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3. Softwaretest: FTP-Daemon »OrangeFTPd« (von Uwe Pannecke)

Ein Daemon in Orange

OrangeFTPd von Mark Olsen

1. Im Netzwerk verfangen

Glaubt man den Meldungen in allen möglichen Medien gerade jetzt zur CeBIT- Zeit, ist wohl die ganze (menschliche) Welt bald in einem Netzwerk gefangen. Ohne Vernetzung geht, wenn diese apokalyptischen Visionen wahr werden, nichts mehr, nicht einmal die Ersatzbeschaffung für aufgebrauchtes Toilettenpapier.

Da kommt einem die profane Kopplung mehrerer Rechner zum Zwecke des Filetransfers schon recht altbacken vor. Dennoch soll in diesem Bericht genau von solch einem Datenaustausch, oder besser den programmtechnischen Voraussetzungen die Rede sein.

Sind die Rechner erst einmal aneinander gekettet und prinzipiell in der Lage, Informationen auszutauschen, steht die Frage im Raum, wie denn dieser Datenwechsel vonstatten gehen soll. Ein in Ehren ergraute und nicht ohne Grund von Sicherheitsfanatikern in der Welt des Internets heute oft argwöhnisch beäugte Möglichkeit steckt im FTP, dem File Transfer Protokoll. Was für das Internet gilt, muss so noch lange nicht für heimische Rechnernetzwerke zutreffen. Hier spielt der Sicherheitsaspekt oft keine vordergründige Rolle oder ist mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu garantieren. Dafür überzeugt um so mehr die elegante Art des FTP- Datentransfers.

Ein neuer Stern am Amiga-Himmel der FTP-Daemonen fiel mir letzt beim Stöbern im Aminet auf: der OrangeFTPd [1] des Dänen Mark Olsen (vielleicht ein Nachfahre des legendären Egon Olsen, vielen Älteren als Denkergröße und Kopf der Olsen-Bande bekannt...) in der ersten allgemein zugänglichen Release. Der Programmierer veröffentliche seinen FTP-Daemonen als Freeware, später soll OrangeFTPd unter die GPL gestellt werden. Mark Olsen schrieb nach eigenen Angaben sein Programm, weil er schon lange Zeit einen schnellen, guten und freien FTP-Dämonen suchte, aber nie fand. Nun, wollen wir doch einmal sehen, ob OrangeFTPd diesen Ansprüchen genügt.

2. Voraussetzungen

Neben einem Amiga führt der Autor lediglich das Vorhandensein eines TCP/IP- Stacks wie etwa Miami, AmiTCP oder Genesis an. Also sehr bescheidene Ansprüche.

3. Installation

Diese Bescheidenheit setzt sich auch in der Installation fort, welche sich lediglich auf das verschieben des entpackten OrangeFTPd-Ordners an einen gewünschten Ort auf einer Amiga-Festplatte beschränkt.

Screenshot

In meinen Fall wanderte OrangeFTPd ins Miami-Verzeichnis. Wer erwartungsfroh ob umfangreicher Beschreibungen auf das Dokumentations-Icon klickt, wird wohl etwas enttäuscht sein von der überaus schlanken Anleitung. In extremer Kurzform bringt Mark Olsen die Integration des Programmes in den TCP/IP-Stack auf den Punkt. Er braucht dafür genau drei kurze Sätze. Da erscheint der Disclaimer-Abschnitt schon fast üppig, in dem er eindringlich darauf hinweist, das OrangeFTPd Eure Festplatte löschen, den Monitor zerstören und Eure Katze töten wird, Euren Job werdet Ihr los und Euer Leben wird ruiniert sein. Ihr seid also gewarnt! :)

4. Integration in Miami

Nun, da die beigelegte Dokumentation vielleicht doch den einen oder anderen FTP-Willigen abschrecken könnte, soll an dieser Stelle exemplarisch die Einbindung in Miami erläutert werden. Voraussetzung ist natürlich eine funktionierende TCP/IP-Verbindung zwischen den Rechnern, beschrieben z.B. in [2] und [3].

Berechtigte User

Öffnet also das Miami-Konfigurationsfenster und wählt unter "Datenbank" den Abschnitt "Anwender", tragt nun über Klick auf "Neu" den gewünschten User mit seinem Namen, Passwort, User- und Gruppen-ID und dem ihm zugewiesenen Heimatverzeichnis ein.

Screenshot

Der hier verwendet User soll "uwep" heißen, bekommt die User-ID "101" (wobei diese ID unkritisch ist), soll der Gruppen-ID "98" (der Grupppe ftp, die später noch generiert wird) zugeordnet werden und erhält als sein Heimatverzeichnis "Work2:" zugewiesen. Und nur in diesem Verzeichnis kann er sich später nach erfolgreichem Einloggen bewegen.

FTP-Gruppe

Nun wählt Ihr immer noch im Bereich "Datenbank" den Abschnitt "Grupppen" und sorgt dort für den passenden Eintrag, indem Ihr wiederum über "Neu" die Gruppe "ftp" mit der Gruppen-ID "98" (hier könnt Ihr auch bei Bedarf eigene Werte, die sich aber nicht mit bereits vergenenen Gruppen-IDs überschneiden sollten, vergeben) und dem zugehörigen Anwender, in unserem Fall "uwep" erstellt.

Screenshot

Natürlich können an dieser Stelle auch mehrere zugangsberechtigte User, getrennt durch Kommata, eingetragen werden.

Autostart OrangeFTPd

Um bei jeder Online-Sitzung einen automatischen Start des OrangeFTPd zu erreichen, könnt Ihr im Abschnitt "Ereignisse" unter "Online" mit der Vorgabe "Shell" OrangeFTPd mit seinem kompletten Pfad und gegebenenfalls der Option "-nogui" (dies verhindert ein Öffnen der OrangeFTPd-GUI beim Hochfahren) eintragen

Screenshot

und speichert anschließend die modifizierte Miami-Konfiguration unter einem aussagekräftigen Namen ab.

5. Einsatz

Miami ist konfiguriert, nun ist es an der Zeit, der Pflicht die Kür folgen zu lassen: OrangeFTPd soll zeigen, wie mit Daten per FTP jongliert werden kann. Schickt Miami online und startet auf dem Partner-Rechner Eurem Lieblings-FTP-Clienten. Unter Windows9.x wäre ein brauchbarer Vertreter etwa WS_FTP, der auf vielen Heft-CDs diverser PC-Magazine oder bei [4] zu finden ist. An dieser Stelle soll als Beispiel ein linuxbasierter FTP- Client, nämlich IglooFTP [5] herhalten.

Screenshot

Im jeweiligen FTP-Clienten sind für eine erfolgreich Verbindung und anschließenden Datenaustausch neben der IP-ID des Servers, also der TCP/IP- Adresse des OrangeFTPd beherbergenden Amiga (hier "amiga.xwing.de") der verbindungswillige User (hier "uwep" und sein Passwort (hier ähm, sag ich nicht) und der Port (üblicherweise "21") anzugeben. Und schon kann das fröhliche Datenschaufeln beginnen.

6. Fazit

In der gegenwärtigen Version ließ sich OrangeFTPd nicht über InetD starten, so das ein externer Start über "Ereignisse" notwendig ist. Will mann Miami beenden, ist erst explizit OrangeFTPd zu beenden. Aber Mark Olsen hat für die Zukunft die Einbindung über InetD in Aussicht gestellt.

OrangeFTPd arbeitete im Testzeitraum zuverlässig und sehr zügig. Wer bisher auf der Suche nach einem FTP-Daemonen auf dem Amiga noch nicht fündig wurde, sollte sich OrangeFTPd einmal näher anschauen. Ein interessantes Stück freie Software.

[1] im Aminet unter @{AMINET /comm/tcp/OrangeFTPd.lha}
[2] U.P., TCP/IP zwischen Amiga und Windows9x-PCAmiga, Aktuell, 07/2000,
[3] U.P., TCP/IP zwischen Amiga und Linux, AmigaPlus, 12/2000, S. 44ff
[4] http/www.com-online.de
[5] http://www.littleigloo.org

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>

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