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Herzlich Willkommen zur neuen Ausgabe der "Kleinen Helfer". Im Moment ist es ja ziemlich ruhig um unser Lieblingscomputersystem. Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Nur ein kurzes, nichtssagendes Executive Update von Bill McEven, und auch das Aminet hatte diesen Monat nur sehr wenige, wirklich gute Uploads zu verzeichnen. Nichtsdestotrotz hab ich mich auf die Suche nach ein paar "Aminet-Perlen" gemacht und, siehe da, auch welche gefunden.
Diesen Monat gibt es Kurzvorstellungen zu "RiVA", dem ultraschnellen MPEG- Animplayer für 68k-Amigas, der "Type1Engine", die es dem AmigaOS ermöglicht, Postscript-Schriften zu verwenden, dem "Über"-Textviewer "EvenMore" und den "Warp"-Datatypes von Oliver Roberts.
Viel Spaß beim Lesen.
RiVA ist ein sehr schneller MPEG-Animplayer, der zur Abwechslung mal auf die Verwendung einer PowerPC-Karte verzichtet. RiVA ist sozusagen "68k- only" und, dank 100%iger Assembler-Programmierung, alles andere als langsam. Die Konfiguration geschieht über die Piktogramm-Tooltypes oder in der Shell über Programmparameter.
Für den Einsatz wird nur ein Amiga mit minimal 68020-CPU, Kickstart 3.0, 1 MByte freiem RAM und dem AGA-Chipset benötigt. Empfohlen wird natürlich der Einsatz einer CPU vom Kaliber "68060" in Verbindung mit einer schnellen Grafikkarte. Ist die mpega.library auf dem System installiert, werden MPEG- Animationen, die über eine Tonspur verfügen, ebenfalls unterstützt. Geht dabei die Abspielgeschwindigkeit in die Knie, läßt sich der Ton wahlweise auch abschalten.
Möchte der Anwender die Tonspur eines MPEG-Videos exportieren (z.B. um das MPEG-Video in ein anderes Format zu konvertieren), kann der Ton auch als MPEG2-Audiofile gesichert werden.
RiVA unterstützt alle gängigen Amiga-Grafiksysteme (CGFX/P96/AGA). Für Amigas, die nur über native Grafikdisplays oder langsame ZorroII- Grafikkarten verfügen, ist der sogenannte DHAM6-Modus anzuraten. Damit war es auf meinem Amiga möglich, das Padilla-Video aus dem Aminet (pix/mpg/padilla.mpg, Auflösung 320x240 Pixel, auf 040/40MHz) fast ruckelfrei abzuspielen. Allerdings mußte dafür der Ton abgeschaltet und der Parameter "HALFHEIGHT" verwendet werden.
Aufgrund der Tatsache, daß es auch diesen DHAM6-Abspielmodus gibt, vermute ich, daß es auch möglich sein sollte, RiVA auf einem ECS- oder OCS-Rechner einzusetzen. Leider konnte ich das nicht überprüfen.
Die eingeschränke Demo-Version aus dem Aminet spielt MPEG-Videos nur in Graustufen ab. Es werden zwar alle Grafikmodi unterstützt, aber eben nur in Schwarzweiß. Leider ist die Registrierung und der Bezug der Vollversion nicht ganz unproblematisch. Dazu muß das Registrierformular mit 30,- DM in bar(!) (respektive 15 US-Dollar oder 10 britische Pfund) nach Neuseeland geschickt werden. Andere Zahlungsformen werden vom Autor nicht akzeptiert. Sollte das Geld tatsächlich den Autor erreichen, wird die registrierte Version entweder per E-Mail oder auf Diskette an den Anwender zurückgeschickt. Wie sagt man doch so schön: "No risk, no fun" ;).
| Autor: | Stephen Fellner |
| Aminet: | gfx/show/RiVA.lha |
| Programmversion: | 0.40-Demo |
| Homepage: | |
| Lizenz: | Shareware |
Die Type1Engine erweitert das AmigaOS um die Möglichkeit, Postscript-Type- 1-Schriftsätze, die es in Unmengen im Internet gibt, wie ganz normale Amiga-Schriftsätze zu verwenden. Die Installation erfolgt problemlos mit Hilfe des Amiga-Installers, wahlweise auf Deutsch oder Englisch.
Nachdem die Installation abgeschlossen ist, sollte sich in der System- Schublade der Workbench das auf MUI basierende Konfigurationsprogramm "T1Manager" befinden. Damit lassen sich Postscript-Schriften installieren und optimal an das System anpassen.
So läßt sich beispielsweise der Typ des Schriftsatzes (Weite/Neigung/.../Serifen/etc.), der Zeichensatz (Unicode/.../ISO 8859- 2/etc.), vordefinierte Schriftgrößen, die später auch im Font-Requester dargestellt werden sollen, der Weiten- und Größenfaktor und noch einige andere Dinge verändern.
Der T1Manager ist aber nicht zu verwechseln mit einem Schrifteditor. Es lassen sich nur Typdefinitionen des Schriftsatzes verändern. Als Beispiel ließe sich der Schriftsatz "Times-New-Roman" als ein serifenloser Schriftsatz definieren, trotzdem würden die Serifen des genannten Schriftsatzes nicht einfach verschwinden. Letztendlich würde eine falsche Schriftdefinition nur zu Darstellungsproblemen führen (einzelne Zeichen würden überschrieben). Mit der integrierten Vorschaufunktion lassen sich aber fehlerhafte Definitionen weitestgehend umgehen.
Weiterhin wird eine Funktion zur Verfügung gestellt, mit der Vektorschriften in Amiga-Bitmap-Schriften konvertiert werden können. Das hat den Vorteil, daß sich die Ladezeit solcher Postscript-Fonts drastisch verkürzt. Leider benötigen die konvertierten Bitmap-Schriften sehr viel Speicher auf der Festplatte, so daß der Anwender nur die am meisten verwendeten Schriftgrößen des entsprechenden Schriftsatzes konvertieren sollte.
Die Benutzerführung des T1Managers ist gelungen. Jeder Teil des T1Managers verfügt über eine umfangreiche MUI-Online-Hilfe, die die etwas schlampig geratene Programmdokumentation nahezu überflüssig macht. Der T1Manager verfügt über englische und deutsche Lokalisierung. Die eigentliche Type1Engine, oder besser gesagt, die type1.library, liegt in Kompilaten für CPUs des Typs 68000, 68020 und 68020 mit FPU vor. Die Systemvoraussetzungen werden in der Anleitung nicht erwähnt. Auf der Hardware-Seite sollte aber ein Amiga mit 2 MB freiem RAM genügen. Welche OS-Version für den Einsatz der T1Engine benötigt wird, läßt sich leider nur vermuten (ich denke mal OS 2.0??). Da das Konfigurationsprogramm auf der Systemerweiterung MUI basiert, sollte ein den MUI-Voraussetzungen entsprechender Amiga ausreichen.
| Autor: | Amish S. Dave/Detlef Würkner |
| Aminet: | util/libs/Type1Engine.lha |
| Programmversion: | V2.0 (Nachtrag: mittlerweile ist V3.0 veröffentlicht) |
| Homepage: | |
| Lizenz: | Freeware (OpenSource?) |
Und noch einer mehr...eben "NochMehr". EvenMore ist ein weiterer Textviever a lá MuchMore, PPMore oder Next. EvenMore versucht den Anwender aber nicht mit einer spartanischen, aber funktionellen GUI, "SuperSoftScrolling" oder 100%iger Assemblerprogrammierung zu beeindrucken, sondern setzt mehr auf einen völlig ausreichenden Funktionsumfang, der, nach den Amiga Style Guides, über Menüs, Buttons, Hotkeys und sogar ARexx angesprochen werden kann. Texte lassen sich ausdrucken, durchsuchen, mit Lesezeichen spicken (fünf Lesezeichen werden unterstützt), speichern (sogar XPK-gepackt...), über einen externen Editor bearbeiten und statistisch auswerten. Eine umfangreiche Suchfunktion läßt EvenMore genauso wenig vermissen, wie eine konfigurierbare GUI, eine History-Funktion, eine Schnellade-Funktion für häufig benötigte Textdokumente sowie Support für Drag&Drop, Amiga-Public- Screens, Locale-Dateien und Wheel-Mäuse.
Einzelne Textpassagen lassen sich mit der Maus markieren (Shift+linke Maustaste) und in das Clipboard kopieren. Einfacher Datenaustausch mit der Textverarbeitung oder dem Editor ist die Folge. Überhaupt führt der Amiga- typische Programmaufbau zu einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase des Anwenders. Die Knöpfe im oberen Teil des Fensters verfügen alle über eine kleine Online-Hilfe. Wird der Mauszeiger über so einen Knopf gefahren, erscheint nach kurzer Zeit eine Erklärung.
Erwähnenswert ist auch die großzügige Konfigurierbarkeit der grafischen Benutzeroberfläche. Diese ist zwar nicht mit den Fähigkeiten von MUI vergleichbar, dafür ist die Arbeitsgeschwindigkeit aber weitaus besser. So läßt sich z.B. das Design der Rahmen um Knopf-, Info- und Fortschritts- Leiste als auch der Schriftsatz, der Text-Abstand, das verwendete Grafikset und die Funktionsbelegung der Knöpfe und noch viele andere Parameter verändern. Wem der MagicWB-Look des standardmäßig eingestellten Grafiksets nicht gefällt, kann auch ein selbsterstelltes Grafikset verwenden. In der Distribution werden noch einige andere Designs mitgeliefert, die aber leider nicht besonders hübsch geraten sind.
Neben normalen ASCII-Texten können ebenfalls AmigaGuide-Dateien dargestellt werden. Allerdings werden dabei AmigaGuide-Formatierungen einfach ausgefiltert, und die Datei wird dargestellt wie ein ganz normales Textdokument. Im AmigaGuide-Dokument vorhandene Links werden nur farbig hervorgehoben.
EvenMore kann auch alle möglichen anderen Dateien mit Hilfe entsprechender Zusatzprogramme anzeigen. So kann z.B. ein Webbrowser gestartet werden, wenn eine Datei mit der Endung ".html" geladen wurde. Na ja, jedenfalls sollte EvenMore dazu in der Lage sein. Leider ließen sich auf meinem System keine weiteren "Filetypes" definieren, so daß diese Funktion auf meinem System nicht verwendbar war.
EvenMore kann auf allen Amigas ab AmigaOS 3.0 (V39) eingesetzt werden. Das Programm ist lokalisiert. Leider wird keine Catalog-Datei für deutsche Anwender mitgeliefert. Wer aber Spanisch, Norwegisch, Französisch, Niederländisch oder Englisch versteht, kann auch auf eine der mitgelieferten Sprachen zurückgreifen. Soll EvenMore installiert werden, zieht man einfach die gesamte Programmschublade in ein Verzeichnis seiner Wahl. Soll EvenMore als "More"-Ersatz dienen, sollte nur das ausführbare Programm und die dazugehörigen Catalog-Dateien kopiert werden.
| Autor: | Chris Perver |
| Aminet: | text/show/EvenMore.lha |
| Programmversion: | 0.57 |
| Homepage: | http://www.evenmore.co.uk |
| Lizenz: | Freeware |
Der Präfix "Warp" steht ja normalerweise für unglaubliche Geschwindigkeit, die irgendwas mit Raumkrümmung und Lichtgeschwindigkeit zu tun hat. Trekkies sollten sich damit besser auskennen als ich ;). Aber eines möchte ich doch vorweg sagen: Grafiken, die über die Warp-Datatypes angezeigt werden, erscheinen nicht, bevor MultiView gestartet und die anzuzeigende Grafik vorher ausgewählt wurde, und das Raum-Zeit-Kontinuum wird damit auch nicht ausgehebelt ;). Allerdings legen die Datatypes, die es für die Grafikformate JPEG, BMP und PNG gibt, tatsächlich eine sehr hohe Geschwindigkeit an den Tag. Ich möchte jetzt aber keinesfalls behaupten, daß die Warp-Datatypes tatsächlich die schnellsten Datatypes für entsprechende Grafikformate wären - so was führt nur wieder zu unsinnigen Diskussionen - aber sie gehören definitiv zu den schnelleren ihrer Art. In der englischsprachigen AmigaGuide-Dokumentation sind diesbezüglich einige Benchmarks nachzulesen.
Die drei Datatypes sind im Aminet in drei unterschiedlichen Archiven zu finden, und die Installation bzw. Systemvoraussetzungen sind für alle drei gleich. Es wird mindestens ein Amiga mit 68020-CPU benötigt, der entweder über AmigaOS 3.5/3.9 oder AmigaOS 3.0/3.1 und den picture.datatype aus der Picasso96- oder CyberGraphX-Distribution verfügen muß. Genau genommen muß auf dem Rechner ein picture.datatype der Version 43 oder höher installiert sein. Eine PowerPC-Erweiterung wird über WarpUp V4+ oder MorphOS ab der Beta-Release 1 unterstützt. Für die 68k-CPUs vom Typ 030, 040 und 060 werden optimierte Versionen mitgeliefert. Eine Grafikkarte ist von Vorteil, allerdings nicht unbedingt nötig, da auf nativen Amiga-Displays effektive Dithering-Algorithmen zur Verfügung gestellt werden.
Die Installation erfolgt völlig problemlos über den Amiga-Installer. Nach der Installation genügt ein Neustart des Rechners. Danach ist der entsprechende Datatype installiert. Es bietet sich demzufolge an, alle drei während derselben Sitzung zu installieren und erst dann (und nur einen) Neustart durchzuführen.
Werden die Warp-Datatypes das erste Mal auf dem Rechner installiert, kann während der Installation von den vorher verwendeten Datatypes ein Backup erstellt werden. Eigentlich sollten keine Probleme auftauchen, aber man weiß ja nie.
Was noch erwähnenswert wäre, ist, daß sich die Warp-Datatypes auf einem sehr aktuellen Stand befinden. Z.B. basiert der WarpPNG-Datatype auf libpng 1.0.9/zlib1.1.3. Damit stellen PNG-Grafiken in 24bit, als Interlace oder in verschiedenen Kompressionen kein Problem für das Datatype-System des Amiga dar. Genauso unterstützt der WarpJPEG-Datatype das originale, vom JPEG-Team verabschiedete JFIF-Format, als auch modifizierte Versionen, die beispielsweise von Adobe-Photoshop oder Windows erzeugt werden, und auch der WarpBMP-Datatype deckt eine große Bandbreite an unterschiedlichen BMP- Formaten (von 1- bis 32bit-Farbtiefe als auch RLE-komprimiert) ab.
Oliver Roberts hat einen weiteren Warp-Datatype für TIFF-Grafiken angekündigt. Wer über diesen auf dem Laufendem bleiben oder über Updates sofort informiert werden möchte, kann sich den WarpDatatype-Newsletter bestellen. Dazu muß eine leere E-Mail an futaura-announce-subscribe@yahoogroups.com geschickt werden.
| Autor: | Oliver Roberts |
| Aminet: | util/dtype/WarpXXXdt.lha (XXX = BMP, JPEG o. PNG) |
| Programmversion: | PNG 44.12, JPEG 44.17, BMP 44.3 |
| Homepage: | http://www.nanunanu.org/~oliver/ |
| Lizenz: | Public Domain |
So, das war's wieder für diesen Monat. Ich hoffe, euch haben die Programmvorstellungen gefallen. Wenn es Fehler, Vorschläge, Kritik oder sonst was zu diesem Artikel gibt, dann schreibt mir eine Mail.
Christian Aichinger <christian@aakt.de>