemand auf den Feldern arbeitet ?",fragte Zenbar erstaunt.Die Sonne schien erbarmungslos vom Horizont.Eigentlich das ideale Wetter um seine Arbeit zu verrichten, zumal die Feldarbeit sich nicht nur auf das Ernten von Lebensmitteln beschränkte.Es gab reichlich zu tun - selbst in den Wintermonaten. Hextar war ein wenig vorgegangen... Er wartete auf Zenbar und Adlera,die seinem Schrittempo wohl nicht folgen konnten - oder wollten (was er sich aber niemals eingestehen würde).Dann drangen Geräusche an sein Ohr die ihm gar nicht gefielen.Er kannte den Markt von Flawil - und dessen Geräuschekulisse - aber das laute wilde durcheinander was er da zu hören bekam mochte so gar nicht zu den üblichen Stimmungen des Marktfestes gehören.
"...nichts machen.Wir dürfen dem nicht strotzen ! Sie haben es sich selbst zuzuweisen !",sprach der Bürgermeister von Flawil,der sich von einer grossen Menge der Einwohner Flawil`s umringt sah. Sie alle standen auf dem Marktplatz von Flawil,gestikulierten wild und schrien dem Bürgermeister,der auf einem wackeligen Tisch stand, immer wieder Wörter und Flüche entgegen.Kosuwan stand der Schweiss auf der Stirn.Ihm gingen bald die Argumente aus,die den Vorfall in dem Kolten-Bezirk rechtfertigen sollten.Er persönlich hatte ja Verständniss für den Aufstand von Owulda und seinen Freunden,konnte aber auch gleichzeitig die restlichen Bewohner Flawil`s verstehen, die einfach nur Angst hatten. "Es ist...",schrie der Bügermeister und suchte erneuten halt auf dem wackeligen Tisch. "Es ist Ihr gutes Recht dagegen zu strotzen ! Be...belassen wir es doch einfach dabei und gehen unseren normalen Tätigkeiten nach !" "Wie bitte ?",kam eine donnernde Stimme aus der Menge. "Niemals !" "Man wird uns in einen Topf mit dem Kolten-Bezirk werfen !" "Genau !" "Richtig !" Die Stimmen hallten von überall her.Kosuwan wischte sich nervös mit einem Tuch den Schweiss von der Stirn.Er würde die wütende Meute nicht mehr lange im Griff haben,sollte nicht bald ein Wunder geschehen. "BÜRGERMEISTER !",ein junger Mann kam panikerfüllt durch den Torbogen hinter ihm gerannt.Das Wunder,so erhoffte sich Kosuwan,würde doch noch eintreffen. "Was gibt es ?",fragte er den nach Luft ringenden,in einer Lederweste gekleideten Mann. "SIE...SIE KOMMEN !" "Wie...Wer...und Wo ?",stammelte der untersetzte Bürgermeister. "Schnell hat sich die Nachricht herumgesprochen.Oder aber der Bote, den wir nach Thorrun aussandten hat uns trügerrisch verraten. SIE sind hier ! SIE,Kosuwan !" "Den Göttern sei dank !",er wandte sich der Menge zu. "Die Sicherheitskräfte von Thorrun sind hier ! Alles wird gut,Leute,wer..." "NEIN,Bürgermeister ! Die meinte ich nicht ! Es sind nicht die SKT die gekommen sind..." "Bei den Göttern...",stammelte der Bürgermeister,der auf einmal verstand worauf das zitternde Bündel eines Mannes unter ihm hinaus wollte. "Und unsere eigenen Sicherheitskräfte können uns nicht beistehen...!?" Die Menschenmenge verteilte sich fluchtartig,als die ersten Soldaten das Portal von Flawil passierten...
"Ich wollte Dich nur davon unterrichten,dass das Heer eingetroffen ist,Owulda !" "Und ?",sprach der alte Mann und sein Blick wurde auf einmal Messerscharf. "Bringe Flawil nicht in Schwierigkeiten ! Das möchte ich Dir als Bürgermeister nur an Dein versteinertes Herz legen !",Kosuwan war total ausser atem,aber er hatte sein Ziel erreicht,hatte dank immenser Laufkraft den Kolten-Bezirk noch vor Horisha`s Heer erreicht. Er wandte Owulda bereits wieder den Rücken zu,denn er konnte es nicht verantworten die anderen Bewohner in solch einer Situation alleine zu lassen.Mochte im Kolten-Bezirk geschehen was wolle - er hatte Owulda hier das Sagen übergeben,und dieser hatte die Konsequenzen zu tragen. "Du wendest mir und all diesen Bewohnern den Rücken zu,Kosuwan ?", rief Owulda ihm noch hinterher und wies mit einer Hand auf die Menschenmasse,die sich geschlossen hinter ihm postiert hatte. Der Bürgermeister drehte sich kurz um und schüttelte bedächtig den Kopf. "Es gibt Gesetze,mein Freund ! An die hat man sich zu halten ! Du siehst was geschieht wenn man sich dem Rat wiedersetzt. Es liegt jetzt alleine in Deiner Hand..." Owulda schnaufte vor Wut. "Und wenn diese Gesetze Existenzen bedrohen ? Ich kann nicht tatenlos herumstehen und dabei zusehen wie der Kolten-Bezirk vor die Hunde geht.Wenn Du das kannst,dann geh. VERSCHWINDE ! LASS UNS ALLEINE !!!" Kosuwan achtete gar nicht mehr auf Owulda`s Worte.Ein jeder schien zu wissen was passiert wenn man sich den Gesetzen wiedersetzte, nur ausgerechnet der Armenviertel Flawil`s schien dies nicht verstanden zu haben.Was konnte er noch grossartig machen ? Das Wohlergehen vieler ging über das wohlergehen weniger - das war sein persönliches Gesetz als Bürgermeister.Er konnte und wollte die restlichen Bürger Flawil`s nicht mit reinziehen. Er sah auch nicht mehr die ersten Soldaten in den Kolten-Bezirk einmarschieren - zu dem Zeitpunkt befand er sich schon auf der Handelsstrasse,auf dem Rückweg.
Amitla trat mit seinen Soldaten um die Ecke.Natürlich hatte er einen Teil der Bewohner an den Fensterläden entdeckt - seine Sinne waren dermassen ausgeprägt das ihm selbst das nicht entgangen war.Aber er hatte strikte Befehle die anderen aus dem Spiel zu lassen,und daran würde er sich halten.Es ging hier nur um einen kleinen Teil der Bevölkerung,einem Bezirk namens Kolten.Aber genau bei dieser Bevölkerungsschicht hatte man ihm freie Hand gewährt. Er sollte nur nach möglichkeit nicht alle umbringen,sondern sie zur Besinnung bringen.Wenn jemand die Gesetze missachtete und die Abgaben nicht leistete,halfen nur selten gutgemeinte Worte oder Ratschläge.Das fliessen von Blut war in solchen Fällen meistens das Beste Argument,um einer Zahlungsunwilligen Meute von dem gegenteil zu überzeugen.Amitla wusste dies.Und es bereitete ihm keinerlei moralische bedenken danach zu handeln. Es war logisch,das wenn er sie alle umbringen liesse,auch keiner mehr zur Besinnung kommen könnte.Sie zahlten ihre Steuern nicht - und würden es erst recht nicht tun wenn sie ein paar Yards unter der Erde liegen,und die ersten Maden sich an ihren Fleisch beköstigen würden.Bei dieser Vorstellung musste er unweigerlich lächeln. Der Tod war doch etwas herrliches wenn er durch eigener Hand zugefügt wurde. Amitla warf noch einen kurzen Blick hinauf auf eines der Fensterläden,wo er ein kleines Kind ängstlich hinunterschielen sah.Das Heer hat mal wieder die ganze aufmerksamkeit auf sich gezogen,dachte er sich.Was bei dem auftreten auch nicht weiter verwunderlich war.Alleine die glänzenden Stahlrüstungen waren,obwohl sie sich äusserlich ähnelten,für jeden einzelnen Soldaten extra angefertigt worden und eine wahre Augenweide. Das Schlangenförmig geschwungene "H" auf der Brust,durchkreuzt von zwei Schwertern,machte unmissverständlich klar womit es der Gegner zu tun hatte.Die komplette Rüstung strahlte in einem Rubin-Rot,während die Gravur in Schwarz gehalten war. Jeder Soldat wurde vom Rat der Ältesten nach eigenem Wunsch ausgestattet,und so kam es das viele mit breiten Schwertern,aber auch einige mit Äxten,Speeren,Kampfpflegeln oder Streitkolben gewappnet waren.Je nach Wunsch kam noch ein breites graviertes Metallschild dazu,was aber auch nicht jeder Soldat bevorzugte,da es bei grossen Konflikten zwar schützen,aber genauso hindern konnte.Amitla war der einzige der einen Helm trugen durfte,und damit aussenstehende klar machte das er der Anführer des Heer`s war.Die Schmiede des Rates hatte mit diesem Helm ein Meisterwerk geschaffen,die Gravuren der Rüstung so übertragen, das sie sich fast nahtlos an die Gesichtszüge Amitla`s schmiegten - als bestünde sein Gesicht vollkommen aus dem "H" für Horisha,und den zwei sich kreuzenden Schwertern. "Du und Du !",er wies auf zwei schlanke Soldaten,die bereits ihre Schwerter in Händen hielten. "Ihr wisst was Ihr zu tun habt ! LOS !" Er sah die beiden Soldaten kurz nicken,dann stürmten sie auf Owulda und seine Leute los. Während sie die distanz überbrückten,wurde Amitla wieder einmal klar das er keinen seiner Soldaten beim Namen kannte. Sie waren alles namenlose Gesichter in namenlosen Kämpfen.Und er wusste das sie kämpfen konnten,denn er hatte jeden einzelnen ausgewählt und soweit gefördert wie es sein musste. Das Heer hatte mittlerweile fast 800 Söldner,die Tag und Nacht einsatzbereit waren,durchtriebene Kämpfer mit eisernen Willen - solange sie ihren Sold bekamen.Irgendwie waren es "seine Kinder",auch wenn er es den Söldnern niemals so offen sagen würde.Sie könnten es falsch verstehen. Mit zwanzig Mann waren sie nach Flawil gekommen - mehr als genug um mit einer kleinen Schaar von wiederspenstigen Bürgern fertig zu werden.Zumal die SKF nicht anwesend war,was ihm nur recht war.So konnten sie,ungestört von irgendwelchen moralischen Aposteln,ihren Soll erfüllen. "Haltet ein !",hörte er Owulda`s gequälte Stimme.Mit ausgestreckten Armen stand er wie der grosse Beschützer vor den Kolten-Bürgern, bei denen grosse Unruhe ausgebrochen war. "Er weiss wahrscheinlich was jetzt passiert.",ertönte Amitla`s Stimme.Er und der Rest seiner Soldaten begaben sich langsam in Richtung der Kolten-Sippe,und nahmen vergnügt zur Kenntniss wie der erste Soldat Owulda erreichte und ihn mit einem Tritt zur Seite fegte.Dieser landete laut ächtzend auf den harten Untergrund.Er wäre auch bestimmt liegengeblieben,wenn ihn sein Peiniger nicht auf die Knie gezerrt hätte,in Ehrerbietender Haltung für die Person,die langsam auf ihn zuschritt. Niemand sah Amitla`s breites grinsen,als er Owulda erreichte und sich vor ihm auffbaute. "Sieh mich an !",forderte er den alten Mann auf. Aber Owulda wollte seinen Stolz nicht brechen und versuchte sich aufzubäumen.Wuchtig trat der nebenstehende Soldat ihn in die Rippen und bevor der Kolten-Anführer vollendens in sich zusammenbrechen konnte wurde sein Kopf unbarmherzig in den Nacken gezogen.Tränen der Schmerzen traten aus Owulda`s Augen,der nun gezwungen wurde Amitla anzusehen. "Verflucht seid Ihr,Amitla !",grunzte Owulda. Amitla warf einen Blick in die Runde seiner Kameraden und ein leises lachen entwich seinen Lippen. "Mut hat er ! Das muss man ihn lassen !" Schliesslich kam der andere Soldat mit seiner Beute zurück. Während sein Kumpan sich um Owulda gekümmert hatte,hatte er zwei Menschen gewaltsam aus der zurückhaltenden Menschenmasse gezerrt,und sie neben Amitla ebenfalls auf die Knie gezwungen. Der Mann im mittleren Alter wirkte ziemlich gefasst,aber das kleine Mädchen weinte bitterlich und schrie nach ihrer Mutter.Aber keiner der Bewohner traute sich einzugreifen - zu gross war die Angst vor dem Unheil dass das Heer über sie hereinbringen könnte.Sicherlich hätte sie der Mut der Verzweiflung gepackt, wenn nicht ein Grossteil der Soldaten sich vor ihnen postiert hätte. Sie wussten das eine falsche Bewegung ausreichen würde um ein Blutbad anzurichten.Mit starren,verängstigten Mienen lauschten sie Amitla`s Worten. "Owulda,Euer Brief voller Missmut hat den Rat der Ältesten erreicht und ich brauche wohl nicht erwähnen das Ihr damit ihren Zorn herauf beschworen habt ! Ich weiss nicht welcher dämonische Gott Euch oder Eure Anhängerschaft geritten hat,gebe Euch aber hiermit LETZTMALIG die gelegenheit Euch im Namen des Kolten-Bezirks zu entschuldigen und fortan wieder Eure Abgaben zu leisten ! Habe ich mich da klar und deutlich ausgedrückt ?" Owulda schwieg eine ganze weile,dann spie er vor den Füssen Amitla`s aus und seine Stimme bebte vor Zorn. "Einen Dreck werde ich..." Der grossgewachsene Krieger atmete langsam ein und aus,als wollte er sich innerlich damit beruhigen.Seine grünen Augen schienen leicht zu blitzten. "Ein jeder Bürger in Horisha hat die Pflicht seine Steuern zu bezahlen ! Wie sonst sollte das Heer Horisha`s,das Euch beschützt, aufrecht gehalten werden ?" "HA ! Ihr beschützt uns ? Seht Euch um! Nennt ihr das..." "Ausserdem hat der Rat durch seine politischen Aktivitäten immense Ausgaben die durch die Steuergelder wieder behoben werden !" Owulda schüttelte nur heftig den Kopf,so das die Hand des Soldaten, die sich in seinen Haaren festgekrallt hatte,diese Bewegung mitmachte. "Das einzige was die Ältesten tun,ist unnütze Gesetze verfassen während sie Speis und Trank allererster Güte von unseren Geldern geniessen und..." "DAS REICHT !!!",erbebte die laute Stimme Amitla`s. Wütend hob er die Hand und gab durch ein kurzes winken seinem Soldaten bescheid,der neben den beiden knienden Bürgern bereits ungeduldig auf sein Signal wartete. Schnell hatte dieser sein Schwert auf die Kehle des Mannes gerichtet,und einen kurzen Augenblick später hatte er die Kehle des Mannes durchbohrt.Aus dem Nacken trat das Blutgetränkte Schwert wieder hinaus und eine Fontäne des Lebenselixiers ergoss sich über den Asphalt,und über das Mädchen das neben ihn kniete. "IST ES DAS WAS IHR WOLLT ? Ich werde jeden einzelnen hier hinrichten lassen wenn Ihr nicht zur Vernunft kommt !",fluchte Amitla erbost,laut genug um über das gellende Schreien des kleinen Mädchens und einiger Bewohner hinweg gehört zu werden. Die Soldaten,die vor den Kolten-Bewohnern postiert waren,hatten ihre Waffen gezogen.Und auch wenn Bewegung in die Gruppe der Menschen gekommen war,so wagte keiner auch nur die Hand zu heben.Man fluchte und protestierte und schimpfte die Söldner einen haufen hirnloser Barbaren - aber die Aggression wurde im Keim erstickt,als einer der Soldaten mit seinem Dreschpflegel einen alten Mann niederschlug,der ihm zu nahe gekommen war. Die Wut und die Angst vermischten sich bei den Kolten-Bürgern mit der Sehnsucht dies endlich zu beenden.Aber sie behaarten der Dinge und Owulda sprach das aus,was die meisten dachten. "Ihr könnt uns nicht alle umbringen ! Selbst der unbarmherzige Rat würde das nicht zulassen,da dies eine blutige Revolution im ganzen Land hervorrufen würde.Ihr wollt unser Gold ? Und wovon sollen wir dann leben ? Von dem wenigen was übrigbleibt ? HA! Lächerlich !" "Ihr wollt es nicht verstehen,oder ? Seid Ihr denn so schwer von Begriff ? Ich kann Euch nicht alle umbringen ? Ihr unterschätzt meine Position bei den Ältesten !" Amitla sprach leise und Owulda musste schon genau hinhören um seine Worte zu verstehen.Was er dann allerdings sah,verstand er auch so.Amitla brauchte nichts weiter sagen - er machte nur eine kurze Handbewegung und der Soldat widmete sich dem Mädchen.
Zenbar,Adlera und Hextar standen vor dem Marktplatz und sahen die aufgebrachte Menge,die wild auf dem Bürgermeister einredete. So sehr sich Kosuwan auch anstrengte,er konnte den tobenden Mob nicht in die gewünschte ruhige Lage versetzen.Er tänzelte leicht auf seinem Tisch,sprach mit Händen (und teilweise sogar mit Füssen) und erhob manches mal sogar die Stimme - was aber,aufgrund seiner nicht gerade männlich herben Stimme,in dem Krawall unterging.Zenbar machte kurzen Prozess und schleifte einen kräftig gebauten jungen Mann aus der Masse der wütenden Einwohner, um ihn zur Rede zu stellen. "Was ist passiert ?" "Das verdammte Heer ist hier einmaschiert und will sich Owulda, den Ältesten des Kolten-Bezirks vornehmen.Ich habe das von anfang an gewusst...ich wusste das der Rat der Ältesten das nicht so einfach hinnehmen würde.Ich wusste es ! Aber will irgendwer auf mich hören ? Nein ! Zum Hades mit Owulda,er zieht uns alle mit in den Dreck und ich hab`s gewusst! Aber will irgendwer auf mich hören ? Nein ! Und...",Zenbar hatte schwierigkeiten dem Jungen Mann zu folgen,dermassen schnell sprach er.Aber bereits bei dem Wort "Heer" schrillten bei ihm die Alarmglocken. Das Heer war bereits eingetroffen und Zenbar fragte sich wie das so schnell geschehen konnte.Sie waren doch schnellstmöglich aufgebrochen,nachdem der Bote Flawil`s die SKT von den Vorgängen berichtet hatte. Wie konnte das Heer an diese Information gelangen ? "Sag mir einfach,wie ich am schnellsten in den Kolten-Bezirk komme !" "...und dann sowas,aber hört irgendwer auf mich ? Nein ! Zum Hades mit diesen verrückten...was ? Zum Kolten-Bezirk ?" Zenbar winkte seine Freunde zu sich,und sie rannten der Handelsstrasse entlang,auf dem kürzesten Wege die der Mann ihnen beschrieben hatte.Sie passierten mehrere Läden,kamen an Gondi´s Zaubertruhe vorbei und wetzten der staubigen Strasse entlang richtung Norden.Die Strassen Flawil`s wirkten wie ausgestorben. Diejenigen,die sich nicht am Marktplatz eingefunden hatten,schienen sich in ihre Häuser zurück gezogen zu haben. "Zeus...das darf nicht sein ! Das Heer ist vor uns hier ? Wir haben ganz schön nachgelassen,Freunde.",hechelte Hextar, während er versuchte mit Zenbar und Adlera schritt zu halten. Sie hatten es eilig,den Kolten-Bezirk so schnell wie möglich zu erreichen. "Irgendetwas stimmt hier nicht.",versuchte Adlera zu erklären, ihre schwarzen Haare wirbelten während des laufens nach allen Seiten. "Das Heer hat den weiten Weg von Gemtan auf sich genommen,und sie sind bereits jetzt eingetroffen.Das würde bedeuten der Rat der Ältesten wusste schon länger über den Kolten-Bezirk bescheid." "Nur wir tappen mal wieder im dunkeln.Ich liebe dieses Leben.",grummelte Hextar,konnte sich ein schmunzeln aber nicht verkneifen. "Was erwartest Du ? Der Bote von Flawil war leider ein dummer Narr und hat die hälfte seiner Botschaft während seiner Reise wieder vergessen !",stimmte Zenbar der Diskussion mit ein. "Der Rat der Ältesten dagegen hat seine Ohren überall.Es ist eine korrupte Gesellschaft geworden,Hextar." "Was meinst Du damit ?" "Viele Menschen sind käuflich geworden und sehen sich gerne im Gunsten des Rates.Sie reichen Informationen weiter und kriegen dafür die Steuern erlassen." "Das ist nicht Dein ernst...",Hextar verzog während des laufens auf`s bitterste sein Gesicht. "Ich habe viel Zeit in der Burg Gemtan`s verbracht.Aber über käufliche Bewohner,Spione so zu sagen,ist mir nichts zu Ohren gekommen." "Dein Vater wird Dir nicht alles erzählt haben,mein Freund." "Ja...Du wirst recht haben,Zenbar",sprach Hextar und fuhr sich durch sein kurzes verschwitztes Haar.
"LAUF ! RENN WEG ! VERSCHWINDE !",Owulda schrie sich die Kehle aus dem Hals.Er betete innerlich zu den Göttern,dass das Mädchen auf seine Worte hören, und ihre Beine in die Hand nehmen würde.Aber es hatte nicht den anschein als ob sie flüchten konnte. Irgendetwas hielt sie fest,hinderte sie daran aufzustehen und wegzurennen.Tränen rannen ihr die Wangen hinunter und mit grossen Augen starrte sie auf die Klinge die der Soldat vor ihrer Kehle hielt. "LAUF VERDAMMT !",wie ein Signalschuss.Das Mädchen rollte sich geschickt zur Seite und das Schwert verfehlte sein Ziel,hinterliess eine kleine Wunde auf ihren rechten Oberarm und riss ein Teil der Bluse entzwei.Sie krabbelte auf allen Vieren davon,stützte sich dabei mit beiden Händen ab und kam schliesslich torkelnd auf die Beine.Die Kolten-Bürger im Hintergrund gröhlten.Plötzlich erschien nichts mehr wichtiger als das das Mädchen dem Soldaten entfliehen konnte.Ihre langen lockigen Haare flogen nach allen Seiten,sie hatte ihren Mund weit geöffnet als wollte sie den Wind,der ihr beim Dauerlauf entgegen kam,in sich aufnehmen.Sie hatte das fluchen des Soldaten noch gehört,als sie sich aus ihrer misslichen Lage befreit hatte,traute sich aber nicht sich umzudrehen.Zu gering könnte die entfernung sein - und zu gross der Schock das sie es nicht schaffen würde. Ihr war klar,das sie diesen grossen Platz verlassen musste.Wenn sie es bis zur Abbiegung in die Südstrasse schaffen würde, dann könnte sie in eines der Häuser flüchten.Und der Soldat war nur wenige Schritte hinter ihr,sein Schwert in beiden Händen haltend.
"Wartet !",rief Hextar und schaute sich verwirrt um. Zenbar und Adlera stoppten und wirbelten dabei ein wenig Staub auf. "Das hier ist der reinste Irrgarten ! Sind wir hier richtig ?",die Augen des Kriegers,mit dem hang zu glänzenden Kettenhemden,gingen prüfend über die Südstrasse hinweg. Zenbar wies nach vorne. "Dort rechts die abbiegung - dort müsste es..." Weiter kam der Krieger nicht,denn genau dort wo er hingewiesen hatte,kam ein kleines,vielleicht zwölfjähriges Mädchen,um die Ecke geschossen.Sie rannte direkt auf das Trio zu und schien sie gar nicht zu sehen. "Hey,moment mal.",waren Hextar`s Worte als das Mädchen gegen ihn rannte und ihn fast dabei umriss. "Helft mir...helft mir bitte!",flehte das Mädchen völlig ausser atem und warf sich an den Hextar`s Brust. Dieser tauschte einen entsetzen Blick mit Adlera aus, auch ihr war nicht entgangen das das Mädchen blutete.Es war nicht mehr als ein schmaler länglicher Riss auf ihrem Oberarm,aber es war das unverkennbare Zeichen einer Stichwaffe. "Was ist passiert,Kleines ?" Dann kam urplötzlich eine weitere Gestalt um die Ecke. Weitaus grösser,in einer laut scheppernden Rubin-rötlichen Rüstung. "Verdammt !",knurrte Zenbar und zog in windeseile sein Schwert. Adlera tat es ihm gleich,während Hextar das Mädchen aus der Gefahrenzone brachte...
Zenbar parierte den Schlag des Soldaten und die beiden Schwerter sprühten Funken als das Metall sich berührte. Gleichzeitig drehte sich Adlera weg, vollführte eine gekonnte Drehung auf den staubigen Boden, und trat dem Soldaten die Füsse weg. Laut scheppernd kam dieser zu Fall .Zenbar war sofort zur Stelle um seinen Fuss auf die Hand seines Gegners zu plazieren. Währenddessen hatte Adlera sich bereits wieder erhoben und stand, die Spitze ihrer Klinge auf das Gesicht des Soldaten gerichtet, neben Zenbar. Dies alles geschah in wenigen Sekunden und machte einmal mehr deutlich wie sehr die beiden aufeinander eingespielt waren. Zenbar kannte kein erbarmen und übte mit seinem schweren Stiefel druck auf die flache Hand aus,damit der Soldat gar nicht erst die Möglichkeit bekam nach seiner verloren gegangenen Waffe zu greifen. "Horisha`s Heer ?",fragte Adlera,als sie die Gravur auf der Rüstung erkannte. Zenbar glaubte flüchtig einen verunsicherten blick in Adlera`s Gesicht erkannt zu haben. "Ganz recht. Und Ihr werdet dafür büssen müssen.",spie der Soldat mit seiner Wut-verzerrten Stimme Zenbar entgegen. "Du verdammtes feiges Schwein !",krächzte Hextar im Hintergrund,das verängstigte Mädchen an seiner Hand. "Wir sollten Dich auf der Stelle umbringen !" "Sachte,mein Freund !",knurrte Zenbar und blickte zu dem schweratmenden Soldaten hinab. "Wo ist der Rest Deiner Truppe,Soldat ?" Dieser wies mit seinem Blick auf die nahegelegene Abbiegung. Adlera drehte leicht ihren Kopf um diesen Blick zu verfolgen und der Soldat nutzte ihre unachtsamkeit blitzschnell aus. Wuchtig trat er Zenbar an die ungeschützte Wade,und als dieser zusammenknickte griff der Soldat nach seinem Schwert. Adlera`s erster Hieb auf den liegenden jungen Mann wurde pariert. Der zweite durchdrang seine Kehle und enthauptete ihn fast. Die Augen des Soldaten wurden für einen Augenblick gross,kurz danach war er tot.Eine immer grösser werdende Blutlache vermischte sich mit dem Staub der Strasse. Adlera atmete tief durch,während Zenbar wieder auf die Beine kam. Die ersten paar Schritte schmerzten,er war aber froh das Bein soweit noch bewegen zu können.Es schien nichts gebrochen zu sein. "Alles in Ordnung,Zen ?" "Ja,Kleines.Das gibt einen blauen Fleck - nichts weiter.",ächzte der Krieger. "Ich...ich konnte nicht anders...",flüsterte sie und blickte auf den toten Soldaten hinab. "Du hast das einzig richtige getan.", sagte Hextar das,was auch Zenbar dachte.Er hatte rein instinktiv dem Mädchen die Augen zugehalten, drehte sie nun mit dem Rücken zur Leiche und nahm die Hand wieder fort. Grosse Blaue Kulleraugen blickten ihn flehend an. "Geh nach Hause - und sieh nicht zurück ! Und lass Deine Wunde von einem Heiler betrachten !",sagte der kurzhaarige Krieger einfühlsam aber mit einem bestimmenden Unterton in der Stimme.Das Mädchen nickte nur und rannte die Südstrasse hinunter. "Das...das tut mir leid. Ich...hatte nicht aufgepasst.",stotterte Adlera. Zenbar blickte noch ein letztes mal auf den Soldaten hinab,dann begab er sich zu der Abbiegung. "Es ist in Ordnung. Und jetzt beeilung !"
Amitla schüttelte ungläubig den Kopf,als er seinen Soldaten in die Südstrasse abbiegen sah. "Bin ich eigentlich nur von Volltrotteln umgeben ?",schrie er. Durch ein kurzes winken machte er einem seiner Soldaten klar Ersatz herbei zu schaffen.Der Soldat nickte kurz, begab sich anschliessend in die aufgewühlte Menge der Kolten-Bürger und kam mit einer kreischenden jungen Frau wieder.Erbarmungslos hatte er sie im Griff,schleifte sie regelrecht hinter sich her.Neben der Leiche zwang er sie auf die Knie. Amitla zog sein Langschwert,das von vergangenen Schlachten äusserst mitgenommen aussah. Der Griff hatte Rost angesetzt und die Klinge war dermassen voller Kerben,als hätten tausend kleine Dämonen ihre Fänge hinein geschlagen. Langsam begab er sich zu der wimmernden Frau. "Nicht ich werde derjenige sein der Dich Deines Lebens beraubt, schöne Frau...sondern Owulda !",sprach der gross gewachsene Krieger. "Er hat diesen Brief in Euren Namen verfasst,also sollt ihr auch in seinen Namen sterben !" "NEIN ! AUFHÖREN !!!",donnerte eine Stimme brachial über die freie Fläche des Kolten-Bezirkes. Amitla,der kurz davor gewesen war zuzustossen,hielt in seiner Bewegung inne und drehte seinen Kopf. Drei Gestalten kamen auf ihn zugelaufen.Der vorderste,ein grosser langhaariger Kerl in einer Lederweste hatte seine Waffe nicht gezogen.Die beiden anderen aber,die ihn unmittelbar folgten,hatten ihrer Schwerter in Händen und machten nicht den Eindruck als wollten sie lange diskutieren. Die Soldaten waren alarmiert,sofort ging Bewegung in die Gruppe der Söldner,die sich vor dem Kolten-Bezirk postiert hatten. Zwei standen zum Schutze sofort bei Amitla, ein paar weitere rannten einen Bogen um die Neuankömmlinge einzukesseln. Der rest rannte frontal auf Zenbar und seine Freunde zu. "WARTET !",schrie Amitla und erhob seine freie Hand. Sofort standen die Söldner. "Ich bin neugierig. Wartet was sie uns zu sagen haben !"
Zenbar,Adlera und Hextar gingen langsamer.Sie passierten den Gang, den die Söldner vor ihnen öffneten.Eine Zweierreihe hatte sich gebildet,bereit sofort einzugreifen sollte ihr Anführer in Schwierigkeiten geraten.Zenbar kannte die Person,die da ihr Schwert auf die junge Frau gerichtet hatte.Er war Amitla bisher noch nicht persönlich begegnet,kannte aber die Geschichten die um seine Person rankten.Adlera und Hextar wichen ihm nicht von der Seite. Sie hatten ihr Schwert gezogen und warfen nervöse blicke auf die Soldaten,die den Eindruck erweckten als wollten sie sich jeden moment auf sie stürzen. Zenbar war äusserlich die Ruhe selbst.Ein paar Schritte vor Amitla blieb er stehen.Er sah das viele Blut,die Leiche zu Füssen Amitlas. "WAS ???",schrie Amitla ihn an,und präsentierte Zenbar eine freie Handfläche. "Seht ihr nicht das wir im Namen Horisha`s beschäftigt sind ?" Zenbar zog langsam seine Waffe.Er hielt sein Schwert fest mit beiden Händen umklammert und richtete das Brimstone auf den Anführer des Heer`s. "Lasst die Frau gehen ! Oder es wird Euch leid tun !",sagte Zenbar fast mit neutraler Stimme. "Wer sagt das ?",provozierte Amitla,schwang gekonnt sein Schwert um das Handgelenk,um es dann anschliessend wieder auf den Hals der Frau zu richten. Zenbar machte einen Schritt nach vorne. Sofort ging ein Ruck durch die Menge der Soldaten,so dass Hextar und Aldera sich seitlich zu Zenbar postierten um seinen Rücken zu decken. "Sicherheitskräfte von Thorrun !",knurrte Zenbar wütend.Ihm gefiel die Situation ganz und gar nicht in der die Frau sich da befand. Aber es schien das Amitla es sich nun doch anders überlegt hätte. Die Frau schien ihm auf einmal nicht mehr so wichtig,stattdessen überwog die Neugier auf die Neuankömmlinge. "Sicherheitskräfte...ja ! So etwas soll es tatsächlich noch geben.",grunzte Amitla amüsiert und schob langsam sein Schwert zurück in die Scheide. "Sieh Dich um...",er breitete beide Arme aus. "Wo sind Sie ? Wo sind Deine Freunde,wenn sie gebraucht werden ?" Ein hässliches Lachen erklang. "Wo sind Deine Freunde von der SKF...jetzt",mit dem Zeigefinger wies er auf die ängstlich dreinschauenden Kolten-Bürger hinter ihm,ohne Zenbar aus den Augen zu verlieren. "JETZT...wo sie ihre Sicherheitskräfte gerne an ihrer Seite wüssten !" Amitla genoss seine Sprüche, die bei Zenbar aber nur ein verwundertes Stirnrunzeln hervorriefen. Amitla schien in seinen Augen sehr verwirrt.Und alles andere als symphatisch. "Ich kenne Dich. Du bist Zenbar,der Sohn des Soleom.Ur-Enkel des Jemena !" Zenbar nickte kurz. "Du bist der Sohn eines Verräters ! Und Du..." "WAS HAST DU GESAGT ?",rief Hextar,völlig aufgebracht vor Zorn. Er wollte sich an Zenbar vorbeischieben,aber der Hüter des Brimstone hielt ihn zurück. "DAS WIRST DU ZURÜCKNEHMEN - SONST LERNST DU MICH KENNEN,AMITLA !!!", schrie der hochrot angelaufene Hextar und wies mit seiner Klinge auf den fast zwei Kopf grösseren Anführer des Heer`s. "Hextar...halt Dich da raus.",fluchte Zenbar,bemüht den wütenden Krieger zurück zu halten. "JA ! Er hat recht,Hextar. Wenn sich Erwachsene unterhalten hast Du Dich da raus zu halten. Hat Dir Deine Mutter kein Benehmen beigebracht ? Was soll Vater von Dir denken ?",Amitla schüttelte sich aus vor lachen. Adlera zerrte Hextar zurück. "Was ist geschehen das hier unschuldiges Blut vergossen wird ?",fragte Zenbar. "Unschuldiges Blut ? HA ! Sie haben alle ihre Steuern nicht gezahlt !", protestierte Amitla. Zenbar erhob seine Stimme. "Ein kleines verwundetes Mädchen ist uns gerade in die Arme gelaufen !!! Seit wann zahlen Kinder Steuern ? Weiß der Rat über Deine Vorgehensweise bescheid ???" "DU willst mir sagen wie ich meine Arbeit zu verrichten habe ?", grunzte Amitla. "DU ? Der Sohn eines Verräters ?" Zenbar stand dem Blick Amitla`s noch eine weil stand. Dann aber schaute er zu Boden. Er fühlte sich auf einmal sehr leer, war die ewigen Beschimpfungen dermassen leid das er lust verspürte alles und jedem den Rücken zu kehren. Sollten die Kolten-Bürger doch sehen wie sie zurecht kamen. Innerlich gab er Amitla recht. Es war die Aufgabe der SKF hier zu sein anstelle von ihnen ! "Wollt ihr Euch mit dem Heer anlegen ?",fragte Amitla betont langsam. Er hatte erkannte das Zenbar ziemlich geknickt war und in seinen Augen wohl keine Gefahr darstellen würde. "Nein...",flüsterte Zenbar und sah wieder auf. "Aber ich verlange eine faire verhandlung für Odulwa - kein blutiger Rachefeldzug, der auf den Rücken der unschuldigen Bürger ausgetragen wird." "ZENBAR !",maulte Hextar und stiess dem Krieger leicht in die Rippen. "Nehmt Owulda mit. Stellt ihn in Gemtan vor Gericht. Wir werden mit den Kolten-Bürgern reden, auf das sie Ihren Pflichten wieder nachkommen." Und niemand sah hinter Amitla`s Maske das siegessichere Grinsen, als er kurze Zeit später Owulda in Ketten abführen liess...
RÜCKBLENDE:
Zenbar wirkte sichtlich nervös.Mit einer raschen Handbewegung fegte er ein paar seiner langen Haare aus seinem Gesicht. Er blickte hinab auf seinen Holzteller,auf den Gemüseeintopf mit dem frischen Fleisch das er selbst zubereitet hatte.Irgendwie war ihm der appetit abhanden gekommen. Ihretwegen. Er wusste nicht mehr was er machen sollte... "Nun Iss endlich was,Adlera !",sprach er das Mädchen an,das vor ihm sass.Adlera starrte weiter in die Ferne.Durch ihn hindurch in eine andere Welt. Sie schenkte ihrem Teller nicht einmal einen Funken der Aufmerksamkeit. Zenbar zwang sich noch zwei Bissen runter,dann schob er seinen Teller wuchtig bei seite.So wuchtig,das ein Teil des Inhalts sich auf den kleinen Tisch,an dem sie speisten,verstreute. Seit ihrer Rückkehr in Flawil hatte Adlera nichts mehr zu sich genommen. Schlimmer noch - sie schlief schlecht,und wanderte des Nachts in der kleinen Hütte umher die Zenbar durch Kosuwan günstig anmieten konnte. "Rede mit mir,Kleines !",forderte er sie wütend auf.Ihr trauriger Blick traf sich mit Zenbar`s,aber er konnte diesen Blick nicht lesen. Was immer auch in dem Mädchen vorgehen mochte,er war nicht in der Lage aus ihren Augen den Schmerz zu lesen.Einen Schmerz den er vielleicht von ihr nehmen könnte.Zenbar war bereit alles zu tun,damit es Adlera gutgehen würde.Er würde einmal zum Hades und zurück mit den Dämonen der Finsternis kämpfen wenn es sein musste - aber er konnte ihren Pain nicht heilen,wenn sie nicht mit ihm sprach,ihm nicht ihr kleines Herz ausschütten würde. Als die Feste Watzaka`s in sich zusammen gefallen war,hatten sich Dolcek,Zenbar und Adlera mit dem Leichnam Tolve`s zurück nach Flawil begeben.Ein weiter beschwehrlicher Weg.Ein paar mal waren ihnen die Schergen Watzaka`s in die quere gekommen,aber Zenbar hatte sie alle bezwingt,nicht zuletzt dank Dolcek`s hilfe.Es war Zenbar`s Plan gewesen sich ein paar Tage in Flawil auszuruhen um dann durch das Land zu ziehen um die letzten Dämonen des Herrn der Finsternis zu vernichten.Und glücklicherweise war Flawil soweit verschont geblieben.Eine aufgebrachte Menschenmenge,aber kein einziger Verletzter.Es war tatsächlich das eingetreten was Zenbar anfangs befürchtet hatte: eine Dämonenraupe hatte Flawil einen Besuch abgestattet,in mitten der Marktfläche war sie urplötzlich aus dem Boden geschossen auf ihrer unersättlichen Suche nach Menschenblut. Flawil hatte Glück im Unglück,denn zu dem Zeitpunkt wurde kein Marktfest abgehalten sondern ein paar Paladine huldigten ihrem Gott Avalas. Mitten in der Zeremonie,die aus lauten Gesängen und Gebeten bestand,brach sie aus der Erde und kündigte Tod und Verderben an.Die Raupe hatte nicht den hauch einer Chance gegen die zwei dutzend heiligen Kämpfer,die bis an die Zähne bewaffnet waren und ihrem heiligen Gott durch den Tod dieses Ungetüms eine Ehre erweisen konnten... Als Kosuwan Zenbar und Dolcek von dieser Geschichte berichtet hatte konnte sich der Elf fast nicht mehr einkriegen. Er lachte dermassen das er noch Tage später Bauchschmerzen hatte. Wahrscheinlich war es seine Art den Stress, dem sie lange Zeit ausgesetzt waren, zu verarbeiten. Kurz danach verabschiedete sich Dolcek...und ging zusammen mit dem Tetlaku-Wolf seines Weges. Einen Weg den er selbst nicht richtig beschreiben konnte. "Mich zieht es hinaus in die grosse weite Welt, Zen !",hatte er versucht zu erklären. "Ich war mein ganzes Leben lang ohne einen festen Wohnsitz, und daran wird sich auch zukünftig nichts ändern." "Und die Zeit in Bonbolo ?" "Nun...ich verdanke Yamsil viel. Aber die Zeit in seiner Kapelle hat mich eines gelehrt: es ist nicht meine Bestimmung unter Menschen zu hausen, die die Philosophie der Elfen eh nicht nachvollziehen können. Wenn mich überhaupt etwas gelehrt hat, dann das Leben in den Wäldern der Dämmerung, bei meinen Freunden." "Du wirst mir fehlen, Dolcek.",sagte Zenbar und die beiden lagen sich Rückenklopfend in den Armen. "Sag mir nicht -Leb Wohl-, Dolcek. Das hat so etwas endgültiges." "Auf Wiedersehen, Zenbar. Und Felewar zum Grusse." Dann war Dolcek verschwunden, als hätte ihn Hoisha`s Erdboden in sich aufgenommen, und Zenbar sah ihn nie wieder. Erst zwanzig Jahre später sollte er wieder etwas von Dolcek vernehmen...
Zenbar senkte den Kopf.Dann fuhr er urplötzlich wuchtig hoch, der Stuhl auf dem er gesessen hatte fiel um. "Glaubst Du für mich ist es leicht ?",schrie er Adlera an. "Glaubst Du das ich nicht trauere ? Dein Verhalten macht mich krank, Adlera !!!" Wütend stampfte er zur Tür und öffnete sie. In Flawil war aufgrund des guten Wetters ein reges Treiben. Menschen durchstreiften die Handelsstrasse, lachten und scherzten und gaben sich der allgemein guten Laune hin die seit der Vernichtung Watzaka`s ausgebrochen war. Auch wenn das Land noch längst seine ganzen Probleme nicht beseitigt hatte - noch immer streunten kleinere Gruppen von Dämonen durch das Land, und griffen alles an was ihnen in die Quere kam - so fühlten sich die Bewohner in Sicherheit gewogen. Zenbar wusste das der Schein trügte. Es schien als hätte Watzaka die Pforte zum Hades geöffnet und als hätte sich diese erst nach seinem ableben geschlossen. Übrig blieb eine Horde des Bösen ! Die Schergen Watzaka`s mussten vernichtet werden, kein Weg führte daran vorbei. Schon morgen würde sich der Sohn des Soleom auf den Weg begeben. Er lehnte mit verschränkten Armen an den Türpfosten und blickte hinauf in den wolkenlosen Himmel. Erst da wurde ihm bewusst das er soeben ein Achtjähriges Mädchen einen mächtigen Schrecken eingejagt haben musste. Sofort keimten Schuldgefühle in ihm auf, gefolgt vom erschrecken über sich selbst. Selten hatte er dermassen die Fassung verloren - einem Menschen gegenüber den er tief in sein Herzen geschlossen hatte ! Es lag aber auch daran das er jetzt die Verantwortung für Adlera mit sich trug. Und Chemena`s Tochter schien ihm mehr und mehr aus den Händen zu gleiten... Chemena war tot ! Und seit Adlera Zeugin dieser Tragödie wurde, hatte sie sich gehen lassen, ohne das Zenbar etwas daran ändern konnte. "Es tut mir leid, Kleines ! Vergib mir bitte...ich...ich bin mit den Nerven ziemlich am Ende.",sagte er ohne sich umzudrehen. "Das Geschehene hat sich zu sehr in mich reingefressen. Weisst Du, manchmal habe ich das Gefühl als würde das Dach über meinen Kopf zusammenbrechen und mich darunter begraben." Zenbar spürte den Klos in seiner Kehle. "Du kennst nicht die ganze Geschichte, Adlera. Aber ich werde sie Dir erzählen wenn Du einmal älter bist. Jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt Dir davon zu unterrichten." Er stemmte die Hände in die Hüfte und drehte den Kopf ein wenig, so dass er die warmen Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht spüren konnte. "Ich weiss wie Du Dich jetzt fühlst, Adlera. Aber das Leben geht weiter. Glaubst Du Chemena würde wollen das Du Dich so hängen lässt ? Nein, sie würde Dich schimpfen, Kleines. Sie würde nicht wollen das Du nichts mehr ißt und nur selten schläfst." Er drehte seinen Kopf, sah das Adlera ihn zuzuhören schien, und richtete danach sein Blick wieder auf den Horizont, als würde dieser alle Antworten auf seine Fragen beinhalten. "Das Wetter ist gut. Aber ich kann leider nicht bleiben, Kleines. Meine Mission ist noch nicht beendet. Gestern habe ich in der Tarvene einen Barbaren getroffen, der sich mir anschliessen wird. Er heisst Bulze und scheint ein guter Kämpfer zu sein. Und das genau ist es... ich werde wieder in den Kampf ziehen. Das ist wie ein Schuldschein den ich für alle Menschen, die ich geliebt und verloren habe, begleichen muss. Du wirst das nicht verstehen, Adlera...aber ich muss Dich bereits Morgen verlassen. Und ich weiss nicht wann ich zurückkommen werde !" Zenbar fuhr sich mit beiden Händen durch`s Gesicht. "Ich werde zurückkommen - das verspreche ich Dir. Ich werde Dich nicht alleine lassen - nur für eine weile. Kosuwan, der Bürgermeister dieser Stadt, wird sich um Dich kümmern. Es wird Dir an nichts fehlen, Kleines. Nur..." Jetzt war der Zeitpunkt gekommen wo Zenbar seine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Der dunkle Mantel der Schmerzen hatte ihn wieder umschlungen, schien ihm regelrecht die Luft zu rauben. "Nur...nur werde ich in tiefer Trauer gehen, immer...immmer in Gedanken das es Dir schlecht geht. Verdammt nochmal...ich mache mir Sorgen um Dich. Kannst Du das nicht verstehen ?" Zenbar ging in die Hocke und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Er beobachtete einen kleinen Schmetterling, der sich auf der staubigen Handelsstrasse niederlies, kurz seine Fühler ausstreckte, und danach wieder das weite suchte. Anscheinend enttäuscht darüber nichts Grünes vorzufinden. "Ich möchte...das wenn ich zurückkomme mich eine freudestrahlende Adlera empfängt. Ich möchte...",er hielt kurz inne und zog seine Nase hoch. "Ich möchte das mich...mich überhaupt irgendjemand empfängt. Was für einen Sinn hätte es zurück zu kommen, wenn niemand auf Dich wartet. Wenn niemand da ist, den Du vermisst hast...und dieser irgendjemand bist Du ! Denn wir haben nur noch uns beide, Kleines. Und wir müssen jetzt beide stark sein und durchhalten." Nachdenklich wischte sich Zenbar die letzten Tränen aus dem Gesicht. Es hatte keinen Sinn weiter zu reden - alles wichtige war gesagt worden. Er blickte über die Schulter auf Adlera. Tief in seinem innern hoffte er noch immer das sie etwas sagen würde, nur ein kleines zustimmendes "Ja" würde ihm reichen. Aber das Mädchen sprach gar nicht mehr...nicht ein kleines Wort seid dem Tod ihrer Mutter...aber zu diesem Zeitpunkt hätte sie auch gar nicht reden können, denn sie kaute bedächtig und war dabei ihren Teller zu leeren. Zenbar strahlte innerlich als auch äusserlich. "Alles wird gut.",sprach der muskulöse Krieger,als er neben Adlera stand und ihr durch das schwarze Haar fuhr... "Wir werden das gemeinsam durchstehen."
Am nächsten Morgen klopfte es an der Tür. Adlera hatte wahrlich mühe die schwere Holztür einen Spalt zu öffnen, und ein grosser und breiter Schatten fiel auf sie. "Halloooo ! Ich bin Bulze, und Du bist nicht Zenbar !",gröhlte der halbnackte Barbar mit seiner senoren Stimme. Adlera lächelte und schüttelte den Kopf, bevor sie mit enormer Kraftanstrengung die Tür vollendens öffnete. Zenbar unterhielt sich derweil im Essraum mit Kosuwan. Er hatte mit ihm soweit alles abklären können was Adlera anbelangte. Der Bürgermeister hatte erleichtert aufgeatmet, als Zenbar ihn davon berichtet hatte das Adlera wieder Nahrung zu sich nahm. Kurz darauf fanden sich alle auf der Handelsstrasse wieder. Die Zeit des Abschieds war gekommen - und niemand wusste genau wie lange die Reise dauern würde die Zenbar und Bulze antraten. Adlera gab Zenbar einen dicken Kuss auf die Wange. Zenbar erklärte ihr das sie sich keine Sorgen machen brauchte, während er ihr ein paar vereinzelte Tränen von der Wange strich. Es wäre kein Abschied für immer. Und doch kehrten Zenbar und Bulze erst nach zwei Jahren wieder Heim nach Flawil...dermassen erschöpft das sie 3 Tage durchschliefen, ohne auch nur ein einziges mal das Tageslicht zu erblicken. Zenbar hatte aber einen friedlich, fast Göttlichen, Schlaf - denn die paar Stunden nach der Rückkehr hatte er mit Adlera mehr als genossen. Als er mit einem gebrochenen Bein vor Kosuwan`s Behausung stand und sie von Adlera geöffnet wurde war die Freude gross. Besonders seitens Zenbar, denn Adlera empfing ihn mit einem lauten,durch die ganze Handelsstrasse schallenden "ZENBAR !". Und das war auch das erste mal das Kosuwan Adlera sprechen hörte - in all der langen Zeit die sie schon bei ihm wohnte. Von da ab war das Eis gebrochen. Adlera sprach wie ein Wasserfall, wollte jedes einzelne Detail wissen das dem Krieger wiederfahren war, und stellte eine Millionen Fragen. Nachdem das Bein seinen Heilungsprozess beendet hatte zogen sie nach Thorrun, um dort drei weitere unbeschwerte Jahre zu leben. Bis dann der Rat der Ältesten gegründet wurde und die Probleme von Neuen begannen. Wenn auch in einem anderen Rahmen...
Hextar`s Stimme war einfühlsam und zornig zugleich. Er breitete beide Handflächen vor Zenbar aus. "Was ist mit Dir, Zenbar ? So kenne ich Dich gar nicht !" Der Hüter des Brimstone zuckte nur kurz mit den Schultern und lies dann seine Augen über den Kolten-Bezirk schweifen. Die Bewohner waren wieder in ihre Häuser zurückgekehrt - kein weiteres Blut wurde vergossen. Trotzdem hatte er bedenken, was mit Owulda geschehen würde. Würde sich Amitla daran halten und ihm einen fairen Prozess gewähren ? Er hatte sich noch eine ganze weile mit Amitla unterhalten - sofern man es als Unterhaltung beschreiben konnte, denn der Hass aufeinander war ungebrochen. Stets lag der Geruch einer bevorstehenden Konfrontation in der Luft. Amitla war alles andere als ein einsichtiger Mensch und er hätte wahrscheinlich lieber einen nach den anderen skrupellos abgeschlachtet - nur um den Blutdurst, den er zweifellos besass, zu stillen. Das dies letztendlich nicht geschehen war, war Zenbar`s Überredungskunst zu verdanken. Die Bürger waren wieder frei. Und war es nicht das was wirklich zählte ? Der Aufstand der Kolten-Bürger war gebrochen, sie würden fortan wieder ihre Steuern zahlen und konnten gleichzeitig davon ausgehen, dass das Heer hier kein weiteres mal einmarschieren würde. Es schien den meisten eine Lehre gewesen zu sein sich nicht mit dem Rat anzulegen. Aber Zenbar fragte sich ob es wirklich der Rat war, der hinter allem stand oder ob das Heer hier alleine handelte, völlig unabhängig von irgendwelchen Befehlen seitens des Rates. Mittlerweile hatte er seine Zweifel. Hatte der Rat die kontrolle über das Heer verloren ? Handelte Amitla nach eigenem ermessen ? Aber viel schlimmer erschien Zenbar das genaue gegenteil - denn wenn der Rat den Befehl zu dieser unmenschlichen Vorgehensweise gegeben hatte, dann war Horisha wirklich in Schwierigkeiten... "Was hast Du erwartet, Hextar ?" "Wir hätte sie aufmischen sollen ! Ihnen ganz einfach zeigen das man so nicht mit Menschen umgehen kann die unter dem Schutz einer Sicherheitskraft stehen." Adlera schüttelte den Kopf. "Nein, Hextar. Zenbar hat richtig gehandelt. Wir hätten diesen Kampf verloren." "Nein das hätten wir nicht !!!",schrie Hextar. "Ich persönlich hätte Amitla sein Lebenslicht ausgeloschen !!!" Zenbar fuhr sich nervös durch seine Haare. "Du steigerst Dich da in etwas rein !" "NEIN ! Das tue ich nicht. Amitla ist eine Gefahr für dieses Land und für dessen Bewohner. Jemand wie er gehört nicht an die Spitze eines Heer`s, das eigentlich für Recht und Ordnung sorgen sollte !!!" "Dem stimmen wir doch zu, Hextar !", protestierte Adlera wütend. "Nein, also manchmal verstehe ich Dich wirklich nicht ! Das Leben der Bürger stand auf dem Spiel ! Zum Hades, hätten wir das etwa gefährden sollen ?" "Nein,natürlich nicht.",sprach Hextar, wieder etwas beruhigt. "Aber wir hätten das nicht so einfach hinnehmen sollen, Freunde ! Amitla ist in meinen Augen kein Mensch - sondern ein Monster !" "Was ist mit Dir und Amitla ?",fragte Zenbar und sein prüfender Blick traf Hextar, der leicht nervös an seinem glänzenden Kettenhemd spielte. "Was...was sollte denn sein ?" "Ich hatte einfach das Gefühl das Ihr Euch bereits kanntet. Korrigiere mich wenn ich mich irren sollte, das..." "Nein...",flüsterte Hextar und schaute betreten zu Boden. Erst jetzt schob er sein Kurzschwert wieder zurück in die Scheide und setzte sich anschliessend auf den Boden. Zenbar und Adlera gesellten sich zu ihm. "Nein,Zen. Du irrst nicht.",ein bitteres lächeln fuhr über sein Gesicht. "Deine Menschenkenntniss ist erstaunlich." "Du und Amitla - Ihr kennt Euch also ?",fragte Adlera erstaunt. "Ja...ich habe ihn vor etwa einem Jahr das letzte mal gesehen...und jetzt...Argh...", wuchtig schlug Hextar eine geballte Faust auf die Erde, und liess somit den Staub der Strasse ein wenig hochwirbeln. "Er hat sich kein bißchen verändert. Ist es nicht unglaublich wie so ein Hund zum Anführer des Heeres werden konnte ?",warf Hextar die Frage in die Runde. Aber weder Zenbar noch Adlera konnten ihm darauf eine Antwort geben. "Amitla war genau wie ich anfangs nur ein Söldner in der Armee des Rates. Wir hatten lange Zeit Seite an Seite gekämpft für...für diese angebliche Gerechtigkeit. Bis ich dann bemerkte das es für mich nicht das richtige war." "Aber für Amitla schon...",entgegnete Adlera. "Er ist mehr ein Krieger als ich jemals einer sein werde.",sprach Hextar und fuhr sich durch sein kurzes blondes Haar. "Er hat die Schlachten genossen die wir im Auftrag des Rates geführt haben. Es floss Blut...aber nie genug, als das es Amitla sättigen würde. Er wollte noch mehr, konnte nie genug davon bekommen. Aber in seinen Augen geschah das nicht zum Heil des Volkes - sondern für sein eigenes bestreben nach der Macht." "Welche Macht ?",fragte Zenbar. "Der Macht nach Ruhm und Ehre. Er wollte es allen Beweisen - das er der geborene Anführer für das Heer wäre. Ein Krieger der sich ohne Furcht einer jeden Gefahr stellte !" Hextar schnippte mit den Fingern. "Schnell hatte er sich einen grossen Namen bei dem Rat der Ältesten gemacht. Und nicht zuletzt der Einfluss seines Vaters verhalf ihm dazu dorthin zu gelangen wo er jetzt ist." "Wer war sein Vater ?",fragte Adlera, die sich nicht vorstellen konnte das überhaupt irgendjemand Einfluss auf die Entscheidungen des Rates nehmen konnte. "Sein Vater...",flüsterte Hextar und starrte in den Staub zu seinen Füssen. "Sein Vater heisst Lumfata und ist für beim Rat der Ältesten für Steuerangelegenheiten zuständig." "Was ?",fragten Adlera und Zenbar fast Zeitgleich und sahen sich gegenseitig in die Augen. "Aber das bedeutet ja...", begann Zenbar den Satz. "Richtig.", sprach Hextar, stand auf und wischte sich den Staub von seinem Gesäss. "Amitla ist mein Bruder !" Adlera liess sich erschöpft nach hinten fallen. "Das darf doch nicht wahr sein.",flüsterte die Kriegerin.
In der Burg Gemtan`s ging Amitla vor dem Empfangssaal der Ältesten wütend auf und ab.Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Da war zum einen die SKT, mit deren Erscheinen er wahrlich nicht gerechnet hatte.Er war fest im Glauben gewesen die Ältesten hätten sich darum gekümmert - aber anscheinend konnte man sich auf sie doch nicht so verlassen wie er es immer angenommen hatte. "Zenbar...", knurrte Amitla, und suchte mit wilden Augen die nähere Umgebung nach einem Gegenstand ab dem er einen Tritt verpassen konnte.Eine wertvoll aussehende Vase musste daran glauben, sie hielt dem wuchtigen Tritt Amitla`s nicht stand und zerschepperte in tausend Einzelteile. Dieser Krieger besass Stil, das musste er ihm ohne Zweifel zugestehen. Er hatte sich von seinen Worten regelrecht einlullen lassen - einer friedlichen Lösung zugestimmt. "Pah ! Wie konnte ich nur...",sprach Amitla mit sich selbst. Aber gut, die Kolten-Bürger waren jetzt nur noch etwas Nebensächliches.Er konnte sich immer noch darum kümmern wenn das Hauptproblem aus der Welt geschafft worden wäre. Dann schweiften seine Gedanken wieder ab...Hextar war in der SKT. Dieser verräterische Akt konnte in Amitla`s Augen nicht unbestraft bleiben. Dann öffnete sich die Tür zum Empfangssaal und ein dunkel gekleideter Mönch trat hervor. "Lumfata erwartet Euch, Amitla." Noch bevor der Diener seines Vaters diese Worte ausgesprochen hatte, war Amitla bereits an ihm vorbeigestürmt. "Vater !",sprach Amitla mit aufgeregter Stimme, lies sich kurz in Ehrerbietender Haltung auf die Knie nieder, und schritt dann dem Ende des langen Tisches entgegen, wo sich Lumfata auf einem Samt-verzierten Stuhl niedergelassen hatte.Ein einzelner Soldat stand mit regungsloser Miene hinter dem Ältesten,ein langer Bogen lag über seine Schulter. "Ich bringe gute und schlechte Neuigkeiten." "Zuerst die guten, Amitla." "Der Wiederstand der Kolten-Bürger ist gebrochen und wir haben Owulda gefangen genommen." "Sehr gut.",kam die schwere Stimme von Lumfata. "Wir werden ihn noch Heute hinrichten lassen.Die Leiche schafft ihr dann in den Kolten-Bezirk zurück auf das es sich die Bewohnern zukünftig zweimal überlegen werden ob sie sich noch einmal mit uns anlegen werden !" Amitla nickte. "Genau das hätte ich vorgeschlagen, Vater." "Was sind die schlechten Nachrichten ?" "Nun...",begann Amitla. "Ich weiss wo sich Hextar aufhält." Lumfata`s Blick wurde Rasiermesserscharf. "Was interessiert mich diese törichte Seele !? Er hat mich beleidigt und meinen Ruf geschändet." "Aber er ist Euer Sohn, Vater.Das werdet Ihr wohl nicht abstreiten." "Nein, Amitla.Er ist und bleibt mein Sohn - auch nach dem was geschehen ist.Aber was auch immer seine Worte waren, es ist für ihn kein Platz mehr an unserer Seite." Amitla atmete tief aus. "Das ist es gerade, Vater.Es wird für ihn wohl nicht in Frage kommen." "Was bedeuted das ?" "Er ist der SKT beigetreten..." "WAS ???",donnerte Lumfata`s Stimme durch den Saal, und der Soldat hinter ihm zuckte unwillkürlich zusammen. Amitla berichtete ausführlich von der Begegnung mit den Sicherheitskräften von Thorrun, das es Zenbar letztendlich alleine durch Worte geschafft hatte ihn in seiner Vorgehensweise zu hindern. Er vergass auch nicht Hextar bei dieser Erzählung zu erwähnen, dessen bittere Worte gegenüber seinen eigenen Bruder. "Was werden wir unternehmen, Vater ?" "Lass mich überlegen...",flüsterte Lumfata und erhob sich von seinem Stuhl. Sein weisses, Perlen besetztes Gewand bewegte sich im Takt seiner Schritte. Mit seinen Fingern strich der Älteste durch seinen weissen Bart. "Bist Du der Meinung das die SKT uns in unserer Vorgehensweise behindern könnte ?" "Oh ja...das steht ausser Frage. Sie haben einer meiner Soldaten getötet noch bevor er meinen Auftrag ausführen konnte." "Was würde es für auswirkungen haben wenn wir die SKT zerschlagen ?" Amitla überlegte kurz. "Das wisst Ihr sehr genau, Vater. Es ist die letzte intakte Sicherheitskraft - und wenn diese nicht mehr existiert ist auch der letzte Wiederstand bei den Bürgern gebrochen." Lumfata lachte laut auf. "Ganz genau,mein Sohn. Kümmere Dich darum ! Versuche Hextar da raus zu halten - aber kenne kein Erbarmen wenn er sich Dir wiedersetzen sollte. Der wichtigste ist der Sohn des Soleom - wenn er stirbt, stirbt auch die Moral der Truppe.Er ist das bindende Glied in der Kette der Sicherheitskraft von Thorrun." "Ich werde mich sofort auf den Weg machen." Lumfata hob einen Zeigefinger. "NEIN - kümmere Dich erst um Owulda. Denn erst wenn wir auch Flawil wieder vollkommen in unserer Hand haben können wir uns Thorrun widmen." "Ich verstehe...", Amitla ging in die Knie und spürte den Stolz auf seinen Vater in sich hochsteigen.
Nachdem Lumfata und Amitla ihr Gespräch beendet hatten verliess auch der anwesende Soldat den Empfangssaal der Ältesten. Er schien es auf einmal sehr eilig zu haben, rannte durch komplexe Gänge der Burg - bis er schliesslich den gesuchten Freund neben der Waffenkammer fand. Auch er hatte Wache zu absolvieren. "Ich muss gehen, mein Freund.",sprach er,leicht ausser Atem, den Soldaten an. "Was ?" "Es...es...es..." "Ganz ruhig.",versuchte der Wächter zu beruhigen. "Ich muss gehen - ich kann nicht länger bleiben." Der andere Soldat atmete schwer aus und schüttelte langsam den Kopf. "Du weisst, dass Du der Armee nicht ohne weiteres den Rücken kehren kannst ohne das zu rechtfertigen." "Ja...ich habe keine andere Wahl. Ich muss schnellstmöglich nach Thorrun. Kannst Du mir helfen oder nicht ?" "Ich verstehe Dich nicht..aber gut,ich werde sehen was sich machen lässt."
Am nächsten Abend sollte die Flucht vonstatten gehen, aber wohl fühlte sich der Soldat nicht bei der Sache. Man konnte nicht ohne weiteres das Heer verlassen wenn man sich dem verpflichtet, und zusätzlich im vorraus für drei Monate auch noch den Sold einkassiert hatte. Die Flucht hätte etwas endgültiges, denn ein zurück würde es für ihn nie wieder geben. Sie würden ihn wahrscheinlich kurzerhand hinrichten und die offizielle Begründung wäre "Verrat an Horisha`s Heer". Aber er war dieses Leben ohnehin satt. Die Jahre über die er nun für das Heer tätig war, hatte er nur selten an irgendwelchen Missionen ausserhalb Gemtan`s teilgenommen. Meist beschränkte sich sein Betätigungsfeld aus Bewachen von irgendwelchen wichtigen Räumen in der Burg Gemtan`s. Er fühlte sich immens seiner Freiheit beraubt - das entscheidende für sein Handeln war aber das verfolgte Gespräch im Empfangssaal. Nein, er MUSSTE nach Thorrun ! "Siehst Du den Wagen dort hinten ?",fragte ihn der Wächter. "Dort, wo das Heu aufgeladen wurde ?" "Genau. Dort wirst Du heute übernachten müssen, denn der Wagen wird Morgen in aller Frühe das Gelände verlassen. Du kannst, sobald er die Burg in ausreichender Entfernung hinter sich gelassen hat, abspringen und Dich auf Deinen Weg machen." "Wohin fährt der Karren ?" "Richtung Westen nach Wultawa. Das bedeutet Du wirst einen langen Marsch vor Dir haben wenn Du nach Thorrun willst - und vergiss nicht das Du frühzeitig abspringst !" Der Soldat nickte kurz. "Und was ist mit "ihm" ?" Der Wächter lachte kurz auf. "Er wartet im Heu auf Dich." "Danke. Ich schulde Dir etwas." "Viel Glück !",sprach der Wächter und verlies den Vorhof der Burg. Leicht gebückt schlich sich der Soldat zu dem,noch ungespannten Karren, und verschwand schnell im feuchten Heu. Kaum war er darin verschwunden, da spürte er auch schon das Rascheln neben sich. Dann ein heisser Atem und eine feuchte Zunge die über sein Gesicht fuhr. "Hey, wirst Du wohl.",grummelte der Soldat, freute sich aber dennoch seinen alten vierbeinigen Freund in Sicherheit zu wissen. Und Dolcek wusste das es jetzt kein zurück mehr gab...
( Fortsetzung folgt... )