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Das größte Amigaspiel aller Zeiten! So nennen Clickboom ganz bescheiden ihr Werk. Das man an so ein Spiel nicht wie an jedes andere Spiel herangeht versteht sich von selbst. Aber der Hauptgrund, daß ich an dieser Stelle nicht mit der Beschreibung der Verpackung und der Hintergrundstory herangehe, ist der Installationsärger, den Nightlong den meisten Usern beschert. Es schein fast so, als stehe der Titel Nightlong für nächtelangen Ärger. Nachdem die CD eingelegt wurde, fand ich kein Installerprogramm. Auch auf den anderen beiden CDs war nichts dergleichen. Komisch, dachte ich mir.
Und es sollte auch keine Mittel und Wege geben, eines herbeizuzaubern. Der Grund liegt nämlich am Format, mit dem die CD gebrannt wurde. Dies ist nämlich nicht das am Amiga übliche Rockridge-Format. Und das vorliegende Jouliet-Format wird leider nicht von jedem Filesystem erkannt. Also gilt es, erst einmal ein passendes Filesystem zu installieren, wie z.B. das von OS 3.9. Unter Umständen hat man dann aber auch schon das nächste Problem: Die CDs werden nicht mit ihrem richtigen Namen "Q", sondern als "unbekannt" angezeigt. Also muß per Hand ein Assign (assign Q: cd0:) errichtet werden. Puh! Aber Clickboom hat angekündigt, daß bei neuen Pressungen dieser Fehler nicht mehr auftritt und alle schon vorhandenen (registrierten) CDs können gegen neue eingetauscht werden. Aber dieser Fehler hat mir so auf den Magen geschlagen, daß es bei "Einstieg/Anleitung" eine glatte 6 gibt! Zwar ist die Anleitung sehr gut gemacht, aber so etwas gehört meiner Meinung nach bestraft! Aber jetzt läuft das Spiel und somit kann der Test beginnen:
Nightlong wird auf drei CDs im großen Jewel Case geliefert. Die Qualität ist wie von Clickboom nicht anders gewohnt sehr hoch. Es liegt ein Booklet mit Anleitung und Hintergrundstory bei. Leider ist alles komplett in Englisch.
Hier eine kurze Zusammenfassung, um was es in Nightlong überhaupt geht: Wir schreiben das Jahr 2099, die Welt ist ein komplett anderer Ort geworden. Es gab massive, technische Fortschritte, die es erlaubten billig und effektive Energien zu nutzen. Der mächtigste Staat der Welt, "The United States of the New Order", hat diesen Fortschritt gefördert, aber in deren Hauptstadt, "Union City", läuft nicht alles rosig. Die Wissenschaft hat die Regierung reich gemacht. Die Länder werden von gesichtslosen Bürokraten, welche für große, multinationale Gesellschaften arbeiten, kontrolliert. Genesis ist die größte dieser Gesellschaften und ist weltweit verantwortlich für Transport, Energiekonsum, Medizin und Lasertechnik. Seit Jahrzehnten herrscht Frieden, aber dies unter der strengen Kontrolle der multinationalen Unternehmen.
Eine der größten Errungenschaften dieses Zeitalters ist das Cyberspace und hierfür verantwortlich ist Genesis. Es erlaubt einen Austausch innerhalb der riesigen Netzwerke. So kann man bequem vom Sessel aus arbeiten, einkaufen oder sich selbst vergnügen. Die Frage ist nur, wer arbeitet im Hintergrund, zieht die Fäden und kontrolliert die Bevölkerung?
Nach dem Start folgt zuerst einmal das Einblenden der Logos in wirklich sehr guter Qualität. Danach gibt es ein ca. fünfminütiges Intro. Und hier macht sich schon der Vorzug der PPC-Unterstützung bemerkbar: Denn in der 68k-Version gibt es dieses nur in einem kleinen Fenster (ca. 1/4 des Bildschirms), und ansonsten in ähnlicher Geschwindigkeit in Fullscreen!
über die Qualität des Filmes lässt sich allerdings nicht streiten: Sie ist erstklassig! Die Sprachausgabe ist perfekt gemacht und dank deutschem Untertitel bekommen auch Englischmuffel mit, um was es geht. Und für die Spielatmosphäre sehr wichtig: Das Spiel beginnt genau an der Stelle, wo der Film aufhört. Ebenso binden sich auch kleinere Zwischensequenzen in das Spiel ein. So fügt sich das Ganze fast zu einem Film zusammen. Nur, daß man hier die Hauptrolle spielt. Als Privatdetektiv Joshua Reev sucht man für den Bürgermeister von Union City (einem alten Freund) nach einem verschollenen Agenten, der einen Terrorakt auf Genesis aufklären wollte. Soviel als kurze Zusammenfassung des, ich muß es nochmals wiederholen, genialen Intros.
Nun haben wir also das Spiel nach nächtelangem Installationsstreß auf unserem Lieblingsrechner und wissen auch, worum es geht: Aufdeckung einer Verschwörung in Union City. Fehlt also nur noch das Wie, sprich die technische Umsetzung (Sound und Grafik) sowie das Gameplay.
Fangen wir mit dem Gameplay an: Bei Nightlong handelt es sich um ein klassisches Point-and-Click-Adventure a la Simon the Sorcerer oder Monkey Island. Der Hauptteil des Bildschirms wird von der Szene eingenommen. Diese lassen sich aber nicht wie bei den genannten Beispielen scrollen. Fährt man mit dem Mauszeiger über das Bild, werden sogenannte "aktive" Objekte sichtbar, indem der Name (z.B. Tür) erscheint. Nun kann man dieses Objekt betrachten (linke Maustaste) oder benutzen (rechte Taste). Also nicht, wie bei den klassischen Adventures mittels verschiedener Icons (nimm, gib, gehe...) sondern einzig durch die Maus. Benutzt man das Objekt (rechte Taste), macht der Charakter nämlich immer das naheliegendste (zum Beispiel: bei einer Person - sprechen, bei einer Tür - öffnen, bei einem losen Gegenstand - mitnehmen). Dies vereinfacht den Spielfluß und steigert somit die Langzeitmotivation ungemein. Natürlich gibt es auch bei Nighlong das klassische Inventory. Hier werden alle mitgeführten Gegenstände angezeigt. Fährt man mit dem Mauszeiger an den unteren Rand des Bildschirmes, wird es aufgerufen. Für jede Sache gibt es ein Icon. Innerhalb des Inventars wird genauso verfahren wie im Spiel: Klickt man mit der linken MT auf einen Gegenstand, wird er betrachtet, mit der rechten Taste kann man ihn benutzen. Auch hier übernimmt wieder der Computer die Hauptarbeit. Der Gegenstand, der benutzt werden soll, ist nach Drücken der rechten MT aktiv. Nun wird bestimmt, was damit zu geschehen hat. Klickt man zum Beispiel auf einen anderen Gegenstand im Inventory, werden beide kombiniert: z.B. Haken+Leine=Angelschnur oder Feuerzeug+Stock=Fackel, benutzt man ihn mit einer Person, wird er in der Regel übergeben oder aber auch anderweitig eingesetzt: z.B. Baseballschläger+Person=Gewaltakt. Ich hoffe, die Interaktion der Gegenstände ist klar geworden. Nun, da wir wissen, wie man sich in Union City zurechtfindet und was man überhaupt da machen muß, gilt es noch herauszufinden, wie es dort überhaupt aussieht und sich anhört: Grafik und Sound!
Nightlong spielt sich auf einem 16Bit-Schirm in 640*480. Das ganze Bild ist komplett animiert, so daß es wirklich schwer fällt, eine Stelle zu benennen, wo sich nichts bewegt, als zu sagen: Dies und das im Hintergrund ist animiert. Und es ist natürlich auch klar, was das bedeutet: Das Spiel braucht Power! Dank des genialen Gameplays und der Super-Grafik ist Nightlong auch für den 030er empfehlenswert, aber man sollte sich im Klaren sein, daß ein 060er eigentlich die bessere Wahl ist. Und richtig Spaß macht es erst mit einem PPC, da hier gar kein Ruckeln mehr zu merken ist und die Fullscreen-Animationen den Spielspaß erst so richtig auf die Spitze treiben. Deshalb gibt es hier die Bestnote bei Langzeitmotivation.
Genauso wie die Grafik bietet der Sound alles erdenklich Gute. Die SoundFX sind stimmungsvoll und passend (leider gibt es einen Bug, so daß sie nach einigen Minuten verstummen, dieser wurde erst in der 68k-Version behoben) und die Musik passt sich der Atmosphähre an. Highlight des Spiels ist aber die Sprachausgabe. Leider ist sie nur in Englisch, aber in wirklich professioneller Qualität. Und durch die deutschen Untertitel stört es nicht wirklich, unter Umständen kann man sogar das eine oder andere lernen. Stören tut eigentlich nur die mittelmäßige übersetzung und einige Rechtschreibfehler (so steht statt "Tür" sehr oft nur "Tü" oder aber so Sachen wie: "Bitten sie um den Fußboden des Apartements" (floor wörtlich übersetzt)). Ich will nicht sagen, daß der Spielspaß dadurch gänzlich verloren geht, aber die bis jetzt so strahlende Schicht der Professionalität wird doch etwas angekratzt. Aber ansonsten gibt es technisch nix zu bemängeln.
Ach übrigens: Natürlich kann man auch SoundFX und Musik getrennt voneinander an- bzw. ausschalten und an jeder Stelle speichern.
Nightlong hat zwei negative Punkte. Da ist zum einen der angesprochene Installationsstress. Dies ist gerade bei einer so großen Firma wie Clickboom wirklich unverzeihlich. Aber wie gesagt: Die Kanadier haben den Fehler eingesehen und eine komplette Neupressung veranlaßt. Hut ab!! Trotzdem gibt es in diesem Test noch die Strafe in Form einer schlechten Benotung des Einstiegs.
Der zweite Punkt ist der Preis. Gut 200,-DM für die PPC-Version ist wirklich heftig! Andererseits bekommt man wirklich 1a-Qualität für sein Geld. Und so meine ich, daß dieser Weg wirklich der einzig Richtige ist, denn nur wenn man mit Amiga-Spielen kein Minus macht, lohnt sich für die Firmen der Einsatz in diesem Bereich. Andererseits kann ein so hoher Preis natürlich auch abschreckend wirken. Meine Meinung: kaufen! Das Spiel lohnt das Geld und wahrscheinlich ist ein hoher Wiederverkaufspreis nach dem Durchzocken garantiert! In diesem Sinne: empfehlenswert.