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Wieviele Gesichter hat der Mars?
Unlängst erschien beim APC & TCP [1] eine CD-Kompilation der Diskettenserie Faces of Mars, kurz FOM genannt. Auf dieser 29,95 DM teuren CD sollen sich die Highlights der Disketten-Serie versammelt haben. Zusätzlich enthält die Silberscheibe zwei Audio-Tracks. Der Name der Disketten-Serie respektive der vorliegenden CD-ROM deutet schon unterschwellig die Zielrichtung des Datenmaterials an: Hier geht es hauptsächlich um den Weltraum, Science- Fiction, UFOs, Fantasy und Esoterik.
Carsten Schröder [beziehungsweise der APC&TCP; Anm. d. leit. Red.] hat freundlicherweise ein Exemplar der FOM 2001 für einen Test zur Verfügung gestellt.
Eingelegt wurde die CD in ein Laufwerk eines Amiga 3000 D unter AmigaOS 3.5, angetrieben von einer 68040-CPU, unterstützt durch eine Retina ZIII mit CyberGFX 3.x und 36 MB RAM.
| 1 Aufbau der CD |
| Die nicht einmal zur Hälfte gefüllte CD ist in drei Tracks unterteilt, |
| einem knapp 190 MB großen Daten-Track | sowie zwei Audio-Tracks mit jeweils |
| einem etwa vierminütigen Titel, komponiert von Patrick Henz. | |
Öffnet man die CD auf der Workbench, präsentiert sich ein aufgeräumtes Fenster mit den im Wurzelverzeichnis der CD befindlichen Schubladen. Verlockend prangt im oberen Bereich des Fensters ein in unterschiedlichen Sprachen verfasstes LiesMich-HTML-File. Der Verlockung konnte ich nicht widerstehen und klickte erwartungsfroh auf das HTML-Icon. Wider Erwarten wurde nicht etwa ein HTML-Browser geladen, sondern lediglich eine lapidare Fehlermeldung ausgegeben.
Der Ersteller dieser CD hatte in seinem Eifer offensichtlich nicht den korrekten Icon-Typ (fälschlicherweise wird die zum Icon gehörende Datei als Programm deklariert) gewählt. Da die HTML-Datei nun einmal kein ausführbares Programm ist, konnte das AmigaOS gar nicht anders, als die erwähnte Fehlermeldung dem erstaunten Amiga-User entgegen zu schleudern. Dieser Icon-Typ-Fehler zieht sich leider durch einen nicht unbeträchtlichen Teil der Datenbestände der CD. Viele Bilder und Texte lassen sich so nicht von der Workbench aus betrachten.
Schade. Denn durch diesen ärgerlichen Fehler ist die Mühe, die bei der Workbench-gerechten Ausgestaltung der CD betrieben wurde, letztendlich eine vergebliche gewesen. Der Amigianer wird für die CD-ROM-Exploration notgedrungen einen File-Manager à la DirectoryOpus einsetzen müssen.
| 2 Inhalt der CD |
Hat man einen Browser zur Präsentation der 00-LiesMich.htm-Datei überredet, erfährt man nun lediglich, dass alle Programme unter AmigaOS 3.5 getestet seien und wird kurz und bündig über rechtliche Unterschiede von Share- und Freeware-Programmen aufgeklärt.
Vergeblich sucht man eine nähere Erklärung des CD-Inhalts oder eine Navigationshilfe im Datendschungel der Silberscheibe. Auch zu den Erstellern der FOM-Disketten-Serie konnte kein Text entdeckt werden. Dafür wurden einige von dieser Startseite offline erreichbare Web-Sites auf diese CD gespiegelt.
Und unter der "3Pyramids^2"-URL findet sich in "amiga-archive" so etwas wie die vorliegende CD-Struktur mit ihren Schubladen in groben Zügen wieder. Nur leider führen sämtliche Verweise nicht auf die CD-Verzeichnisse, und, sofern man nicht online ist, ins Leere [2].
Dafür kann sich jeder Interessierte in eine Mailingliste eintragen...
Also machen wir uns selbst ein Bild vom Inhalt der CD-Schubladen:
Die knapp 28 MB umfassende "1982"-Schublade enthält eine Quer-Beet-Sammlung klassischer Amiga-Spiele von Archon bis Zaxxon, die mit dem Motto der Disketten-Serie zumeist nur mit sehr viel Fantasie in überaus lockerer Beziehung stehen könnten.
In "Babylon5" finden sich unter den 15 MB hauptsächlich Bilder (13,5 MB) der gleichnamigen SF-Serie durchaus ansehnlicher, wenn auch meist gering auflösender Qualität. In einer zugehörigen "Text"-Schublade verstecken sich einige ausnahmslos in englischer Sprache verfasste Texte zur SF-Serie und in "Tools" u.a. ein paar Taglines für YAM.
Knapp 700 kB an Daten haben in der "Esoterik"-Schublade Platz gefunden. In erster Linie sind dies Biorhythmus-Programme, daneben kann Man und Frau testen, ob Man oder Frau zum Partner passt, ein chinesisches Orakel befragen, oder auch die Zukunft wahrsagen lassen...
Viele der Programme basieren auf Cursor von Jürgen Forster und sind nur sehr bedingt unter Grafikkarten einsetzbar. Da hilft auch die Beteuerung, alle Programme wären unter AmigaOS 3.5 getestet, nicht viel weiter. Und zumindest LifeCycles1.1 brachte meinen Amiga reproduzierbar zu einem Totalabsturz.
Im "Fantasy"-Verzeichnis tummeln sich in 8 MB acht Bilder, diverse Spiele vorrangig im Adventure-Stil und einige englischsprachige Bücher des Gutenberg-Projects.
Wer in der Schublade "FOM" nähere Informationen zur Disketten-Serie vermutet, liegt mit seinen Überlegungen falsch - neben einigen Bilderchen u.a. im Manga-Stil kann der geneigte CD-Eigner zwei FOM-Stories lesen, dabei Bilder betrachten bzw. einen Soundtrack hören - zumindest verspricht die Amigaguide-Story selbiges. Doch leider hat man die Guides nicht an die CD angepaßt, so daß die Bilder bzw. Mods nicht gefunden werden.
Die weiter oben bereits beschriebenen Web-Site-Abzüge finden sich in dem Unterverzeichnis "Webpages".
Unter "Games" verbergen sich knapp 6 MB an Werbe-Spielen und Demoversionen inzwischen antiker kommerzieller Spiele.
"History" präsentiert zwar nicht multimedial, dafür aber durchgängig in englischer Sprache und mit 12 MB Umfang einige historische Ereignisse. Neben der Entwicklung der Atombombe wird der Bibel gedacht.
Die Schubladen "Internet" und "Jokes" sind nicht der Mühe wert, hier vorgestellt zu werden.
"Mathematics" enthält in 2 MB einige Fraktal-Programme sowie einige im weitesten Sinne mit der Mathematik in Verbindung stehende Anwendungen. Erwähnenswert ist hier ReflexFinal, das einige ältere Amigianer noch von den Fish-Disketten her kennen dürften.
"Science" präsentiert neben dem World-Fact-Book von 1994 u.a. auch das interessante Eliza. Und wer der französiche Sprache mächtig ist, kann VieIII starten. Eine französiche Anleitung liegt bei...
"ScienceFiction" umfäßt immerhin etwa 46 MB Datenmaterial in Form von Animationen, Spielen, Musik-Modulen, Bildern und Texten zumeist passend zum Thema. Ähnlich vielen Bildern wird man vergeblich versuchen, auch nur eines der Musik-Module von der Workbench aus abzuspielen, da auch hier alle Icons vom falschen Typ sind. Die meisten Bilder sind durchaus ansehnlich, und die Texte auch teilweise in deutscher Sprache, wenn auch der größere Anteil wiederum dem Project Gutenberg entnommen wurde. So kann der geneigte Leser mit Jules Verne Around the World in 80 Days oder From the Earth to the Moon fliegen.
Apropos Fliegen- mit "Space" bewegt sich der Amigianer nicht nur im Weltraum, sondern wird in dieser 9 MB umfassenden Schublade auch mit fliegenden Untertassen in Bild und Text konfrontiert. Außerdem stehen einige astronomisch angehauchte Programme wie DynamicSkies, Luna, WorldTime für eigene Experimente bereit.
Selbstverständlich darf auf einer CD wie der vorliegenden StarTrek nicht fehlen. Knapp 5 MB an Daten zu diesem Thema wurden zusammengetragen und als bunte Mixtur aus Animationen, Bildern, Musik-Modulen, einem Spiel (TrekTrivia), Texten und einigen Tools verrührt.
Mit gleicher Mischung, aber deutlich umfangreicher (immerhin ein Datenvolumen von 39 MB) schließt das "StarWars"-Verzeichnis unseren Rundgang ab.
Auffällig wieder die oft schlichte Übernahme von "Multimedia"-Guides, ohne den Pfad zu Bildern oder Soundmodulen anzupassen. Dafür kann sich jeder durch 14 MB StarWars-Animationen und immerhin 14 MB Bilder wühlen. Wie in allen anderen Verzeichnissen der CD, so fehlt auch hier ein Bilderkatalog, der doch sehr zu einer besseren Übersicht beigetragen hätte. Einige der Bilder werden, betrachtet man das Icon, als JPEG-Datei verkauft, entpuppen sich aber letztendlich als GIF-Datei. Das stört aber nicht weiter, da Multiview mit beiden Bildformaten dank Datatypes problemlos umgehen kann.
| 3 Fazit |
Knapp 30 DM für eine Kompilation, die sich dem workbench-verwöhnten Amigianer als teilweise widerspenstige Software-Sammlung mit bescheidenem Umfang präsentiert, ist ein ziemlich hoher Preis, den wohl nur passionierte Amiga-Software-Sammler ohne nachträgliche Reue zahlen werden. Noch dazu, wo sich ein Großteil der Software auch im Aminet oder auf anderen FD-CD- bzw. Disketten-Serien findet.
Unverständlich auch, weshalb bei dieser Kompilation nicht zusätzlich die Disketten der FOM-Serie als DMS-Archive abgelegt wurden. Platz wäre noch reichlich auf der CD.
Alles in Allem eine bunte Mixtur, wenn auch die Trekkis und StarWars-Fans nicht viel Neues finden werden.
Und wer sich wirklich für den Grenzbereich zwischen Wissenschaft und (Aber-)glaube interessiert, ist mit einem Erich-von-Däniken-Buch für den gleichen Preis wesentlich besser bedient.
[1] http://www.apc-tcp.deUwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>