<< Inhalt >> Testberichte

Tests und Erfahrungsberichte

1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Ich hoffe, daß ihr den alljährlichen Weihnachtswahnsinn gut überlebt und auch das Silvester-Feuerwerk in einem halbwegs zurechnungsfähigen Zustand mitbekommen habt ;). Ich wünsche euch allen noch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und damit sind wir auch schon bei den heutigen Programmvorstellungen gelandet. Mit dem Softwarepacket "OpenURL" wird versucht, eine bessere Einbindung der Internet-Technologie in das AmigaOS zu erreichen. Thomas Richter hat eine neue Revision der mmu.library ins Aminet gestellt und damit ebenfalls mein Interesse geweckt. DOSTrace, ein echter Klassiker der schon seit 1993 die korrekte Funktionsweise des AmigaDOS überwacht, wird ebenfalls vorgestellt. Als wirklich hilfreiche Erweiterung kommt der HTML-Datatype samt Offline-Browser "SimpleHTML" von Sebastian Bauer daher und bekommt selbstverständlich auch einen hoffentlich interessanten Testbericht genehmigt.

OpenURL:

Eigentlich bin ich ja kein Freund von Standards, denn bis jetzt hat sich leider immer nur die schlechteste und unausgereifteste Lösung eines möglichen Standards durchgesetzt. OpenURL läßt mich an dieser meiner Meinung aber schlichtweg zweifeln. Naja, eigentlich ist OpenURL ja kein Standard. Es wäre aber schön, wenn es einer werden würde ;). Korrekt installiert, am besten noch im Duo mit dem DefIcons-Programm, ist OpenURL die leichteste, unkomplizierteste und flexibelste Lösung, Internet-Software im AmigaOS zu verknüpfen. Beispiel gefällig? Ok. Stellt euch vor, in einem Info-Fenster eines beliebigen Programmes wird die Homepage des Programmierers eingeblendet. Möchte man diese Homepage nach neuen Updates untersuchen, war es bisher so, daß man sich erst die URL umständlich notieren, seinen Webbrowser starten und dann die URL dort wieder eingeben mußte. OpenURL ermöglicht es dem Programmierer, diesen Vorgang auf minimalen Aufwand zu reduzieren. Wird OpenURL korrekt unterstützt, könnte der Anwender einfach auf die URL klicken. Danach wird der vom Anwender konfigurierte Browser gestartet und die Homepage des Autors geladen. Ein schönes Beispiel ist das E-Mail-Programm YAM. Ist in einer E-Mail eine URL notiert, kann der Anwender einfach auf diese doppelklicken und der Browser lädt automatisch die entsprechende Internetseite. Aber auch für Produzenten von CD-ROMs bietet sich OpenURL an. Werden auf einer CD-ROM HTML-Dokumente verwendet, war es bisher immer so, daß zusätzlich eine eingeschränkte Demo- Version eines Web-Browsers für die Anzeige der Dokumente verwendet wurde. Wenn der Anwender Pech gehabt hat, stürzt genau dieser Browser auf seinem System immer ab. Würde für solche HTML-Dokumente der OpenURL-Standard eingesetzt, könnte genau der Browser verwendet werden, dem der Anwender seinen Vorzug gibt.

Die Installation von OpenURL erfolgt dank des Amiga-Installers völlig problemlos. Wenn sich OpenURL auf dem System befindet, kann im "Prefs"- Verzeichnis der "OpenURL"-Voreinsteller gefunden werden. Dieser greift auf die Systemerweiterung "MUI" zurück, so daß auch diese installiert sein muß. Die Benutzeroberfläche ist in leichtverständlichem Englisch gehalten. Im oberen Bereich befinden sich einige Reiter, mit denen man zwischen den Web- Browser- und Mailereinstellungen hin und her schalten kann.

Screenshot

Im "C:"-Verzeichnis befindet sich weiterhin ein Programm namens "OpenURL". Wird dieses Programm als "DefaultTool"-Eintrag im Piktogramm eines HTML- Dokumentes verwendet, wird immer der in den OpenURL-Prefs definierte Web- Browser zur Anzeige verwendet.

Screenshot

Wenn das Software-Packet DefIcons installiert wurde, kann der Anwender für HTML-Dokumente ebenfalls das CLI-Programm "OpenURL" konfigurieren. Dadurch können auch HTML-Dokumente ohne Piktogramm bequem per Mausklick mit dem Lieblings-Browser von der Workbench aus angezeigt werden. Der weitere kreative Einsatz von "C:OpenURL" in ARexx und Shell-Skripten, aber auch in AmigaGuide-Dokumenten, hängt somit eigentlich nur noch von der Fantasie des Autors ab. In der Distribution befinden sich weiterhin sämtliche Entwicklerunterlagen, der Quelltext und einige ARexx-Beispielskripte. Im Aminet befinden sich zusätzliche Archive, die es auch AmigaE- und BlitzBasic-Programmierern ermöglichen, auf die Funktionen von OpenURL zurückzugreifen.


Autor: Troels Walsted Hansen 
Aminet: comm/www/OpenURL30.lha 
Programmversion: 3.0 
Homepage: 
Lizenz: Public Domain 
  

SimpeHTML/HTML-Datatype

In letzter Zeit bürgert sich im Netz der Netze immer mehr die schlechte Angewohnheit ein, E-Mails anstatt als ressourcenschonender ASCII-Text im aufgeblähten HTML-Format zu verschicken. Anstatt auf Informationen Wert zu legen muß es heutzutage möglichst bunt und unübersichtlich sein. Na ja, vielleicht kann man da nicht mal dem Verfasser solcher Mails einen Vorwurf machen, denn Outlook und Co. lassen sich alles andere als einfach konfigurieren. Das Nachsehen hat dann leider der Empfänger. Vor allem Amiga-User müssen für solche E-Mails erst umständlich ihren Web-Browser starten, da es kein E-Mail-Programm auf dem Amiga gibt, das HTML-Mails von selbst dekodieren kann. Hier bietet sich der Einsatz des "HTML-Offline- Browsers" SimpleHTML regelrecht an. Gerade mal 50 KB groß, kommt es mit den meisten HTML-Mails sehr gut zurecht. Auch als Anzeiger für Manuals im HTML- Format oder der HTML-Version von AMIGA aktuell :) ist SimpleHTML gut zu gebrauchen. Mit Frames, Javascript und einigen HTML-Tags kommt SimpleHTML allerdings (noch?) nicht zurecht - deswegen ja auch "Simple". Dafür werden HTML-Dokumente und Grafiken aber zügig angezeigt, und der Anwender braucht nicht erst ewig auf das Laden des Web-Browsers zu warten, um an die gewünschten Informationen zu kommen. Über ein Menü kann mit Hilfe einfacher Kommandos (Vor/Zurück/Reload) in einem HTML-Dokument navigiert werden. Allerdings kann es dann hin und wieder zu etwas ausgedehnteren Wartezeiten kommen. Die Suchfunktion hat scheinbar auch noch kleinere Probleme. Aber was soll's.

SimpleHTML läuft auf meinem System, trotz der niedrigen Versionsnummer sehr stabil. Irgendwelche Abstürze aufgrund der Verwendung von SimpleHTML sind mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Die Installation von SimpleHTML ist denkbar einfach, da die Distribution nur aus dem "SimpleHTML"-Binary und einem kleinen ReadMe-File besteht. SimpleHTML wird einfach dahin kopiert, wo es dem User am besten gefällt.

Der auf SimpleHTML basierende HTML-Datatype verfügt in etwa über die gleichen Features und Problemchen wie SimpleHTML.

Screenshot

Zusätzliche Einschränkungen gibt es nur bei den Navigationsoptionen. Nachdem MultiView das HTML-Dokument geladen hat, können Links wie in einem normalen Web-Browser gefolgt werden. Zurück- oder Vorwärtsgehen im Dokument ist aber nicht möglich. Die Suchfunktion und die "Reload"-Funktion sucht man auch vergeblich. Die Installation erfolgt problemlos über den Amiga- Installer.


Autor: Sebastian Bauer (Jena grüßt Kahla :) ) 
Aminet: comm/www/simplehtml.lha 
Programmversion: 3.0 
Homepage: http://home.t-online.de/home/sebauer/english.html 
Lizenz: Freeware 
  

mmu.library:

Und noch ein vielversprechender Versuch, einen Standard auf dem Amiga zu etablieren. Die mmu.library von Thomas Richter versucht das Versäumnis von Commodore, eine systemkonforme Schnittstelle zur Verwendung der MMU im AmigaOS zu spezifizieren, zu beheben.

Screenshot

Die mmu.library ermöglicht es dem Programmierer, auf die MMU der 68k- Prozessorfamilie (ab 020 mit 68851 und keine "EC" oder "LC"-CPUs) zuzugreifen, ohne daß es Konflikte mit weiteren Programmen gibt, die vielleicht ebenfalls auf die MMU zugreifen. Aber bitte nicht falsch verstehen: Die mmu.library ist im Grunde genommen selbst auch nur ein Hack. Programme, die nicht die mmu.library zur Ansteuerung verwenden, kommen zum Teil ebenfalls in arge Schwierigkeiten mit Programmen, die auf die mmu.library zurückgreifen. Thomas Richter hat aber auch dort mit seinen "MuTools" vorgesorgt.

Screenshot

So stellt er ein ganzes Paket an Ersatzprogrammen zur Verfügung, die im Gegensatz zum Pendant auf die mmu.library zurückgreifen und dies auch so systemkonform wie nur möglich machen. So können Softwareentwickler zum Beispiel mit "MuForce" einen Ersatz für den "Enforcer" finden. Anwender des Macintosh-Emulators "ShapeShifter" bekommen mit dem MuEVD einen schnellen und sehr flexiblen Bildschirmtreiber und mit MuMove4k einen Ersatz für den Hack "PrepareEmul". Dieser kann dem User auf "OS3.5+"-Systemen sogar einen lästigen zusätzlichen Reset beim Kaltstart des Amigas ersparen. Mit "MuFastChip", "MuSetCacheMode", "MuFastROM" und "MuFastZero" existieren einige Werkzeuge für diejenigen, die auch wirklich das letzte Quentchen Speed aus ihrem System holen wollen. "MuFastChip" beschleunigt den ChipRAM- Zugriff auf 68040- und 68060-Systemen. Mit dem Experten-Tool(!!!) "MuSetCacheMode" können die CPU-Caches des verwendeten Prozessors optimiert werden. "MuFastROM" ist ein Ersatz für ROM-Remapper (das AmigaOS-ROM wird in schnelles 32Bit-FastMem gespiegelt, ROM-Funktionen werden danach um ein vielfaches schneller abgearbeitet). MuFastZero ist ein "Vektor-Remapper" (näheres dazu in der Anleitung). Es gibt dann noch einen ganzen "Schwung" weiterer Programme, die wohl eher nur für Entwickler interessant sind. Aber auch für "Otto-Normal-Amiga-Freak" gibt es noch ein paar interessante Dinge in dem Archiv zu entdecken. So befindet sich zum Beispiel im "Libs"- Verzeichnis ein flinker Ersatz für die originale 68040.library bzw. 68060.library. Im Verzeichnis "Fixes" gibt es einige Fehlerbereinigungen und "Kompatibel-Macher" für gängige Systempatches und Erweiterungen. Es lohnt sich auf alle Fälle, dieses Archiv mal näher zu betrachten und vielleicht sogar zu installieren. Was aber nicht verschwiegen werden soll, ist, daß sich der Anwender mit den Interna seiner Freundin doch etwas näher auskennen sollte. Ein bequemes Installer-Skript ist in dem Archiv nicht zu finden, und bei den vielen unterschiedlichen Amiga-Konfigurationen sicherlich auch nicht im Bereich des Möglichen. Die einzige zusätzliche Installationshilfe existiert in Form eines kleinen ARexx-Skripts, das für die einfache Erstellung der Konfigurationsdatei verwendet werden kann. Leider sollte man sich auf dieses Skript nicht allzusehr verlassen, da es vorkommen kann, daß der Rechner nach einem Neustart überhaupt nicht mehr startet oder in einer Reset-Schleife hängen bleibt.


Autor: Thomas Richter 
Aminet: util/libs/MMULib.lha 
Programmversion: 42.3 
Homepage: http://www.math.tu-berlin.de/~thor/thor/index.html 
Lizenz: "The THOR-Software Licence (v2, 24th June 1998)" 
  

DosTrace:

DosTrace ist ein Monitor-Programm, das die Systemfunktionen des AmigaDOS überwacht.

Screenshot

Im Vergleich zu anderen Programmen seiner Art (z.B. SnoopDos), verzichtet DosTrace auf eine umfangreiche grafische Benutzeroberfläche. Die Stärken von DosTrace liegen eher in der sehr einfachen Bedienung und dem Umfang der überwachten AmigaDOS-Funktionen. DosTrace wird als Commodity ins System eingebunden. Die Systemvoraussetzungen sind minimal. Außer OS 2.0, ein paar Kilobytes Speicher und der reqtools.library wird nichts weiter von der Freundin verlangt. Ein Installer-Skript liegt nicht in dem Archiv bei, ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Die "reqtools.library" sollte sich theoretisch auf jedem Amiga-System befinden. Falls nicht (sehr unwahrscheinlich!), kann das Archiv im Aminet gefunden werden. Das DosTrace-Binary und die englische Anleitung im AmigaGuide-Format beläßt der Anwender am besten im selben Verzeichnis und kopiert das ganze Verzeichnis an einen beliebigen Ort auf der Festplatte.

Wird DosTrace gestartet, wird ein Fenster auf der Workbench geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt zeigt DosTrace, was ein Programm mit welchen Dateien anstellt.

Screenshot

Zum Teil ist das sehr hilfreich, wenn sich ein frisch installiertes Programm nicht starten läßt, weil es irgendwelche Dateien (z.B. Libraries oder Schriftsätze) nicht finden kann. In einem Menü läßt sich die Monitorfunktion an- und ausschalten. Auch die Adresse eines zu überwachenden Programms läßt sich dort definieren, denn bei vielen gestarteten Programmen wird die Anzeige von DosTrace schnell unübersichtlich. Wird DosTrace von der Shell aus aufgerufen, lassen sich weitere Optionen spezifizieren. Zum Beispiel kann man dann DosTrace dazu veranlassen, alle Informationen, die in dem DosTrace-Fenster angezeigt werden, in eine Datei (oder ein serielles Terminal) schreiben zu lassen. Dies ist sehr nützlich für Programmierer oder zur Erstellung eines Bugreports.

Trotz seines hochbetagten Alters funktioniert DosTrace auch unter OS 3.5 sehr stabil. Auch mit 68020-, 030- und 040-CPU hatte mein Rechner mit DosTrace noch keine Probleme. Was aber beachtet werden sollte, ist, daß DosTrace nicht gleichzeitig mit einem weiteren System-Monitor betrieben werden darf. Die gleichzeitige Verwendung mit SnoopDos führt auf meinem System zum sofortigen Absturz.

P.S.: Ich habe gerade im Aminet nach DosTrace gesucht, aber es dort leider nicht gefunden. Auch sonstige Quellen zum Download sind mir leider nicht bekannt. Ich habe es für interessierte Leser einfach mal auf meine Homepage geladen. DosTrace kann unter "Download" gefunden werden. Falls jemand eine Quelle kennt, wäre es nett, wenn derjenige mir eine Mail schicken würde. DosTrace ist außerdem auf der AmigaPlus-Diskette 6/94 im Archiv "Utilities.run" zu finden.


Autor: Peter Stuer 
Download: http://members.surfeu.de/68kfreak 
Programmversion: 2.13 
Homepage: 
Lizenz: Freeware 
  

So, das war's erst mal wieder. Ich habe vor einiger Zeit auf amiga-news gelesen, dass das Aminet langsam die 20GB-Grenze sprengt und dass sich ca. 70.000 Archive auf dem wustl.edu-Server befinden. Da es mir nicht möglich ist, dort alle Archive zu überprüfen, würde ich mich über einige Tipps und Vorschläge freuen. Wer also ein paar nützliche Programme oder Systemerweiterungen kennt, kann mir ja mal eine Mail schicken. Wer Fehler in diesem Bericht entdeckt hat oder mir einfach nur mal so eine Mail senden möchte, kann das natürlich auch machen. Ich freue mich über jede Resonanz :).

Christian Aichinger <aichi@gmx.de>

<< >>