|
|
Natürlich habe ich mir die CD mit dem als neu bezeichneten Betriebssystem sofort bestellt, als das möglich war, und bekam sie pünktlich am 12. Dezember zugestellt. Nach einem schnellen kompletten Backup meiner SYS:- Partition, die ich aus diesem Grund auf 100 MBytes beschränkt halte, auf eine ZIP-Disk erstellte ich mir die Emergency Disk und installierte das neue Betriebssystem Version 3.9.
Mein Rechner: A4000T, 2 MBytes Chip- und 16 MBytes Fast-RAM, AGA-Chips, 3- GBytes-IDE-Festplatte, CD-Laufwerk, 2 Disketten-Laufwerke, Multiface-III, Buddha Flash IDE-Controller, externes ZIP-Laufwerk, Bildschirmdarstellung Hires auf einem Monitor Amiga MI1438S.
Mit der Notstart-Diskette passierte das Gleiche wie schon bei OS3.5, sie bindet beim Hochlaufen das CD-Laufwerk nicht mit ein. Ich arbeite auf der Festplatte zwar mit dem AmiCDFS, das sollte bei der Diskette aber keine Rolle spielen, wenn das CacheCDFS eingerichtet wird. Die Änderung war eine Kleinigkeit. (Nur zur Information: Ich bin registrierter Benutzer von IDEFix.)
Der Neustart des Rechners lief glatt und ohne Probleme ab, so dass ich meine Backup-ZIP nur zum Rüberholen der def_Icons brauchte (siehe nächsten Abschnitt). Auf der WB des Rechners fiel nur die Startleiste mit den neu eingerichteten Programmen auf.
Das nächste Problem war mir auch schon von OS3.5 bekannt, nämlich dass in Prefs/Env-Archive/Sys als def_Icons Glowicons eingerichtet wurden, bei denen die def_tool.info, def_project.info und def_drawer.info zwischen 2500 und 3000 Bytes groß sind. Beim Öffnen einer Schublade wird jeder versteckten Datei ein Icon zugewiesen, dass natürlich entsprechend Chip- Speicher braucht, von dem nach Systemstart leider nur noch etwas mehr als 1,5 MBytes vorhanden sind. Kritisch sind bei mir besonders C: und Libs:. C: hat knapp 300 Dateien, Libs: hat ca. 350 Dateien und Verzeichnisse. Rechnerisch ergibt das etwa 1 Megabyte, tatsächlich sind es aber, wahrscheinlich weil nur ganze Blöcke belegt werden, deutlich mehr, jedenfalls verlangt mein Rechner beim Öffnen des Libs:-Verzeichnisses, dass ich Speicher frei mache, bevor er weiter arbeitet. Die Speicheranzeige in der Kopfleiste der WorkBench fällt auf einen Betrag von einigen Kilobytes. Reset ist die einzige Lösung. Mache ich die Schublade C: auf, arbeitet zwar der Rechner weiter, aber bei nächster Gelegenheit, wenn ein etwas größerer Chip-Speicherbereich benötigt wird, kommt es zum Fehler.
Hier habe ich für die drei erwähnten def_Icons wieder die Typen der WB3.1 eingesetzt. Die übrigen werden nicht so häufig gebraucht, die habe ich gelassen.
Hier möchte ich noch erwähnen, dass in den FAQs3.5, die irgendwo in der Dokumentation auf der CD stehen, gesagt wird, dass dieses Problem mit Hilfe von FBlit gelöst werden kann. Leider zerstört bei mir dieses Programm in den klassischen, aber für mich immer noch besten Malprogrammen DPaint und PPaint die Möglichkeit, Brushes, also Ausschnitte der Zeichenebene, aufzunehmen. Die Einstellung von FBlit, um dieses zu korrigieren, habe ich noch nicht gefunden. Ich habe auch FXPaint, hier habe ich allerdings noch keine Versuche unternommen.
Was sonst alles neu dazugekommen ist, konnte ich komplett leider nirgends finden, vielleicht ist es noch auf der CD verborgen. Deshalb kann ich hier nur meine ersten Eindrücke schildern, ich will dazu die auf der CD-Hülle abgedruckte Liste heranziehen.
Multimedia-Programme: MP3-Player, AVI & QT-Player und neuer CD-Player. Zwar hat sicher jeder etwas davon auf seinem Amiga, je nach Interesse mehr oder weniger Gutes, für mich sind die Qualitäten aller drei besser als das, was ich eingerichtet hatte. Ich bin kein Freund der vom PC stammenden Skin- Sucht, auf meinem Bildschirm braucht ein Abspieler nicht so auszusehen wie etwas, was man sich vor ein paar Jahren ins Wohnzimmer stellte, deshalb habe ich, weil ich noch den älteren Bruder des CD-Players mit ganz einfacher Bildschirm-Darstellung habe, diesen übernommen. Vielleicht finde ich das auch noch für die anderen Programme.
Internet-Programme: Wer hat keinen Internet-Zugang mit den notwendigen Programmen? Ich arbeite mit MiamiDX, YAM und habe Voyager und AWeb in den letzten Versionen registriert und IBrowse als SE. Ich habe mir Genesis eingerichtet, da ich davon nur eine Uralt-Version hatte, einfach nur, um mal probieren zu können. Hier hätten die Macher von AMIGA einen Schritt auf Holger Kruse zugehen können, der möglicher Weise wegen Differenzen bei OS3.5 jeden Kontakt zu Amiga und seinen Anwendern eingestellt hat. Auch wenn das nicht der Grund war, einen Mann wie ihn sollte man nicht verlieren!
AmiDOCK: Auch hier dürfte kaum ein Amiga-Anwender nicht schon mit etwas ähnlichem arbeiten. Mir gefällt nicht, dass ich noch keine Möglichkeit fand, die Darstellung auf Schrift zu beschränken. Nennt mich halt einen "Puristen" (siehe auch weiter oben die "Skins"), aber das ist eben mein Geschmack. Ich verwende Haupsächlich "Hotbar", ein Programm, das bei Druck auf beide Maustasten ein Popup-Menü erscheinen lässt, in das sehr leicht die gewünschten Programme einzuprogrammieren sind. Außerdem habe ich mit MoreTools das Hilfmittel-Menü der WB sehr erweitert. Für einzelne, seltener gebrauchte Programme habe ich noch den ToolManager laufen.
WarpOS: Für mich ohne Belang, ich habe leider keine passende Erweiterung.
IomegaTools (für ZIP und JAZ): Ich habe ein ZIP Laufwerk, die Handhabung ist so einfach, dass ich dazu kein besonderes Programm brauche.
Neue Profi-Shell: Da ich bisher nur mit der Original-Amiga-Shell gearbeitet hatte, ist die VinceED-Shell ein Fortschritt für mich. So wenig ich bisher auch davon kennen gelernt habe, ich bin sehr zufrieden.
Automatische Dateitypen-Erkennung: Leider habe ich dazu keine Beschreibung gefunden. Wahrscheinlich ist damit "DefIcons" gemeint, das ich aber schon früher nicht wollte.
Komfortabler Entpacker: Nun, seit dem ich einen Amiga habe, benütze ich GuiArc von Patrick van Beem, mit dem ich Archive nicht nur entpacken, sondern auch packen kann und den ich für jede beliebige Packmethode einrichten kann. Ich habe nicht auf OS3.9 warten müssen!
Schnelle Suchfunktion: Natürlich hatte ich auch schon lange ein Suchprogramm (Searcher) im Hilfsmittel-Menü. Mit dem kann ich wenigstens den Ort der Suche in einem Filerequester begrenzen. Mit dem Programm "Find" des OS3.9, das unbedingt in SYS:System abgelegt sein muss, damit man es mit dem Punkt "Suchen ..." im WB-Menü "Fenster", wo es eigentlich nicht hingehört und auch nicht zu entfernen ist, aufrufen kann, muss ich mich vorher auf der WB in das Verzeichnis weiter hangeln, dass ich durchsuchen will, wenn ich nicht eine ganze Partition brauche. Der einzige Vorteil von "Find" ist, dass ich auch Dateiinhalte prüfen kann. Ich habe "Find" umbenannt und "Searcher" als "Find" nachSYS:System kopiert!
Neuer Picture-Datatype (PPC-optimiert): Ich habe kein PPC. :-(
Viele neue Tools:
| ASL-Prefs: | Bietet einige Einstellmöglichkeiten. Man hätte sich an |
| ReqTools orientieren sollen. |
Neuer Info-Dialog: Keine Ahnung, was damit gemeint ist!
| Neue Uhr: | Eine neue Version der SimpleClock, die ich seit WB3.5 auf der |
| WB habe, mit neuem Namen. | |
| FontCache: | Konnte ich nach der Update-Installation nirgendwo entdecken. |
| Da ich aber sowieso schon lange FastFontList installiert habe, | |
| das wahrscheinlich das Gleiche erledigt, fehlt es mir nicht! |
Neues Farbrad: Okay!
Nicht erwähnt, aber installiert wurde das Programm "AnimatedIcon" in neuer Version. Ich empfinde das mehr oder weniger als Spaßprogramm, ich habe Bilder meiner Enkeltochter eingebaut, die ich mir ansehen kann. "Kann" nur deshalb, weil ich wieder das alte Programm, dass wohl mit dem BoingBag veröffentlicht wurde, zurück geholt habe. Die neue Version öffnet leider nur genau 1 Pixel auf der WB, das man nur mit viel Glück findet! Da auch keine Beispiel-Datei beiliegt, kann über den Grund dieses Verhaltens nichts ausgesagt werden.
Es wurden noch einige weitere Dateien nach C:, Libs: und L: kopiert, von denen ich nur hoffen kann, dass sie sich besser benehmen als "AnimetedIcon"!!!
Auf der CD befinden sich noch zahlreiche weitere Programme und Dateien, auf die ich nicht eingehen kann, da mir einfach die Zeit dazu fehlt.
Zum Testen sind mp3- und AVI-Dateien vorhanden. Um die CD zu füllen, wurde noch ein Musiktitel dazu gespielt, der aber mit 50 Sekunden Stille beginnt. Ich wollte schon meinen Verstärker auseinander nehmen...
Und immer noch traurig stimmt mich die Sucht, Dokument-Dateien HTML-kodiert beizulegen. Wir haben das ausgezeichnete Amigaguide-Format, welches leicht zu lesen ist und in dem man (mit einem Aminet-Programm) nach Begriffen suchen kann. Wenigstens hat man jetzt diese HTML-Dokumentation in einzelne Dateien aufgespalten, so dass jetzt nicht mehr wie bei OS3.5 erstmal Hunderte von Kilobytes geladen und formatiert werden müssen.
Fazit:
Wenn ich für die hinzu gekommenen Programme eine vernünftige Shareware- Gebühr ansetze, könnte ich den Preis der CD "AMIGA OS3.9" als normal ansehen. Was aber nicht stimmt, ist die Bezeichnung. Ich finde, schon OS3.5.5 wäre zu hoch gegriffen. Das Hinzufügen einiger Programme, die man sich in ähnlicher Qualität aus dem Aminet beschaffen kann, rechtfertigt noch lange nicht so einen Versionssprung. Und welche Systemdateien korrigiert wurden, konnte ich leider nirgendwo erkennen (die Suche in der Dokumentation war auch mit "Find" erfolglos!). Wenn es tatsächlich ein OS4.0 geben wird, werde ich bestimmt nicht mehr zu den ersten Käufern gehören!
Gernod Schomberg <g.schomberg@t-online.de>