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Tests und Erfahrungsberichte

1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Willkommen zur neuen Ausgabe der kleinen Helfer. Als erstes möchte ich mich für die netten Mails zur letzten Ausgabe bedanken. Als zweites gibt's eine Fehlerberichtigung und einen Nachtrag.

Fehlerberichtigung zur MMULib von Thomas Richter:

Ich schrieb:

»Ein bequemes Installer-Skript ist in dem Archiv nicht zu finden, und bei den vielen unterschiedlichen Amiga-Konfigurationen sicherlich auch nicht im Bereich des Möglichen. Die einzige zusätzliche Installationshilfe existiert in Form eines kleinen ARexx-Skripts, das für die einfache Erstellung der Konfigurationsdatei verwendet werden kann.«

Das stimmt so nicht ganz. Es ist tatsächlich ein Installer-Skript im Archiv enthalten, doch sollten nach der Installation die Dateien "s:startup- sequence" und "s:user-startup" nochmals überprüft werden. Einige "MuTools" werden zum Beispiel erst in der "user-startup" aufgerufen, die aber problemlos schon in der "Startup-Sequence", nach dem "SetPatch"-Aufruf, gestartet werden könnten. Nun gut, für diesen Fehler möchte ich mich entschuldigen. Hinzufügen möchte ich noch, daß vor einiger Zeit die neue Version "42.4" der MMULib-Distribution im Aminet erschienen ist.

Nachtrag zu DosTrace:

Als nächstes möchte ich noch darauf hinweisen, daß mir ein aufmerksamer Leser eine "aktuellere" Version des System-Monitors "DosTrace" zugesendet hat. Danke nochmal an dieser Stelle. Es handelt sich dabei um die Version 2.20, die über kleinere Änderungen gegenüber der vorgestellten Version 2.13 verfügt. Diese Version kann auf meiner Homepage (http://members.surfeu.de/68kfreak) heruntergeladen werden.

Nachdem das geklärt wäre, kommen wir zurück zu den neuen, diesmal hoffentlich fehlerfreien, Testberichten. In dieser Ausgabe möchte ich euch die Programme "MemIcon", "MainPrefs", "VirusExecutor" und "RxTD" vorstellen.

MemIcon:

"MemIcon", der Name läßt es schon erahnen, gehört zu der Sparte Programme, die nur aus einem kleinen, unscheinbaren AppIcon bestehen und alle Funktionen über diese Schnittstelle zur Verfügung stellen. MemIcon macht an sich nichts wirklich Besonderes. Das Anzeigen des freien Speichers, der Version des Betriebssystems und der Bildschirmauflösung der Workbench gehören zu den einzigen Funktionen, die dieses Icon anbietet. Hört sich ziemlich sinnlos an, oder? Nein, nicht ganz. Die Workbench 3.9 gibt dem Anwender die Möglichkeit, die Bildschirmleiste des Workbench-Bildschirms zu entfernen. Das ergibt eine etwas größere Arbeitsoberfläche und sieht außerdem gar nicht so übel aus. Das Problem daran ist nur, daß die Informationen über den noch verfügbaren Speicher nicht mehr die ganze Zeit sichtbar sind. Und da beißt sich der Hund in den Schwanz...ähm...ich meine, kommt MemIcon ins Spiel ;).

Über die Tooltypes läßt sich MemIcon konfigurieren. So können der Schriftsatz, die Schriftgröße, die Farben, die Position, die darzustellenden Informationen und noch ein paar andere Dinge festgelegt werden. Mit MemIcon kann sich der Anwender eine kleine Infobox erstellen, die den eigenen optischen Ansprüchen gerecht wird und die auch nur die Informationen darstellt, die den Anwender interessieren.

Besitzer von Amigas mit Grafikkarte, wird die Größe des freien Chip-RAMs sicherlich nur selten interessieren, genausowenig es jemanden interessiert, wie denn jetzt die genaue Byte-Anzahl des freien Fast-RAMs lautet. Runde Werte wie "15,5 MB" reichen dafür im Normalfall völlig aus.

Screenshot

Die Installation ist wirklich einfach. In dem MemIcon-Archiv befindet sich nur eine kurze Anleitung und das ausführbare Programm.

Screenshot

Das MemIcon-Programm sollte in die WBStartup-Schublade der Workbench gezogen werden, damit es nach einem Neustart sofort zur Verfügung steht. Die Tooltypes sind in der knappen, englischen Anleitung ausführlich genug beschrieben und teilweise auch ohne Anleitung zu verstehen. Was noch erwähnt werden sollte, ist, daß das Programm vom Autor als "Alpha" deklariert wird. Alpha heißt soviel wie "sehr frühe und ungetestete Version". Auf meinem System (OS3.9/040/CGFX) läuft MemIcon aber stabil. Der einzige Fehler, der mir bis jetzt auffiel, ist, daß beim Verschieben des Piktogramms, der Icon-Hintergrund etwas "merkwürdig" aussieht. Abstürze oder Systemhänger sind mir bis jetzt aber noch nicht aufgefallen.


Autor: Paul Heams 
Aminet: util/wb/MemIcon.lha 
Programmversion: 0.30a 
Homepage: 
Lizenz: Freeware 
  

MainPrefs:

Langsam wird's unübersichtlich! Bei jedem neuen OS-Update kommen neue Voreinstellerprogramme dazu. Dann installiert man vielleicht noch ein paar Datatypes und Tools, die ihre eigenen Voreinsteller mitbringen, und schon ist das Chaos perfekt. Möchte man nach einiger Zeit dann doch mal den Bildschirmschriftsatz etwas größer einstellen, weil man sich vielleicht Sorgen um die eigene Sehkraft macht, bekommt man auf einmal ein paar Dutzend Voreinsteller auf den Monitor (oder vor den Kopf?) geknallt. Toll! Jetzt "nur noch" den Font-Einsteller finden...?!

Martin R. Elsner, der Autor von MainPrefs, hat sich sicherlich auch über die Unordnung in seinem Prefs-Verzeichnis geärgert und kurzerhand einen "Haupt-Voreinsteller" geschrieben.

Screenshot

Das Ergebnis läßt sich sehen. MainPrefs verwendet die Benutzeroberfläche von ReAction und bietet neben der eigentlichen Funktion, nämlich dem Zusammenfassen aller Voreinsteller in einem einzigen Programm, noch ein paar nette Goodies nebenbei.

So integriert MainPrefs einen Editor zum Bearbeiten der Systemzuweisungen (Assigns). Dort werden alle momentanen Assigns und deren aktueller Zustand dargestellt (also "Normal", "Pfad", "Multi-Assign" oder "Spät").

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Unter dem Reiter "Dateien" befindet sich eine Tabelle, in der wichtige Systemdateien wie z.B. die "user-startup", die "startup-sequence" oder verschiedene "Mountlist"-Dateien zusammengefaßt werden können. Mittels "Doppelklick" auf einen Dateieintrag wird der vorher definierte Texteditor gestartet. Änderungen können damit sehr fix erledigt werden.

Der Reiter "Programme" beherbergt den wahrscheinlich wichtigsten Teil von MainPrefs. Dort können alle Voreinstellerprogramme eingetragen und verwaltet werden. Natürlich lassen sich dort auch X-beliebige Programme eintragen, doch sollte MainPrefs nicht unbedingt als eine Art "Mini- Toolmanager" verstanden werden. Etwas umständlich ist die Konfiguration, da MainPrefs keinerlei AppWindow-Funktionen zu Verfügung stellt. So würde der Eintrag von ca. 50 Voreinsteller-Programmen auf meinem System in schweißtreibende Arbeit ausarten. Ich habe mich dann nur für die wichtigsten Voreinsteller entschieden. Das macht die ganze Liste auch etwas übersichtlicher (mal ehrlich: Wie oft ändert man schon die Zeitzone und die bevorzugten Sprachen? Meine Freundin arbeitet doch nicht bei UPS! ;) ).

Sehr nützlich ist auch der letzte Editor, den MainPrefs zur Verfügung stellt - der Variablen-Editor. Mit diesem Editor lassen sich Environment- Variablen sehr einfach ändern. Auf der linken Seite wird der Name der Variable aufgelistet, auf der rechten der Inhalt. Neue Variablen können allerdings nicht erzeugt werden.

Probleme gibt es leider bei der Verwendung der Software "HappyEnv". MainPrefs stellt nur die Variablen dar, die sich auch in "ENV:" befinden. Bei Einsatz von HappyEnv befinden sich aber nur die Variablen in "ENV:", auf die vorher schon ein Programm zugegriffen hat.

Die Installation erfolgt komfortabel mit dem Amiga-Installer. MainPrefs ist lokalisiert und unterstützt die Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Türkisch. Die Programmdokumentation liegt als AmigaGuide-Datei in Deutsch, Englisch und Italienisch vor.


Autor: Martin R. Elsner 
Aminet: util/wb/mainprefs.lha 
Programmversion: 2.05 
Homepage: http://www.martin-elsner.de/ 
Lizenz: Freeware 
  

VirusExecutor:

Es kommt ja Gott sei Dank nicht sehr oft vor, daß sich die Freundin eine Grippe - sprich einen Virus - einfängt. Nur wenn es doch mal geschehen sollte, könnte VirusExecutor der Retter in der Not sein.

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VirusExecutor bedient sich der xfdmaster.library und der xvs.library. Es sollte beim Einsatz von VirusExecutor dringlichst darauf geachtet werden, daß sich diese beiden Libraries immer in der aktuellen Version auf dem System oder der Bootdiskette befinden. Die xfdmaster.library ermöglicht es VirusExecutor, verschiedene komprimierte Dateien (z.B. StoneCracker, Imploder, PowerPacker usw.) zu dekomprimieren und auf Viren zu überprüfen. Die xvs.library stellt VirusExecutor eine umfangreiche Virendatenbank zur Verfügung. Beide Libraries sind kostenlos aus dem Aminet zu beziehen.

VirusExecutor verfügt eigentlich über alle wichtigen Funktionen, die ein Virenscanner heutzutage haben sollte. Dazu gehört das Überprüfen der Systemvektoren auf resetfeste Programme oder Viren, das Archivieren von Diskettenbootblöcken, das regelmäßige Überprüfen von frei definierbaren Dateien und Verzeichnissen und natürlich auch das Scannen ganzer Partitionen und Archive nach Linkviren oder Trojanern.

Screenshot

Systempatches ("verbogene" Library Vector Offsets) werden von VirusExecutor größtenteils selbstständig erkannt und in Klartext ausgegeben. Werden unbekannte LVO's angezeigt, sollte der Anwender Vorsicht walten lassen, denn es könnte sich um einen Virus handeln. Allerdings sollte man auch nicht gleich in Panik aus dem Fenster springen, denn es könnte sich auch nur um einen so neuen Systempatch handeln, daß dieser vom Autor noch nicht in die "Patches-Datenbank" aufgenommen wurde. Der Anwender sollte sich dann zuerst mal die "Patches-Datenbank" ausgeben lassen (Menü "Zeige/Patches") und mit den auf dem eigenen System installierten Patches vergleichen. Falls ein Patch installiert wurde, den VirusExecutor noch nicht kennt, sollte sich der Anwender eine neue VEPatchBrain-Datei von der Homepage besorgen. Hilft diese Datei auch nicht weiter, ist ein umfangreicher Virencheck anzuraten. Wenn der Anwender in etwa weiß, welches Programm für entsprechende LVO-Verbiegungen verantwortlich ist, solllte der Autor von VirusExecutor benachrichtigt und das verantwortliche Programm gemeldet werden.

Die Benutzeroberfläche ist eher funktionell als schön. Irgendwie fühlt man sich in das Jahr 1992 zurückversetzt. Dafür benötigt VirusExecutor aber auch nur sehr wenige Systemressourcen und paßt unter Umständen sogar auf die OS3.5+-Notfalldiskette. Überhaupt sollte sich der Anwender überlegen, den VirusExecutor auf eine eigene Bootdiskette zu installieren, so daß er im Notfall immer noch die Möglichkeit hat, Viren auch ohne bootende Festplatte zu eliminieren. Natürlich sollte diese Diskette bei einem Virenproblem nur im schreibgeschützten Zustand in das Diskettenlaufwerk eingelegt werden.

VirusExecutor wird problemlos mit dem Amiga-Installer installiert. Es werden Catalogs in den Sprachen Dansk, Deutsch, Français, Italiano, Norsk, Polski, Português, Slovak und Svenska mitgeliefert. Leider sind nicht alle Teile des Programms vollständig lokalisiert. Hin und wieder wird der Anwender einige englische Wortfetzen wieder finden, die aber normalerweise sehr einfach zu interpretieren sind. Die Anleitung liegt als AmigaGuide in Englisch und Französisch vor.


Autor: Jan Erik Olausen 
Aminet: util/virus/VirusExecutor.lha 
Programmversion: 2.08 
Homepage: http://home4.inet.tele.dk/vht-dk/amiga/ 
Lizenz: Freeware 
  

RxTD:

AmigaOS 3.9 hat sehr viele, unter OS2.x/3.1/3.5 übliche, Systempatches gegen wesentlich systemfreundlichere Routinen ersetzt. Leider gehörte der ToolsDaemon von Nico François nicht dazu. So kann es auf einigen OS3.9- System passieren, daß ToolsDaemon das ganze System entweder sehr unstabil macht oder den Rechner sofort zum Absturz bringt. Auch OS3.9-Anwender, bei denen der ToolsDaemon scheinbar noch sehr gut funktioniert, sollten sich dessen bewußt sein, daß dieser Hack nicht gerade zur Stabilität des Rechners beiträgt. Am Ende werden wieder verzweifelt Postings in Verteilerlisten geschickt, die darauf hinausführen, daß angeblich OS 3.9 an dem ganzen Schlamassel Schuld sei.

Diejenigen, die immer noch den ToolsDaemon unter OS 3.9 einsetzen oder eben nicht einsetzen, ihn aber fürchterlich vermissen (so wie ich ;) ), sollten sich mal das Archiv RxTD aus dem Aminet ansehen. RxTD ist ein Programmpaket, das die alten ToolsDaemon-Menüs systemfreundlich über den ARexx-Port der Workbench generiert.

Das ganze Programmpaket ist eigentlich recht genial. Leider ist die Installation nicht ganz unproblematisch und teilweise sogar fehlerhaft.

Die Installation erfolgt nicht über den sonst üblichen Amiga-Installer, sondern über eine kleine Skript-Datei. Leider wurden keinerlei Versions- Checks in diesem Skript integriert, so daß im Fall einer zu alten Systemdatei die neuere aus der RxTD-Distribution nicht installiert wird. Also sollten nach dem Abarbeiten des Skripts noch mal die Versionsnummern der Dateien "libs:wbstart.library", "l:wbstart-handler" und "c:wbrun" mit denen in der RxTD-Distribution enthaltenen Dateien überprüft werden und unter Umständen nachträglich "per Hand" kopiert werden. Alle anderen Dateien werden von dem Skript an die richtigen Stellen im System kopiert. Das Programm "ToolsDaemon" muß unbedingt aus der WBStartup-Schublade entfernt werden, falls dies nicht schon geschehen ist. Der ToolsDaemon- Voreinsteller sollte dagegen nicht gelöscht werden, da dieser von RxTD weiterverwendet wird.

Wird das System nach erfolgter Installation neu gestartet, werden die zusätzlichen Workbench-Menüs in gewohnter Weise, diesmal aber systemfreundlich, von RxTD aufgebaut. RxTD scheint einige Probleme mit den Hotkeydefinitionen von ToolsDaemon zu haben. Sollte beim Start eine Fehlermeldung in der Art...

"7 *-* KEYBOARD ADD NAME "RxTDMIHotKey1" '"Ctrl+LALT+S"' CMD ...
+++ Command returned 10"

...erscheinen, muß der entsprechende Hotkey-Eintrag mit den ToolsDaemon- Prefs entfernt werden. Weiterhin ist zu beachten, daß die Menüliste nach Änderungen nur neu aufgebaut wird, wenn der ToolsDaemon-Voreinsteller aus dem Hilfsmittel-Menü aufgerufen wurde. Wird ToolsDameon-Prefs von der Workbench aus gestartet, kann RxTD die neue Menükonfiguration nicht registrieren und neu aufbauen. Änderungen würden dann erst nach einem Neustart (Reset) oder einem Start von ToolsDamon-Prefs aus dem Hilfsmittel- Menü angewendet. In der englischsprachigen Anleitung, die im AmigaGuide- Format vorliegt, wird darauf hingewiesen, dass auch der ToolsDaemon-Prefs- Ersatz "TDPrefs2" aus dem Aminet verwendet werden kann. Auf meinem System war es aber unter Einsatz von "TDPrefs2" nicht mehr möglich, Menüeinträge zu entfernen. Sie wurden zwar von TDPrefs2 nicht mehr angezeigt, nur kümmerte das RxTD herzlich wenig - die Menüs wurden immer noch dargestellt, obwohl der Voreinsteller aus dem Hilfsmittel-Menü gestartet wurde.

Der Autor von RxTD hat auf seiner Homepage schon angekündigt, einen vollwertigen Ersatz für ToolsDaemon zu programmieren. Bis es aber soweit ist, sollte man sich vorerst mit den kleineren Installationsschwierigkeiten und Handicaps von RxTDV1.2 arrangieren und auf ToolsDaemon nach Möglichkeit verzichten.


Autor: John Allan Nelson 
Aminet: util/wb/RxTD.lha 
Programmversion: 1.2 
Homepage: http://web.ukonline.co.uk/amigadude 
Lizenz: Freeware 
  

So, das war's für diesen Monat. Wenn ihr Fehler entdeckt, Vorschläge habt oder euch sonst irgendwas auf dem Herzen liegt, dann schreibt mir eine Mail. Ich muß jetzt schnell fertig werden, sonst verpasse ich noch den Redaktionsschluß. ;)

Christian Aichinger <christian@aakt.de>

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