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Oder: Was soll ich nur nehmen?
Es gibt sie, die PCI-Boards, doch soll man jetzt weinen vor Freude oder vor Sorge? Inzwischen sind bereits 4 Karten angekündigt, die PCI-Steckplätze bieten. Das sind: Mediator, Predator, G-Rex und AmigaOne 1200/4000.
Was soll man nur nehmen? Was brauche ich überhaupt und was wird in Zukunft noch benutzbar sein?
Ich denke, das kann man ganz klar in drei Gruppen aufteilen:
Die einen wollen einfach nur ihre bestehende Hardware um eine leistungsstarke Karte erweitern, zum Beispiel eine Voodoo-3D-Grafikkarte, die anderen wollen dazu auch noch in den Genuß von schnelleren CPUs kommen, und die Dritten wollen am liebsten 100% kompatibel mit dem neuen AmigaOne sein und ihre alte Hardware weiterbenutzen!
Jetzt kommen erst mal ein paar technische Daten zu den einzelnen PCI- Lösungen:
Beide SE-Versionen können auf die Plus-Version aufgerüstet werden!
Auch bei dieser Erweiterung kann die bereits vorhandene Turbokarte weiterbenutzt werden, da der CVPPC-Slot nicht benötigt wird.
Soweit ich verstanden habe, wird das Board an dem 200-Pin-CPU-Slot im A4000 bzw. am Expansion-Slot des A1200, wo auch die Turbokarten angesteckt werden, angeschlossen. Die installierte CPU auf dem Board wird dann einen 68K-Prozessor emulieren. D.h. vorhandene CPU-Karten werden Überflüssig. Die 68k-Emulation wird dabei von Haage & Partner entwickelt.
Eine kleine Übersicht für A1200:
| SLOTS | PredatorSE | PredatorPlus | AmigaOne 1200 | Mediator-PCI | G-Rex 1200 |
| PCI | 3 | 3 | 6 | 4 | 4 |
| AGP | 0 | 1 | 1 | 0 | 0 |
| ZorroII/III | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Video | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| ZIF | 0 | 1 | 1 | 0 | 0 |
| RAM | 0 | 1 X SD-RAM | 2 X SO-DIMM | 0 | 0 |
| Treiber | K.A | K.A | K.A | CGX&Picasso | CGX |
| BPPC/NG? | Ja | Ja | Nein | Nein | Ja |
Und für den A4000:
| SLOTS | Pred.SE | Pred.Plus | AmigaOne4k | Med.3k/4k | G-Rex4000D | G-RexLight |
| PCI | 2 | 2 | 6 | 5 | 4 | 1 |
| AGP | 0 | 1 | 1 | 0 | 0 | 0 |
| ZorroII/III | 1 | 1 | 0 | 6 | 4 | 0 |
| Video | 1 | 1 | 0 | 1 | 1 | 0 |
| ZIF | 0 | 1 | 1 | 0 | 0 | 0 |
| RAM | 0 | 1 X SD-RAM | 2 X SO-DIMM | 0 | 0 | 0 |
| Treiber | K.A | K.A | K.A | CGX&Picasso | CGX | CGX |
| CSPPC/MK3? | Ja | Ja | Nein | Nein | Ja | Ja |
K.A. heißt "Keine Ahnung", weil der Hersteller dazu noch keine Angaben gemacht hat. Wahrscheinlich kommt aber CGX und/oder Picasso96 zum Einsatz. Die Spalte mit BPPC/NG? bzw. CSPPC/MK3 bedeutet bei "JA", dass dort das PCI-Interface angeschlossen wird.
Bei der Predator-Plus ist noch interessant, dass man auf dieser Karte einen ZIF-Sockel vorfindet, in den man eine vom Mac bekannte G3/G4-Karte mit L2- Cache einsetzen kann. Auch Multi-CPU Karten sind kein Problem (soweit vom OS unterstützt) und dazu noch schneller Speicher in Form von SD-RAM- Steckplätzen.
Die Predator- und G-Rex-Versionen benutzen beide den auf der BlizzardPPC/NG und CyberstormPPC/MK3 vorhandenen PCI-Anschluß, der normalerweise für die optional erhältliche Grafikkarte verwendet wird. Das hat den Vorteil, dass die PCI-Karten direkt angesprochen werden können und auch eine höhere Übertragungsrate zu der jeweils verwendeten 603e/604e-CPU zulassen. Nachteilig ist, dass serienmäßig dieser Bus mit 50 MHz läuft und sich selbst bei Übertaktung nur bis ca. 60 MHz nutzen läßt, weil ansonsten der SCSI-Chip auf der Karte nicht mehr ordentlich funktioniert (ausgenommen BlizzardPPC/NG ohne SCSI-Kontroller). Aber auch das Timing des bestückten 70/60ns-PS/2-RAM wird hierbei kritisch.
Auf der WoA in Köln lief bei Hyperion eine G-Rex Karte, bestückt mit einer Voodoo3-Karte. Gezeigt wurde Heretic II, das mit einer CyberstormPPC/180MHz in 640x480 locker 41 FPS machte. Als Grafiktreiber eingesetzt wurde CGX. Dadurch, dass der Treiber noch nicht optimiert ist, sind noch jede Menge Geschwindigkeitsverbesserungen möglich!
Die Mediator-Variante geht einen anderen Weg. Anstatt an den PCI-Konnektor wird diese Karte direkt an den Zorro-Expansions-Slot (A4000/3000) bzw. an den Erweiterungssteckplatz des A1200, wo auch die sonstigen Turbokarten ihren Zugang finden, angeschlossen. Die Turbokarte selbst wird dann einfach auf die Mediator 1200 gesteckt.
Auf einem A4000/3000 ersetzt es hingegen das komplette Daughterboard, so dass es auch hier egal ist, welche CPU-Karte im 200-Pin-CPU-Anschluß steckt. Dadurch ist man auch nicht mehr vom PCI-Takt des PCI-Anschlusses der Phase5-Karten abhängig und kann die Leistung auf bis zu 66 MHz schrauben.
Für den Augenblick sieht diese Lösung von der Performance her schlechter aus, da hier die Daten über den engen A1200-Flaschenhals bzw. den Buster (im A4000 ca. 18 MB/s) laufen müssen. Sobald allerdings die angekündigte SharkPPC auf den Markt kommt, sieht das wieder anders aus. Dann nämlich kann der PPC-Prozessor dieser Karte mit der höchstmöglichen PCI- Geschwindigkeit auf vorhandene PCI-Karten zugreifen.
Auch der Zugriff auf vorhandene ZorroII/III Karten könnte dann schneller sein. Laut Aussage von Elbox wird es für die SharkPPC keine Treiber für den "Classic"-Amiga direkt von Elbox geben. Andere Hersteller dürfen aber gern Treiber bereitstellen (zum Beispiel WarpUp). Vielmehr ist die SharkPPC dafür gedacht, den "Classic"-Amiga zum AmigaOne aufzurüsten.
Interessant ist, wie diese Zorro-PCI-Brücke auf dem A3000/4000 bewerkstelligt wird. Es kommt eine Karte zum Einsatz, die in einen Zorro- und PCI-Steckplatz gesteckt wird. Dafür ist ein zusätzlicher Zorro- und ein erweiterter PCI-Slot vorhanden, in die diese Karte eingeführt wird. Dieser PCI-Anschluß enthält neben den normalen PCI-Signalen auch noch zusätzliche Signalleitungen, damit der "Classic"-Amiga darauf zugreifen kann. Auf dieser Karte befindet sich nun die Logik nach der PCI2.1-Norm.
Benutzt man keine PCI-Zorro-Brücke, kann man den freien ZorroII/III-Slot normal mit einer Karte bestücken. User, die bereits ein PCI-Daughterboard, etwa von Eagle, haben, können mit der PCI-Zorro-Karte leider nichts anfangen, da auf dem Eagle-Board die zusätzlichen Signalleitungen nicht vorhanden sind. Vor kurzen hat Elbox einen kleinen Benchmark-Test veröffentlicht, bei dem unter anderem auch eine Apollo1260 zum Einsatz kommt.
Schön zu sehen war, dass diese Karte gegenüber einer BlizzardPPC/NG deutlich mehr Leistung zeigt, was auf dem guten Hardware-Design beruht, das auch die A3000/4000-Variante aufweist. (Leider habe ich meine damalige Apollo 4060 gegen eine CSPPC ersetzt, um dann festzustellen, dass die 68k- Performance trotz 64Bit-Design deutlich geringer ausfiel!)
Sollten Sie die Mediator bereits besitzen, eine Voodoo3-Karte unter Picasso96 betreiben und dabei bemerken, dass die Voodoo extrem langsam ist, dann liegt das daran, dass der Voodoo3-Treiber im Moment nur auf die Version 1.43b 100% angepaßt ist. So kommt es zu Einbrüchen bei der Geschwindigkeit bei Version 2.0 (siehe Statistik).
P96Speed 1.2 - (c)`97-99 by Jens Langner .-----------------------------------------. | Computer......: Amiga 1200/AGA | CPU...........: 68040/33 MHz | OS / WB.......: V40.68/V44.2 | SetPatch......: V44.6 | Chip/Fast.....: ~2.0MB/127.5MB | Graphics card.: Voodoo3 | GFX system....: Picasso96 v2.0 | Resolution....: 640 x 480 x 8 | Depth/Colors..: 256 colors | Testlength....: 13 .============= SPEEDRESULTS ==============. | RectFill()................ 25 op/s | RectFill() Pattern........ 29 op/s | WritePixel().............. 75851 op/s | WriteChunkyPixels()....... 415 op/s | WritePixelArray8()........ 408 op/s | WritePixelLine8()......... 11768 op/s | DrawEllipse()............. 6016 op/s | DrawCircle().............. 6627 op/s | Draw().................... 11928 op/s | Draw() Hor/Ver............ 12608 op/s | ScrollRaster() X.......... 1536 op/s | ScrollRaster() Y.......... 1669 op/s | PutText()................. 3738 op/s | BlitBitMap().............. 8203 op/s | BlitBitMapRastPort()...... 4028 op/s | BitMapScale()............. 66 op/s |--------------- Intuition --------------- | OpenWindow().............. 10 op/s | MoveWindow().............. 143 op/s | SizeWindow().............. 16 op/s | CON-Output................ 222 op/s | ScreenToFront()........... 60 op/s `=========================================' P96Speed 1.2 - (c)`97-99 by Jens Langner .-----------------------------------------. | Computer......: Amiga 1200/AGA | CPU...........: 68040/33 MHz | OS / WB.......: V40.68/V45.1 | SetPatch......: V44.13 | Chip/Fast.....: ~2.0MB/127.5MB | Graphics card.: Voodoo3 | GFX system....: Picasso96 1.43b | Resolution....: 640 x 480 x 8 | Depth/Colors..: 256 colors | Testlength....: 13 .============= SPEEDRESULTS ==============. | RectFill()................ 13429 op/s | RectFill() Pattern........ 11611 op/s | WritePixel().............. 76123 op/s | WriteChunkyPixels()....... 442 op/s | WritePixelArray8()........ 433 op/s | WritePixelLine8()......... 13778 op/s | DrawEllipse()............. 6486 op/s | DrawCircle().............. 7581 op/s | Draw().................... 15077 op/s | Draw() Hor/Ver............ 14711 op/s | ScrollRaster() X.......... 2100 op/s | ScrollRaster() Y.......... 2190 op/s | PutText()................. 5517 op/s | BlitBitMap().............. 9265 op/s | BlitBitMapRastPort()...... 6606 op/s | BitMapScale()............. 66 op/s |--------------- Intuition ---------------| | OpenWindow().............. 78 op/s | MoveWindow().............. 296 op/s | SizeWindow().............. 75 op/s | CON-Output................ 812 op/s | ScreenToFront()........... 60 op/s `=========================================' |
Allerdings scheint es für dieses Problem schon eine Lösung zu geben, indem man bei Picasso96 einfach die Option "FAKENATIVEMODES" aktiviert. Dadurch soll nicht nur der Geschwindigkeitseinbruch behoben werden, sondern es soll sogar schneller sein als die Version 1.43.
Aber man arbeitet bereits an dem Problem. Die nächste Version wird es also nicht mehr aufweisen.
Auf der WoA in Köln konnte man bereits die A1200-Version der Mediator, bestückt mit einer TV-/Voodoo- und Netzwerkkarte bewundern. Auf dem Bildschirm lief ein TV-Programm, das laut Aussage direkt in den Speicher der Voodoo-Karte geschrieben wird.
Ferner wurde erläutert, dass mit dem SharkPPC-Modul eine Übertragungsrate von 264 MB/s zu den PCI-Karten erreicht werden können soll, während zur installierten 68k- bzw. 68k/PPC-Turbokarte lediglich 7 MB/s bis 25 MB/s erreicht würden. Eine A3000-Version der Mediator ist ebenfalls geplant.
Interessant ist auch die AmigaOne-Lösung für 1200/4000. Dieses Board ist kein gewöhnliches Board, wie man erwarten könnte, sondern ein kompletter Rechner, der den Amiga "NUR" als eine Erweiterungskarte aufnimmt! Das bedeutet, sie läuft auch ohne "Classic"-Amiga! Das Board soll alles haben, was man für einen AmigaOne so braucht. Und dazu kann man dann die Sachen vom "Classic"-Amiga weiter nutzen (sobald Treiber dafür vorhanden sind). So kann man das A1200/4000-Motherboard als eine I/O-Karte mit AGA-Chipset ansehen, und die Zorro-Slots als Karten-AddOns...
Schon seltsam, die Sache genau anders herum zu betrachten! Allerdings werden viele jetzt aufschreien, denn die alte CPU-Karte, die im CPU-Slot sitzt, wird unbrauchbar, da der "Classic"-Amiga über diesen Anschluß am AmigaOne-Board betrieben wird.
Auf der WoA in Köln wurde auch ein Zeitplan präsentiert, der wie folgt aussieht:
| Entwickler-System | 12/2000 |
| ClassicOS-Treiber | 01/2001 |
| 680X0-Emulator | 01/2001 (entwickelt von Haage & Partner) |
| Betatester-System | 02/2001 |
| Produktion der A1200-Version | 1. Quartal 2001 |
Dabei wurde auch ein Zeitplan für das neue AmigaDE gezeigt. Dieser sieht folgendermaßen aus:
| AmigaDE für Endanwender | 07/2001 |
| AmigaDE-Treiber | 07/2001 |
| AmigaDE-Portierung für einen beliebigen AmigaOne | 08/2001 |
| Native AmigaDE-Applikationen verfügbar | 1. Quartal 2002 |
Wie man sieht, hat jede Lösung Vor- und Nachteile. Jetzt liegt es an jedem Einzelnen, zu entscheiden, was er nun braucht!
Nur eine einfache PCI-Karte, zum Beispiel für eine schnelle 3D-Voodoo-Karte (G-Rex Light). Oder eine mit der Möglichkeit, eine G3/G4-CPU zu benutzen oder gleich einen neuen AmigaOne, der den "Classic"-Amiga nur als Erweiterung benutzt. Was darf es denn sein? Letztendlich wird es auch entscheidend sein, ob man schon eine CSPPC bzw. BPPC besitzt und die dazu passende CVPPC bzw. BVPPC weiterbenutzen will.
Noch schlimmer wird aber sein, dass nicht alle Treiber genau die PCI-Karte, die man gerne hätte, in allen PCI-Lösungen unterstützen wird! Wenn man sich nicht langsam einigt, stehen wir am Schluß wieder mit zwei, drei oder mehr Lösungen allein da und jeder hat was anderes... (wir erinnern uns an PowerUp/WarpUp).
Ich selbst habe das Vergnügen, ein Zorro3-Daughterboard zu besitzen, das satte 8 Steckplätze bietet, allerdings dabei im Tower den Bus der CSPPC überdeckt! Dadurch sind für mich die CybervisionPPC und natürlich die ganzen PCI-Phase5-Lösungen, die nicht über alternative ZorroII/III-Slots verfügen, unbrauchbar.
Und was gibt's sonst noch zu PCI zu sagen? Ganz einfach: Sobald alle Amiga- User ein kleines Vermögen ausgegeben haben, um PCI-Steckplätze zu haben, wird der Win-PeeCee nur noch den neuen 64Bit-PCI-Bus nutzen, und wir stehen wieder im Regen... na dann.
Alle Angaben beruhen auf Pressemitteilungen oder Aussagen von Mitarbeitern der betreffenden Hersteller. Der Benchmark kommt von H. Kanning. Irrtümer vorbehalten.
Dirk Wenk <dirk@wax7.de>