|
|
Vor kurzem hat die bplan GmbH interessante Neuigkeiten zu ihrem Pegasos- Projekt veröffentlicht. Thomas Knäbel, Geschäftsführer des Unternehmens, war so freundlich, AMIGA aktuell ein Interview zu gewähren:
AMIGA aktuell: Könnten Sie vielleicht zuerst kurz etwas über die Firma bplan erzählen?
Thomas Knäbel: Ziel des Unternehmens ist seit seiner Gründung im Herbst 2000 die Entwicklung eines marktfähigen PPC-Systems. Weitere Projekte betreffen den industriellen Bereich in den Sparten Meßtechnik und Steuerungssysteme. Durch die konsequente Verwirklichung der Lean- Management-Idee kann die bplan GmbH hierbei die nötigen Leistungen mit einem Personaleinsatz von sechs Mitarbeitern realisieren. Laufende Projekte sind, soweit eine Veröffentlichung durch den Kunden gestattet ist, auf unserer Web-Präsenz einsehbar.
AMIGA aktuell: Es gibt einige Gerüchte, daß die Firma bplan mehr oder weniger der direkte Nachfolger der in Amiga- und Macintosh-Kreisen sehr bekannten Firma Phase 5 ist. Die identische Postanschrift von bplan und Phase 5 und die sehr ähnlichen Projekte sind sicherlich kein Zufall. Wie sieht der Zusammenhang zwischen Ihrer Firma und Phase 5 aus? (Anm. dazu im Anschluss an das Interview)
Thomas Knäbel: Die bplan GmbH ist KEINE Nachfolgegesellschaft der ehemaligen Phase 5. Auch sind die Postanschriften in keiner Weise identisch, wie Sie leicht auf unserer Web-Seite ersehen können. Die ursprüngliche Idee, Teile der ehemaligen Phase5-Ressourcen (auch Räumlichkeiten) zu übernehmen, konnte in Folge des Insolvenzverfahrens nicht wie geplant erfolgen. Die von Ihnen angesprochene Ähnlichkeit der Projekte liegt in der Natur der Sache begründet. Ein PowerPC-Mainboard wird auch bei unterschiedlichen Herstellern (IBM, Motorola, Apple oder bplan) immer gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen.
AMIGA aktuell: Ihr aktuelles Projekt ist das Pegasos-Motherboard. Können Sie mir sagen, welche Anwender Sie mit diesem Projekt anvisieren, und was glauben Sie, wie Ihre Chancen in diesem Marktsegment aussehen?
Thomas Knäbel: Die Zielgruppe der Pegasos-Plattform sind primär jene Anwender und Entwickler, die die Leistung eines Mehrprozessor-PowerPC- Systems einsetzen wollen. Durch den Einsatz von Standardkomponenten wird der Straßenpreis eines Komplettsystems hierbei deutlich unter den Preisen anderer PowerPC-System-Lieferanten liegen. Wir bieten hiermit einer Zielgruppe, die mehr als nur eine vorgefertigte Wintel-Lösung sucht, eine flexible, leistungsfähige und vor allem bezahlbare Alternative an, die z.B. in einer Dual-G4-750MHz-Variante keinen Vergleich zu scheuen braucht.
AMIGA aktuell: Die Spezifikationen des Pegasos-Boards hören sich für mich sehr nach den, nicht sehr erfolgreichen, CHRP-Plänen (CHRP = common hardware reference plattform) von IBM an. Können Sie mir sagen, wie Sie auf die Idee mit dem Pegasos-Board gekommen sind? Hat das CHRP-Design von IBM für Ihre Pläne irgendeine Rolle gespielt?
Thomas Knäbel: Die prinzipielle Idee der CHRP hatte sicherlich Einfluß in der konzeptionellen Phase des Projektes. Die Entwicklung des Pegasos- Designs vereint alle unsere bisherigen Erfahrungen, sowie die Anforderungen an ein modernes PPC-Mainboard. Ziel der Entwicklung war es von Anfang an, eine Plattform zu realisieren, die den Wünschen an ein benutzbares PPC- System entspricht. Benutzbar heißt in diesem Fall: a) Ausreichend standardisiert in Bauform(ATX) und Schnittstellenbestückung (siehe Pegasos- Spezifikation unten im Text), b) Leistungsfähigkeit und Anwenderskalierbarkeit durch ein modulares CPU-Konzept, c) bezahlbar.
AMIGA aktuell: Ist ein eigener Komplettrechner geplant, der auf den Pegasos-Spezifikationen aufbaut oder wird das Board von OEM-Partnern vertrieben? Gibt es schon Vertragspartner und/oder Interessenten? Oder soll das Board zum Nachbau durch Fremdfirmen lizenziert werden?
Thomas Knäbel: Zum heutigen Zeitpunkt existieren Pläne für Komplettrechner nur für Entwicklungssysteme. Der Vertrieb wird über OEM-Partner erfolgen, welche gleichfalls die Produktion in Lizenz übernehmen.
AMIGA aktuell: Wann wäre, nach Ihren Plänen, der Verkaufsstart des Pegasos- Boards?
Thomas Knäbel: Der geplante Verkaufsstart ist Q3/2001.
AMIGA aktuell: Und wie hoch wäre nach Ihren Erwartungen der geplante Endkundenpreis?
Thomas Knäbel: Der Preis eines Komplettsystems (inkl. HD/DVD/RAM/Maus/Tastatur) liegt im Bereich von 1000 EUR.
AMIGA aktuell: Wird AmigaDE von dem Board unterstützt?
Thomas Knäbel: Diese Frage ist nach unserer Meinung in Ihrer Formulierung irreführend. Eine Hardware muß nicht ein Betriebssystem unterstützen, sondern eben dieses die Hardware (die Wintel-Ausnahme bestätigt hier die Regel). Durch ein OpenFirmware-BIOS bietet die Pegasos Hardware eine ideale Schnittstelle, um von den verschiedensten Betriebssystemen unterstützt zu werden.
AMIGA aktuell: Es wäre also theoretisch möglich, AmigaDE beispielsweise mit Linux als Hostenvironment zu verwenden?
Thomas Knäbel: Auch praktisch. Die Tatsache, daß das Betriebssystem die Hardware unterstützen muß, und nicht umgekehrt, soll hier keinesfalls bedeuten, daß AmigaDE nicht auf der Pegasos-Plattform läuft.
AMIGA aktuell: Gibt/gab es bereits eine Korrespondenz mit der Firma AMIGA?
Thomas Knäbel: Ja.
AMIGA aktuell: Welche Linux-Variationen (SusePPC, LinuxPPC, etc.) sollen von dem Board unterstützt werden?
Thomas Knäbel: Wir werden allen interessierten Entwicklern die bestmöglichste Unterstützung bieten, um eine größtmögliche Abdeckung zu erreichen. Zu Ihrer Auflistung der verschiedenen Linux-Distributionen möchte ich an dieser Stelle noch QNX und VxWorks erwähnen.
AMIGA aktuell: Wurde schon mit den genannten Distributoren Kontakt aufgenommen? Gibt es in der Hinsicht schon eine Zusammenarbeit? Wenn ja, wie genau sieht diese Zusammenarbeit aus?
Thomas Knäbel: Ja. Wir stehen z.B. in engem Kontakt mit LinuxPPC und anderen. Sicherlich werden Sie und Ihre Leser in Kürze entsprechende Hinweise aus den Webseiten der jeweiligen Distributoren entnehmen können.
AMIGA aktuell: Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem MorphOS-Team aus?
Thomas Knäbel: Teile des MorphOS-Teams und des bplan-Mitarbeiterstabes sind identisch.
AMIGA aktuell: Könnten Sie mir vielleicht noch einige Namen nennen?
Thomas Knäbel: Als bekannteste "MorphOS"-Persönlichkeit kann ich Ihnen hier Ralph Schmidt nennen.
AMIGA aktuell: Können Sie schon etwas über die zu erwartende System- Performance sagen? Existieren schon irgendwelche Benchmarks, die aussagekräftige Argumente gegenüber alteingesessenen Plattformen (vergleichbare PowerMacs und Wintel-Rechner) liefern?
Thomas Knäbel: Wir werden aussagekräftige Benchmarks in Kürze veröffentlichen.
AMIGA aktuell: Wie sehen die zukünftigen Pläne der Firma bplan aus?
Thomas Knäbel: Wir werden unsere Produktpalette an PPC-Hardware verbreitern. Ausgehend vom heutigen Design werden wir zukünftig sowohl leistungsfähige Serversysteme sowie Thin Clients im Low-Cost-Bereich entwickeln.
AMIGA aktuell: Ich bedanke mich für das Interview.
Weitere Quellen:
bplan-GmbH: http://www.bplan-gmbh.deZusätzliche Anmerkung:
Die Informationen betreffs der Postanschrift wurden folgender Internet-
Seite entnommen:
http://www.checkdomain.com/cgi-bin/checkdomain.pl?domain=www.bplan-gmbh.de
Die dort genannten Informationen entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand
der Dinge.
Die von bplan veröffentlichten Pegasos-Spezifikationen:
Christian Aichinger <christian@aakt.de>