Der Bandname Viper dürfte den wenigsten Heavy Metal Fans bekannt sein. Der Name Angra hingegen sollte doch dem einen oder anderen zumindest ein Begriff sein. Bevor Andre Matos 1991 Angra gründete (und damit zu beachtlichem Erfolg in den späteren Jahren kommen sollte) war er Leadsänger bei Viper - einer brasilianischen Band, die mit "Theatre Of Fate" (1989) und "Soldiers Of Sunrise" (1987) ihre ersten beiden Longplayer veröffentlichte, die heutzutage nur noch zusammengefast auf einer CD zu haben sind.
Widmen wir uns zunächst dem Erstlingwerk "Soldiers Of Sunrise", auf dem die blutjunge Band herzerfrischenden melodischen Speed Metal spielt. Zwar muss man leichte produktionstechnische Abstriche machen , aber Songs wie der Opener "Knights Of Destruction", das speedige "The Whipper" oder auch der mit knapp sieben Minuten etwas epischere Titeltrack knallen trotzdem ohne Ende und sind nur einige Highlights von diesem Album. So gut aber "Soldiers Of Sunrise" auch sein mag, "Theatre Of Fate", der Nachfolger, ist wesentlich interessanter, denn hier integrierte die Band auch zunehmend klassische Einflüsse in ihren Sound und erinnert somit ein wenig an das, was später Angra werden sollte. "Theatre Of Fate" ist ein verdammt starkes Album geworden, welches sowohl melodische und super eingängige Tracks wie "At Least A Chance", "To Live Again" und "A Cry From The Edge" zu bieten hat, aber mit "Moonlight" aus der Feder von Andre Matos auch eine absolut hitverdächtige Ballade am Start hat. Mein persönliches Highlight auf dieser CD, die natürlich nicht unwesentlich von Andre Matos superben Gesang getragen wird, ist aber der Track "Living For The Night", der nach einem balladeskem Anfang zu einer astreinen melodischen Speed Nummer in bester early-Helloween Manier wird und vor allem durch seinen eingängigen Chorus - der sowohl als Ballade als auch als Speed Nummer bestens funktioniert - aus der Masse an ohnehin großartigen Songs hervorsticht.
Ihr habt es sicherlich gemerkt: Angra Fans werden an diesem Doppelalbum insbesondere die zweite Scheibe lieben und das Debutalbum eher als nette Beigabe betrachten. Trotzdem kann auch das Debutalbum begeistern und insgesamt ergibt sich eine CD, die jeden Pfennig wert ist und bei der man so gut wie keine Abstriche machen muss. Leider haben sich Viper nach dem Ausstieg von Andre Matos in eine etwas andere Richtung weiterentwickelt und neben einer schwachen Live CD noch eine nette EP sowie zwei alternativ angehauchte Studioalben herausgebracht - die beiden vorliegenden Alben stellen also den Höhepunkt in ihrer Karriere dar. Fans des melodischen Power Metals sollten die (nicht mehr ganz so leicht zu besorgende) CD nicht ignorieren, wenn sie zufällig darüber stolpern und Angra Fans müssen einfach zugreifen!
Fazit: 10 von 10 Punkten



