Wacken 2000 - ReviewBedingt durch unsere Radiosendung "Powerplant" hatte ich in diesem Jahr die Möglichkeit, mit einigen Kollegen, in den Luxus eines Backstageausweises für das Wacken Open Air zu kommen, was ich natürlich nicht ungenutzt ließ. Also ging`s am Donnerstag Nachmittag mit einigen Kollegen ab in Richtung Wacken, wobei wir natürlich vorher noch einkaufen gingen (Flüssignahrung versteht sich :-)))
Richtig los ging`s dann am Freitag, wobei ich im folgenden chronologisch auflisten werde, welche Acts ich mir so angeguckt habe:
Für mich ging`s am frühen Mittag mit der NWOBHM Legende Samson los, die sich vor kurzem reformiert hatten - natürlich ohne Iron Maiden Frontsirene Bruce Dickinson, dafür aber mit Original Drummer Thunderstick (der Verrückte baut immer noch einen Käfig um sich herum auf!), Chris Aylmer und Paul Samson. Den korpulenten Sänger kannte ich zwar nicht, aber er machte seine Sache gar nicht übel und der Sound, den Samson fuhren, war auch durchweg gut. Die neueren, sehr Blues lastigen Stücke, kannte ich zwar nicht, aber die älteren Granaten wie etwa "Vice Versa" oder "Earth Mother" rockten immer noch sehr gut und ließen mitunter auch richtig gute Stimmung aufkommen. Highlight des Sets war aber der Abschluss "Riding With The Angels", wo die Meute nochmal richtig gut mitging. Insgesamt ein nettes Comeback einer meiner Faves der NWOBHM, auch wenn ich mir Stücke wie "Hammerhead" oder "Hard Times" gewünscht hätte...
Weiter ging`s für mich mit einem weiteren Vertreter der NWOBHM und zwar mit Angel Witch, die auch heute noch zahlreiche Fans haben und mit ihrem `81er Meilenstein "Angel Witch" eines der Highlights der NWOBHM abgeliefert haben. So wurden die Jungs auch sehr wollwollend aufgenommen und boten eine klasse Performance und sorgten zudem auch für richtig gute Stimmung vor der True Metal Stage, was zweifelsohne an Highlights wie "Angel Of Death", "White Witch" oder der megagenialen Bandhymne "Angel Witch" lag. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Jungs noch für die eine oder andere überraschung gut sind, was auch ein neu komponierter Song (Titel vergessen) eindrucksvoll bewies.
Als Rhapsody um kurz nach 18 Uhr die Bretter betraten, war es vor der True Metal Stage ganz hervorragend gefüllt und, im Gegensatz zum Gig in Bochum vor einiger Zeit, war auch der Sound, nach anfänglichen Problemen, glasklar und kam richtig fett aus den Boxen. Zwar unterschied sich das Programm der Jungs in keinster Weise von dem der Support Tour für Stratovarius, aber um Songs wie "Emerald Sword", "Land Of Immortals" oder "Warriors Of Ice" (mein persönliches Highlight von Rhapsody) kommt die Combo nun mal nicht herum. Dazu gab es noch ein kleines Drumsolo vom neuen Drummer Axel Holzwarth und unter dem Strich eine astreine Leistung der Band, die wesentlich sicherer und kompakter auftrat, als vor einigen Monaten noch in Bochum. Leider versäumte die Band es, den zahlreichen Fans schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Album zu geben...
Immer wenn ich mir Stratovarius anschaue, scheint die Band irgendwelche Probleme zu haben: In der Zeche Bochum hatte Timo Tolkki damals zahlreiche Probleme mit seiner Klampfe und beim Gig in Wacken verletzte sich Sänger Timo Kotipelto beim Zünden der Pyros - anscheinend wusste er nicht mehr so genau, wann diese gezündet wurden. Er konnte zwar weiter machen, aber seine Hand war von da an ausser Gefecht und natürlich litt auch die Stimme etwas darunter. Mal abgesehen von diesem Missgeschick (wobei Timo Kotipelto einen Tag später wieder putzmunter im Backstage Bereich die Biergläser leerte...) war der Stratovarius Gig astrein und bot ein Best Of Programm der Multi-Kulti Truppe: Neben neuen Kracher der Marke "Hunting High And Low" und "Infinite" gab`s auch zahlreiches älteres Material wie etwa "Father Time", "S.O.S." und natürlich "Black Diamond" zu hören. Ebenfalls geil...
Was bei Iced Earth folgte, waren wohl die härtesten Stunden für jemanden, der seit Samson in der ersten Reihe stand (nur um Gamma Ray und Kai Hansen aus selbiger zu sehen!): Soviele Crowdsurfer, daß man meinen konnte, das über einem die Rush Hour herrschte, waren bisher an der True Metal Stage nicht gesichtet worden. Es war also schon recht interessant, was für eine fulminante Stimmung bei Iced Earth herrschte, vor allem wenn man bedenkt, daß die Band durch eine Operation von Mastermind Jon Schaffer noch gehandicapt war. Und um ehrlich zu sein: Ich war von der Band ein kleines bißchen enttäuscht, da ich mir etwas mehr erwartet hatte: Die Bühnenshow war zwar ganz nett, aber auf der Bühne habe ich auch schonmal aktivere Bands erlebt. Allerdings schien das nur in Wacken der Fall zu sein. Nichtsdestotrotz bot die Band ein grundsolides Set, wobei auch der überraschungsfaktor in Form von der Iron Maiden Coverversion "The Trooper" oder eines neuen, recht guten Songs nicht zu kurz kam. Sicherlich für viele das Highlight in Wacken - für mich lediglich ein guter Zeitvertreib.
Und dann war es endlich soweit: Gamma Ray mit Metal Gott Kai Hansen, die gerade bei Noise verlängert haben, enternten mit "Lust For Live" die Bühne und ich konnte das Spektakel immer noch aus der ersten Reihe verfolgen. Was folgten, waren für mich die besten 1 1 /2 Stunden, denn neben einer genialen Bühnenshow (mit vielen Pyros, Luftschlangen, Feuerspuckeinlage zu Beginn, Bandmaskottchen Fun Face etc.) hat die Band natürlich auch einen Großteil ihrer bisherigen Spitzensongs mit im Gepäck gehabt und knallte der staunenden Masse, die nach dem Iced Earth Gewitter wieder etwas ruhiger war, mit "Dream Healer", "Tribute To The Past", "Land Of The Free" und "Valley Of The Kings" Songs aus jeder Schaffensphase vor den Latz und bot zudem eine richtig agile Performance, die mir das eine oder andere mal einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Bei "Somewhere Out In Space" wurden dann die Fans noch richtig mit einbezogen, ehe es mit dem Helloween Kracher "I Want Out" und dem einzigsten Song von "Powerplant", "Send Me A Sign", die beiden verdienten Zugaben gab. Was die Hanseaten da auf der Bühne trieben war einfach unbeschreiblich und macht die Band für mich zum Highlight des diesjährigen Wacken Festivals!
Damit endete auch der erste Tag in Wacken und ich muss zugeben, daß ich nach den Gamma Ray Zugaben völlig ausgelaugt war, denn immerhin stand ich seit Samson in der ersten Reihe - ca. 12 Stunden! Also folgte für mich bald die wohlverdiente Nachtruhe- an eine große Party war wirklich nicht mehr zu denken...
...zumal es am nächsten morgen um halb elf schon mit Freedom Call weiterging, die für mich mit zu den besten Newcomern im letzten Jahr zählten. Auf der Bühne gab sich der Fünfer, angeführt von Sänger und Gitarrist Chris Bay, auch recht sicher und bot eine coole Show, die nur darunter litt, daß sie viel zu früh war. Trotzdem knallten Songs wie "Over the Rainbow", "We Are One" oder "Tears Falling" auch am frühen morgen recht ordentlich und wurden von nicht wenigen Fans beklatscht und gefeiert. Zudem stellte die Band einen neuen Track, der genau in die musikalische Kerbe vom Debutalbum schnitt, vor, bei dem die Meute auch ordentlich abging und der einen gelungenen Gig abrundete. Daumen hoch für diese Band, die sich sicherlich mit ihrem nächsten Album (Herbst / Winter) weiter wird festigen können - Live ist die Band auf jeden Fall cool!
Danach nahm ich mir erstmal eine kleine Auszeit und kehrte erst zu den Klängen von ex-Iron Maiden Shouter Blaze Bayley zurück, der seinen Set mit der Hammergranate "The Launch" und dem Maiden Smasher "Futureal"; eröffnete - den Rest des Sets habe ich leider verpasst, da ich mir lieber Squealer (siehe unten) angucken wollte. So scheint der gute Blaze aber noch "Man On the Edge" (nochmals Maiden) auf die Meute abgefeuert zu haben und erntete insgesamt recht gute Resonanzen. Auf jeden Fall war der Mann auf der Bühne hyperaktiv und wirkte befreiter, als noch zu seinen Iron Maiden Tagen.
Squealer, die nur auf der WET Stage auftreten durften (die hätten auf die True Metal Stage gehört - jawohl!), waren für mich, neben Gamma Ray, ein weiteres Highlight in Wacken, mit dem ich nicht unbedingt gerechnet hätte: Neben der coolen Songauswahl, sowohl Material vom neuen Album ("End Of the World", "Free Your Mind") als auch vom Vorgänger ("Friends For Live", "Nowhere To Hide"), war vor allem die Tatsache, daß die Band zwei Sänger (!!!) präsentierte, sehr beeindruckend - man wusste überhaupt nicht, auf wen man sich konzentrieren sollte und die Band war in sichtlich guter Spiellaune und zog sich hervorragend aus der Affäre. Zudem beeindruckte Drummer Mike Terrana noch mit einem geilen Drumsolo - eine wirklich hervorragende Band, die ihr unbedingt mal antesten solltete, wenn ihr auf Metal mit Bombast und Ohrwurmmelodien, zu denen man hervorragend headbangen kann, abfahrt. "The Prophecy", das nunmher dritte Album, sollte auf jeden Fall in jeder Sammlung stehen!
Danach wurde erstmal die Zeit für einige Interviews im Backstagebereich genutzt, ehe es um 16 Uhr 30 dann zur Nightwish Show, die mich unheimlich beeindruckt hat, weiterging: Denn im Gegensatz zur absolvierten Tour im Vorprogramm von Rage war der Sound der Finnen diesesmal glasklar, auch wenn zu einem Großteil nur Songs vom neuen Album - darunter natürlich das hammergeile "Wishmaster" - gespielt wurden. Die Band zeigte sich auf der Bühne auf jeden Fall deutlich gereift und erntete für die oberhammergeile Performance auch entsprechende Reaktionen, wobei mir vor allem Frontfrau Tarja positiv (...) auffiel. Na ja, schade nur, daß nach einer Stunde wieder Schluss war und man auf "Stargazers" vom Debutalbum verzichten musste....
Tja, und danach war für mich Wacken schon wieder gelaufen, da ich einerseits noch einige Zeit im Backstage Bereich verbrachte und anderseits die weiteren Acts nicht so mein Fall waren - so habe ich mir zwar noch Teile der Venom & Knorkator Show angeguckt und auch die Tom Angelripper Abschluss Feier durfte nicht unter den Tisch fallen, aber so richtig warm wurde ich mit keinem der weiteren Acts (was ich mir im Vorfeld aber schon gedacht hatte).
Unter dem Strich haben sich die 4 Tage (Donnerstag - Sonntag) Wacken aber auf jeden Fall gelohnt, zumal die Veranstalter auch in allen anderen Bereichen super Arbeit geleistet haben - insbesondere die super freundliche Security muss ich an dieser Stelle lobend erwähnen, denn diese war total locker drauf und Zwischenfälle, wie etwa `99, gab es in diesem Jahr meines Erachtens nach nicht. Und eines ist sicher: Nächstes Jahr bin ich wieder da. Raise The Fist Of the Metal Child!
<<<---back