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Der Zwischenruf (von Ralf Driesner)

Ja wo samma' denn?!

Ich sitze relaxt am runden Esstisch meines Geraer Zweit- und Urlaubswohnsitzes. Der Techniker einer lokalen Telefongesellschaft hat heute für meinen ISDN-Anschluß gesorgt, meine "Freundin" hängt jetzt an der schnellen Strippe.

Einem Handy habe ich mich bis jetzt standhaft verweigert. Vielleicht auch nur deswegen, weil ich nicht zu den "glücklichen" gehöre, die so was unter dem Weihnachtsbaum finden. Ob nun auch ein bißchen Neid zu meiner nicht besonders positiven Meinung über den Handy-Werberummel in den Medien geführt hat? Na ja, wer weiß, vielleicht.

Wieviele Kommunikationsmittel braucht der Mensch zum glücklich sein? Gute Frage... nächste Frage. Welche Kommunikationsmittel braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Auch nicht leicht zu beantworten.

Mir fällt bei diesen Fragen auf, dass ich mir offensichtlich mehr Gedanken über die technische Komponente mache als um den Inhalt der Kommunikation.

Also gut... falscher Ansatzpunkt. Probieren wir es mal so: Wann habe ich eigentlich das letzte wirklich intensive Gespräch geführt? Und worum ging es da? So spontan fällt mir da gar nichts ein. Was habe ich denn heute morgen der hübschen Verkäuferin beim Bäcker erzählt? Hab ich außer dem morgendlich unausgeschlafenen "Morgen!!" und "Vier Brezn' bitte" überhaupt was gesagt?

O.k., gehen wir weiter zurück in der Zeit. Gestern Abend habe ich fern gesehen. Zum Weggehen hatte ich keinen Bock. Der Fernseher führte einen Monolog.

Am Nachmittag war ich in der Innenstadt. Es war ziemlich überfüllt. Ein ISDN-taugliches Telefon mußte angeschafft werden; schließlich wird's morgen ernst. Ich erinnere mich an den ziemlich überschwenglich motiviert- hektischen Verkäufer. Irgendwie hat der mich an diesen Knilch aus der Telekom-Werbung erinnert. Der Höhepunkt seiner Produkt-Anpreisung war der Hinweis "Ja, wissen Sie, ISDN, das braucht man heute schon". Auf meine Frage, ob er auch einen entsprechend modernen Telefonanschluß hat, mußte er passen. "Aber ich hab ein Handy... hihihi-gnatz-kicher... vielleicht darf ich Ihr Interesse ja auch auf...". Ich winke dankend ab.

Mmmhh, na ja. Ich sehe, dass diese Form der Problemanalyse nicht besonders ergiebig ist. Ich greife das gestern neu erworbene Telefon und versuche, einen Freund anzurufen. "Hallo Ralf, ist ja schön, dass du anrufst. Wie geht's denn? Ach warte mal, mein Handy klingelt. Oder weißt du was... ich rufe dich dann mal zurück." Er will also "mal" zurückrufen.

O.k... war wohl auch nix. Ich rufe mal eine Kollegin an, die nicht von meinem Privileg profitiert, Urlaub zu haben. Vor einigen Tagen habe ich ihr ganz stolz meine drei Telefonnummern (MSN's) per E-Mail mitgeteilt. Auf ihre Frage "Und welche Nummer ist jetzt für was?" bin ich verdattert vor dem Bildschirm gesessen. Ich versprach, ihr es herauszufinden.

Also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Kleiner Ratsch für mich und meine Nummer in Ihrem Display für sie. He he, genial. Gedacht, gewählt und... das einschläfernde "tuuuuuut tuuuuuut tuuuuuut" wirkt irgendwie beruhigend auf mich. Nach etwa fünf bis sechs Mal Klingeln lege ich auf. Zwei weitere Versuche haben auch keinen Erfolg. Absicht? Mmmhh, wohl eher viel Arbeit...

Na ja, nicht verzagen. "Probier's bei einer anderen Kollegin. Die eine hatte doch Geburtstag, und du hast ihr noch nicht gratuliert". Ich habe Erfolg. Sie meldet sich. Kurzer Glückwunsch durch die Leitung, kleine "Statusmeldung" über die ersten Tage meines Urlaubs und noch ein paar liebe Grüße aus Gera; aber sie hat viel zu tun und ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Also kurzer Abschluß des Gesprächs mit den besten Wünschen zu Weihnachten und einen "Guten Rutsch ins nächste Jahr".

Mmmh, das war's nun auch nicht. Meinen letzten Versuch starte ich bei einer Bekannten, die nicht weit weg von Gera wohnt. Ein herzliches "Hallo... wie geht's denn? Das ist ja nett, dass Sie sich wieder melden". Das Telefonat dauert etwa fünf Minuten, mit dem Resultat, dass wir uns ein paar Tage später treffen. Es war ein netter Tag, wir hatten uns viel zu erzählen, und zum Abschied gibt's noch eine beherzte Umarmung.

Mein Fazit: Moderne Kommunikationselektronik verschafft uns eine Vielfalt von Möglichkeiten. Aber Leute... ich wünsche uns allen für das Jahr 2001 und darüber hinaus, dass wir wieder wirklich miteinander reden.

Lebt lang und erfolgreich

Euer

Ralf Driesner <global-dries@gmx.de>

P.S.: Ich bedanke mich ganz herzlich für die netten Reaktionen auf meine letzten beiden Zwischenrufe. Besonderer Dank geht an Michael Christoph, der sich an eine Lösungsmöglichkeit für mein im Zwischenruf 11/00 angesprochenes Zeitproblem erinnert hat. Zumindest mein Amiga weiß jetzt immer genau, wann Sommer- und Winterfell wächst. Bestimmt auch eine Lösung für andere Leser!

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