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Abschließend

Ist der neue Amiga noch ein Amiga?

Diese oft gestellte Frage verdient nur eine Antwort: Nein - natürlich nicht. Denn es gab, streng genommen, nur einen einzigen Amiga - den A1000. So, wie ihn Jay Miner (zusammen mit anderen) konzipiert hatte. Alle weiteren Modelle, angefangen vom A500 und A2000 bis hin zum DraCO als Extrembeispiel waren - von Jay Miner nicht gewollte - Abwandlungen, die, so oder ähnlich dürfte der Erschaffer es wohl gesehen haben, nur »rein zufällig« dasselbe Betriebssystem verwendeten und zum Original softwarekompatibel waren - wenn überhaupt. Denn seien wir doch mal ehrlich: Hat unser AmigaOS 3.5 noch sehr viel Ähnlichkeit mit der ersten Version 1.0 aus dem Jahr 1985? Rein äußerlich kaum, und wie hoch ist der Anteil der in den Anfangsjahren geschriebenen Amiga-Programme, die vollkommen problemlos auf einer heutigen Rechnerhardware lauffähig sind? Bei objektiver Betrachtung haben wir im Verlauf der letzten 15 Jahre mindestens zwei bis drei »neue Amigas« erlebt, ob wir das nun an den Betriebssystem-Versionen festmachen oder an der im Laufe der Zeit grundlegend veränderten Rechner- und Zusatzhardware, bleibt sich gleich. Und wie verhält es sich dann mit dem AmigaNG? Der AmigaNG ist ebenso sehr (oder wenig) ein Amiga, wie der heutige VW Golf ein aus den 70er Jahren stammender Golf der ersten Generation ist, oder, um gleich beim Automobil zu bleiben, der »New Beetle« ein VW Käfer.

Viel wichtiger als die anfangs gestellte Frage ist meiner Meinung nach folgende: VERDIENT der neue Rechner den Namen Amiga? Das wird die Zukunft zeigen. Eines jedoch steht fest: Der Amiga 1000 setzte bei seinem Erscheinen Maßstäbe - und die Menschen in Erstaunen. Er bot, speziell im Grafik- und Soundbereich, Möglichkeiten, mit denen bis dahin nur weitaus teurere Computer aufwarten konnten.

Wir müssen aber die veränderten Umstände berücksichtigen: In den Domänen des Original-Amigas, Grafik und Sound, ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen, zu schnelllebig ist die Entwicklung in diesen Bereichen - so ist etwa eine Grafikhardware, die heute auf den Markt kommt, in wenigen Monaten schon wieder veraltet.

Nein, in den nächsten Jahren wird etwas ganz anderes immer aktueller werden: Die zunehmend fortschreitende Vernetzung der unterschiedlichen techn(olog)ischen Geräte, bis hin zu deren Verschmelzung, indem sie eine einzige Rechen- und Steuerungseinheit nutzen. Damit verbunden ist die Notwendigkeit einer Lauffähigkeit von ein und derselben Software auf verschiedensten Hardwareplattformen.

Und exakt darauf, so sind die Pläne, ist der neue Amiga mit seinem extrem skalierbaren Betriebssystem, das sich gleichermaßen auf Handys wie auf Großrechnern nutzen lassen wird, ausgerichtet! Nicht nur, dass Programme, die in der plattformunabhängigen Sprache Java geschrieben sind, mit bis zu 22-mal höherer Geschwindigkeit abgearbeitet werden können als von irgendeiner anderen Java Virtual Machine; der »virtuelle Prozessor« lässt sich zudem ohne allzu großen Aufwand an andere Hardware-Architekturen anpassen und ermöglicht damit Plattformunabhängigkeit auf einer weiteren Ebene.

AMIGA ist dabei, sich in einem absoluten Zukunftsmarkt glänzend zu positionieren. Damit ist noch längst nicht gesagt, dass das Unternehmen Erfolg haben wird. Aber: Die Richtung stimmt.

Bis nächsten Monat,

euer

Carsten Schröder

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