Oldie Review: Angra`s Angel`s CryDer sympathische Fünfer, der sich leider vor kurzem mehr oder minder aufgelöst hat, legte 1993 mit "Angel`s Cry" sein Debutalbum vor, welches den Weg in eine vielversprechende Zukunft ebnen sollte, die leider viel zu früh im Sande verlief, was aber sicherlich nicht mit der musikalischen Klasse der Band zu tun hatte. Wer denkt, daß Angra einer der vielen Power / Progressive Kapellen sind, die heute den Markt mit viel zu vielen Releases überfluten, der sollte sich mal vorliegendes Debut oder einen der beiden Nachfolger ("Holy Land" oder "Fireworks") anhören und man wird schnell merken, daß hier eine der unterbewertetsten Kapellen überhaupt am Start ist bzw. war.
Das Debutalbum macht einen sehr professionellen Eindruck und erweckt den Eindruck, daß hier eine Formation das Material komponiert und eingespielt hat, die schon mehrere Jahre dabei ist. Grund dafür ist wohl neben dem sehr routinierten Songwriting vor allem die kraftvolle Produktion, für die sich Sascha Paeth (Heavens Gate Gitarrist; u.a. Rhapsody, Luca Turilli, Avalon) und Charlie Bauernfeind (u.a. Gamma Ray etc.) verantwortlich zeichnen. Natürlich macht eine gute Produktion noch lange kein gelungenes Album aus, aber auch im musikalischen Bereich brillieren die Jungs: Neben dem schnellen und eingängigen Opener "Carry On" können vor allem die progressiv angehauchten Stücke "Time" (Ohrwurm mit vielen Tempowechseln), der grandiose Titeltrack sowie das überlange "Lasting Child", welches gleichzeitig den krönenden Abschluss der CD bildet, gefallen. Alle anderen Kompositionen, die sich stilistisch in den melodischen Power / Progressive Sektor mit einigen Klassik Elementen (sehr vielschichtiger, aber immer nachvollziehbarer Sound!) einordnen lassen, können ebenfalls gefallen - leichte Abstriche muss man beim Kate Buch Cover "Wuthering Heights" machen, das wahrscheinlich nicht jedermanns Sache sein dürfte. Dieses leichte Manko kann man aber getrost übersehen, vor allem wenn man sich die Stimme von Lead Sänger Andre Matos, der vor seiner Zeit bei Angra bei "Viper" tätig war, anhört, die einerseits schnellen Nummern den richtigen Härtegrad verpasst, andererseits aber auch langsame Passagen perfekt veredelt. Somit wird schnell klar, daß hier einer der besten Sänger im Metal Bereich am Werke ist, der für mich in eine Klasse mit Michael Kiske (ex-Helloween) gehört.
Abgerundet wir der hervorragende Rundling noch von diversen Gast Musikern wie etwa Kai Hansen ; Dirk Schlächter (Gamma Ray), Thomas Nack (ex-Gamma Ray) und Sascha Paeth. Wer auf eingenständigen, aber dennoch superben melodischen Power Metal mit progressiven Einflüssen steht, darf sich "Angel`s Cry", genauso wie alle anderen CD`s von Angra, nicht entgehen lassen. Dies hier ist auf jeden Fall der schlagende Beweis, was für eine tolle Formation uns mit der Auflösung von Angra im vergangenen Monat verloren gegangen ist!
Fazit: 10 von 10 Punkten